Wolfenstein: The New Order im Test - Grafik-Vergleich, Zensur und Schnitte

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Test Felix Schütz - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Wolfenstein: The New Order im Test - Grafik-Vergleich, Zensur und Schnitte

Wolfenstein: The New Order im Test für PC, PS4 und Xbox One. Bethesdas Anti-Nazi-Shooter überzeugt als gutes, aber auch kontroverses Action-Spiel, das nicht nur deftige Ballereien bietet, sondern auch eine umfangreiche Handlung. Die Story vermixt bierernste, teils grausame Szenen mit trashigem B-Movie-Blödsinn - und sorgt damit für reichlich Diskussionsstoff. Wie gut sich außerdem die Kämpfe spielen, ob die Schleicheinlagen fair geraten sind und ob die deutsche Fassung trotz der Zensur überzeugen kann, das und mehr verrät unser Test.

Zwar wird The New Order genau wie Rage von der id Tech 5 angetrieben, doch im Spielgefühl unterscheiden sich die beiden Shooter: Wo die agilen Gegner in Rage flott animiert durch die Levels flitzen und dank guter KI auch mal unvorhersehbar agieren, beschränken sich die recht eintönigen Wolfenstein-Soldaten aufs Übliche: Sie gehen in Deckung, werfen ab und an Granaten und laufen stur auf uns zu, wenn wir uns zu lange verschanzen. Das ist zwar ausreichend, doch an die Dynamik von Rage kommen die Schießereien dadurch nie heran.

Auch die Waffenauswahl ist dünn geraten: Die vier Standardknarren - Pistole, Maschinengewehr, Schrotflinte und Scharfschützengewehr - bieten lediglich einen sekundären Feuermodus. Das MG verschießt dann Raketen und das (meist nutzlose) Snipergewehr mutiert zur soliden Energiewaffe. Hin und wieder können wir auch schwere Geschütze aus ihrer Verankerung rupfen und damit einige Sekunden lang kräftig austeilen. Trotzdem ist das Waffenangebot im Genrevergleich zu gewöhnlich, zumal wir die Schießprügel nicht aufrüsten können - mit einer coolen Ausnahme: das sogenannte Laserkraftwerk, ein Energiegewehr, für das wir mehrere Upgrades im Spielverlauf finden. Damit wird es gegen Ende nicht nur zur stärksten Waffe, es bietet auch eine tolle Nebenfunktion: Der Laser dient als Schweißgerät, mit dem wir bestimmte Zäune und Metallplatten durchbrutzeln können. Das sieht klasse aus und ist nützlich, denn so schaffen wir uns Zugänge in versteckte Levelbereiche oder schnitzen uns einen alternativen Pfad frei.

Anstatt schnurstracks durch die Vordertür zu latschen, können wir so auch mal heimlich durch einen Luftschacht krabbeln und die Gegner im nächsten Raum einfach überraschen. Nebenbei stoßen wir immer wieder auf kleine Details und zynische Easter Eggs, die dem Spiel einen guten Schuss Humor verleihen: So lernen wir etwa, dass der erste Mann auf dem Mond nicht Neil Armstrong, sondern Hans Armstark hieß. Oder wir finden Aufnahmen der fiktiven Band "Die Käfer", die kurios eingedeutschte Cover-Versionen von Beatles-Songs trällern.

Schleichen ohne Frust

Sehr schön: Zwischen manchen Einsätzen kehren wir in die Rebellenbasis zurück, wo wir Gespräche führen und tiefer in die Story eintauchen können. (PS4) Quelle: PC Games Sehr schön: Zwischen manchen Einsätzen kehren wir in die Rebellenbasis zurück, wo wir Gespräche führen und tiefer in die Story eintauchen können. (PS4) Als Alternative zur rigorosen Action bietet The New Order auch eine gelungene Schleichmechanik: In vielen Levelabschnitten können wir leise und heimlich vorgehen und auf diese Weise feindliche Offiziere ausschalten, bevor sie uns bemerken und Alarm auslösen. Dazu nutzen wir unsere Wurfmesser und eine schallgedämpfte Pistole, was überraschend gut funktioniert und für Spannung sorgt. Die simple Schleichmechanik ist zwar meistens völlig freiwillig, doch in manchen Levels - etwa beim Einbruch in ein Gefängnis - wird sie uns auch aufgezwungen. Zum Glück ist das Schleichen aber auch in diesen Abschnitten so verzeihend und fair umgesetzt, dass wir nie Frust empfunden haben.

Eher merkwürdig als wirklich tragisch: Manchmal reagieren die Gegner ziemlich unglaubwürdig, sobald sie uns in einem der vorgeschriebenen Schleichabschnitte entdeckten: Die Soldaten marschieren dann einfach langsam auf uns zu und gehen in den Nahkampf über, anstatt Schusswaffen einzusetzen oder Verstärkung zu rufen. Das wirkt unglaubwürdig und macht diese Abschnitte deutlich zu leicht, allerdings finden wir diese Lösung immer noch besser als eine frustrierende Schleichszene, in denen wir sofort den Game Over-Bildschirm sehen, sobald uns ein Gegner entdeckt.

Egal ob wir schießen oder heimlich vorgehen, viele unserer Aktionen werden für ein simples Upgrade-System ausgewertet. Wenn wir beispielsweise eine bestimmte Anzahl an Gegnern lautlos ausschalten, erhalten wir dafür einen Perk, der uns mehr Wurfmesser spendiert. Andere Upgrades erhöhen unseren Munitionsvorrat, machen uns robuster gegen Explosivschaden oder steigern unser Schleichtempo. Das mag zwar nicht gerade einfallsreich sein, doch immerhin ermutigt uns das System damit, auch mal andere Spielweisen auszuprobieren.

Ordentlicher Umfang, kein Multiplayer

Wolfenstein: The New Order ist ein reiner Einzelspielertitel. Als Trostpflaster liegt jeder Version aber einen Beta-Key für das nächste Doom-Spiel von id Software bei. Wer sich die Zeit nimmt, die vielen Story-Details zu entdecken, der sollte mehr als 12 Stunden beschäftigt sein. Wer alles finden will, dürfte für die 16 Levels auch gut 15 Stunden brauchen. Wer fleißig Datenfragmente in den Levels sammelt, kann zudem vier Bonus-Modi ("999", "Ironman", "Spaziergang" und "Hardcore") freischalten. Was sich hinter diesen Begriffen verbirgt, wollte uns Bethesda allerdings nicht verraten.

Kleine Spoiler-Warnung: Ab hier besprechen wir einige Spielabschnitte und Story-Elemente, die manche als Spoiler auffassen könnten. Um die Geschichte zu rezensieren, lässt sich aber leider kaum vermeiden, diese Szenen zumindest zu erwähnen. Natürlich verraten wir aber keine Details, überraschende Wendungen oder gar den Ausgang der Handlung.

Verschenktes Potenzial

Das Gegnerdesign ist gelungen, aber leider nicht gerade abwechslungsreich. (PS4) Quelle: PC Games Das Gegnerdesign ist gelungen, aber leider nicht gerade abwechslungsreich. (PS4) Obwohl es keinerlei Rätsel in Wolfenstein gibt, versuchen die Leveldesigner hin und wieder, das Spielgeschehen aufzulockern: In einem Abschnitt tauchen wir beispielsweise per Mini-Uboot durch schummrige Abwasserkanäle und einige Stunden später dürfen wir sogar einen winzigen Mondspaziergang wagen. Leider verschenken die Entwickler hier aber massig Potenzial: Ob unter See, im Raumanzug oder hinter dem Steuer eines Autos, jede dieser Szenen ist so schnell vorbei, wie sie begonnen hat und bleibt damit wenig mehr als eine hübsche Randnotiz. So schade!

Mal brutal, mal banal: Wenn sich die Story nicht entscheiden kann

Von der ersten Spielminute an ist klar: Mit seinem verrückten Nazi-Setting und hemmungslosen Ballereien will Wolfenstein weder aufklären noch Geschichtsunterricht betreiben. Das ist ein spielbarer B-Movie, hoch im Trash-Gehalt, niedrig im Anspruch. Umso merkwürdiger erscheinen darum die vielen Momente, in denen sich das Spiel außerordentlich ernst nimmt und den Spieler mit schwer verdaulichen Szenen konfrontiert. Wenn etwa hilflose Patienten in ihren Klinikbetten brutal hingerichtet werden, während die Pflegerin um Gnade fleht, hat das nichts mit Zynismus oder Satire zu tun, es ist schlichtweg grausam. Ein späterer Level spielt dann sogar in einem Arbeitslager, inklusive qualmender Schornsteine im Hintergrund und Asche, die vom Himmel regnet - wer sich nun fragt, welche Erinnerungen das wachrufen soll, dem sei ein tiefer Blick in ein Geschichtsbuch empfohlen.

Solch bitterer Ernst beißt sich aber in der zweiten Spielhälfte mit Ereignissen, die das Spiel noch stärker ins Trashige abdriften lassen. Wenn B.J. etwa zum Grund des Meeres abtaucht, um dort ein uraltes Geheimnis aufzudecken (hat hier jemand "Atlantis" gesagt?) oder im nächsten Moment lustig fluchend mit einer Raumfähre ins All brettert, dann ist das zwar immer noch unterhaltsam, büßt aber viel der beklemmenden Atmosphäre ein, die das Spiel zuvor aufgebaut hat. Auch das Erzähltempo gerät dabei heftig ins Straucheln, je abgedrehter die Handlung wird. Besonders im letzten Drittel wechseln die Schauplätze dann so abrupt, dass der Zusammenhang für den Spieler manchmal auf der Strecke bleibt. Das Finale fällt immerhin solide aus: B.J. darf sich noch eine letzte große Schlacht liefern, unzählige Nazis besiegen und einen wenig überraschenden Endboss in seine Bestandteile zerlegen. Trotzdem fühlt sich das Ende nicht ganz befriedigend an, manche Fragen werden scheinbar bewusst offen gelassen. Haben Bethesda und Machine Games etwa schon einen Nachfolger in Planung? Zu wünschen wäre es jedenfalls - immerhin hat Wolfenstein noch viel Potenzial.

Zensur in Deutschland/Österreich und Aktivierung der PC-Fassung

Bei der notwendigen Zensur hat Bethesda großen Aufwand betrieben. Mit Erfolg: Das Spielerlebnis wird nicht beeinträchtigt. (PS4) Quelle: PC Games Bei der notwendigen Zensur hat Bethesda großen Aufwand betrieben. Mit Erfolg: Das Spielerlebnis wird nicht beeinträchtigt. (PS4) Die deutsche und österreichische Version von Wolfenstein: The New Order ist zensiert: Verfassungsfeindliche Symbole (z. B. Hakenkreuze) und entsprechende Gesten wurden entfernt, außerdem gibt es keine direkten Bezüge mehr zum Dritten Reich. Anstelle von "Nazis" spricht man beispielsweise nur vom "Regime". Es ist nur die deutsche Tonspur enthalten.

Die drastische Gewalt wurde allerdings nicht geschnitten, Kämpfe wie Zwischensequenzen sind ebenso brutal wie in der internationalen Fassung. Da auch die deutsche Vertonung gut gelungen ist und die Zensur die Kernaussage der Story nicht verändert (immerhin ist auch ohne verfassungsfeindliche Symbole stets klar, dass es um Nazis geht), geht die gekürzte Fassung in Ordnung: Die notwendige Zensur hat Bethesda ausgesprochen gut hinbekommen.

Aber Achtung: Laut Bethesda ist es nicht möglich, eine internationale PC-Version einem deutschen Steam-Account zu aktivieren. Der Import nach Deutschland sowie der Verkauf der ungekürzten Fassung ist hierzulande streng verboten - bei Zuwiderhandlungen drohen laut Bethesda die Beschlagnahmung des Spiels, Geldstrafen und sogar Freiheitsentzug. Den genauen Wortlaut und weitere Details dazu findet ihr in einer offiziellen Erklärung von Publisher Bethesda.
http://de.bethblog.com/wolfenstein-the-new-order

Mehr Informationen rund um das Thema Geo-Lock gibt's außerdem in dieser Meldung.

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  3. Seite 3 Wolfenstein: The New Order im Test - PC-Version mit Screenshots, Fazit und Wertung
    • Kommentare (130)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MichaelG Mitglied
        Zitat von Zeromancer2014
        Verstehe ich das eigentlich richtig: Wenn man Generäle, die Alarm auslösen können, nicht tötet und der Alarm aktiv ist, kommen unendlich Gegner solange oder zumindest sehr viele?

        Das ist für mich bisher das schwächste am neuen Teil.....man wird an einigen Stellen quasi zum schleichen gezwungen anstatt dass man die Wahl hat. Weil auf hohen Graden und ohne Health Regeneration ist es sonst echt zu krass wenn Alarm ist, vor allem in großen Stützpunkten ;)

        Ansonsten was einfach nervt, man muss jeden Gegenstand per Taste aufnehmen...das istnicht mehr zeitgemäß finde ich. Und bei der Xbox 360 ist das Bild sehr sehr dunkel, selbst bei Helligkeit 80+
        Gegner killen und Alarm deaktivieren geht auch.
      • Von MichaelG Mitglied
        Zitat von Zeromancer2014
        Verstehe ich das eigentlich richtig: Wenn man Generäle, die Alarm auslösen können, nicht tötet und der Alarm aktiv ist, kommen unendlich Gegner solange oder zumindest sehr viele?

        Das ist für mich bisher das schwächste am neuen Teil.....man wird an einigen Stellen quasi zum schleichen gezwungen anstatt dass man die Wahl hat. Weil auf hohen Graden und ohne Health Regeneration ist es sonst echt zu krass wenn Alarm ist, vor allem in großen Stützpunkten ;)

        Ansonsten was einfach nervt, man muss jeden Gegenstand per Taste aufnehmen...das istnicht mehr zeitgemäß finde ich. Und bei der Xbox 360 ist das Bild sehr sehr dunkel, selbst bei Helligkeit 80+
        Gegner killen und Alarm deaktivieren geht auch.
      • Von Bonkic Mitglied
        hab seit gestern auch die uncut-version und bin bislang wirklich äußerst angetan!

        nur das treffer-feedback könnte für meinen geschmack ein bißchen besser sein.
        ansonsten hab ich nach knapp 2 stunden spielzeit wenig zu kritisieren.
        auch grafisch gefällts mir ziemlich gut. und die performance stimmt überraschenderweise auch.
      • Von Zeromancer2014 Anwärter/in
        Verstehe ich das eigentlich richtig: Wenn man Generäle, die Alarm auslösen können, nicht tötet und der Alarm aktiv ist, kommen unendlich Gegner solange oder zumindest sehr viele?

        Das ist für mich bisher das schwächste am neuen Teil.....man wird an einigen Stellen quasi zum schleichen gezwungen anstatt dass man die Wahl hat. Weil auf hohen Graden und ohne Health Regeneration ist es sonst echt zu krass wenn Alarm ist, vor allem in großen Stützpunkten ;)

        Ansonsten was einfach nervt, man muss jeden Gegenstand per Taste aufnehmen...das istnicht mehr zeitgemäß finde ich. Und bei der Xbox 360 ist das Bild sehr sehr dunkel, selbst bei Helligkeit 80+
      • Von hgxxx1 NPC
        Der allgemeinen Freude kann ich mich nicht anschließen.
        Ich habe einen PC und die Grafik ist nicht so doll.
        Einstellen für die Grafik kann man auch recht wenig.
        Das Spiel wurde wohl für Konsolen entwickelt und die Steuerung für den PC danach angepasst.
        Die ist wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig (Beispiel : gleichzeitig alt+ umschalt+vorwärts).
        Im Tutorial muss ich mich auch fragen, was wird jetzt eigentlich von mir verlangt?
        Mein Spiel ist es nicht !!!
      • Von FreiherrSeymore Spiele-Novize/Novizin
        So ein genialen Titel hab ich lang nicht mehr gespielt. Von mir gibts 9,99/10
      Direkt zum Diskussionsende
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