Vietcong 2
Da Ihre Untergebenen erfahrene Soldaten sind, tun sie auch ohne direkten Befehl meist das Richtige. Wer also keine Lust hat, seine Leute herumzukommandieren, lässt es einfach und kommt dennoch problemlos durch das Spiel. Schön, wenn man die Wahl hat. Die künstliche Intelligenz der Verbündeten ist also in Ordnung, doch wie sieht es mit der Intelligenz der Feinde aus? Hier ist nicht alles im grünen Bereich.
So kommt es schon mal vor, dass Sie sich einem Feind frontal nähern und von diesem einfach nicht bemerkt werden. Selbst Schusswaffengebrauch erweckte die Schlafmützen nicht aus ihrer Lethargie. Im Normalfall geben sich die schlimmen Jungs aber gerissen, gehen brav in Deckung und schleichen sich auch mal von hinten an.
Technisch durchwachsen
Schon der Erstling und das Add-on Fist Alpha waren grafisch nicht gerade weltbewegend und diese Tradition setzt Vietcong 2 fort. So glänzt der Titel zwar mit vielen gestochen scharfen und vor allem realistischen Texturen, doch die verwendeten die Entwickler nicht auf allen Objekten. Vor allem, wenn Sie sich langsam von Deckung zu Deckung schleichen, sticht die eine oder andere Matschtapete ins Auge. Auch in Sachen Effekte zeigt sich Vietcong 2 altmodisch und verzichtet auf Augenschmeichler wie dynamische Schatten oder augefallene Mapping-Techniken. Da fällt der Titel gegenüber Genre-Konkurrenten wie F.E.A.R. deutlich ab.
Mehrspieler-Freuden
Der Mehrspielerteil wurde generalüberholt und entpuppt sich als weiterer Kaufgrund für Menschen, denen es bei Counter-Strike oder Day of Defeat zu temporeich zur Sache geht. Ein nettes Detail ist die umfangreiche Charakter-Editier-Möglichkeit. So wählen Sie hier nicht nur verschiedene Gesichter, sondern auch Accessoires wie Helme, Gasmasken und Sonnenbrillen aus. Die zahlreichen Server-Optionen, wie beispielsweise automatisches Kicken von Teamkillern, fallen ebenfalls sehr positiv ins Gewicht.
Ein Online-Rangsystem (Gamespy) speichert die Spielerstatistiken. Durch das Sammeln von Punkten klettern Sie die Rangliste empor, beginnen als Private und enden (hoffentlich) als General. Neben einem Kooperationsmodus stehen Ihnen vier weitere Mehrspielervarianten zur Auswahl: Capture the Flag, Deathmatch, Team-Deathmatch, Angriff.
Zu Beginn eines Mehrspieler-Games haben Sie nur die Klassen Infanterist, Pionier und Sanitäter, was sich durch fleißiges Punktesammeln rasch ändert. Die kassieren Sie, in dem Sie Feinde eliminieren, Flaggen einsacken oder gegnerische Einrichtungen vernichten. Während Sie im Einzelspielermodus nur als Beifahrer agieren, dürfen Sie sich im Multiplayer-Teil selbst hinter das Steuer diverser Fahrzeuge klemmen, was der Motivation zugute kommt.
Unterm Strich ist Vietcong 2 ein in vielerlei Hinsicht verbesserter Nachfolger, der mit einigen KI- und Grafik-Schwächen zu kämpfen hat. Gerade Letzteres hätten wir aufgrund der Hardware-Anforderungen nicht vermutet. Bei Grafikkarten, die nicht mindestens Shader 2.0-Unterstützung bieten, versagt das Spiel sogar komplett den Dienst.
Was Vietcong 2 optisch nicht schafft, gelingt dem Titel in akustischer Hinsicht mit Bravour. Die Sound-Kulisse ist genau wie im Vorgänger eine Klasse für sich. Hervorragende Musik, phänomenale Sprachausgabe und realistische Geräusche so weit die Ohren reichen. Vor allem Besitzer eines Surround-Systems werden so förmlich ins Geschehen gesogen.
Übrigens: Die deutsche Version bietet nur englische Sprachausgabe und optional deutsche Untertitel. Aufgrund der hohen Qualität der Synchronisation sollte man darüber fast schon froh sein. Fazit: Wer Vietcong mochte, wird auch mit dem Nachfolger sehr glücklich werden. Sollten Sie zu den Menschen gehören, die mit dem Erstling nichts anzufangen wussten, empfehlen wir trotzdem, einen näheren Blick zu riskieren. Sie könnten sonst wirklich etwas verpassen!
