Meilensteine der Spielgeschichte - Eine Retrospektive des digitalen Hobbys (Teil 1)
Der Apple 2 war der erste Computer, der für ein Massenpublikum hergestellt wurde. Auf dem Rechner konnten Adventures von Sierra gespielt werden.
Sieht man sich heute in den Spiele-Foren um, trifft man vor allem auf eines: Kritik am Status Quo. PC- und Video-Spiele sollen schneller, besser, grafisch schöner sein - und das Ganze am Besten noch umsonst. Unschöne Bugs und fehlende Tiefe sind für heutige Gamer oft Anlass zu Klagen. Zu Recht. Bei all der Kritik, die wir heutzutage Entwicklern und Gamedesignern entgegen schleudern, gerät jedoch leicht in Vergessenheit, welch gewaltige und rasante Entwicklung das Medium Computerspiele eigentlich hinter sich hat. Höchste Zeit, wieder einmal innezuhalten und einen Blick zurückzuwerfen - zu den bescheidenen Anfängen des digitalen Zeitvertreibs.
Zwei Linien und ein Punkt - Die Vorläufer von Pong und Co.
Als der angehende Bauingenieur Konrad Zuse im Jahr 1941 den ersten Computer entwickelte, schrieb er Spielgeschichte. Dabei hatte der Erfinder bei der Entwicklung des Rechners mit dem Namen Z3 aber bestimmt keine neue Form der Massenunterhaltung im Sinn. Vielmehr sollte die Maschine die vielen, für den Ingenieurberuf notwenigen, Berechnungen übernehmen. Dennoch bemühten sich bereits zwei Jahre später zwei Techniker um die Programmierung der ersten Spiele. Mit der Entwicklung von OXO, einer simplen Umsetzung von Tic-Tac-Toe wurden die beiden Männer 1943 zu den ersten Pionieren auf dem Gebiet der Spiele-Forschung.
Mit Tennis for Two fiel 1958 offiziell der Startschuss für die interaktive Unterhaltung. Auf den Besuchertagen im Brookhaven National Laboratory stand das Publikum stundenlang Schlange, um wenige Minuten auf einem umgebauten Radargerät zu spielen.
Der inoffizielle Startschuss für das interaktive Medium fiel jedoch erst 1958 im US-Forschungszentrum Brookhaven National Laboratory. Als dem dort angestellten Physiker William Higinbotham die Idee kam, für den Tag der offenen Tür ein Computerprogramm zu entwickeln, in dem zwei Spieler in einem digitalen Tennismatch gegeneinander antreten können, dürfte ihm kaum bewusst gewesen sein, dass er damit den Grundstein zu einer Multimilliardendollar-Industrie legen würde. Higinbothams Spielkonzept für Tennis for Two war denkbar einfach: Mit Hilfe eines Steuerkastens konnten die Spieler auf dem Bildschirm eines 12,5 Zentimeter großen Oszilloskops einen Lichtpunkt über ein Netz hin und her schlagen. Trotz seiner primitiven Steuerung und simplen Grafik, sorgte Tennis for Two am Besuchertag für helle Begeisterung und lange Warteschlangen. Dabei hatten William Higinbotham und sein Kollege Robert Dvorak nur wenige Wochen in die Entwicklung des Games investiert. Das Ergebnis bestand lediglich aus zwei grünen Strichen und einem beweglichen Punkt vor einem schwarzen Hintergrund. Dennoch wurde mit Tennis for Two der Vorläufer bekannter Spieleklassiker wie Pong geschaffen. Die Geburtsstunde der Videospiele hatte geschlagen.
Das Medium Computerspiele unternahm seine ersten richtigen Gehversuche hingegen erst vier Jahre später. Als sich das Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Jahr 1961 mit dem PDP 1 einen neuen Computer zulegte, setzte sich der technikbegeisterte Studenten Steve Russel ein ehrgeiziges Ziel. Er beschloss auf dem neuen Computer, der schlappe 120.000 Dollar kostete und etwa die Größe eines PKWs hatte, das erste komplexe Computerspiel zu programmieren. Russels Projekt gelang. Mit der Unterstützung von Freunden und Dozenten entwickelte der Student im Jahr 1962 die Weltraumsimulation Spacewar; das erste Spiel, in dem klar zu erkennen war, was dargestellt werden sollte. In dem Spiel umkreisten zwei gegnerische Raketen eine Sonne. Die Schwierigkeit bestand darin, den Gravitationskräften der Sonne zu widerstehen und zugleich den gegnerischen Geschossen auszuweichen. Dabei verfügte der Spieler aber bereits über einige taktische Möglichkeiten. So waren mit etwas Feingefühl halsbrecherische Flugmanöver und Schüsse um die Ecke möglich. Außerdem wurde mit Spacewar die erste rudimentäre Physik-Engine für ein Computerspiel entwickelt. Gespielt werden konnte allerdings nur zu zweit, da eine eingebaute Intelligenz laut Russel zu viel Rechnerzeit verbraucht hätte. Ebenso wie sein Vorläufer Tennis for Two lief auch Spacewar noch nicht auf einem richtigen Bildschirm. Dieser Umstand trug jedoch zum besonderen Charme des Spiels bei. Der Weltraumkampf spielte sich nämlich auf einem echten Radarbildschirm ab. Das relativ einfach programmierte Spiel löste in Studentenkreisen große Faszination aus und fand bald eine Reihe von Nachfolgern. Auch der PDP-Hersteller Digital Equipment begeisterte sich für Russels Arbeit und legte jedem Modell des PDP 1 eine Version des Spiels bei. Trotzdem dauerte es noch etliche Jahre, bis die ersten Spiele auch kommerzielle Erfolge verbuchen konnten.


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