Year Walk im Test: Albtraum-Adventure, aus dem man viel zu schnell erwacht
Als iOS-App gestartet, hat das morbide Grusel-Adventure Year Walk unlängst auch den Sprung auf den PC geschafft. Gute Nachrichten: Um herauszufinden, ob sich der Trip ins furchteinflößende Schweden lohnt, braucht ihr nicht selbst beim "Jahrwandern" einen Blick in die Zukunft riskieren: Unser Test samt Video-Review verrät euch, ob der Kaufpreis von fünf Euro bei Year Walk gut angelegt ist.
Wenn der erste Schnee fällt, ist das üblicherweise ein Grund zur Freude. In Year Walk unterstreicht das bauschige Weiß aber nur die freudlose, makabere Natur eines ungewöhnlichen Adventure-Spiels, das ursprünglich für Apples iOS-Geräte erschien. Wie ein Leichentuch verhüllt der Schnee eine trostlose Landschaft, durch die ihr in der Ego-Perspektive stapft. Euer Ziel: beim schwedischen Ritual des Årsgång einen Blick in die Zukunft zu erhaschen. Dass diese Vision ausgesprochen düster ausfällt, macht den Reiz von Year Walk aus.
Das Grauen im Wald
Quelle: PC Games
Gut gemachte Schockmomente verstören zwischendurch. Trotzdem ist Year Walk mehr Grusel- als Horrorspiel.
Der Plot von Year Walk ist dessen größte Stärke: Ohne viele Worte (und ohne Sprachausgabe oder deutsche Übersetzung) schickt euch Entwickler Simogo auf einen gespenstischen Streifzug durch menschenleere Wälder. Tod ist ein zentrales Thema der Handlung, ihr stoßt auf verlorene Seelen und begegnet Furcht einflößenden Kreaturen aus der nordischen Mythologie. Diese Aufeinandertreffen sind so geschickt inszeniert, dass ihr angesichts der plötzlich einsetzenden Musik unweigerlich erschaudert. Dennoch ist Year Walk kein knallhartes Horrorspiel; für den Großteil seiner kurzen Spielzeit hüllt sich das Adventure in eine unbequeme, vage gruselige Atmosphäre, die einen einerseits mit Unwohlsein auf zukünftige Ereignisse blicken lässt, andererseits aber auch neugierig macht, was da wohln noch so kommen mag.
Worum es in dieser mysteriösen Gespenstergeschichte überhaupt geht, wird erst ganz am Ende klar und haut unvorbereitete Spieler damit aus den Socken. Wir schweigen hier natürlich dazu, denn jede Information wäre ein glatter Spoiler. Nur so viel: Year Walk ist nichts für Kinder, die düstere Atmosphäre und die Auflösung der Story richten sich klar an Erwachsene. Clever: Durch einen raffinierten Kunstgriff verleiht das Lesen eines Tagebuchs der Handlung zusätzlichen Pfiff. Tipp: Unbedingt den Abspann zu Ende gucken! Kleines Manko: Das Ende erreicht ihr schon nach nicht einmal drei Stunden - Year Walk ist rekordverdächtig kurz, kostet im Gegenzug aber auch nur fünf Euro.
Quelle: PC Games
Für die Lösung der Rätsel ist es nötig, die Umgebung genau zu studieren und sich Hinweise zu merken.
Stift und Papier bereitlegen!
Seinen Adventure-Wurzeln zollt Year Walk durch die Einbindung von Kopfnüssen Tribut, verzichtet aber auf ein Inventar. Die Rätsel fallen simpel aus, erfordern jedoch Beobachtungsgabe und ein gutes Gedächtnis. Alternativ ist es von Vorteil, sich Notizen zu machen, etwa wenn es um die Übersetzung nordischer Runen in Zahlenwerte geht. An anderer Stelle ist genaues Zuhören gefragt, da manche Puzzles auf Basis von Tönen funktionieren.
Das ist alles sehr ideenreich umgesetzt und stets fair, da einem die mehrstufige Hilfefunktion des Spiels auf Wunsch Tipps gibt. Zudem behebt eine Karte Orientierungsprobleme, die zu Anfang auftreten. Year Walk hält sich nämlich nicht lange mit Erklärungen auf, sondern lässt den Spieler zu Beginn minutenlang durch die weiße Wildnis irren. Immerhin verrät eine Enzyklopädie Hintergründe zum Szenario. Das ergibt überraschend spannenden Lesestoff!
Trist, aber stimmig
Quelle: PC Games
Die mysteriöse Puzzle-Box rückt ihr Geheimnis nur widerwillig heraus. Tipp: Nicht verzweifeln, die Lösung kommt am Ende von ganz alleine!
Optisch setzt Year Walk auf einen interessanten Mix aus 2D und 3D: Ihr bewegt euch mit den WASD-Tasten auf einer flachen Ebene durch die Standbilder, dürft aber an bestimmten Stellen nach vorne oder hinten laufen, wo ein Pfad tiefer in den Wald führt. Dazu kommen einige wenige 3D-Modelle. Ein Lob verdient die Akustik: Durch das Fehlen von Sprachausgabe und die besondere Dialog-Inszenierung besitzt Year Walk den Charme eines Stummfilms, nur unterbrochen von der verstörenden Musikuntermalung und dem authentischen Knirschen des Schnees.
Die Technik der PC-Umsetzung ist derweil prima, auch wenn die ursprüngliche Touch-Steuerung die Interaktion einschränkt: Gegenstände lassen sich etwa nicht per rechter Maustaste untersuchen, es gibt immer nur eine mögliche Aktion. Dafür hat Entwickler Simogo die berührungssensitiven Rätsel gut an Maus und Tastatur angepasst. Allerdings fehlt eine Möglichkeit, die Tasten im Menü frei zu belegen – immerhin fügte ein Patch nach Release Tastenkürzel für die wichtigsten Menüs hinzu.
Year Walk gibt es ausschließlich als Bezahl-Download über Steam und kostet rund fünf Euro.
