Wie schon Wächter der Nacht ist Wächter des Tages eine ziemlich verworrene Sache, bei der man erst in den Stunden nach dem Kinobesuch mit Hilfe des Freundeskreises alle Puzzleteile zu einem kohärenten Ganzen zusammengeschoben hat.
Das macht, neben den irrsinnigen Spezialeffekten und Deus-Ex-Machina-Wendungen aber auch den anarchistischen Charme des Streifens aus. An vielen Stellen sieht man auch den Geldfluss aus Hollywood, der einen großen Teil der Effektarbeiten auf ein deutlich professionelleres Niveau hebt. Die Sequenz, in der Moskau in den Endkampf zwischen Jegor und den Wächtern der Nacht hineingezogen wird, könnte so auch von Roland Emmerich stammen.
Darstellerisch besitzt Wächter des Tages einen ganz eigenen Touch, der den mit der russischen Kinotradition unvertrauten westlichen Zuschauer zunächst einmal verwundert. Darsteller wie Mariya Poroshina (Svetlana) und Valeri Zolotuhkin (Kostjas Vater) bringen aber neue, interessanteund erfreuliche Aspekte in ein von westlicher Routine geprägtes Kinoerlebnis.Selbst wer sich nicht dazu berufen fühlt, seine Film-Sensibilitäten durch einen Blick nach Osten zu erweitern, sollte Wächter des Tages auf seinen Kino-Speiseplan setzen. Innerhalb der zu erwartenden Trilogie, die auch noch Wächter des Zwielichts umfasst, wird er sich als Klassiker des Fantasy-Kinos ziemlich weit oben im Olymp einordnen.
