WoW: Casuals statt Pros - darum ist das Race to World Last cooler als der RWF
Das World First Race ist das größte von Spielern gemachte Event in WoW und begeistert hunderttausende von Zuschauern. Dabei ist das Race to World Last eigentlich viel cooler zum Zuschauen.
Mit jeder neuen Erweiterung und mit jedem größeren Patch startet in WoW auch eine neue Saison. Wir bekommen neue Mythisch-Plus-Dungeons und auch einen neuen Schlachtzug. Und genau der ist Schauplatz des immer wieder stattfindenden Race to World First.
Die besten Spieler der Welt, versammelt in den am besten organisierten Gilden überhaupt, unterstützt von großen Esport-Organisationen, treten virtuell gegeneinander an, um den mythischen Endboss des Raids als erste zu besiegen. Was früher hinter verschlossenen Türen stattfand, ist schon seit einigen Jahren zu einem weltweiten Event geworden. Hunderttausende Zuschauer fiebern mit, wenn Method, Echo und Co. unzählige Pulls gegen die schwersten Bosse brauchen, die WoW (jetzt kaufen ) jemals hervorgebracht hat.
Okay, die ersten Tage des World First Race sind in der Regel fürchterlich langweilig, weil die Gilden einen Split-Raid nach dem anderen veranstalten. Aber sei es drum, das große Finale beim letzten Boss wusste in den vergangenen Rennen stets zu begeistern. Doch es gibt ein Event, das weniger Beachtung findet und dennoch mindestens genauso spannend ist - und eigentlich viel sehenswerter für Spieler wie uns: Das Race to World Last.
Race to World Last - und alle fiebern mit
Während es den Top-Gilden darum geht, den Endboss unbedingt vor allen anderen zu besiegen, geht es den meisten "normalen" Spielern doch vor allem um eines, den Boss überhaupt zu besiegen. Und das nicht erst drei Erweiterungen später, sondern noch während er aktuell ist. Blizzard befeuert das mit den passenden Erfolgen "Der Zeit voraus" und "Spitzenreiter", die es für jeden Endboss abzustauben gibt. Wer einen solchen Erfolg haben will, und damit gewissermaßen offiziell beweisen kann, dass er in dieser Season erfolgreich war, der muss den Endboss besiegen, bevor die neue Saison beginnt.
Im Gegensatz zum Race to World First hat das "RWL" also ein Ablaufdatum - jeder weiß genau, bis wann der Boss besiegt sein muss. Während das die Gilden, die genau am Limit sind, es eventuell zu schaffen oder auch nicht, unter Druck setzt, ist es für uns als Zuschauer eine feine Sache. Denn am Abend vor dem neuen Patch kommt das Race to World Last zu seinem Höhepunkt. Spezielle Webseiten tracken den Fortschritt der Gilden beim finalen Boss und listen die dazugehörigen Streams auf. Tausende WoW-Spieler fiebern an diesem Abend nicht mit Pro-Gamern mit, sondern mit dem "Normalo von nebenan", der mit seiner Gilde versucht, auf den letzten Drücker den mythischen Endboss noch zu schaffen.
Warum das als Zuschauer so begeistert
Im Allgemeinen schauen wir Sport (auch Esport) lieber, wenn er hochklassig ist. Deshalb verdienen Fußballer in der Champions League mehr Geld als in der Kreisklasse - was soweit vollkommen okay ist. Doch beim Raiden in WoW gibt es einen großen Unterschied. Während wir alle verstehen, was beim Fußball passiert, ist das in WoW im Race to World First meist nicht der Fall. Die Pro-Gilden rennen mit dem Kopf gegen die Wand und wir selbst haben den Boss noch nie selbst gespielt - zumindest nicht auf dem gleichen Schwierigkeitsgrad. Kaum jemand weiß daher genau Bescheid, was eigentlich auf dem Bildschirm passiert. Die Kommentatoren versuchen es zwar zu erklären ... aber naja, lassen wir das.
Wenn das World Last Race tobt, haben hingegen fast alle WoW-Spieler den Endboss bereits mehrfach besiegt - und viele auch im höchsten Schwierigkeitsgrad. Wir wissen also sehr genau, was da gerade passiert. Wir verstehen, warum die Gilden wipen. Wir erkennen, wie sie versuchen, die Knackpunkte des Kampfes zu meistern und welche Taktiken sie dafür anwenden. Statt eines bunt leuchtenden Chaos sehen wir plötzlich eine einstudierte Choreographie, die wir selbst schon getanzt haben.
Gleichzeitig sehen wir Spielern über die Schulter, die eben keine Pro-Gamer und Vollmaschinen sind. Die menschliche Fehler machen - wie wir auch an jedem Raid-Abend. Die hier eine Mechanik vergessen und dort Brain-AFK stehen bleiben. Wir können mit ihnen mitfühlen, weil wir genau wissen, wie man sich fühlt, wenn man mal wieder eine Kugel verpasst hat oder an der falschen Stelle steht und damit für einen Wipe verantwortlich ist.
Ehrliche Gefühle statt professionellem Auftreten
Zudem sehen wir keine Streaming-Profis. Plötzlich haben kleine WoW-Spieler, bei denen vielleicht mal der Kumpel oder der Gildie von der Bank aus reinschaut, tausende Zuschauer in ihrem Stream. Statt aufgesetzter Professionalität gibt es echte Freude, wenn plötzlich so viel Unterstützung kommt, um das große Ziel der jeweiligen WoW-Season noch zu schaffen.
Ich kann jedenfalls jedem nur empfehlen, sich in WoW Midnight nach dem World First Race unbedingt auch das Race to World Last anzuschauen. Der Unterhaltungswert ist großartig und endlich verstehen auch du und ich mal, was genau da eigentlich passiert. Ein wunderbarer Abschluss eines Raid-Tiers - wenn man nicht gerade selbst noch zittert und ungewollt ein Teil dieses Rennens ist. Dann aber freut man sich über die Unterstützung der Zuschauer. "Gewonnen" hat das Rennen in der Manaschmiede Omega übrigens die Allianz-Gilde Clean Break vom Server Argent Dawn. Glückwunsch dazu.
