Report: Das große Problem mit Unitys Runtime Fees

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Report: Das große Problem mit Unitys Runtime Fees
Quelle: PC Games

Update: Unitys Runtime Fees lösten Chaos im Netz aus. Was Ironsource, Applovin, Riccitiello und Anwälte damit zu tun haben, klären wir in unserer Reportage auf.

Einige Ausnahmen

Aber nicht nur die Definitionen, welche Installationen nun gelten und wer überhaupt zahlen muss, ändert Unity aus reiner Launenhaftigkeit. Denn auch wer überhaupt betroffen ist, ist nicht ganz klar. Zunächst zählten nämlich auch Demos zu Installationen, inzwischen sind die aber ausgeklammert - mit dem Vermerk, dass Early-Access-Spiele nicht als Demos zählen und somit durchaus Gebühren nach sich ziehen.

Eine weitere Ausnahme gilt für Spiele, die als Spenden- oder Bildungsprojekte daherkommen. Die sollen ebenfalls von den Gebühren ausgenommen sein - so zumindest in der Theorie. Denn welche Spiele in diese Kategorie fallen, das entscheidet Unity anscheinend nach bestem Wissen und Gewissen selbst. Das prominenteste Beispiel ist Orgynizer, ein sex-positives Spiel, dessen Entwickler sich für Frauenrechte in Amerika einsetzt und dessen Einnahmen komplett an Stiftungen und Organisationen wie Krankenhäuser gehen, die unter anderem auch über Abtreibung und sexuell übertragbare Krankheiten aufklären. Zur Sicherheit fragte das dänische Studio bei Unity an, ob sie als sogenanntes Charity-Game gälten. "Nein", so die Antwort - man würde als politische Gruppierung zählen.

Statement der Entwickler hinter Orgynizer Quelle: steamcommunity.com Statement der Entwickler hinter Orgynizer Dieser Präzedenzfall beängstigt andere Studios. Paintbucket Games erzählt uns, dass man ihre Spiele über den Zweiten Weltkrieg auch im Bildungskontext nutzt, ohne dass sie daran Geld verdienen. Dem Berliner Studio stellt sich nicht nur die Frage, ob Unity ihr Spiel tatsächlich als bildungswürdig einstuft, sondern auch, wie man gedenkt, zwischen kommerziellen Installationen und solchen für Bildungseinrichtungen zu unterscheiden. Spiele wie The Darkest of Times ständen im Zweifelsfall nicht mehr für Schulen und ähnliche Institutionen bereit.

Eine letzte Sonderregelung bleibt Studios vorbehalten, die in ihre Spiele Unitys hauseigene Monetarisierungsmodelle einbinden. Die haben nämlich die Chance auf einen Rabatt bei den Installations-Gebühren, wenn sie die bereitgestellten Tools benutzen. Das ist aber vor allem für Mobile-Games interessant und betrifft etliche Entwickler von PC- und Konsolen-Spielen nicht, die gar keine Werbung in ihren Spielen schalten. Also die Art von Monetarisierung, die Unity mit ihren Systemen unterstützt.

Auf die Barrikaden

Doch auch die Mobile-Entwickler sind richtig sauer: In einem offenen Brief wendet sich eine Gruppe von Unternehmen an Unity und fordert die Rückgängigmachung ihres Vorhabens. Bis dahin lassen sie Taten sprechen und entfernen die Monetarisierungsoptionen aus ihren Spielen, über die Unity dauerhaft Geld reingespült bekommt. Dazu zählen Entwickler wie Voodoo.io, Azur Games und Say Games, die einem auf den ersten Blick nicht wirklich bekannt vorkommen, aber tatsächlich eine gewaltige Markmacht aufbringen. Jedes dieser Unternehmen hat ein Portfolio von über 100 Spielen und alleine Voodoo.io hat mit über sechs Milliarden Downloads eine aktive Spielerschaft von über 150 Millionen monatlichen Nutzern vorzuweisen. Insgesamt haben über tausend Unternehmen, die kollektiv über 25 Milliarden Installationen vorweisen, den offenen Brief unterschrieben.

Nehmen wir Unitys absolut niedrigsten Wert, den ein Entwickler pro Installation zahlen müsste - also, wenn er das teuerste Abo hat und man erst ab der millionsten Installation des Monats zählt, sprich 0,005 Dollar -, dann sprechen wir bei 25 Milliarden Installationen bereits von 125 Millionen Dollar an Gebühren. Die Rechnung ist natürlich extrem runtergebrochen, aber veranschaulicht gut, mit welchen Zahlen wir es hier zu tun haben.

Andernorts droht Massiv Monster, Entwickler von Cult of the Lamb, sein Spiel am 01. Januar 2024 von sämtlichen Plattformen zu löschen. Bis dahin besteht noch Zeit, das Spiel zu kaufen und runterzuladen. Später stellte das Studio unter Publisher Devolver klar, dass man sie dabei nicht allzu ernst nehmen soll, verständlich und nicht komplett abwegig wäre der Schritt aber doch. Die Entwickler hinter Terraria spendeten kurzerhand 200 Tausend Dollar an die Opensource-Engines Godot und FNA, obwohl sie Unity nicht einmal wirklich nutzen.

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Weitere Projekte wird man dann aber nicht mehr mit Unity realisieren - selbst wenn man dadurch lange Verschiebungen in Kauf nehmen muss, denn mit einem Engine-Wechsel gehen mehrere Probleme einher. Zum einen müssen Preise natürlich neu kalkuliert werden - denn andere Anbieter arbeiten nach anderen Systemen -, das viel größere Problem ist aber das Skillset der Entwickler. Wer mit Unity programmieren kann, hat dadurch leider nicht automatisch die nötigen Fertigkeiten, um genauso schnell mit Godot oder der Unreal-Engine zu arbeiten - zwei der möglichen Alternativen, die zurzeit in aller Munde sind.

Andere Entwickler sind schon längst gewechselt und freuen sich jetzt natürlich über ihr Glück. Benjamin Lochmann von Pixel-Maniacs erzählt uns, dass das Studio hinter Escape the Loop vor rund einem Jahr auf die Unreal Engine umgestiegen ist. Und das trotz Bedenken der Entwickler und trotz happiger Preise. Fünf Prozent vom Umsatz kassiert Epic Games, klopft dafür im Nachhinein aber auch nicht mit einem Schlägertrupp an die Tür.

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    • Kommentare (21)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Garfield1980 Mitglied
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von McTrevor
        Das mag ja rechtlich durchaus kompliziert sein. Aber, wenn Du wirklich auf eine Engine angewiesen bist, deren Anbieter sich als so volatil rausstellt, dann ist da mal eben die Geschäftsgrundlage den Bach runter gegangen.
        Ja, seh ich ja ähnlich.

        Aber wird spannend sein wie sich das WIRKLICH entwickelt.

        Unity hat sich schon in der Vergangenheit "Dinger" geleistet, wo die Entwickler geschrien haben, im Endeffekt waren die Konsequenzen nicht so merkbar .. wenn ich mich recht entsinne. Waren aber nicht so große Geschichten wie dieses hier.

        Aber wie gesagt, ob die anderen Engines im Markt so vollumfänglich Alternativen sind ist wohl auch durchaus komplexer, man wird sehen.
      • Von McTrevor Mitglied
        Das mag ja rechtlich durchaus kompliziert sein. Aber, wenn Du wirklich auf eine Engine angewiesen bist, deren Anbieter sich als so volatil rausstellt, dann ist da mal eben die Geschäftsgrundlage den Bach runter gegangen.
      • Von fud1974 Mitglied
        Zitat von HeavyM
        Nunja als ob es keine anderen grafikengines gibt. Und wenn ein Vertrag erst mal abgeschlossen ist kann ich mir nicht vorstellen das sie das grundsätzlich bei laufenden Verträgen ändern können. Wie die Ferengi schon immer sagten in der 17. Erwerbsregel: Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag
        Wir werden auch in unserem Podcast noch mal drauf eingehen.. zumindest ich meine, dass das nicht sooo einfach ist wie manche sich das vorstellen.

        Godot z.B. kann - nicht so wirklich - Spiele auf Konsolenplattformen kompilieren ... es geht so indirekt über einige Drittfirmen, aber da liegen wenig Erfahrungswerte vor soweit ich weiß. Und von der 3D Performance/Fertigkeitsumfang würde ich es - noch - unter Unity ansiedeln.

        Unreal ist das "große Eisen", gilt aber als nicht so der Burner auf Mobilgeräten.

        Sprich, Unity hat schon einen spezifischen Platz am Markt, es kann mehrere Zielplattformen hinreichend gut, alle anderen Engines haben andere Schwerpunkte. Wenn die bei Unity Technologies nicht so einen hirnverbrannten Shit machen würden (der aber wohl primär daraus hervorgeht dass ihr Geschäft einfach nicht profitabel ist gegenwärtig..) dann wären eigentlich wohl alle ziemlich einig dass Unity schon eine ziemlich einzigartige Kombination anbietet.

        Nicht umsonst wollte ja die European Game Developers Federation eine Klage erwägen wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung... ob das erfolgreich gewesen wäre, keine Ahnung, das hätte wohl erstmal in die Prüfung gemusst.

        Und was das mit der retroaktiven Änderung angeht und den Verträgen.. da waren sich die "Gelehrten" (=Anwälte) tatsächlich - auch zu meiner Überraschung - gar nicht so sicher, bei uns in Deutschland wäre das wohl nicht möglich, aber erstmal müsste man schauen welches Recht überhaupt zur Anwendung kommt. "So einfach" geht eine retroaktive
        Änderung wohl nicht, aber wie gesagt.. .das müssten Fachleute klären.

        Siehe auch:

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      • Von Garfield1980 Mitglied
        Zitat von HeavyM
        Nunja als ob es keine anderen grafikengines gibt.
        Ich glaube du stellst dir das ein bißchen zu einfach vor. Unity ist nicht ohne Grund soweit verbreitet.
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