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  • Auslaufmodell Retail-Version: Oftmals Riesen-Downloads trotz DVD-Kauf
    Quelle: PC Games

    Battlefield 1, Doom, Metal Gear Solid 5: DVD-Kauf schützt vor Riesen-Downloads nicht - ein Blick auf das Auslaufmodell Retail

    Große Downloadgrößen auch beim Kauf von Spiele-DVDs - ist der Retail-Handel bei Spielen überhaupt noch zeitgemäß oder wird alles nur noch online gekauft? Und was bedeuten die zunehmenden Download-Größen bei Spielen wie Doom, Battlefield 1 oder Metal Gear Solid 5 für Spieler mit langsamen Internetverbindungen? Eine Kolumne von Peter Bathge.

    Es ist eine schöne, neue Online-Welt, in der wir Videospieler heutzutage leben.

    Über Plattformen wie Steam, PSN oder Xbox Live haben wir Zugriff auf eine nahezu unendliche Anzahl an Spielen, von dicken Blockbuster-Produktionen über die interaktive Befriedigung von Nischenbedürfnissen bis hin zu charmanten Indie-Geheimtipps. Unsere Plattformen, egal ob PC, Playstation 4 oder Xbox One, sind permanent mit dem Internet verbunden. So erhalten wir ohne Verzögerung Patches, für die wir früher auf die nächste Monatsausgabe der PC Games mit Heft-CD warten mussten. Und beim Spielen können wir einfach fix auf Youtube nach einem Walkthrough-Video suchen, wenn wir in einem Level festsitzen.

    Auch andere Entertainment-Produkte finden über das globale Datenstrom-Netz den Weg zu uns nach Hause: Per Netflix die neuesten Serien im Stream anschauen, auf dem E-Reader das jüngst veröffentlichte Bestseller-Buch herunterladen, mit Spotify die Lieblingsmusik hören. Alles online, alles im Netz, alles rund um die Uhr verfügbar. Toll!

    Oder doch nicht?

    Spiele-DVDs ohne Inhalt

    Der Online-Fokus der Gesellschaft hat viele Vorteile, doch alle verschwinden sie, wenn die Internetverbindung streikt. Und was wenn sie vergleichsweise langsam ist? Dann dauert der Download eines Steam-Spiels schon mal einen halben oder ganzen Tag und große, automatisch heruntergeladene Patches zehren das limitierte Datenvolumen schneller auf als das Anschauen von Katzenvideos auf Youtube. Wer auf dem Land lebt, wo schnelle DSL-Leitungen von den Anbietern mit der Regelmäßigkeit einer Sonnenfinsternis verlegt werden, kann davon ein Liedchen singen.

    Die Lösung dafür ist eine bewährte: Einfach das Spiel im Einzelhandel kaufen, als Retail-Version mit DVD - so wie man das schon seit Jahrzehnten macht. Doch oh weh, eine schleichende Veränderung hat die Effektivität dieser Methode in den vergangenen Jahren beständig verringert. Denn die Zeiten der klassischen - und vor allem kompletten - Retail-Fassung neigen sich dem Ende entgegen. Käufer fühlen sich längst nicht mehr nur noch durch DRM-Methoden und Online-Aktivierungen gegängelt, die Problematik ist um einiges fundamentaler geworden: Das gekaufte Spiel befindet sich mittlerweile nur noch im Ausnahmefall in der Packung!

    Manche Retail-DVDs taugen nur noch als Bierdeckel, die Spieldaten kommen ohnehin aus dem Netz. Auf einen Silberling passen 4,7 beziehungsweise 8,5 Gigabyte (Dual Layer), Veröffentlichungen auf Blu-ray mit deutlich höherem Speicherplatz gibt's am PC nicht, denn die Laufwerke konnten sich nie durchsetzen. Es fehlte ein Äquivalent zu Rebel Assault, dass damals in den 90ern einen Boom von CD-Laufwerken in Spiele-PCs auslöste. Mit steigendem Speicherplatzbedürfnissen der Spiele setzte sich zwar anschließend noch die DVD durch, um Spielern schlimme Disc-Jockey-Momente zu ersparen, bei denen sie vier bis sechs CDs jonglieren mussten. Doch die zunehmende Verbreitung schneller DSL-Leitungen machte den anschließenden Schritt zur Blu-ray für viele Spiele-Publisher unnötig.

    Anders sieht es bei Playstation 4 und Xbox One aus, hier sind die blauen Scheiben seit der Playstation-3-Ära Standard. Am PC jedoch tummeln sich heutzutage in Spielepackungen drei oder gar sieben DVDs wie bei GTA 5 - oder gar keine wie bei Battlefield 1. Der Mehrspieler-Shooter von Dice und Electronic Arts wird in den USA nämlich ausschließlich als digitaler Download für den PC verkauft, die Box im Laden um die Ecke enthält nur noch einen Download-Code (davon ausgenommen: die Konsolenfassungen). In Deutschland gibt's dagegen voraussichtlich auch für PC-Spieler eine Disc zum Release von Battlefield 1.
    Battlefield 1 In den USA erscheint die PC-Version von Battlefield 1 komplett ohne Disc. In der Retail-Packung ist nur ein Origin-Download-Code enthalten. Quelle: EA / Dice Bei Blizzards Overwatch schlummern gerade mal vier Gigabyte auf der Installations-DVD. Bei Blizzards Overwatch schlummern gerade mal vier Gigabyte auf der Installations-DVD. Quelle: Blizzard Doch selbst wenn sich die Käufer neben ihrer Packung zum Ins-Regal-stellen auch noch über einen Silberling freuen dürfen - die Chancen stehen inzwischen schlecht, dass sich darauf ein funktionsfähiges Spiel befindet. Anders als auf Playstation 4 und Xbox One, wo die Plattform-Eigner Sony und Microsoft darauf pochen, Spiele rund einen Monat vor Release zu prüfen, herrscht auf dem PC ein munteres Free For All. Hier wird noch bis zum letzten Moment am Code gearbeitet. Der Grund ist einfach: Die meisten PC-Spiele benötigen inzwischen vor der Installation eine Online-Aktivierung bei Steam, Origin, Uplay oder Battle.Net. Und wenn die Spieler zu diesem Zeitpunkt eh zwingend im Netz sind, kann man sie auch zum Download eines Patches zwingen, der dann noch letzte Änderungen mit sich bringt. Anders sieht es im Konsolenlager aus: Hier lässt sich die überwiegende Mehrheit der Retail-Titel auch offline installieren und anschließend sogar ohne obligatorischen Day-One-Patch zumindest spielen. PC-Spieler haben dagegen in dieser Beziehung seit Jahren das Nachsehen.

    Die Folge sind gigantische Downloads trotz DVD-Installation. Immer öfter befindet sich auf den Datenträgern nämlich nur ein Bruchteil der Spieldateien, in manchen extremen Fällen noch nicht einmal das. Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain machte letztes Jahr am PC dadurch von sich reden, dass die PC-DVD lediglich das Steam-Installationsprogramm enthielt - mit einer Größe von sage und schreibe 8 Megabyte! Auch Retail-Käufer mussten so sämtliche Spieldateien aus dem Netz saugen, rund 30 Gigabyte. Und das gerade veröffentlichte Overwatch hat trotz 30-Gigabyte-Spielgröße lediglich vier Gigabyte an Daten auf der Disc. Beim Doom-Reboot von 2016 schrieb Bethesda die entsprechende Info vorsorglich schon mal in die Systemanforderungen, hier wurde ein 45-Gigabyte-Download am PC fällig. Die in der Packung enthaltene Retail-DVD? Nutzlos.

    Erboste PC-Kundschaft

    Man zahlt 20 € mehr für eine billige Verpackung. Derlei Geschäftspraktiken haben in der Vergangenheit für viel böses Blut zwischen Publishern und Käufern gesorgt. Beim Blick in die Kundenrezensionen auf Amazon.de tun sich Abgründe auf. Peer L. über Doom: "Weil man weder mehrere DVDs noch endlich einmal auf das modernere Medium Blu-ray setzen mag, wird hier wieder einmal ein Produkt unvollständig geliefert: Während die Xbox-One-Version nach einem knapp 6 GB großen Update und in Summe einer Stunde spielbar war, darf man bei der PC-Version 50 GB an Daten herunterladen, was bei einer 16-MBit-Leitung mal eben über 7 Stunden dauert - denn auf die DVD gehen komprimiert gerade einmal ~7 GB an Daten. Für mich ein No-Go."
    Doom (2016) Bei Doom müssen vor der Installation 45 Gigabyte an Daten aus dem Netz gesaugt werden - auch mit eingelegter DVD. Quelle: PC Games Gerade die hohen Preise vieler Retail-Spiele am PC stoßen den Spielern in Verbindung mit dem vermeintlich geringen Gegenwert sauer auf. Die Publisher dagegen freuen sich, denn sie sparen Vertriebskosten durch den Verzicht auf mehrere DVDs oder einzelne, teure Blu-rays. Ohnehin gibt die Spielepackung im DVD-Slim-Case ja schon seit den 2000er-Jahren ein ärmliches Bild ab. Der Hauptbestandteil: (heiße) Luft. Das Handbuch wurde in mehreren Schritten wegrationalisiert, erst zum schmalen Heftchen und dann zum Beipackzettel, inzwischen drucken viele Vertriebe nur noch einen Aufkleber mit dem Steam-Key ins Innere der PC-Verpackung. Einstmals enthaltene Goodies wurden konsequent in oftmals überteuerte Special Editions ausgelagert.

    Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain Konami erdreistete sich, die Metal Gear Solid 5-DVD lediglich mit einem acht Megabyte großen Steam-Installer auszuliefern. Quelle: PC Games Auch die Tatsache, dass eine Installation über DVD wie früher dem PC-Spieler keine Vorteile mehr bringt, sorgt für Frust. Nicolas Rose in den Amazon-Rezensionen zu Metal Gear Solid 5: The Phantom Pain: "Man [bekommt] eine billige Hülle, eine Disc mit einem Installer für Steam und einen CD Key auf einem Stück Papier. Thats it. Und dafür 63 Eier! Im Durchschnitt 20 Euro mehr als bei einem anderem neuen Game. Vorher wurde auch noch was von Karten usw. für die Day-One-Edition geschrieben, die gibts auch nicht. Das Pressen einer DVD kostet bei der Auflage ca 10-15 Cent. Konami spart sich also Kosten in Höhe von ca. 40 Cent, um so eine Grausamkeit abzuliefern? Was denkt man sich als Firma nur dabei? Den Key alleine bekommt man auch schon für 35 Euro im Netz. Das hier ist echt das Allerletzte."

    Allerdings mag sich auch nicht jeder diesem Standpunkt anschließen. Im Forum unserer Schwesternseite PC Games Hardware schreibt etwa Leser cryon1c: " Der Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, die Spiele werden größer. 100 GB werden als normal angesehen, weils auch normal ist. Und ich bin froh, wenn ich endlich die Durchschnittsgeschwindigkeit hier im Land als deutlich über 3,5 MB/s sehe, das wirkt sich auf den Fortschritt aus. Kein Speed? Keine 4K-Inhalte und keine Spiele-Downloads sondern noch vorhandene Retail-Versionen dazu, pfuj so was. Ja, das Internet kann mal ausfallen, auch bei mir. Dann hat man aber größere Sorgen als sein neues Spiel nicht laden zu können."

    Klar: Die Art und Weise, mit der viele Publisher ihre treuen PC-Kunden im Regen stehen lassen, ist beklagenswert. Fakt ist aber: der Online-Markt boomt. Die Zielgruppe für Retail-Releases scheint gerade am PC immer weiter zu schrumpfen. Steam eilt von einem User-Rekord zum nächsten. Auch weil sich die Preise im Sinkflug befinden: regelmäßige Sales-Angebote auf der einen und mal mehr, mal weniger legale Drittanbieter mit Dumping-Preisen auf der anderen Seite. Bei vielen PCs steckt zudem standardmäßig gar kein DVD-Laufwerk mehr im Gehäuse. Egal ob Programme wie Microsoft Word oder eben Videospiele: Alles wird aus dem Netz gesaugt. Die Dummen sind jene PC-Besitzer mit langsamen Internetverbindungen.

    Aussicht auf Besserung gibt es kaum. Als Mittel der Wahl bleibt gefrusteten Spielern lediglich der Verzicht auf Spiele mit derartigen Nutzlos-DVDs - in der vagen, immer schwächer werdenden Hoffnung, dadurch zu einem Umdenken bei Publishern wie Konami, Bethesda oder Electronic Arts beizutragen. Doch die Chancen dafür stehen schlecht, zu gewaltig sind die Wachstums-Raten des Online-Geschäfts und zu gering ist die Anzahl der Spieler ohne Turbo-DSL. Oder täusche ich mich? Schreibt mir in den Kommentaren, wenn ihr aufgrund Einschränkungen mit eurer Internetverbindung immer noch den Kauf von Retail-DVDs bevorzugt! Und wenn ihr schon längst nur noch per Download spielt, dann schreibt das ebenfalls.

    • Es gibt 127 Kommentare zum Artikel

      • Von LOX-TT Community Officer
        Zitat von huile
        Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal eine DVD oder CD in der Hand gehabt habe. Mein PC hat auch gar kein Laufwerk mehr und einen DVD Player für den Fernseher gibts bei mir auch schon seit Jahren nicht mehr. Für mich war früher der einzige Grund zur…
      • Von huile Benutzer
        Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal eine DVD oder CD in der Hand gehabt habe. Mein PC hat auch gar kein Laufwerk mehr und einen DVD Player für den Fernseher gibts bei mir auch schon seit Jahren nicht mehr. Für mich war früher der einzige Grund zur Retail-Version zu greifen die…
      • Von sniper-isa Benutzer
        "Battlefield 1, Doom, Metal Gear Solid 5: DVD-Kauf schützt vor Riesen-Downloads nicht - ein Blick auf das Auslaufmodell Retail" - Sollte man nicht vielleicht eher das mit den Riesen-Downloads abstellen?
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Battlefield 1, Doom, Metal Gear Solid 5: DVD-Kauf schützt vor Riesen-Downloads nicht - ein Blick auf das Auslaufmodell Retail
Große Downloadgrößen auch beim Kauf von Spiele-DVDs - ist der Retail-Handel bei Spielen überhaupt noch zeitgemäß oder wird alles nur noch online gekauft? Und was bedeuten die zunehmenden Download-Größen bei Spielen wie Doom, Battlefield 1 oder Metal Gear Solid 5 für Spieler mit langsamen Internetverbindungen? Eine Kolumne von Peter Bathge.
http://www.pcgames.de/Spielemarkt-Thema-117280/Specials/Retail-Download-1194618/
27.05.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2016/05/Retail-DVDs-Download-Kolumne-Teaser-pc-games_b2teaser_169.jpg
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