Der Jugendschutz spielt in Deutschland bei Computer-Spielen eine wichtige Rolle. Wir haben uns bei der USK das Verfahren zeigen lassen und berichten in dieser Reportage von der täglichen Arbeit der Prüfer, den Kriterien und vielem mehr.
Klare Kriterien
Dass die Entscheidung darüber, was für Jugendliche zu viel sein könnte, nicht gerade einfach ist, zeigten auch Testrunden bei unserem Besuch. Dabei konnten die Gäste selbst bei einer kurzen Vorführung die wichtigsten Aspekte eines Titels kennenlernen und danach ihr Votum abgeben. In diesem Zusammenhang wurden auch einige Gepflogenheiten der Sichter vorgestellt – da es zum Beispiel wichtig ist, ob in einer gewalthaltigen Szene der Spieler selbst eingreifen kann, wird während Cutscenes der Controller oder die Maushand gehoben, damit jeder direkt den Unterschied wahrnimmt.
Ein Ego-Shooter wurde dabei vorgeführt mit allen Möglichkeiten, Gegner zu erledigen, den dafür vorgesehenen Achievements und Animationen. Am Ende entschied sich die Mehrheit in der Runde für ein 18er-Siegel, ein Teilnehmer sogar für eine Freigabe ab 16. Tatsächlich befand sich die vorgeführte Version auf dem Index. Fast noch lebhafter wurde unter den anwesenden Schulklassen diskutiert, die beim Playstation-3-Titel Der Puppenspieler zwischen 6 und 12 schwankten, da ihnen die Cutscenes doch überraschend gruselig vorkamen. Die offizielle Kennzeichnung lautet hier "Ab 6", da in dem Spiel alle Aktionen klar Teil eines Theaters sind, was eine Art Barriere zwischen Spieler und Inhalt aufbaut.
Quelle: PC Games
Entspanntes Arbeiten im gemütlichen Umfeld - so stellt sich mancher Laie vermutlich auch die Arbeit in einer Spieleredaktion vor. In beiden Fällen ist es vor allem eines: ein "richtiger" Beruf.
Diese Feinheiten sind vielleicht sogar die wichtigsten Kriterien, da der deutlich überwiegende Anteil aller von der USK geprüften Titel in den Kinder- und Jugendbereich fällt. Nicht einmal 8% aller Einsendungen erhalten das Siegel mit der roten 18 für "Keine Jugendfreigabe", die nicht gekennzeichneten Spiele machen sogar unter ein Prozent aus – sicherlich auch, weil Publisher ganz klar vom Index bedrohte Produkte in Deutschland gar nicht erst zur USK geben oder freiwillig Kürzungen unterziehen.
Um überhaupt aus dem Raster der USK zu fallen und vielleicht ein Kandidat für die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zu werden, muss ein Spiel zum Beispiel Gewalt gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen als Selbstzweck und mit einer die Menschenwürde verachtenden Darstellung inszenieren, Kinder oder Jugendliche in sexuellen Zusammenhängen präsentieren oder aber den Krieg als solchen verherrlichen.
Kulturelle Prägung
Gerade der letzte Punkt ist ein sehr deutsches Phänomen des Jugendschutzes. In den USA wird in den Medien deutlich "lockerer" mit Gewaltdarstellung und Krieg umgegangen, dafür sind die Grenzen bei erotischen Inhalten deutlich enger gesteckt. Kurioserweise haben die Briten im Gegenzug ein Problem mit expliziter Sprache und in Griechenland ist jede Form von Glücksspiel ein No-Go.
Quelle: PC Games
Wunschlisten der anderen Art: Weil sie so viele Titel durcharbeiten müssen, dürfen sich die Sichter auch ein paar Titel vormerken, die sie sich unbedingt selbst vorknöpfen wollen.
Jede Nation hat dabei ihre eigenen Traditionen und Gründe für die Entscheidungen, Deutschland ist aber das Land mit den klarsten Strukturen und Vorgaben für den Jugendschutz in Spielen. Auch wird der Jugendschutz mehrfach schon im Grundgesetz hervorgehoben und in Paragraph 5 wird das Recht zur freien Meinungsäußerung dahingehend eingeschränkt, dass der Schutz der Jugend vorgeht. Deswegen müssen auch erwachsene Gamer mit USK-Siegeln auf ihren Packungen und etwas mühseligeren Einkäufen indizierter Titel leben.
Die Zukunft
Da immer mehr Spiele ausschließlich online oder als Apps auf Tablets und Smartphones verbreitet werden, gibt es auch immer größere Grauzonen, die den Jugendschutz nicht gerade einfacher machen. Die Gesetzesgrundlage für die USK sollte in der Hinsicht angepasst werden, aber der Markt entwickelt sich schneller als die legale Nacharbeit hinterherkommen kann.
Davon abgesehen wünscht sich der USK-Geschäftsführer Felix Falk im Interview auch mehr Bewusstsein der Publisher für den Stellenwert ihrer Produkte. In den letzten Jahren hat zum Beispiel Bethesda Softworks nach dem Erwerb der Rechte an alten Id-Software-Titeln Klassiker wie Doom vom Index nehmen und neu prüfen lassen.
In diesem Artikel
Viele der alten Schätze im Retro-Regal der USK könnten vielleicht auch endlich ihren Platz als Meilensteine der Gaming-Geschichte einnehmen und nicht länger aus Angst vor rechtlichen Maßnahmen in den Medien totgeschwiegen werden, wenn sich die Rechteinhaber hier dazu entschließen könnten, einen dementsprechenden Antrag zu stellen. Denn dass die ‚Killerspiele' von damals heute nicht mehr als jugendgefährdend eingestuft würden, sondern endlich offen für Gamer zugänglich wären, ist in der Regel klar abzusehen.

"Zitat" :
Eine „USK 21“ ist nicht notwendig, bzw. würde sie nichts ändern, denn Spiele ohne USK-Kennzeichen oder auch indizierte Spiele dürfen ja legal an Erwachsene abgegeben werden, solange sie nicht in Deutschland per Gerichtsurteil eingezogen oder beschlagnahmt sind.
Allerdings besteht für ungekennzeichnete Spiele kein Rechtsschutz vor Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM), wie ihn ein USK-Kennzeichen gewährleistet. Über Indizierungen entscheidet nach Veröffentlichung auf Antrag einer Jugendbehörde o.Ä. die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (www.bundespruefstelle.de).
Deshalb will sich der Handel mit ungekennzeichneten Spielen oft nicht belasten: Indizierte Medien dürfen nicht offen im Regal stehen und nicht beworben werden. Sie dürften jedoch „unterm Ladentisch“ auf Nachfrage volljähriger Personen an sie abgegeben werden (wenn nicht ein Gerichtsurteil über ein Gesamtverbot des Vorrätighaltens des Produkts droht, siehe oben).
Wenn durch die USK nach Prüfung kein Kennzeichen erteilt wird (weil eine Indizierungsvermutung besteht), kann der Anbieter zweimal in Berufung gehen. Steht die finale Nichtkennzeichnung fest, kann er es ohne Kennzeichen veröffentlichen (nur für Erwachsene), er kann eine veränderte Version einreichen oder er veröffentlicht nicht in Deutschland
Ok, §131 des Strafgesetzbuches bezieht sich auf Grausamkeiten gegen Menschen oder menschenähnlicher Wesen.
Aber Brutalität gegen modellierte Polygone würde ich nicht als menschenähnliche Wesen bezeichnen, dafür sehen und verhalten sich bei den meisten Spielen die Charaktere viel zu ähnlich als das wir sie als "Wesen" bezeichnen können.
Ach und wenn wir schon bei Bulletstorm sind, dort ist das gesamte Setting so "Over the Top", wodurch man die Brutalität nicht so ernst nehmen kann.
Da ist im Konstrast ein GTA 5/ The Last of Us aufgrund des Settings merklich grausamer.
Postal 2 z.b. ist auch ungeschnitten ab 18 ...
Auf das Fehlen der Symbole kann ich ja noch grummelnd verzichten.
Erstens bedeuten sie mir eh nichts, zweitens wird das Spiel dadurch kein bisschen "authentischer".
Über Steam gekauft, muss sich der Ösi (wie es sich gehört) mit einem "reinen deutschen" Spiel begnügen.
Die originale Sprachausgabe ist nicht erhältlich. Wieviel bei der Vertonung geschnitten worden ist... keine Ahnung. :-)
Aber egal woher du eine US oder UK 100% Uncut Version bezogen hast, an VPN wirst du, auf dem PC in D,
wohl nicht vorbeikommen...