Gruppentherapie: im Chatfenster merken wir, dass alle ähnliche Problem haben.
Die größte Enttäuschung an Anno 1503 war die Tatsache, dass der versprochene Mehrspielermodus trotz zahlreicher Patches und Ankündigungen nie stabil implementiert wurde. Das ist bei Anno 1701 anders - bereits bei unserer Sneak Peek im September sorgte das Spiel im Netzwerk für viel Freude. Da aber viele Annoholiker nicht unbedingt im heimischen LAN Törtchen, Tabakwaren und Alkohol hin und her schaufeln, sondern dafür das Internet nutzen, unterzog PC Games an diesem Wochenende, zusammen mit sieben Lesern das Online-Spiel von Anno 1701 einem intensiven Test. Geboten werden zahlreiche Sieg- und Einstellungsoptionen, von den Piraten über die fremden Völker ist alles konfigurierbar.
Kann der Mehrspielermodus die Erwartungen erfüllen? Ja, aber. Und leider: das Aber muss groß geschrieben werden. Denn neben vielen Momenten mit einem breiten Grinsen vor dem Monitor war es auch nicht selten der Fall, dass alle Mitspieler ungeduldig auf den Tisch trommelten. Während sich Rohstoffengpässe im Einzelspielermodus durch die Plus-Taste angenehm verkürzen lassen, sorgen Sie nun bei fast allen Spielern gleichzeitig für Zwangspausen, auch mit mehreren Holzfällern und Ziegelein.
"Ein kurzes Spiel ergibt wenig Sinn, da man in der Zeit kaum dazu kommt eine starke Armee zu bauen. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt und versucht keine roten Zahlen zu schreiben.", resümierte Teilnehmer Matthias Pinkert. Tatsächlich: Ohne Zeitraffer ertappt man sich viel häufiger dabei, zum Überwinden langatmiger Phasen Gebäude zu bauen, obwohl das Kapital eigentlich noch nicht vorhanden ist.
So gerieten die Aufbau-Phasen unabhängig vom Können der Mitspieler sehr langwierig. Echte Anno-Fans stören sich daran natürlich nicht. Wir hätten es nett gefunden, bereits mit einem etwas ausgebauten Dorf und Siedlern anzufangen. Wirkliche Interaktion der Mitspieler untereinander gibt es vorher ohnehin kaum, und der anfängliche Aufbaupart gestaltet sich immer sehr ähnlich.
Gib mir Zeug, los!
Permanentes Problem für alle Spieler waren anfangs Werkzeug und später Ziegel. Bis der Freie Händler anlegte und Hämmer und Backsteine ablud, verging sehr viel Zeit. Auch der Werkzeuge in petto habende Schmied kam für unser Empfinden zu spät vorbei. Schlimmer noch: trotz gleicher Einstellungen im passiven Handel beehrte der Freie Händler einen Spieler mit vier Besuchen, bei einem anderen war in derselben Zeit nur eine kurze Stippvisite drin.
Genug der Balancing-Probleme? Von wegen! Die Verteilung der Startinseln fiel für die einzelnen Robinsons ebenso unterschiedlich aus. Die Zivilisationsstufe "Siedler" erreichten wir alle auf unserer ersten Insel, doch dann mussten einige Spieler fremde Eilande erkunden, während andere an Ort und Stelle Tabak erzeugen konnten. Natürlich kommt früher oder später niemand um die Expansion herum - aber gerade zum Anfang einer Partie ist eine Handelsroute der mit gefühlten zwei Stundenkilometern dümpelnden Schiffe tatsächlich ein Nachteil.







