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  • VR ist nicht die Spiele-Zukunft - aber eine Technik, die trotzdem die Zukunft bestimmen wird

    Eine Spieleankündigung nach der nächsten, riesige Budgets, die von VR-Brillen- und Software-Herstellern in die neue Technik investiert werden und ein nicht zu geringer Hype unter erwartungsvollen PC- und Playstation-Besitzern: Redakteur Lukas Schmid glaubt dennoch nicht, dass VR die Spielewelt revolutionieren wird - aber auch nicht, dass der Trend sich einfach im Sand verlaufen wird.

    PlayStation VR, die PlayStation Kamera, zwei PlayStation-Move-Controller und das SPiel PlayStation VR Worlds. Sonys PlayStion VR ist ab Oktober für 399 Euro zu haben. Quelle: Sony Jetzt liegen sie also alle auf dem Tisch, die Release-Zeitfenster und Verkaufspreise der drei "Big Player" im VR-Geschäft: Sony gab auf der GDC bekannt, dass PlayStation VR ab Oktober für 399 Euro zu haben sein wird. Urgestein Oculus Rift wird (ohne Versand) 699 Euro kosten und befindet sich, da diese Zeilen geschrieben werden, kurz vor der Auslieferung an die Endkunden. HTC Vive (oder Steam VR, wie die Brille auch genannt wird) kommt auch bereits am 01. April und schlägt mit 899 Euro zu Buche.

    Geht man nach den vor Euphorie nur so strotzenden Aussagen der Hersteller von Hard- und Software, werden wir in Zukunft wohl nur noch mit Plastikgestell auf dem Schädel im Wohnzimmer sitzen oder stehen und uns nach City 17, Tamriel oder auf die Rennpisten von Project Cars und Co. begeben. Die Brillenmacher schmücken sich damit, ach wie viele Titel sich doch für ihr jeweiliges Gerät in der Mache befänden, auch Exklusiventwicklungen sind inzwischen keine Seltenheit mehr. So kommt die VR-Fassung von Star Wars: Battlefront etwa exklusiv für PlayStation VR. Riesige Summen wurden bereits in VR und die entsprechenden Spiele gesteckt, und das, bevor auch nur eines der (ernstzunehmenden) Produkte das Licht der Welt erblickt hat.
    Oculus Rift, der Sensor, ein Xbox-One-Pad und eine Fernbedienung. Oculus Rird wird abMärz ausgeliefert und kostet 699 Euro. Quelle: Games Aktuell
    Und auch die Analysten dieser Welt sind überzeugt von der Spiele-Zukunft der VR-Brillen. Sie gehen von bis zu fünf Milliarden Dollar Umsatz alleine im ersten Jahr auf dem Markt aus und fast 40 Millionen zahlungswilligen Kunden (wobei hier die Nutzer von mobilen VR-Brillen hinzugezählt werden).

    HTC Vive Die erste Auslieferungswelle von HTC Vive startet am 01. April. 899 Euro sind für das Gerät zu löhnen. Quelle: Games Aktuell Ist es also wahr? Ist VR die verheißungsvolle Spiele-Zukunft, die von manchen herbeigesehnt, von vielen erwartet wird? Meine kurze Antwort dazu lautet "Nein", die etwas längere "Nein, aber ...". Ich durfte nämlich bereits an mehrere VR-Spiele selbst Hand anlegen sehe keineswegs, wie diese das Medium dermaßen prägnant verändern sollen. Tatsächlich funktioniert nämlich genau ein Genre - beziehungsweise eine Art zu spielen - mit den Brillen gut. Es möge jetzt bitte niemand vom Stuhl fallen, wenn ich sage, dass es sich dabei um Spiele aus der Ego-Perspektive geht. So handelt es sich bei den zahlreichen, bisher angekündigten Spielen und Umsetzungen bekannter Titel für die drei Brillen auch zu einem beträchtlichen Teil um Shooter, Ego-Puzzler und vergleichbares, sei es ein EVE Valkyrie, ein Until Dawn: Rush of Blood, ein The Witness oder ein The Vanishing of Ethan Carter. Spiele aus 3rd-Person- oder anderer Perspektive sind zwar auch angekündigt, schon bei Demo-Sessions stellen sich Spieler aber mit Recht die Frage, welcher zusätzliche Nutzen sich in diesem Fall durch VR ergeben würde (es gibt ihn aber trotzdem - dazu gleich mehr!).

    15:38
    EVE: Valkyrie - Let's Play zur Alpha - Weltraum-Action für Oculus Rift

    Der Trend, auf den die Spiele-Welt gewartet hat?

    Und noch ein Trend fällt auf: Ein Großteil der VR-Spiele kommt ziemlich simpel daher. Große, anspruchsvolle Abenteuer traut man der neuen Technik - bisher - anscheinend noch nicht zu. Sei es, weil der visuelle Kontakt zum Steuergerät fehlt, sei es, weil die Gefahr von Motion Sickness größer ist, je komplizierter die Aufgaben sind. Auch daran, dass anscheinend noch niemand so recht weiß, wie die perfekte Steuerung mit VR-Brille aussieht, sieht man, dass die Hersteller hier noch Neuland betreten: Neben klassischen Steuergeräten experimentiert man unter anderen mit Bewegungscontrollern, Sensoren und Ganzkörper-Laufpads, auf denen wir tatsächlich am Fleck "durch die Gegend rennen". Würde ich meine VR-Prognose umdrehen, würde sie also lauten: Ja, VR wird die Spielewelt revolutionieren, sofern sich die Spielewelt ab sofort auf sehr einfache Erlebnisse aus der Ego-Ansicht zu beschränken gewillt ist. Ein Fest für alleinige Freunde von Walking Simulatoren, alle anderen dürften weniger begeistert sein. Für mache, kritische Spiele-Hersteller ist Virtual Reality in seiner aktuellen Form lediglich ein teures Gimmick.

    Ein Mann spielt mit zwei Bewegungscontrollern Oculus Rift. Die Hersteller sind sich anscheinend noch nicht bewusst, welche Steuerungs-Option am besten für Virtual-Reality-Brillen geeignet ist. Quelle: Oculus VR Aber so sehe ich die Sache dann natürlich auch wieder nicht, im Gegenteil. Ich bin mir sicher, dass die VR-Technik tatsächlich einen gewaltigen Einfluss darauf haben wird, wie wir Medien rezipieren - Medien wohlgemerkt, nicht Spiele alleine. Eine kleine Bekanntmachung anlässlich der Releasefenster- und Preisenthüllung von PlayStation VR ging im allgemeinen Gemurmel nämlich ziemlich unter: Jedes PlayStation-Spiel wird in Zukunft VR-kompatibel sein. Mit Brille auf der Nase soll man sich einen virtuellen Bildschirm vor die Rübe projizieren können, dessen Größe man nach Belieben verändern kann. Es bleibt abzuwarten, ob die grafische Qualität der Spiele nicht durch die zusätzlich benötigte Rechenleistung geschmälert wird. Mit entsprechendem Rechner und Oculus Rift beziehungsweise HTC Vive sollte dies aber kein Problem darstellen. Für HTC Vive wurde das Feature auch bereits bestätigt, eine Implementierung bei Oculus Rift sollte ebenfalls mühelos möglich sein.

    Eine neue Art, Medien zu rezipieren

    So viel Spaß ich auch bereits mit EVE Valkyrie, Wayward Sky und Co. hatte, löst diese kleine, unscheinbare Ankündigung bei mir wesentlich mehr Vorfreude aus. Wir können auf diese Weise immerhin jedes Spiel, das wir uns vorstellen, auf unsere ganz eigenen, virtuellen Kinoleinwand erleben - wie cool ist das denn (aufmerksame Leser bemerken, dass sich meine Ankündigung bezüglich Spielen ohne Ego-Ansicht auf diese Passage bezog)? Und keiner sagt, dass sich diese Möglichkeit nur auf Spiele beschränken muss, Filme auf diese Weise zu erleben, dürfte natürlich ebenso möglich sein.

    00:59
    HTC Vive in 58 Sekunden: Alles Wichtige zur VR-Brille


    Und das ist nur der Anfang eines Trends, den ich durch VR ausgelöst sehe: ich denke, dass HTC Vive, Oculus Rift und PlayStation VR der erste Schritt auf einem Weg sind, auf dem wir völlig neue Wege kennenlernen, Medien wahrzunehmen. Viele Spieler dürften bereits mittels simpler Smartphone-VR-Brillen 3D-Trailer mit Rundumblick erlebt haben und viele davon dürften - so wie der Autor - von der dadurch entstehenden Immersion wohl ziemlich beeindruckt gewesen sein. Mit "echter" Brille sind sowohl das Mittendrin-Gefühl als auch die technischen Möglichkeiten noch deutlich ausgeprägter. Auch Wissensvermittlung könnte dank VR in völlig neue Dimensionen vorstoßen, angefangen von simplen, virtuellen Museumsbesuchen bis hin zur Teilnahme an historischen Ereignissen ist alles möglich. Die Porno-Industrie hat VR natürlich ebenfalls für sich entdeckt - und ja, auch hier dürfte VR eine echte Revolution darstellen. Und was ist mit dem möglichen Einsatz bei Sportübertragungen, oder im Bereich der Musik? Man könnte etwa versuchen, die Klänge räumlich darzustellen, oder, oder, ähm ...

    HTC Vive, Sensoren und zwei Bewegungscontroller. Der Verkaufsversion von HTC Vive liegen, anders als jenen der anderen Hersteller, zwei Bewegungs-Controller bei. Quelle: HTC, Schwartz PR Ja, genau, oder ähm. Genau darauf will ich nämlich hinaus: Ich glaube, dass VR Möglichkeiten erlauben wird, Medien zu rezipieren, die wir uns aktuell noch gar nicht vorstellen können. Mehr noch, denke ich, dass sich völlig neue Mediengattungen durch die neue Technik ergeben könnten. Wie bei so vielen neuen Geräten gilt: Es braucht nur die eine, geniale Killer-App, die eine, revolutionäre Idee, und auf einmal ergibt sich ein neuer Standard in der Welt, den wir davor niemals für möglich gehalten hätten. Oder nach dem wir bisher kein Verlangen hatten. Anno 2006 hätte wohl auch niemand gedacht, dass wir in Zukunft einen Großteil unserer Internettätigkeiten vom Computer auf ein kleines Gerät in unserer Hosentasche ausgelagert haben würden. Oder, um noch weiter in die Vergangenheit zu gehen: Als 1896 der französische Kurzfilm L'arrivée d'un train en gare de La Coitat gezeigt wurde, erlebten die Zuschauer, die angeblich erschrocken zusammenfuhren als der Zug scheinbar in den Kinosaal raste, auch etwas ganz Neues.

    Eine spannende VR-Zukunft

    Frau mit PlayStation VR spielt mit zwei PlayStation-Move-Controllern. Sonys Fokus liegt klar auf Spielen. Dies, gepaart mit der vergleichsweise schwachen Technik der Brille und der PS4, könnten für Sony zum Problem werden. Quelle: Sony Nein, ich denke nicht, dass PlayStation VR, HTC Vive, Oculus Rift und die Geräte der zweiten Generation die Spielewelt revolutionieren werden. Ja, ich glaube, dass die Technik ein riesiger Erfolg wird, weil ich mir sicher bin, dass die Entdeckung eines völlig neuartigen Nutzens dafür vor unserer Nase liegt und es nur noch jemanden braucht, der ihn aufhebt. Der happige Preis vor allem der beiden PC-Geräte mag derzeit noch ein Hindernis sein, mit einer Preissenkung in nicht allzu ferner Zukunft ist aber wohl zu rechnen. PlayStation VR ist derzeit der klare Favorit auf dem Markt, primär aufgrund des vergleichsweise niedrigen Kostenpunktes. Ob das Gerät diese Position auf lange Sicht halten wird, ist jedoch fraglich. Die Sony-Brille könnte durch den sehr klaren Fokus auf Spiele und ihre beschränkte technische Kapazität leicht ins Hintertreffen geraten, sollten die anderen Brillenhersteller dereinst beschließen, die selbstauferlegte Beschränkung auf den Spielemarkt abzustreifen. Klar, damit gewinnt Sony kurzzeitig den Massenmarkt - das selbsterklärte Ziel, mit dem man auch die schwächere Technik rechtfertigt - zukunftsträchtig ist die Strategie aber nicht.

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    Playstation VR: Hardware-Features im Video


    Aber vielleicht irre ich mich ja. Vielleicht schweife ich mit meinen Wünschen nach einer revolutionären Idee ja zu sehr in die Weite, vielleicht findet sich diese ja in der Spielebranche selbst; nur, weil ich mir den genialen Einfall noch nicht vorstellen kann, der die Art, wie wir spielen, für immer verändern wird, heißt das ja nicht, dass es ihn nicht gibt - ein Punkt, den ich in meiner Kolumne hoffentlich darlegen konnte. Aber seien es Spiele, Filme, Musik oder was ganz anders: Ich bin mir sicher, dass VR eine Technik ist, die gekommen ist, um zu bleiben. Und wie auch immer sie sich entwickeln wird: Ich bin gespannt und freue mich darauf, ihre Weiterentwicklung mitzuerleben.

    • Es gibt 16 Kommentare zum Artikel

      • Von Panth Erfahrener Benutzer
        Ich denke, dass VR sich nicht durchsetzten wird wegen den Generationsunterschieden. Stellt euch mal vor, was passiert, wenn der Partner/das Kind/ der Vater usw. plötzlich mit ihrer Brille da sitzen, gruselig vor sich her grinsen und die Äußere Welt außen vor lassen, das ist schon fast eine offene…
      • Von Starblaster Neuer Benutzer
        Niemand wird sich auf Dauer diese am Ende doch recht unbequemen Brillen auf den Kopf setzen. Die Abschottung gerade bei den oben genannten Brillen ist dauerhaft getragen so unbequem und den Leuten wird dann noch meist schlecht beim spielen. So toll der aha-Effekt zu Anfang auch sein wird. Man sieht es jetzt…
      • Von Honigpumpe Erfahrener Benutzer
        Ich kann mir bei den Wandersimulatoren noch immer nicht so richtig vorstellen, wie das gehen soll, daß man sich zwar einerseits in der Spielwelt bewegt, realiter aber auf dem Sofa hockt. Wie geht das zusammen? Fühlt sich das gut an?

        Für Rennspiele oder Flugsimulatoren stelle ich mir VR genial vor.
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PlayStation VR
VR ist nicht die Spiele-Zukunft - aber eine Technik, die trotzdem die Zukunft bestimmen wird
Eine Spieleankündigung nach der nächsten, riesige Budgets, die von VR-Brillen- und Software-Herstellern in die neue Technik investiert werden und ein nicht zu geringer Hype unter erwartungsvollen PC- und Playstation-Besitzern: Redakteur Lukas Schmid glaubt dennoch nicht, dass VR die Spielewelt revolutionieren wird - aber auch nicht, dass der Trend sich einfach im Sand verlaufen wird.
http://www.pcgames.de/PlayStation-VR-Hardware-260158/Specials/VR-Spiele-Zukunft-Kolumne-1189724/
19.03.2016
http://www.pcgames.de/screenshots/medium/2015/06/Oculus_Rift_7-pcgh_b2teaser_169.jpg
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