Knallig sind nicht nur die Explosionen, knallig ist auch die komplette Spielwelt von Ascarons Weltraum-Shooter, der sich mal eben so den Genre-Thron holt.
Kaum zu glauben, aber wahr - endlich dürfen Sie mal wieder Ihren wahrscheinlich inzwischen angestaubten Joystick aus dem Schrank holen, um sich in den Weiten eines riesigen Spieluniversums zu tummeln - Darkstar One sei Dank. Kaum flimmert das technisch ordentliche Rendervideo über den Monitor, kommt sofort Freelancer-Stimmung auf - ein dicker Frachter mit Geleitschutz, den plötzlich auftauchende Alien-Jäger angreifen! Und alles in bester Sprach- und Soundausgabe (Besitzer von 7.1-Anlagen dürfen sich auf entsprechende Klangunterstützung freuen), klasse!
Worum es in der spannend erzählten Story geht, die einen wesentlichen Bestandteil des Spiels ausmacht, verraten wir Ihnen nur am Rande, schließlich sollen Sie ja selbst in dem rund 300 Planeten umfassenden Spieluniversum herausbekommen, was es mit den Thul und dem drohenden intergalaktischen Krieg auf sich hat und wer für die Ermordung Ihres ... - ups, jetzt hätten wir um ein Haar doch zu viel verraten. Man merkt Darkstar One an, dass mit Claudia Kern (die Dame schrieb unter anderem den Perry Rhodan-Band 2.132) eine waschechte Sciencefiction-Autorin am Werk war.
Grenzenlose Führung
Obwohl es eine streng lineare Storyline gibt, dürfen Sie sich jederzeit ausklinken, um sich im All als Händler, Pirat, Schmuggler oder Kopfgeldjäger zu verdingen. Das macht in den ersten Stunden einen Heidenspaß, vor allem, weil sich Ihr Vehikel butterweich steuern lässt und Sie mit den verdienten Credits schnell an immer bessere Ausrüstung gelangen.
Regelrechten Sammeltrieb weckt Darkstar One mit den 100 im Universum verteilten Artefakten. Damit lässt sich das Schiff immer weiter ausrüsten - wie das genau funktioniert, erfahren Sie in unserem ausführlichen Testvideo. Sehr schön gemacht sind die so genannten Sidequests, die Sie auf den Stationen aufstöbern. Diese Missionen sind besonders herausfordernd und anspruchsvoll, dafür bekommen Sie aber auch eine extra große Belohnung, zum Beispiel den Schlüssel für ein verstecktes System.
Schlüssel? Richtig gelesen, anders als bei Freelancer springen Sie in Darkstar One von jedem beliebigen Punkt aus in den Hyperraum, um freigeschaltete Systeme zu erreichen. Die Freischaltung erfolgt zum größten Teil dadurch, indem Sie das Universum bereisen; für bestimmte Sektoren benötigen Sie jedoch besagte Schlüssel. So groß die Entdeckerfreude anfangs ist, nach einiger Spielzeit stellt sich eine gewisse Monotonie ein, da sich die Systeme innerhalb eines Rassengebiets (sechs Stück gibt's insgesamt) ähneln.
Das gilt ebenfalls für die auftretenden Gegner und die Charakterporträts, wenn Sie im All umherfunken. Spätestens jetzt ist es an der Zeit, wieder die Story aufzunehmen, um ein neues Gebiet aufzutun. Sobald Sie nämlich das Territorium einer anderen Rasse erreichen, sieht die Spielwelt völlig anders aus. Am Grundaufbau eines Sternensystems ändert sich jedoch in der Regel nicht viel: Zentraler Punkt ist immer die Handelsstation, auf der Sie alle Transaktionen durchführen - etwa die Annahme von Aufträgen, den Kauf und Verkauf von Ausrüstung und Handelswaren. Dazu gibt es noch Forschungs- und Asteroidenstationen, auf denen Sie aber nur in speziellen Fällen landen dürfen, zum Beispiel bei bestimmten Missionen.
Die großen Asteroiden lassen sich jedoch durchfliegen. Im Inneren, das immer gleich aussieht, finden Sie zum einen die begehrten Artefakte und zum anderen auch hin und wieder versteckte Frachtcontainer. Aber Vorsicht, das Sammeln dieser Container gilt als verbrecherischer Akt - bringt also Strafpunkte. Wer davon zu viele angesammelt hat, zahlt entweder eine Strafe oder zieht sich in Anarchiesysteme zurück. Dort baut sich Ihr Strafbalken langsam wieder ab. Der Story folgend, führt Sie das Spiel Stück für Stück durch alle sechs Rassengebiete. Dadurch entfällt eine langwierige Routenplanung, die beispielsweise bei Freelancer durchaus mal in stupides Abklappern von Wegpunkten ausartete.
Formbar
Altgediente Privateer-Fans trauern ihren lieb gewonnenen Schiffsmodellen hinterher, denn in Darkstar One fliegen Sie bis zum Schluss ein und dasselbe Schiff. Keine Frage, das Upgrade-System ist gut gelungen und Sie basteln sich damit ein durchaus individuelles Schiff. Da aber kein Wechsel möglich ist, kommt der Spieler nicht umhin, sich früh festzulegen, wie er den Flieger entwickelt. Das automatische Schiffsdesign ist zwar stimmig, aber es wäre noch schöner gewesen, wenn man selbst Bauteile hätte anbringen können.
Dafür stimmen die vielen Ausrüstungs- und Waffensysteme versöhnlich. Sehr schön ist die Option, auch während des Fluges am Schiff "herumschrauben" zu können - dabei können Sie etwa zwischen mehreren Waffentypen wechseln. Von Spezialausrüstungsgegenständen wie dem Reparatur-Bot dürfen Sie immer nur ein Exemplar an Bord haben. Sobald Sie einen solchen Gegenstand einsetzen, ist er verbraucht und Sie müssen erst wieder landen, um nachzukaufen.
Ein etwas größeres Arsenal wäre da schon komfortabler gewesen. Im normalen Raumkampf kommt man ganz gut ohne solche Extras aus, aber bei den recht anspruchsvollen Boss-Kämpfen geraten Sie schon ordentlich ins Schwitzen, da diese Burschen über besonders fiese Flugtaktiken verfügen. Wer sich ausschließlich um die Story kümmert, bekommt nach rund 20 Stunden den Abspann zu sehen.
Mein gutes altes Freelancer hat nun ausgedient. Jetzt jage ich Thuls.
Es gibt Momente im Spielerleben, da freut man sich wie ein Schneekönig: Zum Beispiel, wenn Genres eine Wiederbelebung erfahren, in denen man lange schmerzliche Entbehrungen hinnehmen musste. Nach drei Jahren findet das seinerzeit grandiose Freelancer nun endlich einen mehr als würdigen Nachfolger. Darkstar One erfindet zwar beileibe das Rad nicht neu - zu sehr ähneln die Standardmissionen oder das Stationsflair an Privateer und der Zeitbeschleuniger sorgt unter dem Namen SINZA schon seit drei Teilen im X-Universum für Erleichterung -, aber es besitzt genau die richtige Mischung, um ein actionreiches Weltraumspektakel darzustellen. Vor allem die gut erzählte Hintergrundgeschichte hält mich bei Laune. Ein klein wenig Schelte gibt es aber für die sich stets wiederholenden Charakterporträts und Schiffsmodelle, die man innerhalb eines Rassengebiets trifft.