Der Jugendschutz spielt in Deutschland bei Computer-Spielen eine wichtige Rolle. Wir haben uns bei der USK das Verfahren zeigen lassen und berichten in dieser Reportage von der täglichen Arbeit der Prüfer, den Kriterien und vielem mehr.
Internationale Bewertungssysteme
PEGI
Die Pan European Game Information wird inzwischen von 30 europäischen Staaten anerkannt. Wie im System der USK gibt es Empfehlungen ab 12, 16 und ein 18er-Siegel, bei den Spielen für Kindern wird aber statt 0 und 6 mit einem Alter von 3 und 7 Jahren gearbeitet. Die Bewertung wird hier zwischen zwei Organisationen aufgeteilt, die NICAM (Netherlands Institute for the Classification of Audiovisual Media) mit Sitz in den Niederlanden bewertet Titel, die aller Voraussicht nach unter die Kategorien 3 und 7 fallen, der britische VSC (Video Standards Council) nimmt sich aller anderen Spiele an.
Quelle: PC Games
PEGI
Da hier die unterschiedlichen Befindlichkeiten von verschiedensten Nationen beachtet werden müssen, gibt PEGI auch Inhaltswarnungen mit an; ob es sich nun um Gewaltdarstellung, sexuelle Inhalte oder die Thematisierung von Drogenmissbrauch handelt, lässt sich an kleinen Piktogrammen ablesen. Der Schwemme von Online-Casual-Games tritt das System mit dem Siegel PEGI OK entgegen, das Spiele ohne bedenkliche Inhalte auf den ersten Blick kennzeichnen soll. Vorgeschrieben ist die PEGI-Bewertung nur in acht der beteiligten Staaten, und da teilweise auch nicht exakt in derselben Form oder nur in bestimmten Bereichen – so muss die PEGI-Einstufung in Österreich nur bei Verkäufen in Wien und Kärnten zwingend angegeben werden. Überall sonst bleibt die Empfehlung eben nur das: eine Empfehlung.
ESRB
Quelle: PC Games
ESRB
Das Entertainment Software Rating Board mit Sitz in New York ist für die Bewertung von Spielen in den USA und Kanada zuständig. Anders als PEGI und USK, die eine große Zahl als Altersempfehlung abdrucken, arbeitet das System hier mit Buchstabenkürzeln für die passende Zielgruppe: EC für early childhood, also kleine Kinder, E für everyone, also praktisch jeden, T für Teen usw. Die Spiele werden hier von Publishern mit Videoaufnahmen präsentiert und in einem Fragebogen die nötigen Daten angegeben. Die auf dieser Basis vergebenen Wertungen werden stichprobenartig nach Erscheinen des Spiels überprüft – aber auch wenn es saftige Strafen bis hin zu einem Rückruf für falsche Angaben gibt, ist die ESRB-Wertung nicht rechtlich bindend und niemand kann einen Händler belangen, der ein mit M für mature – also erwachsen – bewertetes Spiel auch an jüngere Kunden verkauft.
ACB, DJCTQ, ESRA, MEKU, OFLC und mehr
PEGI und ESRB sind nur die bekanntesten internationalen Organisationen für die Altersempfehlungen für Videospiele. Viele Staaten, von Australien bis Russland, haben ihre eigenen Systeme mit unterschiedlichsten Bewertungsstandards und rechtlichen Grundlagen. So kann die ESRA (Entertainment Software Rating Association) im Iran einem Spiel unter anderem für den Verstoß gegen soziale Normen, religiöse Vorschriften und wegen Frustration (!) eine Kennzeichnung verweigern, wodurch es automatisch illegal (!) wird. In Australien dürfen Spiele, die vom ACB (Australian Classification Board) eine Kennzeichnung verweigert bekommen, unter Androhung von Strafe nicht mehr verkauft werden. Das erste Spiel, das so aus dem Markt ausgeschlossen wurde, war Saints Row 4 im Sommer 2013 – ein Action-Adventure, das in Deutschland ab 18 Jahren verkauft werden darf.
Umstrittene Entscheidungen
Die Angst vor dem Einfluss von ‚Killerspielen' stirbt nicht aus. Und auch in letzter Zeit standen die Entscheidungen der USK immer wieder in der Kritik: Sie würden zu niedrig ausfallen. Oder sie würden unter dem Druck des Marktes entstehen – wer will schon einen Millionenseller in Deutschland aus den Regalen nehmen?
Wichtig ist bei diesen Entscheidungen aber nicht nur, wie die Gewalt dargestellt wird, sondern auch, wie der Rest des Gameplays aussieht. Atempausen im Ablauf, eine Distanz zum Geschehen oder ausreichend Abwechslung mit anderen Tätigkeiten kann schon verhindern, dass ein zu großer Einfluss auf eine jugendliche Psyche entsteht. Wir haben uns mal vier umstrittene Entscheidungen der letzten Jahre herausgesucht, um den Ursachen für die Urteile auf den Grund zu gehen.
The Elder Scrolls 5: Skyrim
Quelle: PC Games
Skyrim
In Skyrim ist nahezu alles möglich, auch Körperteile von toten Gegnern im Gepäck mit sich herumzutragen. Darüber hinaus gibt es im fünften Teil der Reihe erstmals Tötungsanimationen, die durchaus sehr blutig daherkommen können. Während PEGI eine 18 vergeben hat und die ESRB ein "M" (also ab 17), setzte die USK ein 16er-Siegel an. Die Gründe für die Entscheidungen werden zwar nur den Publishern mitgeteilt, aber die große Anzahl an anderen Beschäftigungen und die Tatsache, dass keine der eher fragwürdigen Aktionen absolut nötiger Bestandteil der Story ist, dürften ausschlaggebend gewesen sein.
Dead Space 3
Quelle: PC Games
Dead Space 3
Nachdem Dead Space 2 sechs Mal bei der USK vorgelegt wurde und nach der Ab-18-Absegnung (mit einigen Änderungen am Multiplayer) dann sogar noch die bayerische Sozialministerin Protest einlegte und die USK als Ganzes in Frage stellte, waren die meisten über die Entscheidung zu Teil 3 überrascht. Der wurde ohne großes Federlesen in einer ungeschnittenen Version mit dem 18er-Siegel versehen. Und das, obwohl das erste Mal auch Menschen als Gegner anrücken und zerlegt werden können. Da es aber um die Auswirkung auf die Psyche von Heranwachsenden geht, könnte gerade der zuweilen bemängelte Schritt von echtem Horror hin zu Standard-Action-Kost hier für die Bewertung zuträglich gewesen sein. Shooter-Einerlei ist allgegenwärtig und hat auf medienerfahrene Personen weniger Einfluss, echter Grusel kann dagegen eine stärkere Wirkung entfalten.
Tomb Raider
Quelle: PC Games
Tomb Raider
Viele zeigten sich vorab erstaunt, als der Reboot von Tomb Raider ohne Altersfreigabe gekennzeichnet wurde. Immerhin waren alle anderen Teile der Serie mit 12 oder 16 bewertet worden. Ein etwas unglücklich geschnittener Trailer und eine ebenso unglückliche Aussage von Producer Ron Rosenberg erweckten dann den Anschein, als würde es eine Situation geben, in der Lara beinahe vergewaltigt würde – dann aber wurde hier Entwarnung gegeben, der Eindruck sei falsch und die Szene habe einen anderen Hintergrund. Warum dann also trotzdem die 18? Als das Spiel dann im Handel war, zeigten sich manche entsetzt darüber, dass die teils ziemlich brutalen Todesszenen von Lara ungeschnitten in der deutschen Version gezeigt wurden. Dabei ist aber zu beachten, dass diese Szenen keinerlei Interaktion des Spielers beinhalten, was für Gewaltdarstellung immer ein wichtiges Kriterium ist.
The Witcher 2
Quelle: PC Games
The Witcher 2
Der erfolgreiche Rollenspielexport aus Polen wurde in Deutschland ab 16 freigegeben, was den einen aufgrund der vielen nackten Haut, den anderen aufgrund der vielen Gewalt nicht einleuchten wollte. Dabei wurde zuweilen der Vergleich zu Dragon Age 2 gezogen, das zwei Monate früher erschien, ebenfalls ein düsteres Fantasy-Setting zeigte, aber das 18er-Siegel erhielt. Allerdings muss man dabei bedenken, dass in Dragon Age 2 menschliche Gegner (und die meisten Gegner sind tatsächlich Menschen oder sehr menschenähnlich) regelrecht in ihre Einzelteile zerfallen, wenn sie getötet werden. Die Inszenierung bei The Witcher 2 ist da im Vergleich zurückhaltend. Außerdem sind dort viele Gegner auch monströser Natur, was ebenfalls "mildernde Umstände" bedeutet.
Das Prüfungsverfahren
1. Ein Publisher reicht das Spiel mit einem Antrag auf Bewertung bei der USK ein.
2. Die USK benennt Sichter, die das Spiel auf jugendgefährdende Inhalte prüfen. Die Sichter müssen eine gute Kenntnis der Branche mitbringen und erhalten eine Schulung, wie sie relevante Inhalte erkennen, zusammenstellen und präsentieren.
3. Der zuständige Sichter präsentiert die Spielinhalte einem Gremium von Jugendschutzexperten. Außerdem legt er einen genauen Bericht über die Spielinhalte vor. Die Sachverständigen werden von den Bundesländern gestellt. Aus dem Pool von über 50 Experten werden jeweils 4 ausgewählt.
4. Auf Basis der Vorführung sprechen die Jugendschutzexperten eine Empfehlung aus.
5. Der ebenfalls anwesende ständige Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde (OLJB) des für die Kennzeichnung von Videospielen federführenden Bundeslandes Nordrhein-Westfalen kann die Empfehlung annehmen oder ein Veto einlegen, auf das hin ein Publisher eine neue Prüfung beantragen müsste.
6. Die Kennzeichnung wird durch die OLJB offiziell gemacht.
In diesem Artikel
7. Im Falle einer Verweigerung der Kennzeichnung kann die USK, sofern extrem jugendgefährdende oder gar strafrechtlich bedenkliche Inhalte gefunden wurden, die BPjM informieren. Erst die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien kann nach einer weiteren Prüfung eine Indizierung aussprechen. Eine Beschlagnahmung kann sogar erst durch ein Gericht angeordnet werden, wenn strafrechtlich relevante Inhalte vorliegen.

"Zitat" :
Eine „USK 21“ ist nicht notwendig, bzw. würde sie nichts ändern, denn Spiele ohne USK-Kennzeichen oder auch indizierte Spiele dürfen ja legal an Erwachsene abgegeben werden, solange sie nicht in Deutschland per Gerichtsurteil eingezogen oder beschlagnahmt sind.
Allerdings besteht für ungekennzeichnete Spiele kein Rechtsschutz vor Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), wie ihn ein USK-Kennzeichen gewährleistet. Über Indizierungen entscheidet nach Veröffentlichung auf Antrag einer Jugendbehörde o.Ä. die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (www.bundespruefstelle.de).
Deshalb will sich der Handel mit ungekennzeichneten Spielen oft nicht belasten: Indizierte Medien dürfen nicht offen im Regal stehen und nicht beworben werden. Sie dürften jedoch „unterm Ladentisch“ auf Nachfrage volljähriger Personen an sie abgegeben werden (wenn nicht ein Gerichtsurteil über ein Gesamtverbot des Vorrätighaltens des Produkts droht, siehe oben).
Wenn durch die USK nach Prüfung kein Kennzeichen erteilt wird (weil eine Indizierungsvermutung besteht), kann der Anbieter zweimal in Berufung gehen. Steht die finale Nichtkennzeichnung fest, kann er es ohne Kennzeichen veröffentlichen (nur für Erwachsene), er kann eine veränderte Version einreichen oder er veröffentlicht nicht in Deutschland
Ok, §131 des Strafgesetzbuches bezieht sich auf Grausamkeiten gegen Menschen oder menschenähnlicher Wesen.
Aber Brutalität gegen modellierte Polygone würde ich nicht als menschenähnliche Wesen bezeichnen, dafür sehen und verhalten sich bei den meisten Spielen die Charaktere viel zu ähnlich als das wir sie als "Wesen" bezeichnen können.
Ach und wenn wir schon bei Bulletstorm sind, dort ist das gesamte Setting so "Over the Top", wodurch man die Brutalität nicht so ernst nehmen kann.
Da ist im Konstrast ein GTA 5/ The Last of Us aufgrund des Settings merklich grausamer.
Postal 2 z.b. ist auch ungeschnitten ab 18 ...
Auf das Fehlen der Symbole kann ich ja noch grummelnd verzichten.
Erstens bedeuten sie mir eh nichts, zweitens wird das Spiel dadurch kein bisschen "authentischer".
Über Steam gekauft, muss sich der Ösi (wie es sich gehört) mit einem "reinen deutschen" Spiel begnügen.
Die originale Sprachausgabe ist nicht erhältlich. Wieviel bei der Vertonung geschnitten worden ist... keine Ahnung. :-)
Aber egal woher du eine US oder UK 100% Uncut Version bezogen hast, an VPN wirst du, auf dem PC in D,
wohl nicht vorbeikommen...