Alan Wake 2 im Test: Ein traumhaft schöner Albtraum!
Warum Alan Wake 2, der Horror-Mystery-Thriller von Remedy, ein absoluter Hit ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Kapitel Sechs: Der Horror
Viele werden sich jetzt fragen, warum wir den Begriff "Horrorschocker" verwenden, schließlich ging's im ersten Part mehr um die Geschichte, gespickt mit ein paar wenigen Gruselabschnitten. Das ändert sich nun ordentlich. Alan Wake 2 ist düster, beklemmend und atmosphärisch erdrückend. In manchen Kapiteln jagt ein Jumpscare den nächsten. Wird dieses furchteinflößende Mittel inflationär häufig verwenden, nutzt es sich oft ab. Doch Remedy schafft es, ein durchgehend mulmiges Gefühl zu erzeugen. Richtig sicher fühlen wir uns nur in wenigen Gebieten. Auch bezüglich Brutalität nimmt die Fortsetzung stark zu. Einige Schauplätze triefen vor Blut und Leichen finden sich an allen Ecken. In den Kämpfen spritzt die rote Suppe ebenfalls ordentlich durch die Gegend. Für Zartbesaitete ist das Sequel auf alle Fälle nichts.
Kapitel Sieben: Das Rollenspiel
In der Spielwelt lassen sich dieses Mal etliche Dinge finden. Brotdosen, Kultverstecke und erneut die wichtigen Manuskriptseiten. Der ganze Sammelkram hilft uns jedoch tatsächlich weiter. Als Saga schalten wir beispielsweise Waffenverbesserungen frei. Dazu besuchen wir mit ihr den Gedankenraum und werten die Knarren auf.
Quelle: Remedy Entertainment
Aber Vorsicht: Die meisten Schießeisen fliegen uns nicht einfach zu, wir müssen in der Umgebung die Augen offenhalten sowie hin und wieder Codes für Schlösser aufspüren, um neue Wummen zu erhalten.
Mit Alan bekommen wir dagegen durch die aus dem ersten Teil bekannten gelben Pfeile Hinweise, wo sich bestimmte Graffitis verstecken. Haben wir die leuchtenden Kreise entdeckt, können wir sie anleuchten und dadurch Fertigkeiten freischalten.
Das reicht unter anderem von einem größeren Gesundheitsbalken über mehr Reichweite der Leuchtpistole bis hin zu mehr Stauraum im Inventar. Denn wir können nur begrenzt Batterien, Munition und Heilmittel mit uns herumschleppen. In beleuchteten Sicherheitsbereichen besteht zumindest die Möglichkeit, einige Gadgets zwischenzulagern, um sie später wieder ins Inventar zu packen.
Kapitel Acht: Die Spielwelt
In den größeren Abschnitten finden wir diese Räume, in denen wir das Spiel auch jederzeit speichern können. Die Areale der verschiedenen Kapitel vermitteln den Eindruck, riesig zu sein, sind es aber gar nicht.
Die offenen Welten bieten einen grandiosen Aufbau und wirken realistisch. Im ersten Teil fand ein Großteil des Abenteuers in dunklen Wäldern statt und bot relativ wenig Abwechslung. Nun aber sieht das komplett anders aus.
Neben dem beschaulichen Bright Falls verschlägt es Wake diesmal sogar in ein Stadtgebiet inklusive U-Bahn-Tunneln. Dark Place nennt sich der Ort, der ein wichtiger Bestandteil der Story ist. Alan Wake 2 bietet grandiose Abwechslung und vor allem auch tolle Hommagen an den ersten Teil.
Wenn wir durch Bright Falls schlendern, das Diner und die Polizeiwache besuchen, erkennen wir nicht nur, wie wunderschön die Kleinstadt aussieht, sondern treffen auch bekannte Charaktere von vor 13 Jahren.
Was ebenfalls direkt auffällt: Das Wetter verändert sich dynamisch. Da setzt hin und wieder Regen ein oder der Wind frischt auf. Das kann durchaus geskriptet sein, doch es trägt zur extrem authentischen Stimmung bei.
Kapitel Neun: Die Optik
Im Zusammenspiel mit der exzellenten Grafik entsteht so das wohl schönste Spiel des Jahres. Schon im Vorfeld wurde viel über die hübsche Optik gesprochen, seit dem Release können wir bestätigen, dass Remedy ein Meilenstein gelungen ist.
Egal, ob in dunklen Gebäuden oder lichtdurchfluteten Waldabschnitten, Alan Wake 2 setzt neue Maßstäbe. Die Beleuchtung mit Ray- und Pathtracing sorgt für beinahe fotorealistische Umgebungen. Alleine das herumwirbelnde Laub könnten wir den ganzen Tag bewundern.
Auch die Charaktermodelle sind toll gestaltet und deren Mimik, Gestik und Bewegungsabläufe sehen fantastisch aus. Die taffe Saga lässt sich nur schwer aus der Ruhe bringen, während wir bei Alan meistens einen beängstigten und verwirrten Ausdruck auf dem Gesicht erkennen. Das sorgt dafür, dass wir uns gut in die beiden Figuren hineinversetzen können. So viel Grafikpracht braucht allerdings auch ordentlich Hardware-Power. Doch wir können euch beruhigen, falls ihr denkt, dass Alan Wake 2 nur auf High-End-Rechnern mit der neuesten Grafikkarte läuft.

Zum Spiel selbst: Nach ca. 3 bis 4 Stunden muss ich sagen, dass ich den Test bisher nicht nachvollziehen kann. Den technischen Unterbau in allen Ehren, aber was mir in der kurzen Zeit negativ aufgefallen ist:...
Grundsätzlich stimme ich mit Deiner Ansicht aber überein: Ich war auch enttäuscht von Alan Wake 2. Das Gameplay ist mir zu flach, die Erzählung längst nicht so überragend, wie überall beschrieben. Viele Ansätze und Ideen sind durchaus gut - der Writers Room, das Profiling, die magische Lampe etc. Aber führt das in der Umsetzung zu mehr Spaß? Find ich nicht, irgendwie bleibt es halbgar. Man könnte das jetzt als interaktiven Film ansehen, aber selbst diesen Job macht das Spiel nicht wirklich gut; ich habe mich jedenfalls irgendwann gelangweilt. Für mich das schwächste Spiel von Remedy und nicht empfehlenswert, abgesehen von der tollen Grafik.
Zum Spiel selbst: Nach ca. 3 bis 4 Stunden muss ich sagen, dass ich den Test bisher nicht nachvollziehen kann. Den technischen Unterbau in allen Ehren, aber was mir in der kurzen Zeit negativ aufgefallen ist:
- Die deutsche Vertonung finde ich amateurhaft. Die Dialoge sind teilweise zum Fremdschämen "Magie gibt es nicht, es gibt keine Magie!!". Das ist stellenweise unterstes B-Movie Niveau, teilweise ist es ok, aber an keiner Stelle ein Meilenstein ...
- Die Untertitel sind total buggy. Saga SAGT "Nein ich hatte schon einen Kaffe". Im Untertitel steht: "Ja gerne". In der Animation nimmt sie keinen Kaffee ...Sowas passiert an vielen Stellen. Manchmal laufen Untertitel einer vergangenen Unterhaltung in einer Cutscene.
- Die Welt besteht aus nicht zusammenhängenden Locations. Zwischen diesen reist man automatisch per Animation. Ich kann nicht manuell die Open World bereisen. Das ist ok, man braucht nicht immer eine Open World, aber wenn man die Technik in den Himmel lobt, sollte man auch auf die Downsides eingehen. Ich war jedenfalls recht enttäuscht, weil es der Immersion schadet.
- Sound: Technisch irgendwie nicht in Ordnung. Leute stehen auf der Straße und reden und das klingt als würden sie in einem Wäschetrockner sitzen, komische Hall-Akkustik. Da waren Spiele vor 10 Jahren schon weiter und haben Hall gezielt eigesetzt in Tunneln etc.
- Gameplay: Die ersten 2 oder 3 Stunden sind vom Anspruch her unter einem Wimmelbild angesetzt (Weil man hier nur klicken muss und nicht suchen). Das gesamte Spiel ist theoretisch mit 2 Buttons und den Richtungstasten spielbar. Man läuft rum und klickt hervorgehobene POIs an. Entweder um Sachen zu sammeln, oder eben auf der Falltafel. Ma kann quasi nichts falsch machen. Das Spiel sagt einem, wann und wo man klicken muss. Jeder Hinweis oder jedes Item ist aus der Entfernung mit einem Lupensymbol versehen. Idiotensicher.
- Der Ablauf ist total linear: Ich kann nicht einen Schauplatz verlassen, wenn mir danach ist. Ich kann nicht einfach einen anderen Ort auf der Karte aussuchen. Erst wenn ich alle Klicks durchgeführt habe, die an einer Location vorgesehen sind, dann erscheint eine Dialogoption, den nächsten vorgegebenen Schauplatz zu bereisen. Andere Optionen habe ich dann auch nicht.
Der Spielablauf z.B. mit Saga ist also:
1. Alle Lupensymbole an einer Location anklicken und alle flimmernden Stellen mit der Taschenlampe braten.
2. Danach auf der Falltafel alles anklicken was neu ist und die Karten auf das Board schieben
3. Nächste Location und wieder bei 1 beginnen
Ab und zu kommen Gegner, die muss man blenden und erschießen. Hatte bisher 3.
Also mein bisheriges Fazit:
- Nette Grafikdemo
- Geniale Atmosphäre (Durch die Grafik)
- Die ach so geniale Story zieht bei mir nicht wegen des ganzen Fremdschämens und der größtenteils einfach unpassenden Dialoge. (Der Sherrif steht vor einem toten Officer im Leichenschauhaus und geht darauf garnicht ein, macht stattdessen einen Witz, dass man es dort allein nicht länger aushält? WTF??). Wie besoffen muss man sein, dass einen das nicht total nervt oder gar nicht auffällt??
Alan Wake 2 hätte mein All Time Favorite werden können. Die technischen Vorraussetzungen waren da. Das Setting hat mit 1000% abgeholt, ich liebe True Detective, Fargo, Twin Peaks und all diese Kleinstadt-Crime Mystery Sachen. Genau das hat AW2 technisch perfekt eingefangen. Und liefert dann bei dem wichigsten Element - der Story - nicht ab. Das ist für mich die Enttäuschung des Jahres geworden, nachdem ich kurz dachte, die Überraschung des Jahres vor mir zu haben.
Insgesamt überwiegt die Enttäuschung über so viel verschenktes potenzial. Der Ansatz ist ja super, aber die Umsetzung ist dann einfach daneben gegangen. Hätte man mehr auf die Qualität der Story und der Dialoge geachtet, hätte das Spiel schon wesentlich besser sein können. Ich habe mich auf eine dezente Mystery-Story gefreut, die intelligent ist und ein "erzählerischer Meilenstein". Warum gelten bei Spielen so andere Maßstäbe für Euch, als bei Filmen? Alan Wake ist einfach total plump bei der Story. Schon direkt am Anfang ist die Mystery kaputt, nachdem eine Leiche lebendig wird und Menschen angreift. Hätte man das nicht ein bisschen reifer aufbauen können, so dass es auch für Menschen über 14 interesant bleibt? Die Spannung ist dann halt sofort weg und aus Mystery wird supider Jump-Scare Horror. Ab sofort verhalten sich alle Protagonisten völlig unnachvollziehbar, der Sherrif macht witze während er fast über tote Kollegen stolpert und einer kommentiert das mit "Magie gibt es doch nicht oder? Es gibt keine Magie!" Unverständlich wie es solche Dinge ins Spiel geschafft haben. Der IQ von Saga springt während der Dialoge gefühlt zwischen 5 und 75 hin und her, so als würde sie ab und an einen Schlaganfall erleiden.
Ich verstehe einfach nicht, was - abgesehen von der Grafik - an diesem Spiel so gut sein soll. Alles schon besser gehabt, teilweise vor 20 Jahren schon. Bei Monkey Island konnte man wenigstens die Locations wechseln und hatte nicht das Gefühl, in einem interaktiven Schlefaz mitzuspielen.
Die tolle Technik hat auch einen riesigen Preis, der die Frage aufwirft, ob der technische Fortschritt wirklich Fortschritt ist, oder ob er erkauft wurde durch den Verzicht auf eine frei begehbare Welt und viele Einschränkungen, die aktuelle Spiele normalerweise nicht haben (künstliche Levelgrenzen, Wettersysteme, Tag- Nach).
Man kann so ein Spiel natürlich designen, aber dann muss man auch sicherstellen, dass - wenn es sich schon wie ein interaktiver Film mit vorgegebenem Ablauf (genau das ist es, kein Klick ist optional oder kann ausgelassen werden) spielt - dass es auch ein guter Film ist. Leider ist das Gegenteil der Fall. Selbst als B-Movie würde das überall zerissen werden und wer was anderes behauptet, der hat sich wohl von der schönen Grafik zu sehr blenden oder hypnotisieren lassen.
Es ist ne geile Grafikdemo, die Story ist seicht, die Dialoge geradezu schlecht, die Speicherfunktion ein schlechter Witz (Eigentlich braucht das Spiel garkeine Speicherfunktion, weil es keinen SInn macht, einen anderen Spielstand zu laden, als den aktuellen, weil man nichts falsch, anders oder nochmal machen kann. Das ist einfach ein linearer Schlauch und wenn man nach 3 Stunden hirnlosen Icons clicken plötzlich von einem Jump-Scare gekillt wird und dann 47 Hinweise nochmal neu auf dem Board verteilen muss (nochmal alle Mausklicks in der richtigen Reihenfolge wiederholen), dann bringt das spielerisch einfach nix und man fragt sich, warum das Teil nicht nach jedem Klick ein Autosave macht und gut. Das hat für mich mit Game-Design nix zu tun. Da steckt keine Herausforderung drin, das nervt einfach nur. Genau wie die verlogenen Tests der ganzen Fachpresse. Es kommen ja quasi nur noch Meilensteine raus, wenn es nach der Fachpresse geht. Fühlt sich an als wolle man die PC-Gaming Cash-Cow noch kurz zuende melken und dann weiter ziehen, weil man sich damit abgefunden hat, dass sie tot ist. Keinerlei Anspruch mehr. Bischen Raytracing irgendwo rein und tadaaa: Meilenstein. Schade, dass man Euch nicht mehr ernst nehmen kann.
Die habe ich durch durch Max Payne 2 lieben gelernt - sind Live der Hammer und leider zu unrecht Unterbewertet.
Apropos: ich warte immer noch auf Max Payne 4...
Bestes Album meiner Meinung nach: Revolution Roulette.
PS: Das Spiel bedient sich zwar klassischer Horror- und Mystery-Kost, aber bei mir wirkt es. Was Horrorgames angeht, war ich sowieso noch nie besonders dick befellt. :B
Die Story, die Aufmachung, Inszenierung etc. motiviert mich aber trotzdem sehr zum weiterspielen. Obwohl Saga etwas blass ist, finde ich.
Der Musical-Part war ja wohl das geilste, was ich seit langem in einem Spiel erlebt habe.