E-Sports-Kaufberatung Teil 2: Maus, Tastatur, Headsets und Gaming-Stuhl für VALORANT
Kein Setup der Welt ersetzt Können. Doch wer mit hoher Latenz spielt, verliert. Im E-Sports entscheidet auch Technik, ob Talent wirklich zur Geltung kommt. Im zweiten Teil des Guides klären unsere Kollegen von PC Games Hardware die Frage nach der richtigen Maus, Tastatur, Headset und Gaming-Stuhl am Beispiel von VALORANT.
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VALORANT: Windows ist Pflicht
Beim Betriebssystem ist bei VALORANT für Windows-11-Nutzer je nach Vorkonfiguration ein Besuch im UEFI Ihres Mainboards nötig, denn VALORANT nutzt beim Einsatz von Windows 11 dessen TPM 2.0 zwecks Anti-Cheat-Maßnahme und verweigert ohne zugeschaltetem UEFI-Secure-Boot (dort zu finden unter "Security") den Start. Windows-10-Nutzer sind davon nicht betroffen, müssen aber unter Umständen Optionen wie VBS (virtualisierungsbasierte Sicherheit) umstellen. Entsprechende Guides finden sich beim Entwickler und in der Community. Erfahrungsgemäß sollten die Installation und der erste Start von VALORANT jedoch ohne Probleme verlaufen. Wichtig zu wissen: Der in VALORANT eingebaute Anti-Cheat-Schutz "Vanguard" operiert auf tieferer Kernel-Ebene (mit umfangreicherem Zugriff auf Prozesse, Treiber etc.). Linux als OS-Alternative wird unter anderem deshalb bislang nicht unterstützt.
Form und Gewicht der Maus
Im kompetitiven E-Sports-Umfeld zählt jede Bewegung - besonders in einem präzise getakteten Taktik-Shooter, in dem Zielverfolgung mit der Maus und Reaktionsschnelligkeit unmittelbar über Sieg und Niederlage entscheiden. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die eingesetzte Maus: geringe Eingabelatenz, zuverlässiges Tracking, passgenaue Ergonomie und ein möglichst geringes Gewicht bilden die Grundlage für kontrollierte und wiederholgenaue Aiming-Bewegungen. In aller Kürze: Zwar sollten Sie billige (Office-)Mäuse meiden, die technischen Unterschiede zwischen etablierten Gaming-Maus-Modellen werden jedoch von Jahr zu Jahr immer geringer. Größere und für E-Sports-Titel ausschlaggebende Vorteile sind am ehesten durch die individuell passende Form und das Gewicht der Maus realisierbar.
Quelle: PCGH
Im E-Sports-Segment dominieren fast immer leichte Mausmodelle mit einem Gewicht von (teils weit) unter 70 Gramm. Die Turtle Beach Burst II Air im Bild ist mit nur 46 Gramm ein ganz besonderes Leichtgewicht.
Während konventionelle Gaming-Mäuse früher häufig mehr als 100 Gramm auf die Waage brachten, dominieren im E-Sports-Segment leichte Modelle (teils weit) unter 70 Gramm. Mäuse wie die Logitech G Pro X Superlight 2 (kabellos, ca. 60 g) für ca. 70 bis 100 Euro, die Razer Viper V3 Pro (kabellos, ca. 55 g) oder die Steelseries Prime Mini (kabelgebunden, mit 61 g, ca. 25 Euro) bewegen sich in diesem Bereich und minimieren den Kraftaufwand im Spiel. Je leichter die Maus, desto geringer die Trägheit - was sich besonders bei Mikrokorrekturen beim Zielen und Flicks (ruckartiges Drehen mit Schuss auf den Gegner) bemerkbar macht. Allerdings ist die Umstellung auf eine leichte Maus nicht für jeden Nutzer sofort intuitiv. Wer bislang mit schwereren MMO- oder Allround-Mäusen gearbeitet hat, sollte sich an das neue Handling schrittweise herantasten. Eine Umgewöhnungsphase von mehreren Wochen mit reduzierter Empfindlichkeit und großzügiger Pad-Fläche kann helfen, die neuen Bewegungsabläufe sauber zu verinnerlichen.
Die reine Sensorleistung spielt bei hochwertigen Modellen inzwischen eine untergeordnete Rolle. Nahezu alle E-Sports-Mäuse setzen auf präzise optische Sensoren wie Pixart PAW3395, Hero 2 oder Razer Focus Pro, die in Auflösungsbereichen bis zu utopisch hohen (und im Alltag irrelevanten) 30.000 Dpi arbeiten. Wichtiger als die maximale Dpi-Zahl ist eine stabile, jitterfreie Abtastung, geringe Lift-off-Distanz und eine störungsfreie Umsetzung selbst kleinster Bewegungen - ohne künstliches Angle-Snapping oder sonstige softwareseitige Glättung. Polling-Raten von 1.000 bis 2.000 Hz sind in der Praxis vollkommen ausreichend, da der Vorteil höherer Abfrage-Werte (etwa 4.000 oder 8.000 Hz) marginal ausfällt, selbst bei professionellen Spielern. Als Nachteil zu hoher Polling-Raten wäre zumindest auch die höhere CPU-Last und bei kabellosen Varianten die drastisch sinkende Akkulaufzeit zu nennen.
Quelle: Steelseries
Die drei Griffarten, die sich auch beim E-Sports in der Praxis etabliert haben, sind der Palm-Grip (oben), der Claw-Grip (Mitte) und der Fingertip-Grip (unten).
Oft übersehen, schwer aus der Ferne subjektiv zu beurteilen und dennoch enorm wichtig: die Ergonomie - also die Frage, wie gut die Mausform zur eigenen Handgröße und Grifftechnik passt. In der Praxis haben sich drei Griffarten etabliert: Palm-Grip, bei dem die Hand großflächig aufliegt, Claw-Grip mit gebogener Fingerhaltung und Fingertip-Grip, bei dem die Maus ausschließlich mit den Fingerspitzen geführt wird. Je nach Griffstil ergeben sich unterschiedliche Anforderungen an Form, Höhe und Länge der Maus. Marken wie Zowie bieten deshalb gezielt Serien mit unterschiedlichen Formfaktoren an - etwa die symmetrischen FK-, die ergonomischen EC- oder die höher bauenden ZA-Modelle. Online-Hilfen wie das "Mouse-Finder-Quiz" des Herstellers oder Datenbanken wie auf www.rocketjumpninja.com helfen bei der Vorauswahl mit Fragen und eigenen Handmaßen, doch letztlich entscheidet immer die persönliche Passform und der Griff. Soweit möglich empfiehlt sich eine Probe bei Ausstellobjekten in Läden.
Softwareseitig lassen sich viele moderne Mäuse sinnvoll konfigurieren. Dpi-Stufen im Bereich von 400 bis 1.600 haben sich für VALORANT als praxisgerecht erwiesen. Die Kombination zwischen Maus-Dpi und Ingame-Sensitivität wird als e-Dpi zusammengerechnet. Bei VALORANT ist eine Ingame-Empfindlichkeit von 0,2 bei einer Dpi von 1.600 ein guter Initialwert zum Nachjustieren (auch wenn die Empfindlichkeit im ersten Eindruck viel zu gering ausfällt). Niedrigere e-Dpi-Werte in Kombination mit großem Mauspad und gleichmäßigen Bewegungen ermöglichen eine höhere Präzision. Viele Modelle bieten per Software eine anpassbare Lift-off-Distanz, Umschaltung zwischen Profilen, Tastenbelegung und Polling-Rate. Auch wenn RGB-Beleuchtung, Makros und Oberflächenerkennung für den Alltag komfortabel und schick anzusehen sein können, spielen sie im E-Sports-Umfeld eine untergeordnete Rolle. Hier zählt in erster Linie die zuverlässige, schnelle und konsistente Umsetzung der Bewegung.
Ob kabelgebundene oder kabellose Maus ist heute ebenfalls weniger eine Frage der Technik als der persönlichen Präferenz und des Budgets - hochwertige Wireless-E-Sports-Modelle liegen oft im Preisbereich von 70 bis (seltener) 200 Euro. Gute 2,4-GHz-Verbindungen mit eigener Signaloptimierung (ganz im Gegensatz zu stark verzögernden und deshalb zu vermeidenden Bluetooth-Kopplungen) bieten (beinahe) identische Reaktionszeiten wie klassische USB-Modelle - vorausgesetzt, der Empfänger wird in direkter Nähe zur Maus positioniert und es treten keine Interferenzen auf. Akkulaufzeiten von über 60 Stunden ohne Beleuchtung sind inzwischen Standard. Modelle mit Schnellladefunktion oder Ladedock erhöhen zusätzlich den Komfort, ohne die Latenz zu beeinträchtigen.
Quelle: PCGH
Es braucht nicht immer die teuersten (Sonder-)Modelle wie dieRazer Viper V3 Pro Faker Edition für 200 Euro: Ältere, günstige Mäuse wie die Razer Viper Mini (nur kabelgebunden) für ca. 40-60 Euro können auch top sein.
Mausuntergrund
Ein geeignetes Mauspad ist für zuverlässige und zumindest auf die Maus bezogene Reproduzierbarkeit im E-Sports kein optionales Zubehör, sondern ein relevanter Teil der Eingabekette. Sensoren moderner Gaming-Mäuse sind auf strukturierte, reibungsarme Oberflächen kalibriert. Ohne passende Unterlage steigt zudem der Verschleiß der Mausfüße, und Abtastfehler oder Mikroruckler können die Folge sein. Hochwertige PTFE-/Glas-Mausfüße (Skates) reduzieren den Reibungswiderstand auf dem Maus-Pad erheblich und reduzieren Stocken.
Quelle: PCGH
Für die Ergonomie eines Mauspads ist seine Höhe entscheidend. Während Mauspads wie das Razer Shpex V2 Mini (links) gerade einmal 0,5 mm hoch ist, kommt das Asus Balteus (rechts) auf eine Höhe von fast 8 mm. Ausführliche Informationen zu Mauspads gibt es bei den Kollegen vom PCGH-Ratgeber.
In Kombination mit einer geeigneten Oberfläche - je nach Vorliebe weich, hart, texturiert oder hybrid - ergibt sich ein homogener Bewegungsfluss, der sich positiv auf die Zielpräzision und das zusammenhängende, sich über die Zeit aufbauende Muscle-Memory wirkt. Dickere Stoffpads sind weitverbreitet und bieten ein empfehlenswertes Verhältnis aus Kontrolle und Gleitfähigkeit. Hartplastikpads sorgen für besonders geringe Reibung, sind langlebiger und weniger schmutzanfällig, können aber für Einsteiger (zu) rutschig wirken. Glas- oder Silikonpads bilden Speziallösungen mit besonderer Haptik. Low-Sense-Spieler benötigen mehr Fläche (XL/XXL).
