Anno 2070 im Test - Das hat uns gefallen - Seite 1
In Anno 2070 liegt die Vergangenheit hinter uns, die Zukunft steht vor der Tür: Wir haben uns in Kampagne, Szenarien und Endlosmodus ausführlich mit Anno 2070 beschäftigt. Unser Fazit: Das neue Anno ist moderner, schöner und komplexer als die Vorgänger. Aber auch trostloser.
PRO: Das hat uns an Anno 2070 gefallen
Unerhörte Komplexität
Statt wie bislang bei euren Aktivitäten als Stadtplaner aus einem oder zwei (Anno 1404) Pools an Gebäuden zu wählen, stehen euch in Anno 2070 gleich drei Fraktionen mit jeweils eigenen Produktionsstätten und Warenkreisläufen zur Verfügung. Zu Beginn entscheidet ihr euch zwischen den umweltfreundlichen Ecos und den profitorientierten Tycoons, später schaltet ihr noch die forschenden Techs sowie die jeweils andere Hauptgruppierung frei. Dadurch entstehen Metropolen, in denen Gebäude aller drei Gruppen nebeneinander stehen. Mit zunehmender Spieldauer gilt es immer mehr Bedürfnisse der drei Bevölkerungsschichten gleichzeitig zu befriedigen und die Bereitstellung von einem stetig wachsenden Warenbestand im Auge zu behalten. Dazu kommen weitere Stellschrauben wie Energieerzeugung, Ökobilanz und die Erschließung der Unterwasserwelt (siehe PRO-Punkt "Sinnvolle Neuerungen").
Wer befürchtet hat, dass die Entwickler bei Related Designs und Blue Byte die Anno-Serie mit Teil fünf für den Massenmarkt "weichspülen", darf somit aufatmen: Anno 2070 ist noch kleinteiliger, noch umfassender, noch komplexer als der Vorgänger aus dem Jahr 2009. Bis ihr wirklich alle Aspekte aller drei Fraktionen am eigenen Leib erfahren habt, vergehen locker 60 bis 80 Spielstunden.
Quelle: Ubisoft
Unter der Meeresoberfläche geht es diesmal weiter. Anno 2070 wurde um zahlreiche Aspekte erweitert. Nur die Unterschiede zwischen den Fraktionen fallen recht klein aus.
Sinnvolle Neuerungen
Neben den drei Fraktionen (deren spielerische Unterschiede größer hätten ausfallen können) ergänzt das Spiel die Anno-Formel um einige wichtige Aspekte. Zum einen wäre da die neue Spielebene unter der Meeresoberfläche, die den Orient aus Anno 1404 nahezu vollständig ersetzt. Wer sich nämlich ab der dritten von vier Zivilisationsstufen die Unterstützung der Techs gesichert hat, in dessen Werft laufen fortan U-Boote vom Stapel. Mit diesen taucht ihr ab und besiedelt begehrte Unterwasserplateaus, auf denen Rohstoffe wie Öl und Diamanten in unendlicher Menge bereitstehen. Wohnhäuser errichtet ihr in der Tiefe aber keine.
Auch an Land hat sich einiges getan: Alle Gebäude benötigen neuerdings Strom, den Ecos und Tycoons auf unterschiedliche Weise erzeugen. Die einen bevorzugen Windräder und Solarpanels, die anderen setzen auf Kohlekraftwerke und Atomreaktoren. Die Energiebauten nehmen kostbaren Platz ein, der von ihnen erzeugte Saft schränkt zusätzlich zum Vorrat der Baumaterialien die Menge an zu errichtenden Gebäuden ein. Überlegungen a la "Brauche ich wirklich eine dritte Werkzeugfabrik?" werden dadurch noch wichtiger als ohnehin schon.
Die Anzahl der Gebäude spielt auch bei Neuerung Nummer drei eine wichtige Rolle, denn jeder Betrieb verschmutzt zu einem kleinen Teil die Umwelt. Die Ökobilanz drückt diesen Verschmutzungsgrad in Zahlen aus: Bei einem negativen Wert wird das Bild düster, die Luft rußig und auf dem verseuchten Boden wachsen keine Früchte mehr. Ist die Zahl dagegen positiv, blüht und grünt es auf eurer Insel, Wildtiere hopsen zwischen den Gebäuden herum und eure Farmen produzieren einen satten Überschuss. Die Ökobilanz lässt sich zum Glück mit bestimmten Gebäuden beeinflussen - aber auch das kostet Knete und außerdem müsst ihr wie bei der Platzierung von Windrädern auf den Einflussradius der Bauten achten. Überschneiden sich die blauen Kreise zweier Gebäude des gleichen Typs, sinkt nämlich ihre Effektivität.
Quelle: Ubisoft
Anno ist schon immer für seinen Langzeitspielspaß bekannt. Mit dieser Tradition bricht Anno 2070 keineswegs. Auch hier könnt ihr wieder über Monate lang austoben.
Fantastischer Langzeitspaß
Sieben Szenarien (zwei davon exklusiv für Mehrspielerpartien) und der umfangreiche Endlosmodus beschäftigen den Spieler wochenlang: Jede der Einzelmissionen findet in einer riesigen Inselwelt statt und setzt euch astronomische Ziele wie den Bau eines Monuments (sündhaft teurer Superbauten) oder das Erreichen einer bestimmten Bevölkerungszahl. Das kann jeweils Stunden in Anspruch nehmen, da der Schwierigkeitsgrad der meisten Szenarien hoch ist und computergesteuerte Gegenspieler mit euch um die Inbesitznahme rohstoffreicher Inseln konkurrieren (anders als in der Kampagne).
Die Königsdisziplin der Aufbau-Strategie ist aber das Endlosspiel und hier zeigt Anno 2070 der Konkurrenz wie Tropico 4 klar ihre Grenzen auf. Die Menge an Bauoptionen und Features, die den Spieler im ersten Moment zu erschlagen droht, zahlt sich in diesem freien Spielmodus voll aus, denn es gibt für den Spieler immer etwas zu tun, zu optimieren, zu entdecken. Egal ob ihr einfach nur ohne jegliche Beschränkungen die perfekte Stadt errichten, oder eine kampfbetontes Partie gegen aggressive KI-Widersacher absolvieren möchtet: Vor Spielstart wählt ihr mit wenigen Mausklicks aus einer ellenlangen Liste an Einstellungen und Siegbedingungen die gewünschten Optionen aus, fügt Computergegner hinzu (alle mit eigenen Verhaltensweisen und Schwerpunkten) und bestimmt Weltparameter wie Inselgröße und Rohstoffreichtum. Die anschließend zufällig generierten Karten bieten jedes Mal ein frisches Spielerlebnis.
Überarbeitetes Militär
Wo in den Vorgängern der Kampfpart aufgrund umständlich zu befehligender Landtruppen und Soldaten mehr Qual als Wonne war, zeigt sich das Militär in Anno 2070 stark verbessert. Ihr zieht mit Schiffen, U-Booten und Flugzeugen in die Schlacht. Jeder Einheitentyp besitzt besondere Stärken und Schwächen; ein simples Stein-Schere-Papier-Prinzip liegt den Kämpfen zugrunde und ermöglicht taktische Winkelzüge. Für weiteren Tiefgang sorgen die aus Anno 1404 bekannten Gegenstände, mit denen ihr einzelne Schiffe verstärkt oder Spezialaktionen ausführt, etwa eine EMP-Bombe zündet. Diese Items dürft ihr neuerdings auch selbst herstellen - per Forschung in Tech-Labors.

Was für ein Blödsinn...