Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020

37
Special Philipp Sattler - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020
Quelle: Microsoft

Im Rahmen der gerade gestarteten gamescom hatten wir die Gelegenheit mit Mathijs Kok, dem Produktmanager von Aerosoft, über kommende DLCs des Microsoft Flight Simulators zu sprechen. Warum der erste Flughafen kostenlos veröffentlicht wird, weitere DLCs oft teuer erscheinen und wo die Unterschiede zu den von Asobo direkt ins Spiel gebrachten Flughäfen und Flugzeugen liegen wird.

Wer in der Vergangenheit jemals was mit Flugsimulatoren zu tun hatte, dem dürfte der Firmenname Aerosoft ein Begriff sein. Bereits seit 1991 beschäftigt sich das Unternehmen mit Sitz in Paderborn mit Flugsims und hat seitdem Unmengen an Soft- und Hardware entwickelt. Darunter nicht nur Spiele, sondern auch professionelle Systeme, die bei der Pilotenausbildung zum Einsatz kommen. Und auch am Microsoft Flight Simulator sind sie indirekt beteiligt. Zwar kommt der MFS 2020 vom Asobo und wird von Microsoft vertrieben, die Retail-Version im Handel wird allerdings über Aerosoft vertrieben. Und auch bei der Entwicklung weiterer Flugzeuge und Flughäfen für den Flight Simulator 2020 haben die Paderborner ihre Finger im Spiel und nicht zuletzt arbeiten sie mit mehreren Hardware-Herstellern zusammen, um die Peripherie für Simulationen immer weiter zu verbessern. Wir haben uns im Rahmen der aktuellen gamescom mit Mathijs Kok unterhalten, dem Produktmanager bei Aerosoft. Der hat uns einige interessante Dinge verraten.

Zusammenarbeit mit Microsoft und Asobo

Aerosoft wusste erst durch die Ankündigung seitens Microsoft, dass überhaupt ein neuer Flight Simulator entwickelt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der MFS 2020 bereits über drei Jahre in der Entwicklung. Schon kurz darauf wurden die Entwickler von Aerosoft aber zu Asobo eingeladen und durften sich eine erste sehr frühe Preview-Version anschauen. Dabei fiel ihnen gesammelt die Kinnladen zu Boden. Denn keiner der Anwesenden von Aerosoft oder anderen eingeladenen Third-Party-Entwicklern war nach dem Ankündigungs-Trailer der Meinung gewesen, dass das Spiel tatsächlich so gut aussehen könnte. Man hatte damit gerechnet, dass der Trailer ordentlich mit Rendering aufgehübscht worden wäre.

Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (2) Quelle: Microsoft Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (3) Quelle: Microsoft

Beim SDK (Software Developer Kit) hat Aerosoft jede Menge Input gegeben. Denn im Gegensatz zu Asobo wussten sie natürlich genau, welche Funktionen benötigt werden, damit externe Firmen bestmögliche Arbeit beim Gestalten zusätzlicher Flughäfen und Flugzeuge abliefern können.
Überhaupt sei die Zusammenarbeit hervorragend. Man bekomme alle Unterstützung, die man braucht und hat stets einen kompetenten Ansprechpartner, wenn irgendwelche Unklarheiten auftauchen. Man profitiere gegenseitig von den Erfahrungen und Blickwinkeln des jeweils anderen.


Flughäfen als DLC

Der erste DLC, den Aerosoft für den MFS 2020 veröffentlicht, ist der Flughafen Paderborn/Lippstadt, an dem die Firma ihren Heimatsitz hat. Dieser wird komplett kostenlos für alle Spieler sein, was zwei Gründe hat. Zum einen wollen die Entwickler den Spielern damit etwas zurückgeben, da Aerosoft mit dem Vertrieb der Retail-Version des Flight Simulators bereits einiges verdient hat. Zum anderen wollen sie den Spielern, und zwar möglichst vielen Spielern, zeigen, wie stark sich die bis in kleinste Detail handgefertigten und extrem realen Flughäfen von den vielen generischen Airports im Flight Simulator unterscheiden.

Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (5) Quelle: Microsoft Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (7) Quelle: Microsoft Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (8) Quelle: WhiteLight506/Microsoft Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (9) Quelle: Trainplane3/Microsoft

Die Entwickler von Aerosoft sind allgemein sehr stolz auf ihre Flughäfen, von denen in den kommenden Monaten noch weitere veröffentlich werden. Sechs neue Flughäfen sollen noch 2020 veröffentlicht werden. Welche genau das sind, wollte uns Mathijs Kok aber nicht verraten. Zwar wären die von Asobo geschaffenen Flughäfen nicht schlecht, aber dank ihrer langjährigen Erfahrung wisse Aerosoft besser, auf was es den Fliegern ankommt. Beispielsweise die Gebäudehöhen, welche exakt der Realität entsprechen müssen, damit sich der Anflug genau wie in einem realen Flugzeug anfühlt. Auch müssen die Areale, die man auf der Anflugroute sehen kann, deutlich detailreicher sein als andere Gebiete. Die hohen Standards, die Aerosoft sich selbst auferlegt, ließen sich nicht mit Luftaufnahmen oder ein paar Fotos erreichen. Man benötigte detaillierte Baupläne und Unmengen an Bildern von allen Seiten. Jeder Flughafen, den sie ins Spiel bringen, wird vorher besucht und jede Ecke und Kante wird genau dokumentiert. Das sei auch der Grund, warum viele beliebte Flughäfen es nicht ins Spiel schaffen würden. Denn in einigen Ländern der Erde wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, solche Daten von öffentlichen Flughäfen zu bekommen. In anderen, wie beispielsweise Deutschland wäre das weit weniger problematisch.


Flugzeuge als DLC

Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (6) Quelle: Microsoft Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020 (6) Mit ihren eigenen DLC-Flugzeugen wollen die Entwickler einige Schwächen ausbügeln, die das Spiel derzeit noch hat. Die Flugphysik und Optik der aktuell im Spiel befindlichen Flugzeuge sei hervorragend. Allerdings mangelt es insbesondere den Airlinern noch an einigen Features. Auf Dingen wie den Navigations- und Flugleitsystemen liegt ihr das größte Augenmerk. Diese seien laut Mathijs Kok nicht wirklich gut umgesetzt worden. Und gerade bei neuen Flugsimulatoren sei es enorm wichtig, dass alles akkurat funktioniere. Welche Flugzeuge als erste als DLCs kommen sollen, konnte uns Mathijs Kok nicht exakt sagen, man arbeite aber mit Hochdruck an der CRJ (Canadian Regional Jet von Bombardier). Auch die A320, A330, A318 und A319 stehen weit oben auf der Liste an kommenden Flugzeugen. Allerdings wird es wohl eher Sommer 2021, bis diese alle im Spiel ankommen.


Sind Simulations-DLCs zurecht so teuer?

Angesprochen auf die hohen Preise von DLCs für Simulationen, erklärte uns Mathijs Kok, wie viel Arbeit in einem solchen Projekt stecke. So wäre für einen großen Flughafen ein Mitarbeiter mindestens ein Jahr lang beschäftigt, eher länger. Von der Beschaffung benötigter Daten, über die Besuche vor Ort und die Umsetzung aller Gebäude und Details wäre dabei sehr viel Arbeitszeit nötig. Zudem müssen die Studios diverse (Bilder-)Rechte einkaufen, um den Airport im Spiel originalgetreu darstellen zu können. Daher halten die Entwickler von Aerosoft die Preise für durchaus fair.
Bei den Flugzeugen wäre der Aufwand gar noch um ein Vielfaches höher. Um einen großen Airliner vom Reisbrett ins Spiel zu bekommen, könne man mit etwa 20 Arbeitsjahren (20 Mitarbeiter, welche ein Jahr daran arbeiten) und Investitionen weit über 500.000€ rechnen. Und zudem wollen sie ja auch noch ein wenig Gewinn mit ihrer Arbeit machen.

Was denkt ihr über teurere DLCs für den Microsoft Flight Simulator? Lohnen sich solche Investitionen oder reicht euch die Basisversion des MFS 2020?

37
    • Kommentare (37)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Herbboy Mitglied
        Zitat von fud1974
        Gut, braucht ja keiner die Militärmaschinen reinladen.. so gesehen ist kein offenes Spiel jemals "zivil", spätestens von den Moddern werden Militärmaschinen reingeschossen werden.
        Stell ich mir witzig vor, Golani mit dem Headset am PC : "Mein Name ist Kapitän Golobart Ani, herzlich willkommen an Bord meiner Lockhead Martin F-16CM zum Flug München - Moskau. Unsere Flugzeit beträgt etwa 55 Minuten. Bitte beachten Sie die Maskenpflicht während des Fluges - Getränke werden auf unserer heutigen Reise nicht angeboten. Nach dem überqueren der russischen Grenze rechnen wir mit schweren Turbulenzen durch Flak-Geschütze - bitte bleiben Sie daher die ganze Zeit angeschnallt. Ich wünsche Ihnen einen guten Flug." :D
      • Von Herbboy Mitglied
        Zitat von fud1974
        Gut, braucht ja keiner die Militärmaschinen reinladen.. so gesehen ist kein offenes Spiel jemals "zivil", spätestens von den Moddern werden Militärmaschinen reingeschossen werden.
        Stell ich mir witzig vor, Golani mit dem Headset am PC : "Mein Name ist Kapitän Golobart Ani, herzlich willkommen an Bord meiner Lockhead Martin F-16CM zum Flug München - Moskau. Unsere Flugzeit beträgt etwa 55 Minuten. Bitte beachten Sie die Maskenpflicht während des Fluges - Getränke werden auf unserer heutigen Reise nicht angeboten. Nach dem überqueren der russischen Grenze rechnen wir mit schweren Turbulenzen durch Flak-Geschütze - bitte bleiben Sie daher die ganze Zeit angeschnallt. Ich wünsche Ihnen einen guten Flug." :D
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von golani79
        Definitionssache .. wenn Militärmaschinen kommen, auch wenns "nur" von Drittanbietern sind, ist für mich der FS nicht mehr rein zivil.

        So hab ich das gemeint.

        Gut, braucht ja keiner die Militärmaschinen reinladen.. so gesehen ist kein offenes Spiel jemals "zivil", spätestens von den Moddern werden Militärmaschinen reingeschossen werden.
      • Von golani79 Mitglied
        Definitionssache .. wenn Militärmaschinen kommen, auch wenns "nur" von Drittanbietern sind, ist für mich der FS nicht mehr rein zivil.

        So hab ich das gemeint.

        Gesendet von meinem ONEPLUS A6013 mit Tapatalk
      • Von MichaelG Mitglied
        Die Militärmaschinen kommen nur über Drittanbieter. Die Entwickler vom FS 2020 (Asobo&Co.) haben schon eindeutig gesagt von uns nicht. Der FS bleibt zivil. Bleiben nur noch die Third Party DLC als Option.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von golani79
        Denke nicht, dass der FS2020 zivil bleiben wird.
        Ich vermute mal das "offiziell" keine Militärmaschinen kommen eventuell, aber von Drittanbietern kein Problem.

        Mit "zivil" ist wohl auch mehr gemeint dass innerhalb des FS2020 keine kriegerischen Handlungen bzw. auch nur Waffeneinsatz dargestellt werden sollen.
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk