Hier wird niemand diskriminiert: in "World War Z" kämpft Action-Star Brad Pitt gegen eine Übermacht an internationalen Zombies. Kann das Hollywood-Spektakel von "Quantum Trost"-Regisseur Marc Forster überzeugen?
Zombies aller Länder, vereinigt euch: Während die Genrekonventionen üblicherweise vorsehen, dass der Held die Untoten eher an einem einzigen Ort dieses Planeten bekämpft und der Rest der Welt allenfalls am Rande erwähnt wird, wählt World War Z eine zeitgemäß globale Perspektive: Brad Pitt hetzt in gut anderthalb Stunden zwischen den USA, Südkorea, Israel und Wales hin und her und wird sozusagen zum James Bond des Zombiefilms.
Das passt ganz gut, weil seine Filmfigur Gerry Lane als ehemaliger UN-Mitarbeiter früher ohnehin weltweit tätig war und sich mit ruhigem Blut durch Krisengebiete schlug. Eine Tätigkeit, die den hemdsärmeligen Helden offenbar auch ohne große Kampferfahrung für die Rettung der Menschheit empfiehlt. Nachdem Gerry, seine Frau (Newcomerin Mireille Enos) und ihre Kinder in Philadelphia mit Müh und Not einem Zombie-induzierten Mega-Verkehrsstau mit visuellen Anspielungen auf die Terroranschläge des 11. Septembers entkommen sind und dank der Hilfe von Gerrys Ex-Chef auf einem Flugzeugträger in Sicherheit gebracht wurden, stellt ihn die Armee vor die Wahl: Entweder unterstützt Gerry einen Virologen dabei, die in Südkorea vermuteten Ursprünge der Seuche zu erforschen und so vielleicht den schwindenden Rest der Menschheit zu retten – oder seine Familie und er müssen zurück in die Zombiehölle Philadelphias.
Sehr viel mehr kohärente Handlung hat World War Z zwar kaum zu bieten und wirkt schon bald wie eine Aneinanderreihung von Actionszenen an verschiedensten Orten des Globus, in denen der langmähnig-unrasierte Pitt perfekt in Szene gesetzt wird. Bond-Regisseur Marc Forster (Ein Quantum Trost) holt aus diesem erzählerischen Minimalismus freilich das Maximum raus: Vom fintenreich inszenierten, vermutlich spannendsten Verkehrskollaps der Filmgeschichte, der den Film mit einem echten Paukenschlag eröffnet, über einen aufwändigen Massen-Zombieaufstand vor den Toren der gegen die Außenwelt meterhoch abgeschotteten Stadt Jerusalem bis zu einem fesselnden Showdown in einem erdrückend engen Forschungslabor in Wales: die spektakulären Actionszenen drücken einen mit Wucht und Wumms in den Kinosessel und sorgen für echte Hochspannung.
Und in den kleinen Details gewinnt der Film der Zombiethematik noch ein paar neue Seiten ab: So reagieren die Untoten mit feinem Gehör auf Geräusche, verwandeln sich in rasende Bestien und werfen sich dann am liebsten im Rudel auf ihre Beute – ein tierisches Verhalten, dass für ihre Bekämpfung eine wichtige Rolle spielen wird. Dass einige der hektisch geschnittenen Actionszenen in der leider etwas düsteren, aber effektreichen 3D-Konversion recht unübersichtlich wirken, steckt man da gerne weg – zumal sich einem manche Szenen wie der atemberaubende Sturm der Zombies auf die Jerusalemer Mauer unvergesslich in die Netzhaut brennen.
Fazit: Wenig Horror, aber viel Brad Pitt: perfekt auf seinen Star zugeschnittenes Popcorn-Kino mit starker Action.
World War Z startet am Donnerstag, den 27. Juni 2013, in den deutschen Kinos.
