Broken Age im Test - Endlich komplett, aber noch immer kein Hit
Aus großen Zielen wurde ein kleines Spiel: Tim Schafers Kickstarter-Vorzeigeprojekt ist endlich komplett. Im Test des zweiten Aktes von Broken Age prüfen wir, ob der Kickstarter-Erfolg halten kann, was er vor Jahren versprach.
So schnell kann die Stimmung umschlagen: Mit seiner wuchtigen Kickstarter-Kampagne erobert Tim Schafer Anfang 2012 noch die Herzen der Spieler. 22 Monate später folgt jedoch schon der erste Dämpfer: Sein mit drei Millionen US-Dollar gestütztes Projekt Broken Age bleibt hinter den Erwartungen zurück. Trotz kreativer Ideen, witziger Dialoge und prominenter Sprecher können weder Story noch Rätseldesign an Schafers frühere Werke (Grim Fandango, Day of the Tentacle) anknüpfen.
Auch die Kürze des Adventures stößt auf Kritik: Aus Kostengründen musste Schafer das Spiel in zwei Kapitel unterteilen, das erste kaum vier Stunden lang. Allerdings sei der zweite Teil bereits fertig geschrieben, lässt Double Fine schnell verlauten, er soll nach wenigen Monaten folgen. Doch daraus wurde nichts: Double Fine benötigt noch mal weit über ein Jahr, um das Spiel fertigzustellen. Und nun ist es endlich geschafft: Der zweite Akt wird für Käufer kostenlos nachgepatcht und verschmilzt so mit dem ersten Part zu einem kompletten Erlebnis.
Tipp: Hier geht's zum Test des ersten Aktes von Broken Age.
Rollentausch in alter Kulisse
Quelle: PC Games
In der zweiten Spielhälfte tauschen Shay und Vella die Locations - das führt zu unschönen Wiederholungen.
Die skurrile Geschichte knüpft nahtlos an das überraschende, offene Ende des ersten Aktes an. Das Besondere dabei: Diesmal ist es an der mutigen Vella, das "Raumschiff" Bossa Nostra zu erkunden. Der ungläubige Shay tobt sich derweil an den gleichen Orten aus, die Vella schon im ersten Akt bereist hat, darunter die Strandszenerie von Shellmound mitsamt der hübschen Wolkensiedlung Meriloft. Darin liegt aber auch das Problem des zweiten Aktes: Man sieht einfach zu wenig Neues. Zwar ist das Raumschiff nun in einem ramponierten Zustand und alle Räume haben sich dadurch verändert, doch im Kern ist das immer noch derselbe Ort, den wir schon mit Shay ausgiebig erforscht haben. Die wenigen neuen Locations lassen sich an einer Hand abzählen.
Gleiches gilt auch für die Charaktere: Nur eine Figur ist wirklich frisch und drei andere machen zumindest so interessante Veränderungen durch, dass man sie noch mal völlig neu kennenlernt. Doch der Rest der Besetzung ist altbekannt – egal ob kotzender Baum, fauler Wolkenguru oder sprechendes Essbesteck, sie alle hatten wir bereits getroffen. Auch der Story fehlt der Reiz des Neuen: Zwar liefert der zweite Akt viele Antworten auf offene Fragen und bringt die Handlung zu einem (leicht unbefriedigenden) Ende, doch so mysteriös und spannend wie der erste wird's leider nicht mehr. Der verheißungsvolle Schluss des ersten Kapitels hat somit mehr Erwartungen geweckt, als Broken Age liefern kann. Ebenfalls schade: Shay und Vella haben im gesamten Spiel kaum miteinander zu tun – ein kurzes, wortloses Aufeinandertreffen, schon sind die zwei wieder getrennt. Man spielt ihre Pfade daher größtenteils unabhängig voneinander und wechselt per Schalter zwischen ihnen hin und her.
Fordernder, aber nicht besser
Quelle: PC Games
Viele der umständlicheren Puzzles drehen sich um solche Roboter, die wir von Hand reparieren müssen.
Immerhin: Der zweite Akt ist mit vier bis sechs Stunden nicht nur länger als der erste, sondern auch kniffliger. Die Puzzles nehmen nun deutlich mehr Raum ein als zuvor, einige davon sind auch gut gemacht und folgen einer angenehm verschrobenen Logik. Einige Aufgaben geraten aber auch umständlich und fühlen sich eher so an, als sollten sie die Spielzeit strecken. Daran trägt auch die unelegante Maussteuerung Schuld, denn Double Fine verzichtet auf die genretypische Beschriftung für Hotspots und das Inventar fühlt sich immer noch an, als habe man es für Tablets konzipiert.
Überraschend gut auf Deutsch
Am ungewöhnlichen, aber hübschen Kinderbuch-Grafikstil haben die Entwickler natürlich festgehalten, ebenso an der hochwertigen orchestralen Musikuntermalung, die für viel Atmosphäre sorgt. Auch die bekannten Sprecher – darunter Jennifer Hale oder die US-Schauspieler Elijah Wood, Wil Wheaton und Jack Black – sind wieder mit von der Partie und vertonen die charmant-witzigen Dialoge gewohnt professionell.
Ganz neu ist nun auch eine klasse deutsche Sprachausgabe, die auffällig nahe am Original bleibt. Dickes Lob an Nordic Games, die für die deutsche Lokalisation verantwortlich zeichnen! Liebenswerte Figuren, flotte Dialoge, verrücktes Design – mit seinen alten Stärken kann Broken Age natürlich auch im zweiten Akt wieder punkten.Trotzdem bleibt am Ende die ernüchternde Erkenntnis: Ein neuer Klassiker ist Tim Schafer diesmal schlichtweg nicht gelungen.
Broken Age ist auch als DVD-Version im Einzelhandel erhältlich. Diese Version ist DRM-frei, enthält aber zusätzlich auch einen Steam-Key.
Die PS4- und PS Vita-Umsetzungen
Broken Age gibt's seit 28. April auch für PS4 und PS Vita (Cross Buy). Inhaltlich sind PC- und Konsolenversionen identisch. Im Test der PS4-Version zeigt sich: Die Steuerung per Gamepad funktioniert überraschend gut, man steuert den Mauscursor hier einfach mit dem linken Analogstick. Das geht nach ein paar Sekunden flott von der Hand. Die PC-Version lässt sich ebenfalls per Gamepad steuern, falls man diese Methode bevorzugt.
Die Wertungen
Broken Age wurde zwar zunächst in zwei Akten veröffentlicht, doch seit 28. April 2015 ist das Spiel nur noch vollständig erhältlich. Darum errechnen wir aus zwei Einzelwertungen die Gesamtnote.
Wertung Broken Age Akt 1: 76
Wertung Broken Age Akt 2: 72
Gesamtwertung: 74

Aber ich weiß auch nicht, ich habe nicht so wirklich verstanden warum es dafür so viel Geld gab, warscheinlich weil sich manche Leuten da immer noch eingebildet haben, das Genre sei tot gewesen
aber wehe ea, ubi oder irgendein anderer major vebockt (vermeintlich) irgendwas.
dann ist gleich die kacke mächtig am dampfen. wobei die nicht das vorgestreckte geld der gamer/ backer verprassen, sondern nur das eigene bzw das der aktionäre.
aber wehe ea, ubi oder irgendein anderer major vebockt (vermeintlich) irgendwas.
dann ist gleich die kacke mächtig am dampfen. wobei die nicht das vorgestreckte geld der gamer/ backer verprassen, sondern nur das eigene bzw das der aktionäre.
Und während Obsidian bei einem evtuellem neuen Kickstarter wahrscheinlich mit Geld zugeschüttet wird, dürfte es für Double Fine sehr schwer werden. Und dann gab es da ja auch noch das Early Access Debakel mit dem diesem Spacebase Spiel ...
Double Fine: Im Fadenkreuz der Fans - Wie das Studio seinen guten Ruf verspielte