Wasteland 2 im Test: Belanglose Hauptstory, unnötige Wartezeiten + Fazit
In 50 Stunden durchgespielt: Unser Langzeit-Test zu Wasteland 2 verrät, warum die Rundenkämpfe nicht allzu taktisch ausfallen. Inklusive Let's-Play-Video!
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Okay, fassen wir mal zusammen: Wasteland 2 bietet tolle Quests, schwache Kämpfe und manch frustige Design-Entscheidungen. Aber was ist denn mit dem Herzstück eines jeden Rollenspiels, der Story? Tja, hier hat Inxile durchweg ordentliche Arbeit abgeliefert, zieht im Vergleich mit Entwicklerstudios der Marke Bioware oder CD Projekt aber klar den Kürzeren. Die Hauptgeschichte dreht sich um ein mysteriöses Funksignal und die Bedrohung durch einen Propheten der schönen, neuen Roboterwelt. Die Menschheit soll doch bitte den nächsten Evolutionsschritt nehmen und ihre Körper ähnlich wie die Borg aus Star Trek mit kybernetischen Implantaten aufrüsten.
Das taugt als Motivation dazu, die Rangers durch das verstrahlte Ödland zu schicken, birgt aber wenig Potenzial für überraschende Wendungen und dramatische Situationen. Im Gegenteil: Der Plot plätschert für einen Großteil der Spielzeit vor sich hin, nur um in den letzten paar Stunden plötzlich den zuvor sehr blass gebliebenen Antagonisten in den Mittelpunkt zu stellen und all das zu erzählen, worüber zuvor kein Wort verloren wurde. Die Auflösung der Geschichte ist dann auch recht geistlos, es fehlt an echten Überraschungen. Immerhin gibt es die Möglichkeit, das Ende leicht zu beeinflussen.
Quelle: PC Games
Unsere vierköpfige Ranger-Truppe dürfen wir mit bis zu drei NPCs verstärken.
Deutlich größere Auswirkungen eurer Taten werden aber im Abspann nach dem eigentlichen Ende der Handlung protokolliert: Ähnlich wie in Fallout 3 erzählt eine Abfolge von Dias, was aus bestimmten Personen, Orten und Gruppierungen geworden ist. Dabei nimmt das Spiel geschickt Bezug auf unsere Entscheidungen. Das Ergebnis ist das Gefühl beim Spieler, in den 50 Stunden im Ödland wirklich etwas geleistet zu haben, das die Zukunft dieser Welt bestimmt. Toll! Letztendlich sind es diese optionalen Nebengeschichten, die uns weitaus mehr gefesselt haben als der übergeordnete Plot.
Die Bedienung: Eingewöhnung erforderlich
Quelle: PC Games
Das Inventar und die Verwaltung des Loots sind noch die besten Aspekte der Benutzeroberfläche.
Im Laufe der Entwicklung und des kostenpflichtigen Betatest per Steam Early Access hat Wasteland 2 so einige Veränderungen erfahren. Davon war unter anderem auch das Interface betroffen. Die finale Version der Benutzeroberfläche mag zwar nicht sonderlich schmuck daherkommen, ist aber im Grunde funktional. Der Wechsel zwischen den Charakteren erfolgt per Klick aufs Portrait oder Tastendruck und die frei drehbare Kamera lässt sich weit herauszoomen, sodass sich Wasteland 2 fast wie ein Strategiespiel aus der Vogelperspektive spielt. Das Aufsammeln von Gegenständen (Loot) fällt sehr komfortabel aus: Die Taschen aller in der Nähe liegenden Leichen besiegter Gegner lassen sich nacheinander ohne unnötige Klicks durchwühlen und Munition verteilt ihr auf Wunsch automatisch an denjenigen Helden, der sie am besten gebrauchen kann. Übersichtlich: Benutzbare Objekte und herumliegende Items könnt ihr wie in Diablo 3 bei gedrückter Taste hervorheben.
Andere Aspekte der frei konfigurierbaren Steuerung sind da schon komplizierter: Der Nachladebefehl betrifft immer nur die Primärwaffe aller ausgewählten Figuren. Um auch die Sekundärwaffe durchzuladen, müsst ihr diese umständlich wechseln. Dazu hätten wir gerne noch ein paar zusätzliche Filterfunktion im Inventar gehabt neben der Sortierfunktion, die einfach alle Gegenstände platzsparend anordnet. Im Vergleich mit Divinity: Original Sin ist das Inventar aber deutlich übersichtlicher gestaltet, was auch an den unterschiedlichen Größen der Gegenstände liegt. So lassen sich etwa Waffen sofort identifizieren. Der Handel mit NPCs verläuft ebenfalls problemlos. Das sehr simple Crafting-System (ihr dürft Waffen mit bis zu vier Upgrades ausstatten, Reparieren ist nicht nötig) benötigt ebenfalls nur wenige Klicks.
Knacke Schloss: Bitte warten
All dem steht jedoch ein großes Ärgernis gegenüber: Skills wie das Schlösserknacken müssen jedes Mal aus einer nur acht Slots umfassenden Schnellleiste ausgewählt und auf das entsprechende Objekt angewandt werden, etwa eine verschlossene Tür. Das Spiel erkennt dabei nicht etwa automatisch, welcher Charakter unser Gruppe den besten Fähigkeitwert besitzt. Nein, wir müssen die entsprechende Figur jedes Mal selbstständig auswählen; ein sich automatisch anpassender Maus-Cursor oder ein Rechtsklick-Menü mit allen möglichen Aktionen wären hier Gold wert gewesen. Nicht nur summiert sich dieser Klickaufwand aufgrund der anfangs erwähnten überproportionalen Häufigkeit von Fallen sowie verschlossenen Behältern. Nein, die unnötige, zwischen fünf und zehn Sekunden lange Wartezeit beim Ausführen der Aktion erfordert noch dazu Geduld.
Quelle: PC Games
Anstrengend: Jede Falle einzeln entschärfen, sekundenlange Wartezeit inklusive.
Im Spielverlauf werdet ihr hunderte Kisten öffnen und Minen entschärfen, Alarme deaktivieren und Terminals hacken. Der damit einher gehende Aufwand und die aufgesetzte Wartezeit bei jeder einzelnen solchen Aktion haben uns im Test viele Nerven gekostet. Auch hier wird jetzt wieder so mancher (egal ob Entwickler oder Fan) argumentieren: "Das ist halt ein Retro-Rollenspiel! Old-school und so!" Und wir sagen: "Ja, schon klar, aber wir leben nun mal nicht mehr in der Pionierzeit der Computerspiele." Manch ein modernes Komfort-Feature wollen wir einfach nicht mehr missen und nicht jede Vereinfachung der letzten Jahre ist automatisch schlecht. Zumal der spielerische Nutzen oder Spaßfaktor der beschriebenen Beschränkungen fragwürdig ist.
Quelle: PC Games
Nervig: Wenn ihr Fähigkeiten verwendet (hier: Tierflüsterer), müsst ihr sekundenlang warten, bis die Aktion ausgeführt wird.
Geschmackssache ist das System der Erfolgschancen: Bei der Benutzung der erwähnten Skills, durch die ihr mit Objekten interagiert, würfelt das Spiel im Hintergrund aus, ob euer Charakter erfolgreich ist. Der Prozentwert hängt davon ab, wie viele Punkte ihr in eine Fähigkeit gesteckt habt. Bei einem Fehlversuch müsst ihr es noch einmal probieren und wieder die gleiche, zähe Wartezeit überstehen. Fies: Jede Aktion birgt auch das Risiko eines kritischen Fehlschlags. Beim Schlösser knacken ist das Schloss etwa anschließend zu schwer beschädigt für einen weiteren Versuch. Beim Eintreten einer brüchigen Mauer bricht sich der Held den Fuß und muss medizinisch behandelt werden. Obwohl die Chancen dafür ähnlich wie bei den klemmenden Waffen meist im einstelligen Prozentbereich liegen, kommen die kritischen Fehlschläge gefühlt viel zu oft vor. Wir empfehlen daher dringend, ausgiebig von der Speicherfunktion Gebrauch zu machen.
Bugs und lange Laufwege
Quelle: PC Games
Die Gewaltdarstellung ist herrlich überzogen: Wie in Fallout fliegen im Gefecht wortwörtlich die Fetzen.
Einige Spieler von Wasteland 2 beklagen sich über Bugs und Spielabstürze. In unserem Test blieben wir größtenteils davon verschont. Abseits der deutschen Übersetzung, die ein einziger Bug ist, fielen uns vor allem ein paar technische Fehler auf. So fror die Kamera in einigen Kämpfen für einen Zug ein; wollten wir sie drehen, bewegten sich statt der Perspektive lediglich die Schatten auf der Landschaft. Bei Gefechten mit weit verstreuten Widersachern kam es darüber hinaus zuweilen zu heftigen Rucklern. Quest-Bugs begeneten wir dagegen nahezu keinen; lediglich einige kleine Nebenaufträge in Los Angeles ließen sich nicht abschließen, weil wir eine andere Quest vorher abgeschlossen hatten und damit nicht dem von den Entwicklern vorhergesehenen Ablauf folgten.
Meinung
Lästig: Die Wegfindung unserer KI-Recken könnte besser sein. Wenn wir die Gruppe im Echtzeitmodus durch die Landschaft dirigieren, bleibt sie bei langen, schwierig zu navigierenden Distanzen unterwegs schon mal an einer Hauswand hängen. Das wiegt umso schwerer, weil die Helden in Wasteland 2 sehr viele Kilometer zurücklegen müssen. Einige Quests schicken euch schamlos innerhalb weniger Minuten von einem Ort zum anderen und zurück, wobei ihr durch bereis befriedete Gebiete stampft, ohne dass etwas passiert. Die Rückkehr auf die Weltkarte ist nur durch einen der vorgesehenen Ausgänge möglich, von denen es in den meisten Gebieten lediglich einen gibt. Ergo müsst ihr nach Abschluss aller Aufgaben in einer Region erst wieder umständlich zum Anfang der großen Maps zurückkehren statt sofort auf die Weltkarte springen zu können. Eine Schnellreise-Funktion würde hier so manche langweilige Minute aus dem Spielverlauf entfernen. Aber das wäre wohl nicht retro genug ...
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Diese Version entstand mit Patch 1 (56458). Wasteland 2 steht seit Mitte September im Handel für knapp 30 Euro. Die Ranger Edition mit Extras schlägt mit 40 Euro zu Buche. Beide Fassungen setzen auf Steam als Kopierschutz. Online kostet das Basisspiel mehr, nämlich mindestens 40 Euro (55 Euro für die Ranger Edition). Der Download ist sowohl über Steam als auch in einer DRM-freien Version auf Gog.com erhältlich.

Das mit den kritischen Fehlschlägen empfinde ich auch so, die Häufigkeit ist etwas willkürlich. Old school: vor jeder Aktion speichern und ggf. neu laden.
Dabei frage ich mich, ob sich die Ladezeiten verkürzen werden, wenn ich das Spiel auf meine SSD installiere...?
Klar: Ne Stange Dynamit oder ne Panzerfaust auf nen Holzzaun und es ergibt keinen Kratzer. :-B
Jaaaa, ich habe das auch gemacht. :-D
Schöner Test von Peter, ich kann die meisten Kritikpunkte nachvollziehen und finde insbesondere diese "Früher war das halt so" Einstellung nicht immer gerechtfertigt. Es gibt durchaus Sachen, die man auch in Wasteland 2 einbauen könnte, die das Spiel nicht "verdummen" würden. Und mir geht dieses Mantra-artige "Früher war alles besser" manchmal ziemlich auf den Zeiger....wer früher mal Sachen wie Daggerfall gespielt hat oder bei einem Rollenspiel nach zig Stunden gemerkt hat, dass man sich verskillt hat und deshalb nicht weiterkommt, kann vielleicht nachvollziehen, dass auch früher nicht alles Bombe war.
Trotzdem werde ich mir Wasteland 2 zu Weihnachten wünschen und hoffen, dass man bis dahin vielleicht nochmal das Kampfsystem bzw. die Gegner K.I. überarbeitet hat.