Rollercoaster Tycoon 4 Mobile im Test: Ataris schamlose Appstore-Abzocke zum 15. Geburtstag
15 Jahre Rollercoaster Tycoon, 15 Jahre Aufbau-Spaß. Bis jetzt: Denn zum Jubiläum schenkt uns Atari eine kostenpflichtige App für iPhone und iPad, die alle schlimmen Befürchtungen der Fans spielend erfüllt - und durch ein unverschämtes Bezahlkonzept noch übertrifft. Besonders traurig: Ausgerechnet das namensgebende Achterbahn-Bauen verkommt zur Farce.
Ganze Generationen von Kindern wurden schon traumatisiert, weil zum Geburtstag statt des erhofften Ponys nur ein kratziger Pullover aus dem Geschenkpapier gewickelt wurde. Ähnlich müssen sich die Fans von Rollercoaster Tycoon fühlen, denn Teil 4 ist genau das: eine einzige Enttäuschung. Dabei sehnen sich Aufbauspieler seit Jahren nach einer Fortsetzung des gelungenen dritten Teils, der dank schmucker 3D-Grafik noch heute zu den Favoriten vieler PC-Games-Leser zählt. Die beiden ersten 2D-Spiele - von Transport-Tycoon-Schöpfer Chris Sawyer faktisch im Alleingang programmiert - gelten inzwischen als Kulttitel.
Aufbausimulation und Themenpark-Manager: Rollercoaster Tycoon und Planet Coaster
- Der Konkurrent im Test: Ist Planet Coaster besser?
- Das erste Rollercoaster Tycoon im Test: Ein Meisterwerk
- Rollercoaster Tycoon 2: Wacky Worlds Test: Themenpark-Aufbauspiel an touristischen Brennpunkten
- Rollercoaster Tycoon 2 Test: Fortsetzung des Aufbau-Klassikers von Chris Sawyer
- Rollercoaster Tycoon 3 Test: Aufbaustrategie-Klassiker erstmals in 3D
Das allererste Rollercoaster Tycoon ist am 12. April 1999 erschienen. Zum Jubiläum hat Atari besagte kostenpflichtige Spiele-App in den iTunes-Appstore gestellt: 2,69 Euro werden fällig. Das wäre an sich noch kein Skandal, im Gegenteil. Kostenpflichtige Apps sind üblicherweise von besserer Qualität als die meisten Free2play-Titel, die schon nach kurzer Zeit wegen der langen Wartezeiten unspielbar werden. Atari will beides: 2,69 Euro als Eintrittsgeld - und innerhalb des Spiels nochmal Kohle für In-App-Käufe. Sind die ersten Buden aufgestellt, sollen wir auch schon ein, zwei, drei, vier Stunden auf die Fertigstellung eines Restaurants oder einer Achterbahn warten. Beschleunigen lässt sich dies mit sogenannten Tickets, von denen man zum Start schon ein paar Dutzend erhält. Weitere Tickets muss man kaufen. Übersetzt: Wer nicht echtes Geld investiert, muss stundenlang Geduld haben - eine bewährte Mechanik solcher Spiele, von Farmville über Dungeon Keeper bis Hay Day.
Beim Abkassieren erweisen sich die Entwickler als besonders kreativ: Selbst das Umfärben von Achterbahn-Waggons von Rot auf Gelb kostet Ingame-Taler (die man sich ebenfalls für echtes Geld dazu kaufen kann). Auch der Rest von Rollercoaster Tycoon 4 Mobile vereint all das, was Spieler an (schlechten) Free2play-Apps hassen wie die Pest: Eisstände, Hotdog-Buden und Hotels werfen regelmäßig Geld ab, das man Farmville-typisch regelmäßig "ernten" muss. Das zwingt zum regelmäßigen Starten der App, ansonsten verfällt's. Jeder Pizza-Laden muss separat angetippt werden.
Der Kern von Rollercoaster Tycoon - das Achterbahn-Bauen - verkommt in der App zu einem echten Witz: Die Physik der Bahn ist völlig irrelevant. Zwar kann der Spieler die Schienen von Holz- und Stahlachterbahnen nach eigenen Vorstellungen verlegen, doch weder Kurvenlage noch Fliehkräfte noch Geschwindigkeiten werden auch nur ansatzweise simuliert. Beispielsweise darf man direkt nach dem Start einen Looping errichten, und die Bahn "funktioniert" trotzdem. Auch ansonsten wird so gut wie nix simuliert: Die Karussells drehen sich in Endlosschleife, die Besucher sind nichts als Platzhalter, die Achterbahn rattert nonstop über die Schienen. Das Spiel steckt zum jetzigen Zeitpunkt auch noch voller Schlampigkeiten und echter Bugs: Etliche Texte sind nicht übersetzt, abgeschlossene Quests werden nicht als solche gewertet. Und: Weil sich die farbenfrohe, schöne und zoombare 2D-Ansicht nicht drehen lässt, verkommt das Platzieren von Bäumen und Wegen zur nervigen Fitzelei.
Man möchte heulen.
Rollercoaster Tycoon 4 Mobile ist genau das geworden, was die meisten direkt nach der Ankündigung befürchtet haben: ein schlechtes "Farmville mit Achterbahnen" - noch dazu innovations-, charme-, lieb- und schamlos, erkennbar darauf ausgerichtet, Marke und Fans zu melken. Dieses Geburtstagsgeschenk hätte man sich schenken können. Allen Fans der Serie bleibt nur die Hoffnung auf ein "richtiges" Rollercoaster Tycoon 4, wie es Atari den PC-Besitzern versprochen hat. Atari, wir nehmen euch beim Wort!

Zum Glück nur das Cryptic rausgekauft wurde und Spiele mit nicht so extrem schäbigen Micropayment macht
Und dazu kommt dafür das für deren Spiele keinen Kaufpreis zahlen muss :-|
Aber ja, da wurde ja schon davor mächtig auf die Kacke gehauen
Ja das stimmt schon, wenn man sich den Wikipedia Eintrag so durchliest. Nach der Übernahme der Cryptic Studios und der Umfirmierung ging es halt sehr spektakulär zu bei Atari. Spektakulärer war da wohl nur die Insolvenz von Jowood.... :-B
Aber ja, da wurde ja schon davor mächtig auf die Kacke gehauen
Ich erinnere mich noch an die Neuauflage von Alone in the Dark. Mein Gott jeder der nur annähernd die ersten drei Teile gespielt hat beziehungsweise davon gelesen hat wusste das Alone5 wirklich kein Meilenstein wird...
The New Nightmare war ja noch ganz gut weil es wie im ersten Teil zwei Protagonisten zur Auswahl stellte aber Alone 5 - da hatte Atari damals schon auf´s falsche Pferd gesetzt...
naja, wenn man sich die Historie von dem was sich Atari nennt anschaut, eigentlich kein Wunder