Übers Ziel hinaus? HTC Vive Pro im Test
HTC hat mit seiner ersten Vive-Brille viel Feedback von VR-Fans gesammelt. All diese Punkte scheinen in der neuen Vive Pro vereint - das perfekte Zocker-Headset also? Wir finden heraus, ob sich der hohe Preis rechtfertigt und ob sich die Anschaffung auch für VR-Einsteiger lohnt.
Wer schon einmal in die virtuelle Realität abgetaucht ist, kann bestätigen: Noch näher als mit einem VR-Headset kann man sich der digitalen Spielumgebung kaum fühlen. Genau darin steckt auch die Faszination hinter dem Thema Virtual Reality. Hinsichtlich Immersion und Natürlichkeit sind HTC Vive und Co. einzigartig im Gaming-Segment. Auch wenn die Technik bereits seit über einem Jahrzehnt existiert, steckt die Consumer-Version der HTC Vive noch in den Kinderschuhen. Schließlich gibt es bislang nur eine Generation, die ihre Sache zwar sehr gut macht, aber dennoch riesigen Spielraum für Verbesserungen lässt. Fast exakt drei Jahre nach der Vorstellung des ersten Vive-Headsets kommt nun mit der Vive Pro eine neue Version. Diese ist aber keine zweite Generation, sondern vielmehr eine überarbeitete Luxus-Edition der HTC-Brille. Welches Ziel verfolgt der Hersteller mit diesem Schritt und für wen eignet sich die Vive Pro überhaupt?
Quelle: HTC
Auch wenn die neue Konstruktion wuchtiger erscheint und das Headset an Gewicht zugelegt hat, wird die gesteigerte Masse durch den guten Sitz super verteilt. Dadurch fühlt sich die Vive Pro leichter an als der Vorgänger.
Das Gleiche, nur besser
Im Grunde ist der Ansatz löblich. Es scheint nämlich, als hätte sich HTC alle Kritikpunkte an der Vive notiert und versucht, diese in einem neuen Modell zu verbessern. Ein besonders wichtiger Faktor ist beispielsweise der Tragekomfort. Wer sich einmal in der virtuellen Welt verliert, der möchte so schnell nicht wieder hinaus - außer das Headset beginnt nach einer Stunde unangenehm zu drücken. Bei der Vive Pro wird dem vorgebeut: Die Aussparung der Augenpartie ist größer und somit besser für Brillenträger geeignet, dazu kommen noch dickere Polster an allen kritischen Stellen. Auch das Aufsetzen gestaltet sich wesentlich einfacher, da nur noch ein Klettverschlussriemen einmalig angepasst werden muss. Anschließend streift man sich das Headset einfach über und arretiert es über einen feststellbaren Bügel am Hinterkopf. Das Ergebnis: Die Vive Pro sitzt ausgezeichnet. Zur neuen Bügel-Konstruktion gehören auch die integrierten Kopfhörer. Hier scheint sich der Hersteller am Deluxe Audio Strap, einem Accessoire für die erste Vive, orientiert zu haben. Nachdem man das Headset aufgesetzt hat, werden die Hörmuscheln einfach auf die Lauscher geklappt. Dort sitzen sie dank dicker Polster ebenfalls angenehm. Klanglich können die Musikspender gleichfalls überzeugen. Auch wenn die On-Ear-Hörer nur leicht auf den Ohren liegen, werden Außengeräusche von einer Geräuschunterdrückung gut ausgeblendet. Der Sound fällt im Test klar und ausgewogen aus. Der Bass kommt zwar zu kurz, dennoch genügt die gebotene Qualität für Spieleklang und die Kommunikation mit Mitzockern. Letztere erfolgt übrigens per integriertem Mikrofon, das Sprache zwar etwas dumpf, aber verständlich einfängt.
Quelle: HTC
Frontansicht der HTC Vive Pro
Auflösung ist alles
Der größte technische Fortschritt steckt jedoch in den Displays. Statt 1.080 x 1.200 Pixeln stehen nun 1.440 x 1.600 Pixel pro Auge zur Verfügung. Diesen Auflösungszuwachs merkt man sowohl bei Spielen als auch in der VivePort-Oberfläche sofort. Die virtuelle Umgebung erscheint deutlich knackiger, Texte werden schärfer abgebildet und sind in kleinen Schriftgrößen besser zu lesen. Texturen in Spielen fallen ebenfalls brillanter aus, was vor allem an den feiner aufgelösten Kanten von Objekten auffällt. Details wie die Einkerbungen in Holzfässern oder die Hände der eigenen Spielfigur profitieren von der gesteigerten Auflösung. Das 110-Grad-Sichtfeld bleibt derweil unverändert. Auch wenn die direkte Konkurrenz in diesem Punkt auf demselben Level spielt, hätte HTC mit einer solchen Pro-Version die Latte für Oculus, Sony und Co. ruhig höher legen können. Während es technisch gesehen kaum etwas zu bemängeln gibt, liegt das größte Problem der Vive Pro an anderer Stelle: im Preis. 880 Euro veranschlagt der Hersteller für sein neues Vive Pro - wohlgemerkt nur für das Headset! Controller, Basisstation, Sensoren und natürlich ein ausreichend leistungsstarker PC muss der interessierte Nutzer bereits besitzen oder zusätzlich kaufen. Seitens HTC richtet sich die Vive Pro somit vor allem an Enthusiasten, die bereits Vive-Besitzer sind und ihre alte Brille gegen das neue Luxus-Modell austauschen möchten. Neueinsteigern wird derweil weiterhin die erste Version ans Herz gelegt, die uns der Hersteller zusätzlich durch eine Preissenkung von 100 Euro auf 600 Euro schmackhaft machen möchte.
