War Hospital in der Gamescom-Vorschau: Moralische Grauzonen im Ersten Weltkrieg

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Special Stefan Wilhelm - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen 26,99 €
War Hospital in der Gamescom-Vorschau: Moralische Grauzonen im Ersten Weltkrieg
Quelle: Nacon

Während es in den meisten Aufbau- und Strategiespielen darum geht, durch kluge Planung einen Gegner zu übertrumpfen, verfolgt das Studio Brave Lamb mit War Hospital einen interessanten, anderen Ansatz: In der Rolle eines britischen Kommandanten verwaltet ihr ein Krankenhaus direkt neben der Westfront im Ersten Weltkrieg. Dabei entscheidet ihr nicht, mit welchem Trupp ihr den Feind angreift, sondern welcher Soldat operiert wird und für wen jede Hilfe zu spät ist.

Dass die Verwaltung eines Krankenhauses nicht nur logistische, sondern im Krisenfall auch ethische Fragen aufwirft, wissen wir spätestens, seit wir aus den Nachrichten lernen mussten, was "Triage" bedeutet. Besonders große Verbreitung fand dieser Begriff aber vor etwas mehr als hundert Jahren, als Feldlazarette und Krankenhäuser mit der katastrophalen humanitären Lage konfrontiert waren, die der Erste Weltkrieg mit sich brachte.

In genau dieses Szenario versetzt euch War Hospital (jetzt kaufen 25,72 € / 26,99 € ), ein Echtzeit-Strategie- und Management-Spiel, das gerade beim Studio Brave Lamb entwickelt wird. Ihr spielt einen britischen Kommandanten, der sich um die Verwaltung eines Krankenhauses in einem kleinen französischen Dorf kümmern muss - direkt neben den blutgetränkten Schützengräben der Westfront. Auf der Gamescom hatten wir die Gelegenheit, mit den Entwicklern zu sprechen und uns eine kurze Gameplay-Demo anzusehen.

Willkommen in der Grauzone

Im Herzen von War Hospital steht das Ziel, euch schwierige moralische Entscheidungen treffen zu lassen und euch in verzwickte Situationen zu stecken, in denen ihr zwischen zwei Übeln abwägen müsst. Weil ihr ein Krankenhaus leitet, sind eure wichtigsten Ressourcen dabei die Gesundheit eurer Patienten und die Moral eurer Belegschaft. Zusätzlich gilt es, mit rar gesäten Materialien neue Gebäude zu errichten und Technik freizuschalten, die zur damaligen Zeit entwickelt wurde, um mit den medizinischen Herausforderungen des Krieges fertigzuwerden.
In War Hospital verwaltet ihr ein Lazarett während des Ersten Weltkriegs. Quelle: Nacon War Hospital in der Gamescom-Vorschau: Moralische Grauzonen im Ersten Weltkrieg (4) Als Inspirationsquellen nennen die Entwickler Titel wie Frostpunk, This War of Mine oder Papers, Please, aber auch der Vergleich mit Darkest Dungeon ist nicht weit hergeholt. Der Stresspegel eures Teams spielt nämlich eine wichtige Rolle: Die Verwundeten, die mit demselben Zug anreisen, der euch Rohstoffe liefert, kommen mit verschiedenen Verletzungen und Krankheitsbildern. Weil sich die Chancen auf eine erfolgreiche Operation erhöhen, wenn ihr den richtigen Arzt arbeiten lasst, müsst ihr genau abwägen, wie viel Stress ihr den einzelnen Medizinern zumuten könnt.

Ausgebrannte Helden

War Hospital in der Gamescom-Vorschau: Moralische Grauzonen im Ersten Weltkrieg (3) Quelle: Nacon War Hospital in der Gamescom-Vorschau: Moralische Grauzonen im Ersten Weltkrieg (3) Lasst ihr sie ständig Überstunden schieben, können sie irgendwann zusammenbrechen und dann selbst als Patienten im Krankenhaus landen. Den Moralbalken müsst ihr also genauso beachten, wie den vor eurer Haustür tobenden Krieg, denn auch die anrückende gegnerische Armee ist eine Bedrohung. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen mit Kriegsszenario lässt euch War Hospital aber keine Schießbefehle verteilen oder Einheiten kommandieren, Gefechte laufen stattdessen automatisch ab. Eure Aufgabe ist es, zu heilen, nicht zu töten.

Wegen der Knappheit an Ressourcen und Personal wird euch das Spiel trotzdem mit etlichen hässlichen Situationen konfrontieren, in denen ihr zwischen Leben und Tod entscheiden müsst. Die Menge an ankommenden Verletzten ist kaum zu bewerkstelligen und ihr habt es in der Hand, wem geholfen wird und wem nicht. Die Patienten werden mit zusammengewürfelten Biografien und Familien ausgeschmückt, die euch solche Entscheidungen sowohl leichter als auch schwieriger machen sollen.

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    • Kommentare (1)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat

        Wer nämlich Frau und Kinder zu Hause hat, freut sich vermutlich schon, das Krankenhaus überhaupt lebendig zu verlassen, aber fürs große Ganze ist vielleicht der junge Soldat wichtiger, der voll aufgepäppelt euer Dorf verteidigen kann. Als Beispiel wurde eine Situation gezeigt, in der ihr einem Patienten das Bein amputieren sollt, um seine Überlebenschancen zu erhöhen. In einer riskanten und für den Arzt stressigen Operation, versteht sich, und die Entscheidung selbst müsst ihr unter Zeitdruck treffen.

        Selbst, wenn die Prozedur gelingt: Zu eurem Schutz kann der einbeinige Soldat nicht mehr beitragen.
        Ja, aber wenn der Soldat dann stirbt, weil man ihm das Bein nicht abnimmt, kann er wohl auch nichts mehr zum Schutz des Dorfs beitragen, nicht wahr? Gerade im Krieg würde ich annehmen, dass man als Spieler dazu tendieren wird, die zu retten, die man noch retten kann. Man kann einen schwer verwundeten Soldaten mit Tonnenweisen Blutspenden retten, damit er vielleicht überlebt, aber mit der selben Menge Blut auch 5 andere Soldaten, die nur leichte Verletzungen haben. Im Krieg wird demnach immer die Entscheidung im Sinne des großen Ganzen und nicht auf die Einzelperson getroffen, oder?

        Irgendwie war's mir auch klar, dass man sich hier wieder nicht mit dem selben Thema auf deutschen (Krankenhaus)Boden traut, wobei man zumindest argumentieren kann, dass die Deutschen an der Westfront des ersten Weltkriegs eher nicht in Gefahr liefen, dass sie hinter die Landesgrenzen zurück geschlagen werden würden.
      • Von Nevrion Spiele-Kenner/in
        Zitat

        Wer nämlich Frau und Kinder zu Hause hat, freut sich vermutlich schon, das Krankenhaus überhaupt lebendig zu verlassen, aber fürs große Ganze ist vielleicht der junge Soldat wichtiger, der voll aufgepäppelt euer Dorf verteidigen kann. Als Beispiel wurde eine Situation gezeigt, in der ihr einem Patienten das Bein amputieren sollt, um seine Überlebenschancen zu erhöhen. In einer riskanten und für den Arzt stressigen Operation, versteht sich, und die Entscheidung selbst müsst ihr unter Zeitdruck treffen.

        Selbst, wenn die Prozedur gelingt: Zu eurem Schutz kann der einbeinige Soldat nicht mehr beitragen.
        Ja, aber wenn der Soldat dann stirbt, weil man ihm das Bein nicht abnimmt, kann er wohl auch nichts mehr zum Schutz des Dorfs beitragen, nicht wahr? Gerade im Krieg würde ich annehmen, dass man als Spieler dazu tendieren wird, die zu retten, die man noch retten kann. Man kann einen schwer verwundeten Soldaten mit Tonnenweisen Blutspenden retten, damit er vielleicht überlebt, aber mit der selben Menge Blut auch 5 andere Soldaten, die nur leichte Verletzungen haben. Im Krieg wird demnach immer die Entscheidung im Sinne des großen Ganzen und nicht auf die Einzelperson getroffen, oder?

        Irgendwie war's mir auch klar, dass man sich hier wieder nicht mit dem selben Thema auf deutschen (Krankenhaus)Boden traut, wobei man zumindest argumentieren kann, dass die Deutschen an der Westfront des ersten Weltkriegs eher nicht in Gefahr liefen, dass sie hinter die Landesgrenzen zurück geschlagen werden würden.
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