Assetto Corsa im Test: Schattenseiten, Zukunftsaussichten und Fazit

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Test Christian Steingen - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Und los: In der ersten Kurve geht es meist eng zu!
Quelle: Kunos Simulazioni

Assetto Corsa - der neue Stern am Rennspielhimmel? Wir haben für den Test kräftig am virtuellen Lenkrad gedreht und uns auf den Asphalt begeben. Soviel können wir an dieser Stelle schon mal verraten: Rennsimulations-Freaks dürfte Assetto Corsa viel Freude bereiten, auch wenn der Spielumfang derzeit noch zu Wünschen übrig lässt.

Schattenseiten

In vielen Stunden im virtuellen Cockpit haben wir zig Rennen be­stritten und etliche Runden mit ver­schiedensten Fahrzeugen auf allen möglichen Strecken gedreht. Dabei stellte sich heraus: Das Fahren an sich macht wirklich Laune, einige Unzulänglichkeiten trüben aber das gute Gesamtbild. Viele Features wir­ken auf den ersten Blick sinnvoll, sind aber nicht zu Ende gedacht. Ein Beispiel ist der schon beschriebe­ne Karrieremodus: Es gibt aufgrund fehlender Belohnungen quasi keinen Anreiz, diesen überhaupt zu spielen. Auf der Strecke gibt es auch einiges zu bemängeln: Die KI verhält sich grundsätzlich gut, ist aber stellenwei­se viel zu aggressiv. An anderer Stelle dann aber wieder so defensiv, dass man sich schwer darauf einstellen kann.

Die Strecken stehen ihren realen Vorbildern in nichts nach. Im Bild: Spa. Quelle: Kunos Simulazioni Die Strecken stehen ihren realen Vorbildern in nichts nach. Im Bild: Spa. Im Karrieremodus muss man sich zudem oft durch das ganze Feld pflügen, um schließlich zu merken, dass sich zwei Fahrzeuge bereits so weit absetzen konnten, dass sie un­einholbar sind. Was uns zudem negativ aufge­fallen ist: Im Mehrspielermodus sind Boxenstopps möglich, im Ein­zelspielermodus jedoch nicht! Um das Problem zu umgehen, wurde die Rundenzahl für Offline-Rennen auf maximal 10 Runden beschränkt. Ausnahme: Wenn man die Spritver­brauchanzeige ausschaltet, dann darf man 60 Runden (ohne Stopp) fahren. Etwas merkwürdig ist eine Art Bestrafungssystem, das das Ab­kürzen verhindern soll: Verlässt man bei aktivierten Penalties die Strecke, wird man sofort eingebremst und muss für fünf Sekunden langsamer fahren.

Keine schlechte Idee, aber wenn man einen winzigen Fehler macht, der einen sowieso schon Zeit gekostet hat, wird man zusätz­lich bestraft und läuft durch das plötzliche Abbremsen Gefahr, noch schlimmer von der Strecke abzu­kommen. Stichwort Abflug: Das be­reits angedeutete Schadensmodell sieht zwar wirklich nett aus, jedoch hat die Optik eigentlich nichts mit den reellen Schäden zu tun. So pas­siert es, dass man von hinten leicht angeschoben wird und als Resultat dann die Frontscheibe splittert. Bei einem Abflug mit 200 km/h hinge­gen würde man erwarten, dass sich der Bolide in seine Bestandteile auflöst. Bis auf ein paar Kratzer und eine verzogene Lenkung passiert aber nicht sehr viel. Ansonsten stören immer mal wie­der Kleinigkeiten. So kann man zwar seinen Bildschirm schön konfigurie­ren, allerdings funktioniert dies nur während der Fahrt.

Das Spiel lässt sich zwar pausieren, aber dann sind die Einstellungen für den Bildschirm nicht zugänglich. In der Summe sind diese fragwürdigen Design-Entschei­dungen der Grund, warum wir dem Titel eine Einschätzung von "Sehr gut" verweigern müssen. Ärgerlich, denn Assetto Corsa hat eigentlich alle Voraussetzungen, Rennspielfans auf lange Zeit an sich zu binden. Hof­fen wir mal, dass die Entwickler auch weiterhin so zuverlässig Updates und neue Features liefern.

Zukunftsaussichten

Assetto Corsa ist keineswegs ein fertiges Spiel, das nach zwei Patches im Regal verschwindet. Wir wagen einen Blick in die Zukunft.

Weiterentwicklung und DLCs

Kunos hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass man zum Release eine bestimmte Menge an Fahrzeugen und Strecken mit in das Spiel packt, für die Zukunft aber weitere Inhalte nachliefern will. Das ist im Jahre 2014 nichts Besonderes, und stimmt angesichts des bisher verfügbaren Inhalts nachdenklich, schließlich kam da in letzter Zeit nicht allzu viel. Die momentane Strecken- und Fahrzeugauswahl ist zwar in Ordnung, auf lange Sicht aber etwas zu gering. Wer Kunos in sozialen Netzwerken folgt, wird aber feststellen, dass die Italiener es mit ihrem Vorhaben ernst meinen. Angekündigt ist eine Menge: Zum Beispiel eine lasergescannte Nordschleife - erste Bilder sehen sehr vielversprechend aus. Oder ein sogenannter "Dreampack DLC", mit von der Community gewählten Fahrzeugen.

Außerdem wurden Lizenzen von Audi, Nissan, Toyota und Lamborghini erworben. Das stellt wirklich einiges an zu erwartenden Inhalten in Aussicht. Darüber hinaus versprechen die Entwickler, das Spiel permanent zu pflegen und zu erweitern. Während der einjährigen Early-Access-Phase hat Kunos hinsichtlich Entwicklungsfortschritt eigentlich nie enttäuscht. Und: Bereits am 24. Dezember haben die Entwickler ein Update mit einem tollen Auto, den RUF Yellowbird, sozusagen als Weihnachtsgeschenk, nachgeschoben. Mit Steam ist eine zuverlässige und unkomplizierte Plattform für Updates und Erweiterungen an Bord. Wenn der Wind richtig steht, kann eigentlich nicht viel schiefgehen.

Modding
Mazda 787B gefällig? Fan-made content! Quelle: Kunos Simulazioni Mazda 787B gefällig? Fan-made content! Ein großer und wichtiger Punkt bei Assetto Corsa wird in Zukunft die Modbarkeit des Spiels sein. Schon jetzt (dank der Early-Access-Phase) gibt es z. B. bei racedepartment.com schon knapp 30 Autos und über 100 Strecken zum Herunterladen - von schwankender Qualität allerdings. Kunos hat sich das Thema "Modding" von Anfang an auf die Fahnen geschrieben und dem Spiel einen "Editor" beigelegt. Wer hier ein vollwertiges Tool zur Erstellung von 3D-Modellen usw. erwartet, wird schwer enttäuscht. Vielmehr sind die Modding-Tools von Assetto Corsa - der "ksEditor" - eine Hilfestellung, um die allerletzten Feinheiten für Shader und Texturen an fertigen 3D-Modellen einzustellen, bevor man diese in das spieleigene Format exportiert.

Dennoch, wir haben uns ein wenig eingearbeitet, und mit genügend Erfahrung in gängigen 3D-Programmen kann man tatsächlich mit überschaubaren Aufwand eine rudimentäre Strecke ins Spiel bringen. Wem das alles zu kompliziert ist, der kann sich natürlich bei der Community bedienen und darf teilweise echte Perlen genießen. Wie schon erwähnt beinhaltet die Release-Version von Assetto Corsa sogar ein ursprüngliches Modprojekt (Shelby Cobra) - einfach weil die Qualität der Arbeit so gut war. Für die Zukunft sind hier sicher gar keine Grenzen hinsichtlich neuer Fahrzeuge und Strecken gesetzt. Zum Vergleich: rFactor erschien 2005 und noch fast 10 Jahre später werden regelmäßig wirklich gute Modding-Projekte veröffentlicht.

Meinung

Wertung zu Assetto Corsa (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Authentische FahrzeugeDetaillierte, akkurate StreckenRealistische PhysikStimmige PräsentationTolles Force-Feedback-GefühlEinstellbarer SchwierigkeitsgradUmfangreicher Online-ModusModding-Community
Wenig StreckenFahrzeuganzahl durch inhaltlichSound etwas unspektakulärSchwache KIWenig langfristig motivierende SpielinhalteKonfuse Online-Rennen wegen nicht vorhandener Strafen
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  1. Seite 1 Assetto Corsa im Test: Klasse statt Masse
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    • Kommentare (18)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von mospider NPC
        Deshalb gibt es ja den Singleplayer-Modus. Es gibt aktuell nur 3 Spiele/Sims dieser Art. rFactor2, RaceRoom Racing Exp. und eben Assetto Corsa. Einen richtigen Karrieremodus gibt es bei keinem, weil es für die Zielgruppe eher uninteressant ist. Sowas zu bemängeln ist als wenn man einem Formel 1-Wagen ankreidet, dass er keine Sitzheizung oder keinen Zigarettenanzünder hat:-P.
      • Von mospider NPC
        Deshalb gibt es ja den Singleplayer-Modus. Es gibt aktuell nur 3 Spiele/Sims dieser Art. rFactor2, RaceRoom Racing Exp. und eben Assetto Corsa. Einen richtigen Karrieremodus gibt es bei keinem, weil es für die Zielgruppe eher uninteressant ist. Sowas zu bemängeln ist als wenn man einem Formel 1-Wagen ankreidet, dass er keine Sitzheizung oder keinen Zigarettenanzünder hat:-P.
      • Von Headbanger79 Mitglied
        Zitat von GorrestFump
        Danke für den Tipp! Das erscheint mir aber schon recht wackelig oder? Ich glaub ich werd sowas aber mal testen, für Playseat hab ich keinen Platz und auf Schreibtisch keinen Bock - bleibt eigentlich nur sowas oder Gamepad...
        Also so wacklig finden wir es gar nicht. Allerdings fahren wir immer mit "Automatikgetriebe", wenn du also auch noch manuell mit einem Schalthebel fährst, wäre evtl. ein stabilerer besser.
        Aber bisher sind wir sehr zufrieden. Klar, wenn du mal heftig gegenlenken musst oder voll in die Bremse steigen, dann wackelt es, für mich trägt das aber eher noch zum Realismus bei :D
        Und mir ging es halt so wie dir, für einen Racing Seat ist kein Platz da, und am Balkontisch war zwar die Höhe des Lenkrads OK, aber die Pedale am Fußboden sind eine Katastrophe, da bekommst ja Krämpfe.

        Von daher war das für uns hier eine sehr gute Lösung :-)
      • Von OldShatterhand Mitglied
        Zitat von mospider
        Die Motivation bezieht man aus eigenen Zielen und dem Multiplayer-Modus.
        Sieht wohl jeder anders. Mich z.b. juckt der MP nicht die Bohne.
      • Von GorrestFump Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von Headbanger79
        Fahren im Wohnzimmer, schau dir mal sowas hier an:

        SPEEDBLACK evo+ Lenksystem black: Amazon.de: Computer & Zubehör

        Haben wir seit 2 Monaten im Wohnzimmer im Einsatz (F1 2013 und Gran Turismo 5), funktioniert hervorragend, es gibt auch aber auch noch bessere und stabilere Wheel Stands)
        Danke für den Tipp! Das erscheint mir aber schon recht wackelig oder? Ich glaub ich werd sowas aber mal testen, für Playseat hab ich keinen Platz und auf Schreibtisch keinen Bock - bleibt eigentlich nur sowas oder Gamepad...
      • Von mospider NPC
        Den Karrieremodus als Kernstück des Spiels zu bezeichnen, zeigt dass so eine Sim nur schwer von Gelegenheitsfahrern bewertet werden kann. Ich kenne niemand der diesen mehr als nur kurz angespielt hat. Herzstück ist viel mehr die möglichst realistische Umsetzung. Die Motivation bezieht man aus eigenen Zielen und dem Multiplayer-Modus.
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