Stark im Mittelfeld
STOCHERN UND STECHEN Taktiker schlagen die Hände Über dem Kopf zusammen.
Nachdem der einstige Häkelkanal tm3 zur Heimat für Fußballfans umfunktioniert worden ist, beginnt auch am PC eine neue Zeitrechnung: Dank UEFA kann selbst der behäbigste Sofastürmer das runde Leder kunstvoll durchs Stadion treten.
Eidos gelingt zwar trotz wertvoller Lizenz nicht das Kunststück, Genreprimus EA Sports ins Abseits zu stellen, doch zumindest eine Qualität hebt das Spiel aus der Masse heraus: Während die FIFA-Serie mit ihrer Realitätsnähe Anfänger erstmal aus vollem Lauf vor den Kopf stößt, bietet UEFA Jux ohne Muskelkrampf vom Dauertraining. Begleitet von der Mannschaft Ihres Herzens, inklusive der Originaltrikots und echter Namen, laufen Sie vom Fleck weg in die europäischen Großarenen ein, um echte Champions-League-Luft zu schnuppern. Entweder spielen Sie dazu die aktuelle Saison nach, denken sich Fantasiepartien zweier Teams der Liga aus oder versuchen die Fußballhistorie zu verändern, indem Sie in alle Finals seit 68 aktiv eingreifen - jeweils ab einer festgelegten Schlüsselstelle. Lustig-dämliche Nebensache in diesem Zusammenhang: Auf den Banden der Urzeit-Endspiele wird bereits Sonys Playstation beworben.
Frei einstellbar ist die simple Steuerung Über acht Knöpfe für Standardaktionen wie Schuss, Pass oder Stochern. Dasselbe gilt im Grunde für den Schwierigkeitsgrad, allerdings treibt auch dessen höchste Stufe keinem Profi Schweißperlen aus den Poren. Viel zu sehr neigt dafür der Ablauf Richtung Actionecke. Trotz eigenhändig bestimmbarer Formationen und Taktiken sind die Ballwechsel einfach und schnell. Entsprechend hoch ist die Trefferfrequenz und weil mit etwas Glück sogar Sololäufe von der Mittellinie aus zum Erfolg führen, werden noch wahre Gamepad-Dilettanten den Ball wiederholt Über die Torlinie stolpern. Komplexe SpielzÜge und Übermäßig viele Schautricks dÜrfen Sie von UEFA also um Himmels Willen nicht erwarten. Grundsätzlich stürmt man geradeaus nach vorne, fertig. Die Anzahl der Kameraperspektiven ist auf drei beschränkt, als Ausgleich lassen sich Höhe und Nähe frei justieren.
tm3-Quasselonkels, die prima Souffleure für Helge Schneider abgeben würden ("Ein gefährlicher Schuss - und kontrovers dazu!"), kommentieren das Geschehen wenig geistreich, tun dem Bolzspaß aber keinen Abbruch. "Nur" gut ist UEFAs Vorstellung aus dem technischen Blickwinkel: Stellenweise bewegen sich die Spieler, als würden Sie an Rückgratversteifung leiden und das Publikum ist Farbenmatsch - dank hoher Auflösungen und sonst hübscher Texturen reicht es trotzdem für den Grünbereich. Nicht unerwähnt soll zuletzt ein ärgerliches Testergebnis bleiben: Auf keinem Rechner mit Voodoo-3-Karte bekamen wir UEFA absturzfrei zum Laufen.
