XCOM 2: Angespielt - deshalb können wir es nicht erwarten, wieder tausend Tode zu sterben!
XCOM 2 gehört zu den potentiellen PC-Highlights 2016. Dieser Eindruck bestätigt sich auch beim Anspielen. PC Games-Redakteur Peter Bathge erklärt, warum. In unserer Vorschau erfahrt ihr, wie sich XCOM 2 spielt - außerdem könnt ihr euch noch einmal unsere Gameplay-Videos zum erhofften Taktik-Hit anschauen.
Die Musik ist fast schon zu pathetisch. Der mit Emotionen aufgeladene, mitreißende Soundtrack von XCOM 2 macht aus jedem Feuergefecht ein schicksalsträchtiges Duell, bei dem es um nichts weniger als die Zukunft der Menschheit geht. Dabei ist in der fiktiven Parallelwelt des Nachfolgers von Enemy Unknown doch eigentlich schon alles entschieden. Die Aliens haben gewonnen und die Erde besetzt, zusammen mit der Marionettenregierung Advent und deren Militärpräsenz kontrollieren die fiesen Außerirdischen das Leben von Milliarden Menschen. Nur ein kleines gallisches Dorf ... äh, eine kleine Rebellentruppe aus ehemaligen XCOM-Soldaten leistet noch Widerstand. Und wer führt diese zahlenmäßig unterlegenen Freiheitskämpfer an? Der Spieler natürlich. Wir haben im Dezember bei Publisher 2K Games und anschließend zu Hause mit einer weit forgeschrittenen Version schon vor der offiziellen Veröffentlichung am 5. Februar 2016 den Aufstand geprobt. Unser Fazit: XCOM 2 hat beste Chancen, einer der größten PC-Hits des Jahres zu werden!
Bekanntes Spiel, neuer Twist
XCOM 2 spielt sich anfangs vertraut. Immer noch nimmt es unsere vier- bis sechsköpfige Truppe aus Elite-Soldaten in rundenbasierten Taktik-Gefechten mit schlagkräftigen Aliens auf. Dabei müssen wir weiterhin auf Deckungsmöglichkeiten achten und uns vor desaströsen Flankenangriffen schützen. Doch mit zunehmender Spieldauer stolpern wir über immer mehr Detailänderungen, mit denen Firaxis die bekannte Formel frisch und abwechslungsreich hält. Da wären zum Beispiel die fünf Klassen. Eine davon (Psi Operative) war länger geheim, zwei weitere (Scharfschütze und Grenadier) folgen bekannten Mustern. Allerdings gibt es da noch den Spezialisten, der seine Drohne aus dem Hintergrund über das Schlachtfeld dirigiert. Mit dem kleinen Fluggerät erhöht er den Verteidigungswert von Verbündeten, stabilisiert angeschossene Kameraden für den Transport zurück in die Basis oder verteilt Stromschläge an Widersacher. Und der Ranger fügt dem bekannten Taktik-Schach eine ganz neue Ebene hinzu. Seine Nahkampfangriffe per Schwert lassen sich mit dem richtigen Talente-Cocktail aneinanderreihen. Der Ranger stürmt auf Gegner zu, schaltet sie aus und taucht anschließend wieder unter. Richtig gelesen, in XCOM 2 könnt ihr jetzt schleichen wie Sam Fisher zu seinen besten Zeiten!
Ausspähen und angreifen
Das funktioniert beim knapp dreistündigen Anspielen prima und geht sofort in Fleisch und Blut über. Statt euch wie im ersten Teil auf jeder Karte von einer Gegnergruppe zur anderen vorzuarbeiten und sie zu "triggern", könnt ihr jetzt viel taktischer agieren. Solange ihr dem mit roten Feldern gekennzeichneten Sichtbereich der nunmehr patrouillierenden Feinde fernbleibt, agiert ihr unentdeckt und könnt eure Soldaten in Stellung bringen. Dadurch fühlen sich die Einsätze weniger linear als im Vorgänger an. Ihr entscheidet selbst über den Zeitpunkt, wann die Waffen sprechen, und könnt so auch mal Widersacher umgehen, um euch zuerst näher ans Missionsziel heranzurobben. Neue Feinde sorgen dafür, dass ihr trotzdem nicht im Vorteil seid. Der überarbeitete Sektoid ist viel stärker als bei seinem Auftritt in XCOM: Enemy Unknown; er lässt tote Verbündete als Zombies auferstehen und führt Psi-Angriffe gegen Soldaten aus, die daraufhin in Panik verfallen. Derweil spalten sich die genetisch veränderten Advent-Truppen in normales Fußvolk, Nahkämpfer und Offiziere auf. Die Anführer verleihen nahen Untergebenen Boni, weshalb wir sie möglichst zuerst ausschalten.
Quelle: PC Games
Am Anfang eines Einsatzes sind die XCOM-Truppen im Stealth-Modus unterwegs. Einmal entdeckt, können sie sich nur mit Spezialtalenten wieder verbergen.
Wir haben die Technologie!
Dabei zuzusehen, wie der Konflikt zwischen Rebellen und Aliens nach und nach eskaliert, ist auch in XCOM 2 wieder ein großer Motivationsfaktor. In der nunmehr fliegenden Einsatzbasis, dem gekaperten Alien-Raumschiff Avenger, erforscht ihr im Spielverlauf neue Waffen und Rüstungen. Darunter ist auch das Exo-Skelett, ein unnachahmlich cooler Wink in Richtung Edge of Tomorrow, den Science-Fiction-Kinofilm mit Tom Cruise. Wenn ihr eure Truppen in diese gepanzerten Anzüge steckt, können sie schwere Waffen wie einen Raketenwerfer nutzen. Aber auch der Feind setzt verstärkt auf Flächenangriffe; eine neue Art Roboter verschießt mehrere Granaten, sobald eure Truppen zu nahe beieinanderstehen. Einen ähnlichen Artillerieschlag führt der fliegende Archon aus, eine neue Variante des Floaters. Und die schlangengleiche Viper zerrt Einheiten mit ihrer langen Zunge zu sich heran oder wickelt sie mit ihrem Körper ein wie eine Boa Constrictor. Derart umschlungene Einsatzkräfte sind auf die Hilfe ihrer Kameraden angewiesen. Darüber hinaus haben die KI-Widersacher den aus Enemy Unknown bekannten Vorteil: Haben sie euch erst einmal entdeckt, springen sie schnell in Deckung. Allerdings lässt sich diese Mechanik in XCOM 2 noch besser für eigene Zwecke nutzen, denn dieses Mal dürfen wir im Stealth-Modus Hinterhalte vorbereiten. Wir hatten immer wieder aufs Neue eine diebische Freude daran, die Männer und Frauen unter unserem Kommando unbemerkt in Position zu bringen, die bekannte Overwatch-Funktion zu aktivieren und die Gegner ins Verderben rennen zu lassen. XCOM 2 fühlt sich dadurch noch anspruchsvoller und variantenreicher an; eure Einsatztruppe ist wie ein Schweizer Taschenmesser, das für jede Situation das richtige Werkzeug parat hat.
Die XCOM-Truppe auf Welttournee
Bevor ihr diese Werkzeuge einsetzen könnt, müsst ihr aber natürlich erst einmal zum Missionsareal gelangen. Das klappt mit der neuen Weltkarte, auch Geoscape genannt. Vorbei die Zeiten, als ihr in Enemy Unknown dazu verdammt wart, nach UFOs zu scannen und ansonsten die Hände in den Schoß legen musstet! XCOM 2 gesteht dem Spieler eine deutlich aktivere Rolle zu. Mit der Avenger steuert ihr interessante Punkte auf der Karte an und sorgt so dafür, dass eure chronisch knappe Kriegskasse durch das Sammeln von Vorräten aufgestockt wird. Der Clou ist aber, dass dieses Mal auch die Aliens eine Agenda haben. So reagieren sie zum einen auf XCOM-Einsätze mit Vergeltungsschlägen gegen Zivilisten (das Äquivalent zu den Terrormissionen aus dem Vorgänger). Zum anderen treiben sie den Bau einer Superwaffe voran, genannt Avatar-Projekt. Wer zu lange keine Einsätze gegen die Außerirdischen fliegt, ständig verliert oder nicht auf die Ereignisse auf der Weltkarte reagiert, der wird knallhart bestraft. Erreicht der Countdown für das Avatar-Projekt null, heißt es Game Over. Dementsprechend ist es bei XCOM 2 wichtig, die sogenannten Düsteren Ereignisse im Auge zu behalten.
Eine Übersicht dieser außerirdischen Pläne zeigt standardmäßig zwei Unternehmungen an, ein drittes Ereignis wird erst nach dem Ausgeben einer speziellen Ressource aufgedeckt. So rüsten die Alien-Overlords etwa ihre Advent-Helferlinge mit stärkerer Panzerung aus. Ein Timer gibt Auskunft darüber, wie lange es bis zur nächsten Phase in den Bestrebungen der Aliens dauert. So könnt ihr euch besser auf die neue Situation vorbereiten oder sie gar durch das Absolvieren einer Mission verhindern.
Quelle: PC Games
Ungemein befriedigend: Mit dem Ranger an den Gegner ranrücken und dem Feind per Schwert den Todesstoß versetzen.
Waffen-Mods: gut
Das Zusammenspiel von strategischen Überlegungen auf der Weltkarte und den hochspannenden Taktik-Gefechten klappt bereits in der Vorschauversion von XCOM 2 ausgenommen gut. So finden wir neuerdings bei einigen besiegten Feinden wertvolle Ausrüstungsgegenstände. Die müssen wir wie die MELD-Kanister im XCOM-Add-on Enemy Within innerhalb eines knappen Rundenlimits aufsammeln, sonst sind sie für immer verloren. An Bord der Avenger können wir mit so gefundenen Waffen-Mods die Schießeisen unserer Soldaten aufrüsten, was merkliche Verbesserungen nach sich zieht. So hilft beispielsweise ein Schalldämpfer dabei, auch bei Feindkontakt länger unentdeckt zu bleiben. Eine andere Modifikation gibt euch eine fünfprozentige Chance, einen Widersacher mit einem Schuss auszuschalten, unabhängig von der Anzahl an verbliebenen Lebenspunkten.
Die Verzahnung der beiden Systeme funktioniert aber auch andersrum. Weil wir neue Rekruten jetzt in der Taktikschule spezifisch für eine der fünf Klassen trainieren lassen können, müssen wir die Neulinge nicht mehr auf gut Glück in den Einsatz mitnehmen und hoffen, dass sie beim ersten Levelaufstieg den gewünschten Berufszweig wählen. So entsteht eine noch größere Bindung zu den Figuren, deren Aussehen wir im stark überarbeiteten Charaktereditor jetzt viel freier anpassen als zuvor. So wählen wir aus über 100 Farben und einem Dutzend Muster, um Rüstungsteile und Knarren individuell zu gestalten. Süß: Unserer Lieblingsschrotflinte dürfen wir dieses Mal sogar einen Namen geben!
Neben den großen Neuerungen sind es solche kleinen Details, die Zeugnis ablegen von der Liebe und Sorgfalt, die Firaxis in die XCOM 2-Entwicklung gesteckt hat. So gibt es jetzt etwa aufschlussreiche Statistiken zur Leistung jedes Teammitglieds nach dem Einsatz. Tote oder verletzte Einheiten müssen von einem Kameraden zum Extraktionspunkt getragen werden. Und wer mit Schusswunden zur Basis zurückkehrt, dessen Wille wird anschließend reduziert, er ist anfälliger für Psi-Angriffe. Jedenfalls so lange, bis er sich durch einen erfolgreichen Einsatz wieder Selbstvertrauen zurückgeholt hat und aus der Schwächephase gestärkt hervorgeht. Super!
Spiel-Mods: besser
Natürlich sind drei Stunden mit dem Spiel bei Weitem nicht genug, um den Langzeitspaß von XCOM 2 abzuschätzen. Doch der erste Eindruck verspricht, dass einen der Befreiungskampf deutlich länger überraschen und aufs Neue begeistern wird als im ebenfalls sehr guten Vorgänger. Vor allem die zahlreichen neuen Optionen auf der Weltkarte geben einem in Verbindung mit dem Ausbau der Basis viel mehr zu tun als bisher. Dazu kommt die stark ausgebaute Zufallskomponente von XCOM 2. Abseits der vorgefertigten Story-Missionen mit Dialogen und Zwischensequenzen sollen sich die Standard-Einsätze noch stärker voneinander unterscheiden. So weit das in der gespielten Vorschau-Version nachprüfbar war, hat Firaxis hier nicht zu viel versprochen.
Der gleiche Auftrag führte uns bei zwei Versuchen an gänzlich unterschiedliche Orte. Noch dazu beeinflusste die Uhrzeit bei Missionsstart, ob auf der Karte gerade Tag oder Nacht war. Sehr gespannt sind wir darauf, was die Modder nach Release aus XCOM 2 noch so alles herausholen. Firaxis stellt engagierten Fans nämlich Level-Editor, weitere Tools sowie bergeweise Texturen und Objekte kostenfrei zur Verfügung. Das Spiel soll deutlich offener für Modifikationen sein als XCOM: Enemy Unknown. Das macht Hoffnung auf tollen Bonus-Content. Erst recht angesichts der Tatsache, dass Modder trotz der beschränkten Möglichkeiten des Vorgängers bereits das fantastische Long War-Projekt für Enemy Unknown realisiert haben. Was dann wohl erst alles in XCOM 2 möglich sein wird?
Firaxis scheint die Modder jedenfalls mit ähnlich offenen Armen empfangen zu wollen wie Colossal Games es bei ihrer Städtebau-Simulation Cities: Skylines dieses Jahr vorgemacht hat. Doch bereits das Hauptspiel hat es in sich. XCOM 2 inszeniert seine rundenbasierten Schießereien wieder so intensiv wie kein anderes Taktikspiel. Das optische Design verdient die volle Punktzahl: Aliens wirken schön fremdartig und bedrohlich, das Exo-Skelett sieht endlos cool aus und die Levels wirken stimmungsvoll. Vom epischen Soundtrack haben wir ja schon genug geschwärmt.
Eine ausführlichere Variante dieses Artikels findet ihr in der aktuellen PC Games Ausgabe 01/16.

Gibt es eigendlich diesmal auch wieder Dronen oder ähnliches ? Kleine Mini-Walker-Dronen wären nice ;D
Mann, weil das Spiel halt einfach so dermaßen spannend ist, dass der Herzkaspar endlos zuschlägt!
Muss aber zugeben, dass deine Frage mein Interesse geweckt hatte, wo dieser Spruch denn nun wirklich herkommt. Scheint aus "Julius Cäsar" von Shakespeare gewesen zu sein:
"Der Feigling stirbt tausend Tode, der Held aber nur einen."
Also... war die Redaktion einfach feige im Angesicht der Aliens? :-B
Freue mich aber sehr auf Xcom 2! Und hoffe, dass die mobile Version für unterwegs nicht zu lange auf sich warten lässt.
Mann, weil das Spiel halt einfach so dermaßen spannend ist, dass der Herzkaspar endlos zuschlägt!
Muss aber zugeben, dass deine Frage mein Interesse geweckt hatte, wo dieser Spruch denn nun wirklich herkommt. Scheint aus "Julius Cäsar" von Shakespeare gewesen zu sein:
"Der Feigling stirbt tausend Tode, der Held aber nur einen."
Also... war die Redaktion einfach feige im Angesicht der Aliens? :-B
Freue mich aber sehr auf Xcom 2! Und hoffe, dass die mobile Version für unterwegs nicht zu lange auf sich warten lässt.