World of Qin
Hier trifft sich, was Diablo und Final Fantasy erfolgreich machte: schnelle Kämpfe und lange Dialoge.
Wenn sich genügend Wut angestaut hat, können die Helden verheerende Attacken vom Stapel lassen. Hier: ein Feuerangriff.
World of Qin behandelt eine in Spielen selten berührte Epoche, die Zeit 476 bis 206 vor Christus in China. Historische Fakten vermischen sich mit chinesischer Mythologie: Der Qin-Staat ist nach dem Zusammenbruch der Zhou-Dynastie auf dem blutigen Vormarsch, Zauberkundige mit Heldenmut sagen den Unterdrückern den Kampf an. Zum Auffrischen vergessener Geschichtsstunden taugt World of Qin nicht, denn Lehrreiches wird von Gefühlsduselei verdrängt, von breiten Textfenstern, aus denen der Schmalz quillt.
Sie steuern einen dreiköpfigen Trupp durch isometrische 2D-Gebiete; an der Spitze steht ein Mädel namens Lan Wei, rechtschaffen, tapfer: Während Sie Lan Wei mit der Maus durch ihr Dorf lenken, sterben jene, die ihr lieb sind. Also zieht sie in die Welt hinaus, um Steine zu suchen, von denen man munkelt, sie könnten Tote wiederbeleben. Draußen lauern Banditen, Wölfe, Riesenskorpione, eine Menge Gesindel eben, das es in Echtzeit totzuklicken gilt.
Doch es gibt eine fingerschonende Methode: Einfach sämtliche Fähigkeiten, etwa Feuersturm, Sprungangriff oder Rundumschlag, auf "automatisch" stellen, der Computer kümmert sich dann um deren Ausführung, als Spieler kann man Däumchen drehen. Spannend ist das nicht; wer Dungeon Siege 1 gespielt hat, weiß um die spielspaßtötende Wirkung von derlei Autopiloten. Dass man trotzdem weitermacht, liegt an immer greifbaren Levelanstiegen, an neuen Ausrüstungsgegenständen und teils anspruchsvollen Bosskämpfen.
Zu einer Besonderheit von World of Qin gehört, wie sich Statuswerte aufteilen, in Elemente nämlich, beispielsweise Feuer (Schlagkraft), Wasser (Manawert) und Erde (Abwehrkraft). In einem so umständlich wie unübersichtlichen Fenster lässt sich aus Rohmaterial, das jeweils einem dieser Elemente zugehörig ist, neuer Stoff basteln: Waffen, Rüstungen, Schmuck, Medizin. Die Zutaten bestimmen, was herauskommt. Doch das System ist undurchsichtig und dem Spiel fehlt ein Tutorial, nur mühsames Handbuchstudium bringt einen voran. Gut, dass auch Händler Waren verkaufen.
Einsteigerfreundlichkeit ist keine Eigenschaft, mit der sich World of Qin rühmen kann, selbst im fortgeschrittenen Spielstadium regiert Verwirrung: Die Minikarte am oberen Bildschirmrand zeichnet Gebiete bei jedem Betreten neu, Quest-Figuren sind nirgendwo markiert, und etliche chinesische Namen machen es für Europäer zur Konzentrationsübung, der verstrickten, weil typisch asiatischen Geschichte zu folgen. World of Qin wird es beim westlichen PC-Publikum schwer haben, fernöstliche Spielekultur ist auf Konsolen besser aufgehoben.
