Testbericht

24.06.2003 17:22 Uhr

Das Spiel zum Film im Test.

Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Sie durchdringt uns. Sie ist im Kino, im Fernsehen, auf DVD und jetzt auch auf unseren Computern - als mittelprächtiges Action-Adventure.

PC Games-
Spielspaß-Wertung
(Ausgabe 07/2003)
71%
Durchschnittliche
Lesertestwertung:
        
43 %

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Der Kinofilm setzt Maßstäbe, das Action-Adventure zum Film auch. Mit einem Budget von angeblich rund 30 Millionen US-Dollar zählt Enter the Matrix zu den teuersten Spielen dieser Tage. Und das sieht man: Wenn Spielheld Ghost in Zeitlupe an der Wand hochrennt, mit einem Salto zwei vermummte Polizisten niederstreckt und einem dritten per Handkantenschlag die Waffe entwendet, sieht das genauso spektakulär aus wie auf der Leinwand. Und dann wieder gibt es Stellen, wo nicht Bewunderung, sondern Unglauben die Kinnladen herunterklappen lässt. Doch von Anfang an.

Dynamisches Duo

In den Hauptrollen von Enter the Matrix: die Hovercraft-Pilotin Niobe und ihr Partner Ghost. Wie Trinity und Morpheus sind die beiden Kämpfer in der Computerwelt, wurden im Leinwand-Pendant allerdings nur als Nebendarsteller beschäftigt. Im Spiel wird ihre Geschichte parallel zur Story von Matrix Reloaded erzählt, stellenweise kreuzen sich die Drehbücher. Manche Abschnitte im Spiel sind ohne Filmkenntnis nur schwer zu verstehen, etwa, warum das Orakel in Gefahr ist. Umgekehrt führt Enter the Matrix einige Andeutungen von Reloaded weiter aus, beispielsweise den Kampf um das Kernkraftwerk. Um die Story ansprechend in Szene zu setzen, gibt es rund 45 Minuten Filmmaterial, das zum Großteil extra für Enter the Matrix mit den gleichen Schauspielern und an den gleichen Sets gedreht wurde. Dazu kommen zahlreiche Zwischensequenzen in der Spiel-Engine.

It's Bullet Time

Zwar können Ghost und Niobe mit Supermann Neo nicht ganz mithalten, beeindruckend sind ihre Kampfsportkünste aber allemal. Im so genannten Fokus verlangsamen Sie auf Knopfdruck den Zeitfluss. So weichen Ihre Schützlinge Kugeln aus, blocken Schläge oder Tritte ab und absolvieren Kunststückchen wie das erwähnte An-der-Wand-lang-laufen. Zumindest bis zum mittleren Schwierigkeitsgrad müssen Sie den Zeitlupeneffekt zwar nur an zwei, drei Stellen einsetzen und können Enter the Matrix ansonsten wie etwa Indiana Jones und die Legende der Kaisergruft spielen. Aber dann machen Sie es sich nicht nur unnötig schwer, sondern verpassen auch manche atemberaubende Szene. Da rast Ghost wie eine Rakete auf ein SWAT-Team zu und streckt den ersten mit einem Fußtritt zu Boden. Während die Kamera aus der Tomb Raider-Perspektive in die Seitenansicht wechselt, wirbelt er herum, um dem hinter ihm stehenden Gegner einen Kinnhaken zu verpassen, und schleudert den dritten schließlich mit einem Judowurf zu Boden.

Getrennte Wege

Je nachdem, für welchen Charakter Sie sich zu Beginn entscheiden, erleben Sie das Abenteuer aus einer anderen Perspektive. Zwar spielen sich die meisten Abschnitte mit Ghost und Niobe gleich, lediglich die Rollen sind im Spiel wie in den Zwischensequenzen vertauscht. Beispielsweise müssen Sie, wenn Sie als Ghost in die Geschichte eintauchen, im Spielverlauf Ihre Partnerin aus den Katakomben des Vampirschlosses befreien, in der Rolle der Pilotin umgekehrt ihren Freund retten. Ein knappes Viertel der Levels ist aber für beide Akteure grundverschieden. So klemmt sich Niobe bei Verfolgungsjagden hinters Steuer, während ihr Kollege die Autos der Jäger mit der Maschinenpistole beharkt. In manchen Missionen sind Sie auf sich allein gestellt, in anderen arbeiten Sie mit Ihrem Teamkollegen zusammen. So gibt Ghost Niobe mit einem Scharfschützengewehr Feuerschutz, während die sich ins Innere des Kernkraftwerks vorkämpft. Auch wenn es viele Gemeinsamkeiten gibt: Niobes Feldzug macht insgesamt den besseren, ausgefeilteren Eindruck.

Von A nach B gegen C

Ein typischer Level sieht so aus: Nach einer kurzen Zwischensequenz finden Sie sich in einem Raum wieder, wo Ihnen ein Sondereinsatzkommando einen heißen Empfang bereitet. Sie klemmen sich hinter den erstbesten Pfeiler und linsen per Tastendruck um die Ecke. Sobald ein Gegner in Reichweite kommt, heißt es Abzug ziehen und Daumen drücken, denn das Zielen nehmen Ihnen die Helden automatisch ab. Leider ist die Trefferquote dermaßen niedrig, dass Sie in vielen Fällen nur weiterkommen, wenn Sie entweder in der Ego-Perspektive Ihre Kontrahenten selbst anvisieren - dann können Sie sich allerdings nur noch seitwärts bewegen, und die träge Steuerung macht das Zielen zur Qual - oder sich im Fokus-Modus todesmutig mitten ins Getümmel stürzen und sich auf Ihre Kung-Fu-Künste verlassen. Sind alle Polizisten ausgeknockt, heißt es ausruhen, um Gesundheitspunkte und Fokuskonto wieder aufzufüllen. Und weiter zum nächsten Raum, wo sich das Spielchen wiederholt - bis zum nächsten Speicherpunkt. Schnellspeichern ist in Enter the Matrix nicht vorgesehen.

Abwechslung vom Alltag

Abwechslung vom Matrix-Alltag bringen Mini-Missionen wie die erwähnten Verfolgungsjagden. Die gibt es nicht nur im Auto, sondern auch per Pedes. Wenn Agenten auftauchen, heißt es Fersengeld geben, denn besiegen können sowohl Ghost als auch Niobe die Killerprogramme höchstens mit Tricks und viel, viel Glück. Besonders spektakulär sind die Zweikämpfe gegen die Zwischengegner. Gleich drei davon treffen Sie im Vampirschloss. Die Burschen können nicht nur deutlich mehr einstecken als das übliche Kanonenfutter, sondern teilen auch großzügiger aus. In solchen Momenten wird Enter the Matrix zum Prügelspiel à la Virtua Fighter. Weil die Bossgegner sich schnell auf Ihren Kampfstil einstellen, müssen Sie Ihre Tritte, Schlagkombinationen und Griffe abwechseln. Trainieren lohnt sich, denn nur, wenn Sie später einen besonders zähen Wächter aufs Kreuz legen, dürfen Sie einen Bonuslevel spielen. Selbst damit ist die Matrix allerdings ein kurzes Vergnügen: Im mittleren Schwierigkeitsgrad ist nach vier bis sechs Stunden pro Held Schluss.
(Rüdiger Steidle)
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Rüdiger Steidle

Die Matrix, Betaversion 0.9. Oder: wo ist nur all das Geld geblieben?

Enter the Matrix ist ein Lehrstück, wie Termindruck einen Hit-Kandidaten zum Zweitligisten degradiert. Wo ich auch hinschaue, überall kleine Schwächen, die die Entwickler mit etwas mehr Zeit locker hätten ausbügeln können. Sei es die durchwachsene Optik - mal bestaune ich ein schmuckes Vampirschloss, mal rümpfe ich angesichts kackbrauner Abwasserkanäle angewidert die Nase - sei es wegen des unausgegorenen Leveldesigns, das mir mal spektakuläre Kämpfe mit Trinity oder dem Wächter des Orakels beschert und mich dann wieder mit langweiligen Autofahrten gängelt. Am meisten ärgert mich, dass man auf die Feuergefechte und die Prügeleien so wenig Einfluss hat: Ein paar Mal auf die linke Maustaste gehämmert, und schon liegt der Gegner am Boden. Hätte Atari von dem gigantischen Budget etwas weniger in Fernsehspots und mehr in das Spiel gesteckt, Enter the Matrix wäre ein echtes Highlight geworden - und nicht nur ein nettes Action-Adventure.
Zum Profil von Rüdiger Steidle


6 Kommentarezum Artikel

Alle Kommentare lesen
Schisshase - 25.06.2003 19:09
Es gab sicherlich schon schlechtere Spiele, aber gäbe es ein Hype / Leistungsverhältnis würde ETM sicher einen neuen (Negativ)Rekord aufstellen.

MfG
Jukimon - 25.06.2003 17:50
Also ich fand das Spiel eigentlich auch ganz gut . OK manchmal verschicken die Kamerawechsel ein Bissel und die Grafik is au nich soo der Hammer aber sie is immer noch gut und läuft mit einer anständigen Performance auch auf älteren Rechnern... Was mich begeistert hat waren die Kung-Fu Kämpfe!!! Vor allem gegen die Vampier-Bosse oder gegen Trinity sind die Kämpfe schlichtweg genial!!! Wenn man in Zeitlupe durch den Kugelhagel fliegt und die Gegner mit Tritten und Würfen ausser Gefecht setzt dann fühlt man sich wie Neo in der berühmten Lobby-Szene aus Matrix 1. Die Polizisten sind aber leider viel weniger fordernd und oft nur Kanonenfutter. Das einzige was mich nennenswert gestört hat war die kurze Spieldauer aber hier gilt das gleiche wie bei MaxPayne: Lieber 6 spassige Stunden als 20 Stunden Langeweile!!!

wasserbauch - 25.06.2003 17:22
54 ?
Oh man, kein Wunder das keiner mehr Spiele kauft.
Wenn ich im Gegensatz dazu an die Zeit dachte als Spiele "nur" 80 Mark kosteten und dazu noch Extras dabei hatten, kommt es mir hoch...
Vor allem wenn es die Qualität von ETM hat.

wasserbauch
Kai2104 - 25.06.2003 16:21
Also ich hab das Spiel jetzt seit 2 Tagen und bin voll begeistert. Die Grafik is zwar nicht so super wie bei anderen aber es macht super Spass. Der Preis is nur etwas hoch bei den meisten Haendlern 54 Euro und im Mediamarkt dann fuer 49 bekommen. 44 hätten auch gereicht.
silencer1 - 25.06.2003 15:52
am 25.06.03 um 12:36 schrieb NeoAnderson:
EtM ist wohl eines der miesesten Spiele was ich seit einem Jahr gespielt habe.

Miese Steuerung, noch miesere Grafik und über die K.I. (worauf wir Menschen ja so stolz gewesen sein sollten) ist wohl absolut indiskutabel.

Es gibt auch gute Levels, wie das vom Merovingian, das war es aber auch schon.

Die Verfolgungsjagten sind aber der Tiefpunkt des Games, absolut langweilig und dazu noch hässlich.

Terminverschiebung hin oder her, selbst noch ein zusätzliches Jahr hätte nicht mehr viel verbessern können.

Ich hatte noch nie so einen Fehlkauf begangen und werde in Zukunft die Finger davon lassen.



Das kommt davon wenn man der Werbung glaubt. Schlechte Filmumsetzungen bin ich schon seit Highlander von Ocean (1986) gewohnt. Daher halte ich davon auch nichts.
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Allgemeine Infos

Name Enter the Matrix
Genre Actionspiel
Webseite http://www.enterthematrix...
Hersteller Shiny Entertainment
Anbieter Atari Germany (DE)
VÖ-Termin 15.05.2003 - zu diesem Produkt einen Lesertest schreiben!
Preis nicht bekannt
Plattformen: pc.gif
ps2.gifxbox.gif
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