Undercover: Operation Wintersonne
Der Spionageeinsatz im Zweiten Weltkrieg entpuppt sich als ordentliches Knobelabenteuer.
In den Straßen von Berlin verzieht sich John schnell in eine dunkle Ecke, sobald Soldaten auftauchen.
London, 1943: Der Physiker John Russell wird vom britischen Geheimdienst angeheuert, um die Echtheit brisanter Wehrmachtsdokumente zu bestätigen. Die handeln von einer tödlichen deutschen Entwicklung, der Uranbombe - eine Waffe, die dem Dritten Reich zum Endsieg verhelfen könnte. Russell willigt ein, sich mithilfe einiger Agenten in Berlin nach Beweisen umzusehen - und stolpert unwissend in ein waschechtes Spionageabenteuer, das ihn außer nach London und Berlin auch nach Haigerloch, in eine unterirdische Militärbasis und sogar ins zerstörte Stalingrad (seit 1961 Wolgograd) führt.
Was aufregend klingt, entpuppt sich als ein gemütlich dahinplätscherndes Point-&-Click-Adventure. Der generelle Mangel an Spannung entsteht dabei vor allem aus dem Rätseldesign: Eine frisch überwältigte Wache trägt beispielsweise ein Notizbuch bei sich, in dem der Passcode zu dem supergeheimen Wehrmachtsarchiv zwei Meter weiter verzeichnet ist. Das ist unglaubwürdig und sägt kräftig am Atmosphärestandbein - das ein Spionagekrimi mit realistischem Szenario eben braucht.
Dazu kommen zuweilen alberne Dialoge: Russell wirkt bis zum Schluss des Spiels einfach zu sauber und geleckt, seine Kommentare sind nie schlagfertig oder wirklich interessant. Anders bei seiner fast zu kessen Agentenkollegin Anne Taylor: Die Dame albert selbst dann noch herum, wenn vor der Tür die SS auf und ab marschiert. Spielen darf man Anne nur an einer Stelle, nämlich bei einer anstrengenden Schleichpassage, bei der man sie durch ein bewachtes Archiv schleust - nicht schwer, aber etwas nervig.
Einige Rätsel sind angenehm klassisch, etwa einen Türknauf zur Stromschlagfalle für Nazi-Soldaten umzufunktionieren. Das ist logisch und macht Spaß. Andere Aufgaben lassen sich nur durch pures Ausprobieren knacken. Immerhin: Per Tastendruck zeigt das Spiel alle Hotspots an, das hilft ungemein. Aber man schleppt viele unnötige Gegenstände mit sich herum - spielerisch ist das sinnlos. Ebenfalls unschön: Selbst auf modernen Rechnern gibt es bei Szenenwechseln mehrsekündige, störende Ladezeiten.
