Retro-Special Alf: Wie die Serie das Happy End vermasselte - Kultserien-Special Teil 2

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Special Sebastian Göttling - Autor Lukas Schmid - Autor Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
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Quelle: Shout! Factory

In Teil 2 des Retro-Specials zur Kultserie Alf geht Autor Sebastian Göttling dem Merchandise auf den Grund und macht sich auf die Suche nach einem Happy End.

Natürlich gab es ebenfalls Buttons, Sticker, Poster und die gesamte Palette des Standard-Merchandisings. Ein Kuriosum waren die Kaugummis der Marke Topps. Nicht besonders lecker waren sie, wenn man Wrigley's oder Hubba-Bubba gewohnt war. Steinharte Klötze, die man minutenlang im Mund haben und mit Speichel erweichen musste, bevor man endlich mit dem Kauen beginnen konnte.

Hauptattraktion waren die enthaltenen Karten mit Sprüchen und Fotos von ALF. Darunter befanden sich vollkommen unverständliche Zeichnungen von Melmacianern, die irgendeinem Rasensport mit Fischen nachgingen. Tatsächlich handelte es sich um das Wortspiel Bouillabaseball, ein Kofferwort aus der französischen Fischsuppe und "America's Favorite Pastime", außerdem der Nationalsport auf ALFs Heimatplaneten.

In den USA sind Baseball-Sammelkarten beliebt und bekannt, doch für uns deutsche Kinder war das einfach nur mysteriös. In der absoluten Hochphase des ALF-Booms war das aber völlig egal. Wenn es wie auch immer geartetes ALF-Merchandise war, konnte es die Kassen zum Klingeln bringen, also wurde es auch in Deutschland verkauft, ganz egal wie rätselhaft.

Reibeisenstimme Tommi Piper, wie bereits erwähnt ein Gelegenheitsschlagersänger und in den 70ern Teil der Krautrock-Band Amon Düül, tat sich 1989 mit Dialogchef Siegfried Rabe zusammen, denn die deutsche Stimme von ALF hatte Schallplattenstar-Ambitionen.

Mehrere Hitsingles und sogar ein Album gab es mit klangvollen Titeln wie ALF wird unser Bundeskanzler, Tujujahe (Es tut so wohl, schön faul zu sein), Hallo ALF, hier ist Rhonda (eine Schmonzette mit Frauenstimme, in der sich das melmacianische Liebespaar, getrennt durch Lichtjahre und die Explosion ihres Planeten, musikalisch anschmachtet) und natürlich Alles null Problemo, Leute, weil die Catchphrase einfach nicht fehlen durfte.

1991 legte Piper ohne Rabe noch eine zweite Platte nach, ALF - Jetzt singe ich!, wo er unter anderem Bobby McFerrins Hit Don't Worry, Be Happy als Nimm's leicht, nimm's locker coverte und freizügig bei anderen Comic-Charakteren wilderte, zum Beispiel mit dem Titel ALFstark in Anlehnung an Werners Beinhart. Man war sich damals - genau wie heute - für nichts zu schade.

Doch meine beiden liebsten Retro-Merchandise-Artikel waren kuschelig-warm. Zum einen die himmelblaue Bettwäsche, mit einem großen ALF und dem unvermeidlichen "Null Problemo" auf dem Kissenbezug und vielen kleineren ALFs auf der Bettdecke. Nicht bloß toll für mich als Fan, sondern auch wirklich flauschig - und ich weiß, wovon ich spreche, denn bei Bettwäsche bin ich sehr wählerisch.

Das erste der ALF-Hardcover-Bücher. Quelle: Sebastian Göttling Das erste der ALF-Hardcover-Bücher. Das absolute Highlight aber kam vom Konsolen- und Elektronikartikel-Hersteller Coleco: ein relativ großer Plüsch-ALF, der in einem Pappraumschiff saß, eigentlich nur eine Art Halteteller. Diese ALF-Kuscheltiere waren bereits im Jahr 1987 in Asien in Produktion gegangen - und als sich 1988 der deutsche Erfolg abzeichnete, wurden die Produktionskapazitäten hektisch hochgefahren und Plüsch-ALFs containerweise nach Deutschland verschifft.

Ich weiß noch, wie ich meinen ganz persönlichen ALF fand: Als meine Eltern und ich im heimischen Kaufhof sahen, dass es meinen Lieblingsaußerirdischen nun im Maßstab 1:3 zu kaufen gab, war dieser mit seinen 69,90 DM eigentlich als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk vorgesehen.

Doch hier ging es um ALF und da konnte ich nichts dem Zufall überlassen. Also stürzte ich mich wühlend in den Plüschstapel und fand ein Kuscheltier, das anders war als alle anderen. Während manche ALFs eine abgeknickte Nase und andere schief stehende Knopfaugen hatten, war dieser eine ALF perfekt getroffen.

So als wäre er die makellose Vorlage für die Nähfabrik in Fernost, das Alpha-Muster. Wenn wir diesen perfekten ALF nicht unverzüglich mitgenommen hätten, wenn wir stattdessen auf das nächste größere Fest gewartet hätten, bei dem Kinder Geschenke bekommen, dann hätte irgendjemand anderes diesen Ultra-ALF abgestaubt. So konnte ich meine Eltern bequatschen, exakt dieses Exemplar unverzüglich zu besorgen und beiseitezustellen. Leider ist er nach meinem Auszug aus der elterlichen Wohnung irgendwann verloren gegangen, aber ein Foto und die Erinnerungen bleiben.

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    • Kommentare (7)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Johnny1138 Stille/r Leser/in
        Ich verbeuge mich vor dieser Retrospektive. Danke.🙏
      • Von Johnny1138 Stille/r Leser/in
        Ich verbeuge mich vor dieser Retrospektive. Danke.🙏
      • Von Norisk699 Gelegenheitsspieler/in
        Sehr sehr guter Artikel, danke!
        Aufwendig recherchiert scheinbar👍.

        Habe die Serie vor einigen Jahren komplett nochmal geschaut. Irgendwie gut gealtert...
      • Von Bonkic Mitglied
        Zitat von "quote"
        Vier Jahre heitere Abenteuer müssen nicht unbedingt ein Happy End nach sich ziehen
        nun...doch! das sollte meiner ansicht nach schon so sein. und zwar definitiv!
      • Von haep2 Hobby-Spieler/in
        Was für ein unglaublich umfassender und gut geschriebener Rückblick auf die Kult Serie. Wirklich schade, dass offenbar nahezu jeder, der damals darin gespielt oder damit gearbeitet hatte im Nachgang Alf gehasst hat…
      • Von Flatter Anfänger/in
        Zitat von Nevrion
        Max Wright habe ich danach nur noch in der ersten Staffel von Friends als Barkeeper wieder gesehen, bevor er dort (unkommentiert) verschwand. Eigentlich hat glaub ich der ganze Cast der Serie keine nennenswerte Karriere in TV oder Kino mehr erlebt.
        Ein Reboot der Serie würde heute wohl auch nicht mehr so funktionieren, weil sich einfach die Lebensumstände der Menschen geändert haben. Ein moderner Alf würde wahrscheinlich in so einer Art Patchwork-Familie landen und die Nachbarn wären sicher weniger ... ach, lassen wir das. Ich bin etwas angefressen von der heutigen Sitcom Industrie.
        Dem kann ich nur zustimmen
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