Aerosoft Produktmanager Mathijs Kok über teure DLCs zum MFS 2020
Im Rahmen der gerade gestarteten gamescom hatten wir die Gelegenheit mit Mathijs Kok, dem Produktmanager von Aerosoft, über kommende DLCs des Microsoft Flight Simulators zu sprechen. Warum der erste Flughafen kostenlos veröffentlicht wird, weitere DLCs oft teuer erscheinen und wo die Unterschiede zu den von Asobo direkt ins Spiel gebrachten Flughäfen und Flugzeugen liegen wird.
Wer in der Vergangenheit jemals was mit Flugsimulatoren zu tun hatte, dem dürfte der Firmenname Aerosoft ein Begriff sein. Bereits seit 1991 beschäftigt sich das Unternehmen mit Sitz in Paderborn mit Flugsims und hat seitdem Unmengen an Soft- und Hardware entwickelt. Darunter nicht nur Spiele, sondern auch professionelle Systeme, die bei der Pilotenausbildung zum Einsatz kommen. Und auch am Microsoft Flight Simulator sind sie indirekt beteiligt. Zwar kommt der MFS 2020 vom Asobo und wird von Microsoft vertrieben, die Retail-Version im Handel wird allerdings über Aerosoft vertrieben. Und auch bei der Entwicklung weiterer Flugzeuge und Flughäfen für den Flight Simulator 2020 haben die Paderborner ihre Finger im Spiel und nicht zuletzt arbeiten sie mit mehreren Hardware-Herstellern zusammen, um die Peripherie für Simulationen immer weiter zu verbessern. Wir haben uns im Rahmen der aktuellen gamescom mit Mathijs Kok unterhalten, dem Produktmanager bei Aerosoft. Der hat uns einige interessante Dinge verraten.
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Zusammenarbeit mit Microsoft und Asobo
Aerosoft wusste erst durch die Ankündigung seitens Microsoft, dass überhaupt ein neuer Flight Simulator entwickelt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war der MFS 2020 bereits über drei Jahre in der Entwicklung. Schon kurz darauf wurden die Entwickler von Aerosoft aber zu Asobo eingeladen und durften sich eine erste sehr frühe Preview-Version anschauen. Dabei fiel ihnen gesammelt die Kinnladen zu Boden. Denn keiner der Anwesenden von Aerosoft oder anderen eingeladenen Third-Party-Entwicklern war nach dem Ankündigungs-Trailer der Meinung gewesen, dass das Spiel tatsächlich so gut aussehen könnte. Man hatte damit gerechnet, dass der Trailer ordentlich mit Rendering aufgehübscht worden wäre.
Beim SDK (Software Developer Kit) hat Aerosoft jede Menge Input gegeben. Denn im Gegensatz zu Asobo wussten sie natürlich genau, welche Funktionen benötigt werden, damit externe Firmen bestmögliche Arbeit beim Gestalten zusätzlicher Flughäfen und Flugzeuge abliefern können.
Überhaupt sei die Zusammenarbeit hervorragend. Man bekomme alle Unterstützung, die man braucht und hat stets einen kompetenten Ansprechpartner, wenn irgendwelche Unklarheiten auftauchen. Man profitiere gegenseitig von den Erfahrungen und Blickwinkeln des jeweils anderen.
Flughäfen als DLC
Der erste DLC, den Aerosoft für den MFS 2020 veröffentlicht, ist der Flughafen Paderborn/Lippstadt, an dem die Firma ihren Heimatsitz hat. Dieser wird komplett kostenlos für alle Spieler sein, was zwei Gründe hat. Zum einen wollen die Entwickler den Spielern damit etwas zurückgeben, da Aerosoft mit dem Vertrieb der Retail-Version des Flight Simulators bereits einiges verdient hat. Zum anderen wollen sie den Spielern, und zwar möglichst vielen Spielern, zeigen, wie stark sich die bis in kleinste Detail handgefertigten und extrem realen Flughäfen von den vielen generischen Airports im Flight Simulator unterscheiden.
Die Entwickler von Aerosoft sind allgemein sehr stolz auf ihre Flughäfen, von denen in den kommenden Monaten noch weitere veröffentlich werden. Sechs neue Flughäfen sollen noch 2020 veröffentlicht werden. Welche genau das sind, wollte uns Mathijs Kok aber nicht verraten. Zwar wären die von Asobo geschaffenen Flughäfen nicht schlecht, aber dank ihrer langjährigen Erfahrung wisse Aerosoft besser, auf was es den Fliegern ankommt. Beispielsweise die Gebäudehöhen, welche exakt der Realität entsprechen müssen, damit sich der Anflug genau wie in einem realen Flugzeug anfühlt. Auch müssen die Areale, die man auf der Anflugroute sehen kann, deutlich detailreicher sein als andere Gebiete. Die hohen Standards, die Aerosoft sich selbst auferlegt, ließen sich nicht mit Luftaufnahmen oder ein paar Fotos erreichen. Man benötigte detaillierte Baupläne und Unmengen an Bildern von allen Seiten. Jeder Flughafen, den sie ins Spiel bringen, wird vorher besucht und jede Ecke und Kante wird genau dokumentiert. Das sei auch der Grund, warum viele beliebte Flughäfen es nicht ins Spiel schaffen würden. Denn in einigen Ländern der Erde wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, solche Daten von öffentlichen Flughäfen zu bekommen. In anderen, wie beispielsweise Deutschland wäre das weit weniger problematisch.
Flugzeuge als DLC
Quelle: Microsoft
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Mit ihren eigenen DLC-Flugzeugen wollen die Entwickler einige Schwächen ausbügeln, die das Spiel derzeit noch hat. Die Flugphysik und Optik der aktuell im Spiel befindlichen Flugzeuge sei hervorragend. Allerdings mangelt es insbesondere den Airlinern noch an einigen Features. Auf Dingen wie den Navigations- und Flugleitsystemen liegt ihr das größte Augenmerk. Diese seien laut Mathijs Kok nicht wirklich gut umgesetzt worden. Und gerade bei neuen Flugsimulatoren sei es enorm wichtig, dass alles akkurat funktioniere. Welche Flugzeuge als erste als DLCs kommen sollen, konnte uns Mathijs Kok nicht exakt sagen, man arbeite aber mit Hochdruck an der CRJ (Canadian Regional Jet von Bombardier). Auch die A320, A330, A318 und A319 stehen weit oben auf der Liste an kommenden Flugzeugen. Allerdings wird es wohl eher Sommer 2021, bis diese alle im Spiel ankommen.
Sind Simulations-DLCs zurecht so teuer?
Angesprochen auf die hohen Preise von DLCs für Simulationen, erklärte uns Mathijs Kok, wie viel Arbeit in einem solchen Projekt stecke. So wäre für einen großen Flughafen ein Mitarbeiter mindestens ein Jahr lang beschäftigt, eher länger. Von der Beschaffung benötigter Daten, über die Besuche vor Ort und die Umsetzung aller Gebäude und Details wäre dabei sehr viel Arbeitszeit nötig. Zudem müssen die Studios diverse (Bilder-)Rechte einkaufen, um den Airport im Spiel originalgetreu darstellen zu können. Daher halten die Entwickler von Aerosoft die Preise für durchaus fair.
Bei den Flugzeugen wäre der Aufwand gar noch um ein Vielfaches höher. Um einen großen Airliner vom Reisbrett ins Spiel zu bekommen, könne man mit etwa 20 Arbeitsjahren (20 Mitarbeiter, welche ein Jahr daran arbeiten) und Investitionen weit über 500.000€ rechnen. Und zudem wollen sie ja auch noch ein wenig Gewinn mit ihrer Arbeit machen.
Was denkt ihr über teurere DLCs für den Microsoft Flight Simulator? Lohnen sich solche Investitionen oder reicht euch die Basisversion des MFS 2020?

So hab ich das gemeint.
So hab ich das gemeint.
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Mit "zivil" ist wohl auch mehr gemeint dass innerhalb des FS2020 keine kriegerischen Handlungen bzw. auch nur Waffeneinsatz dargestellt werden sollen.