Warcraft: Orcs & Humans: Wie Blizzard die Gaming-Welt eroberte
In den 90ern prägte Dune 2 die Echtzeitstrategie und inspirierte das Studio Silicon & Synapse - heute Blizzard Entertainment - zu Warcraft. Ohne diesen Klassiker wäre die Welt von Warcraft und Blizzards Erfolgsgeschichte kaum vorstellbar.
Die unbarmherzigen Orks überrannten mit ihrer auf Eroberung ausgelegten Horde die Ländereien der Menschen von Azeroth. Woher sie stammten, wusste damals noch niemand. Dieser wichtige Teil der Lore wurde erst mit späteren Spielen etabliert.
In der Menschenkampagne kämpft der Spieler im Namen von König Llane gegen die Orkhorden, die Azeroth bedrohen. Die Missionen beginnen mit der Verteidigung und Entwicklung des Reiches. Bald muss der Spieler Dörfer vor Orkangriffen schützen, Überlebende retten und Abteien befreien. Im Verlauf der Kampagne rückt die Bedrohung näher: Der Spieler wird beauftragt, den dunklen Magier Medivh zu besiegen, und schließlich wird der Ork-Anführer Blackhand in seinem Stützpunkt, Black Rock Spire, zur finalen Schlacht herausgefordert. Nach Blackhands Tod endet der Krieg mit dem Triumph der Menschen.
In der Orkkampagne übernimmt der Spieler die Rolle eines aufstrebenden Anführers unter dem Ork-Häuptling Blackhand. Zu Beginn verteidigt er Orkgebiete gegen menschliche Truppen, greift Städte an und führt Aufträge für Blackhand aus. Die Missionen nehmen eine Wendung, als der Spieler die Schwächen Blackhands ausnutzt, ihn stürzt und selbst zum Kriegshäuptling aufsteigt. Mit neuen Kräften und Magie wird die Offensive gegen die Menschen verstärkt. Am Ende führt der Spieler die Orkhorden zur entscheidenden Schlacht und erobert Stormwind, tötet König Llane und übernimmt Azeroth für die Horde. Große Teile der Orkkampagne, wie etwa die Belagerung Stormwinds und der Sieg der Orks im ersten Krieg, sind offiziell Kanon. Aber auch Teile der Menschenkampagne sind in die offizielle Lore eingeflossen.
Die Orks ziehen ihre Kraft aus der Wildheit ihrer Axtkämpfer, Speerwerfer und Wolfsreiter, während sich Nekromanten dunkler Magie bedienen und Skelette beschwören können. Mit ihren Belagerungswaffen sorgen sie nicht nur in Städten für Angst und Schrecken. Die extrem starken Einheiten können über weite Entfernungen ganze Armeen auslöschen. Ein Umstand, der unvorsichtige Spieler schon mal zur Weißglut brachte, denn wenn teure Einheiten, die auch noch langsam produziert wurden, einem Katapultangriff zum Opfer fielen, konnten sie nicht ohne Weiteres ersetzt werden.
Die Menschen wehren sich mit einer Mischung aus Schwertkämpfern, Rittern und Klerikern. Letztere hatten die besondere Fähigkeit, dass sie ihre Verbündeten heilen konnten. Ein unglaublicher Vorteil, denn verlorene Gesundheit wurde nicht automatisch regeneriert und angeschlagene Einheiten waren so bei einem erneuten Angriff nicht automatisch dem Tode geweiht.
Trotzdem war die Vielfalt der Völker damals noch weit von dem entfernt, was später in Starcraft oder Warcraft 3 möglich sein sollte. Im Großen und Ganzen waren Menschen und Orks, mit kleinen Ausnahmen, einfach nur Spiegelbilder voneinander. So hatten Menschen zwar Heiler, während Orks Nekromanten bekamen, die Skelette beschwören konnten. Doch das war's dann auch schon. Menschliche Zauberer beschworen Skorpione, orkische Hexenmeister dagegen Spinnen. Wolfsreiter waren das Pendant zu Rittern, und Speerwerfer spiegelten die Bogenschützen. Der Vorteil dabei: Im Mehrspielermodus musste nicht viel am Balancing gefeilt werden.
Und das war es doch eigentlich, worauf es die Entwickler bei Blizzard abgesehen hatten: ein spaßiger Multiplayer. Das brachte Blizzard allerdings an die Grenzen der damaligen Technologie. Die Entwickler wollten den Spielern ermöglichen, über LAN und Modem miteinander zu konkurrieren - eine komplett neuartige Idee. Der Mehrspielermodus hätte dem ganzen Projekt aber beinahe das Genick gebrochen.
Ein Hauptproblem bestand in den sogenannten "Sync-Fehlern". Die traten auf, wenn die Daten zwischen den Spielinstanzen der Spieler nicht exakt übereinstimmten. Solche Inkonsistenzen führten häufig dazu, dass das Spiel "desynchronisierte" - also die Verbindung verlor - oder komplett abstürzte. Die Entwickler mussten akribisch darauf achten, dass jede noch so kleine Aktion und jede Berechnung auf beiden Seiten exakt gleich verliefen, was in einem Echtzeitspiel mit vielen Einheiten, Bewegungen und Aktionen eine enorme Herausforderung darstellte. Die Behebung dieser Sync-Fehler kostete das Team Monate intensiver Arbeit und ermüdender Tests, während immer wieder neue Probleme auftauchten.
Blizzards Leidenschaft für den Multiplayer-Modus war so stark, dass sie das Projekt auch dann nicht aufgaben, als einige Teammitglieder vorschlugen, den Mehrspielermodus komplett zu streichen und sich auf die Einzelspielerkampagne zu konzentrieren. Diese Möglichkeit stand tatsächlich für eine Weile im Raum, doch die Entwickler waren überzeugt davon, dass die Multiplayer-Komponente das Spiel auf eine neue Ebene heben und das Spielerlebnis um eine entscheidende Dimension bereichern würde.
Nach unzähligen Tests, Bugfixes und einer Verzögerung des Veröffentlichungstermins war es aber schließlich gelungen: Zwei Wochen nach dem geplanten Release hatte das Team eine stabile Multiplayer-Version von Warcraft fertigstellen können. Der Mehraufwand hat sich gelohnt - der Mehrspielermodus ist schnell zu einem der beliebtesten Features geworden und hat das Fundament für das Wachstum der Warcraft-Reihe und aller folgenden Blizzard-Spiele gelegt, die seitdem verstärkt auf Multiplayer-Erlebnisse setzen.
Die intensive Arbeit an Warcraft hat Blizzard ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen und Möglichkeiten von Echtzeit-Mehrspielererfahrungen verschafft und die zukünftige Entwicklungsphilosophie des Studios maßgeblich geprägt. Dieser erste große Schritt in den Multiplayer hat Blizzard die Türen zu Strategiespielen geöffnet, die später die Spitze ihres Genres erklimmen sollten. So ist der Science-Fiction-Ableger Starcraft in Südkorea sogar zum Nationalsport geworden und hat Blizzard endgültig an die Spitze der internationalen Spieleentwicklung katapultiert.
Wenn ihr heute noch Warcraft: Orcs & Humans spielen wollt, habt ihr drei einfache Optionen: Entweder ihr nutzt das Battle.net von Blizzard oder ihr holt euch die DRM-freie Version auf GOG.com. Das Spiel wurde für moderne Computer optimiert und läuft problemlos, ohne dass Mods oder zusätzliche Installationen notwendig sind.
Vor Kurzem hat Blizzard zudem eine Remastered-Version der ersten beiden Warcraft-Teile veröffentlicht. Die bringen viele Komfortfunktionen, die das Spielerlebnis deutlich verbessern: So könnt ihr Gruppen auf Hotkeys legen, Einheiten per Rahmen auswählen, kontextabhängig mit Rechtsklick befehlen und das überarbeitete HUD sorgt für eine klarere Übersicht.
Quelle: Blizzard Entertainment
Falls ihr den Retro-Charme des Originals bevorzugt, könnt ihr jederzeit im Spiel auf die alte Grafik umschalten - und dabei trotzdem die neuen Komfortfunktionen nutzen. Wir empfehlen euch diese Version, da sie das Spiel deutlich benutzerfreundlicher und zugänglicher macht.
Zehn Jahre nach ihrer Dune 2-Besessenheit erfasste eine neue Leidenschaft die Entwickler bei Blizzard: EverQuest. Dieses Online-Rollenspiel löste im gesamten Büro eine Sucht aus, die die von Dune 2 bei weitem übertraf. Die Produktion neuer Spiele kam beinahe zum Erliegen, weil sich Programmierer, Grafiker - und selbst der Geschäftsführer - Stunden, ja sogar Tage, in der virtuellen Welt verloren.
Das Team von Blizzard hatte aber etwas bewiesen, das sie jetzt zu nutzen wussten: Sie konnten ein Konzept, das Potenzial verspricht, durch perfekten Feinschliff in einen Meilenstein verwandeln, in ein Spiel, das sich fest in die Herzen der Spieler einbrennt. Epische Schlachten von Orcs und Menschen hatten bereits Millionen von Spielern begeistert. Das alles sollte nun der Schauplatz für ein neues Abenteuer werden - ein MMORPG, das in die Geschichtsbücher eingehen sollte. Und vor allem: ein MMORPG, das in Blizzards ganz eigener Welt spielen sollte: der Welt von Warcraft.

Wundern tuts mich nicht mehr und wenn man bedenkt dass ein skin für ein wow mount mehr Geld einbringt als Starcraft 2 ist es schon ein wenig traurig
Hatte mit dem Remaster schon zuviel spass und vermisse RTS in der heutigen Zeit
Hatte mit dem Remaster schon zuviel spass und vermisse RTS in der heutigen Zeit
Das erste PC Spiel, dass ich auf CD-Rom besaß. Damals eine große Revolution. Dann noch ein brandneues Genre, dass sehr zu beeindrucken wusste. WarCraft Orcs & Humans ist damit als wichtiger Meilenstein in die Gaming-Geschichte eingegangen und hat für Blizzard den Weg zu einem der erfolgreichsten Spieleschmieden aller Zeiten geebnet. Unvergesslich.