Anno 2070 im Test - Das hat uns gefallen - Seite 2
In Anno 2070 liegt die Vergangenheit hinter uns, die Zukunft steht vor der Tür: Wir haben uns in Kampagne, Szenarien und Endlosmodus ausführlich mit Anno 2070 beschäftigt. Unser Fazit: Das neue Anno ist moderner, schöner und komplexer als die Vorgänger. Aber auch trostloser.
Wunderschöne Grafik
Das wohl größte Kompliment, das man den Entwicklern machen kann, ist folgende Anekdote aus der Redaktion: Weil unsere Testversion die Grafiksteinstellungen beim Neustart zurücksetzte (ein Bug, der in der Verkaufsfassung nicht mehr auftreten soll), spielten wir Anno 2070 stundenlang auf mittleren Details - und waren trotzdem schwer beeindruckt von der virtuellen Pracht auf unserem Monitor! Nachdem wir dann auch den Schalter für die höchste Detailstufe im Menü gefunden hatten, waren wir vollends begeistert: Anno 2070 ist das bestaussehende Strategiespiel aller Zeiten und eines der hübschesten PC-Spiele dieses Jahres. Überall wimmeln liebevolle Details wie Regentropfen, die an Häuserfassaden abperlen, oder fröhlich aus dem Wasser springende Delfine.
Apropos Wasser: Bei der Wellendarstellung übertrumpft Anno 2070 seinen Vorgänger noch, indem es das kühle Nass physikalisch korrekt in Echtzeit berechnet. Dadurch schneiden Schiffe realistisch wirkende Fahrrinnen und nach der Explosion eines Kahns breiten sich Schockwellen vom Ort der Zerstörung aus. Stellenweise hat uns aber im Postkartenmodus (der Nahansicht ohne Benutzeroberfläche) der übertriebene Unschärfe-Effekt gestört. Außerdem sind viele Gebäude bei maximalen Grafikeinstellungen von einem inneren Glühen erfüllt, das wohl ein heimeliges Gefühl beim Betrachter erwecken soll, uns aber eher an die Nachwirkungen einer atomaren Reaktorkatastrophe denken ließ.
Wer zudem den farbenfrohen Stil von Anno 1404 geschätzt hat, dürfte beim Anblick einer Tycoon-Insel die Nase rümpfen: Fällt die Ökobilanz ins Bodenlose und verschmutzt die Insel, sieht Anno 2070 teils so dröge und finster aus wie die Tiberium-Felder eines Command & Conquer. Die abweisenden Häuserfassaden der Wolkenkratzer, in die sich die Bevölkerung ab der dritten Zivilisationsstufe zurückzieht, und das spröde, weil einfarbige Menüdesign unterstreichen diesen Eindruck der Kälte noch.
Quelle: Ubisoft
Wer erfolgreich und fleißig siedelt, der wird belohnt. Beispielsweise mit Boni für die Forschungsgeschwindigkeit.
Motivierende Online-Features
Für Anno 2070 haben sich Related Designs und Blue Byte Gedanken um das sogenannte Meta-Game gemacht: Das Spiel rund ums Spiel. Wer fleißig siedelt und Partien gewinnt, der steigt im Ansehen der drei Fraktionen. Dadurch erhaltet ihr kleine Boni für euer Spielerprofil wie neue Bilder oder Spielerfarben, aber auch Zusätze wie ein dauerhaftes Plus auf die Forschungsgeschwindigkeit in euren Labors. Außerdem stehen in der Anno-Online-Welt alle paar Wochen Wahlen an: Die Spieler stimmen darüber ab, welche der drei Fraktionen die virtuelle Weltregierung anführt, dementsprechend gibt es gruppenspezifische Boni für alle Spieler. Darüber hinaus steht jeden Tag eine andere Minimission bereit, die ihr im Freien Spiel zusätzlich zu den zufallsgenerierten Standard-Aufgaben erfüllen könnt - inklusive entsprechender Belohnung versteht sich. Schlussendlich verspricht Ubisoft, dass nach Veröffentlichung regelmäßig kostenlose Minikampagnen für Anno 2070 erscheinen. Eines dieser sogenannten Weltgeschehen durften wir bereits in der Beta spielen: In drei kampfbetonten Einsätzen ringen wir eine Terroristengruppe nieder, die nukleare Sprengköpfe in die Hände bekommen hat. Im Vergleich zu den komplexen Aufgaben in Szenarien und Endlosmodus enttäuschte diese Aneinanderreihung von Militäraktionen jedoch.
Quelle: Ubisoft
Auch wenn Anno 2070 vor Komplexität nur so strotzt: Einsteiger finden sich trotzdem recht zügig zurecht.
Vorbildliche Einsteigerfreundlichkeit, gute Nebenaufträge
Für die Art, wie Anno 2070 Serien-Neulinge an die Hand nimmt und sie Schritt für Schritt in die komplexen Abläufe des Aufbau-Strategiespiels einführt, dürfen sich die Entwickler gerne selbst auf die Schulter klopfen. Die Kampagne dient als mit Zwischensequenzen und einer Geschichte gewürztes Tutorial und nimmt sich viel Zeit, um dem Spieler sowohl die Anno-Grundlagen als auch die Besonderheiten des jüngsten Seriensprosses zu erklären. Doch auch, wer die Missionen überspringt und sich sofort in eins der Szenarien oder den Endlosmodus stürzt, wird auf hervorragende Weise an die Hand genommen: E.V.E., eine hilfreiche Computerdame aus Bits und Bytes, erweitert passend zu euren Aktionen einen umfangreichen Glossar um hilfreiche Einträge zu allen Aspekten des Spiels. Zudem gibt sie sowohl in Text- als auch in Sprachform Tipps und weist auf Missstände hin, etwa wenn ein Betrieb keine Rohstoffe erhält.
Zudem haben sowohl E.V.E. als auch eure computergesteuerten Mitspieler und Konkurrenten einen Fundus an optionalen Nebenaufgaben auf Lager, mit denen sie euch in regelmäßigen Abständen betreuen. Diese Quests reichen von einfachen Suchmissionen, bei denen ihr eine bestimmte Menge an auffällig markierten Bürgern in eurer Stadt herauspickt, bis zu mehrstufigen Lieferaufträgen, die euch über die gesamte Karte schicken. Diese zahllosen Aufgaben sorgen dafür, dass ihr euch nie fragt, was als nächstes zu tun ist; sie setzen Anreize und Ziele, auf die ihr hinarbeiten könnt. So werden die Partien selbst nach vielen Stunden nicht langweilig.
Missionsfortschritte bleiben erhalten
In der in drei Kapitel unterteilten Kampagne müsst ihr euch beim Ende einer Mission nicht von euren gebauten Gebäuden verabschieden: Innerhalb eines Kapitels bleiben alle Fortschritte erhalten, von der Position der errichteten Getreidefarmen bis hin zu zuvor eingerichteten den Handelsrouten eurer Schiffe. Dadurch entwickelt ihr eine viel stärkere Bindung zu eurer Insel als in Anno 1404, wo bei aufeinanderfolgenden Einsätzen vorgefertigte Städte zum Einsatz kamen.
Das Gefühl, seine einmal erreichten Erfolge zu behalten, wird durch die Arche verstärkt. Auf dieses schwimmende Hauptquartier ladet ihr beliebige Waren - nach Abschluss der aktuellen Partie stehen diese Güter im nächsten Einsatz von Anfang an zur Verfügung. Die Arche verfügt darüber hinaus über zwölf Sockel für mächtige Technologie-Upgrades, die ihr mit den Techs erforscht. Mit steigender Profilstufe schaltet ihr weitere Sockel frei, in die ihr dann Gegenstände einsetzt, die etwa alle eure Schiffe mit besseren Waffen und höherer Schildstärke ausstatten. Auch diese Technologien bleiben beim Missionswechsel erhalten.

Was für ein Blödsinn...