Tom Clancy's Splinter Cell: Wir blicken zurück auf den Stealthklassiker - plus Video!
Während Metal Gear Solid stets das Bizarre inklusive semiübernatürlicher Elemente in den Stealth-Mittelpunkt stellt, ging Splinter Cell mit seinem deutlich realistischeren Ansatz schon im ersten Teil in die genau gegenteilige Richtung - und traf damit mitten ins Schwarze! Wir blicken in unserem Retrospecial zurück auf den unvergesslichen Schleichspielklassiker. Inklusive Video!
Call of Duty, Battlefield und Co. haben uns gelehrt: Bekommen wir in einem Videospiel eine Waffe in die Hand gedrückt, so sollten wir sie auch ausgiebig nutzen. Ist ja auch meistens die einzige Möglichkeit, um sich gegen all die virtuellen bösen Buben zur Wehr zu setzen! Ganz anders das Stealth-Genre. Hier geht es vielmehr darum, dem Drang, zur Wumme zu greifen, zu widerstehen und stattdessen ruhig, bedacht und im Idealfall völlig ungesehen vorzugehen. Abenteuer wie jene der Thief-Serie machten es vor und die 3D-Ableger der Metal-Gear-Reihe kombinierten die Idee mit einer abgefahrenen Welt voller durchgeknallter Figuren. Doch 2002 erschien ein Spiel, welches das Genre in Sachen Realismus auf ein neues Level hievte: Splinter Cell (jetzt kaufen 17,49 € )!
In diesem Artikel
Der Agent, den niemand kennt
Nachdem mit mehreren Titeln aus den Rainbow-Six - und Ghost-Recon-Serien schon der Grundstein für spielbare Militär-Thriller der Marke Tom Clancy gelegt wurde, war klar, worauf man sich atmosphärisch mit dem Spiel in etwa einließ: große Weltverschwörungen, die guten USA, böse Usurpatoren und wir als Held mittendrin.
Obwohl ein gewisser überbordender Patriotismus nicht abzustreiten ist, fühlte und fühlt sich Splinter Cell aber vergleichsweise geerdet an. Das liegt primär am inzwischen ikonischen Helden der Reihe, Sam Fisher. Spätere Titel geben ihm eine persönliche Agenda und versuchen wenig geschickt, ihn zu einer tragischen Figur aufzubauen. Im ersten Teil ist er aber einfach nur ein Mann der Tat, über dessen Privatleben wir nur das Nötigste wissen. Er braucht keine Liebesgeschichte, keine persönliche Vendetta - er will den Auftrag erfüllen, welchen die neue gegründete US-amerikanische Geheimorganisation Third Echelon ihm, dem verdienten Weltklassespion, aufgetragen hat. Und der hat es durchaus in sich: Unruhen, die alle mit den dubiosen Taten des neuen georgischen Präsidenten Kombayn Nikoladze zusammenzuhängen scheinen, machen die US-Geheimdienste hellhörig. Nachdem Sam dem mörderischen Schicksal zweier verschwundener Agentenkollegen auf die Schliche gekommen ist, verdichten sich die Hinweise bezüglich einer globalen Katastrophe, die auch Atomwaffen inkludiert, immer weiter und immer mehr involvierte Schattenmänner und Nationen tun sich auf.
Tom Clancy in Reinform
Quelle: PC Games
Die Dunkelheit ist atmosphärisch und ein wichtiges Spielelement. Umso mehr genießt man außerdem die relativ seltenen Momente, in denen man im Hellen unterwegs ist.
Liest sich wie ein durchschnittlicher Spionagethriller und tatsächlich erfindet Splinter Cell erzählerisch nichts neu. Die Geschichte gleitet aber weder ins Lächerliche ab, noch nimmt sie sich übertrieben ernst - und wird von Sams stoischer Art und seinem trockenen Humor getragen. Es hilft, dass ihm im englischen Original Michael Ironside seinen unverwechselbaren Bariton leiht und in der deutschen Fassung die nicht minder ikonische Stimme von Martin Keßler zu hören ist, seines Zeichens Synchronsprecher unter anderem von Vin Diesel. Die restlichen Sprecher schwanken qualitativ. Vor allem die tendenziell rassistischen Fake-Akzente der russischen/georgischen und später chinesischen Widersacher wirken im Jahr 2019 etwas deplatziert. Aber sie gehören irgendwie zu Splinter Cell dazu, und als sie beginnend mit Teil 3 der Reihe, Chaos Theory, der Vergangenheit angehörten, fehlten sie uns dereinst fast ein bisschen.
Quelle: PC Games
Der Thermalsicht kommt nicht dieselbe Relevanz zu wie der Nachtsicht. An einigen Stellen wie dieser, bei der wir mit ihr Bodenminen sehen, ist sie aber unverzichtbar.
Aber nicht nur die Vertonung ist nicht mehr vollkommen up to date, auch die Präsentation ist nicht allzu gut gealtert. Während die Ingame-Gespräche über unser Ohrmikro zur Spionagestimmung beitragen, wirken die je nach Plattform in Echtzeit berechneten oder vorgerenderten Zwischensequenzen (siehe Exkurs am Ende dieses Artikels) altbacken und aus der Zeit gefallen. Aber hey, vor 17 Jahren war das noch gehobenes Niveau! Und technisch kann sich der Titel ansonsten auch heute noch sehen lassen. Klar, verwaschene Texturen gibt's allenthalben, einige Animationen wirken hölzern und in den Konsolenversionen sind die Gebiete sehr klein und durch Ladezeiten getrennt. Aber das tolle Spiel mit Licht und Schatten und das ein oder andere auch heute noch künstlerisch ansprechende Areal können sich sehen lassen. Die Soundkulisse, dank der beim Schleichen kleinste Unterschiede im Untergrund zu erkennen sind und die auch sonst voll auf Realismus setzt, hat sogar so manchem modernen Spiel etwas voraus.
Schleich dich!
Quelle: PC Games
Im Dunkeln auf die richtige Gelegenheit warten, um einen Feind von hinten zu packen. Damit verbringen wir sehr viel Zeit im Abenteuer. Hier ist Geduld gefragt!
Diese hohe Soundqualität braucht's aber auch, ebenso wie die guten Lichteffekte, denn beide sind von spielerischer Bedeutung. Der Schatten ist nämlich unser bester Freund, und wenn wir nicht stets aufmerksam sind und genau darauf achten, was um uns herum passiert, dann sehen wir kein Land. Schon auf dem normalen Schwierigkeitsgrad sind Feinde aufmerksam, suchen nach uns, wenn sie uns im Schatten vermuten, und greifen gnadenlos zur Waffe, sobald sie uns erspäht haben. Vor allem in den Konsolenversionen kann das für Stress sorgen, denn anders als auf dem PC können wir dort nicht frei und jederzeit speichern. Checkpoints sind zwar meist fair gesetzt, bei einem Game-over müssen manchmal trotzdem einige Spielminuten wiederholt werden. Vor allem auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad, wo wir nach ein, zwei Treffern über den virtuellen Jordan wandern, kann das schnell in Frust ausarten!
Quelle: PC Games
Trotz seines Alters können sich manche Abschnitte von Splinter Cell grafisch durchaus sehen lassen. Vor allem die sehr guten Lichteffekte tragen dazu bei.
Also, wenn man nicht aufpasst. Denn auch wenn man abseits von Levels, in denen man nicht töten respektive nicht entdeckt werden darf, theoretisch einfach mit der Wumme in der Hand reihenweise Kopfschüsse verteilen kann, machen einem mehrere Aspekte einen Strich durch die Rechnung. Einige davon aus gutem Grund, andere wegen kleiner spielerischer Makel. So ist Munition rar gesät und auch Medipacks liegen nicht im Übermaß herum. Das ist auch gut so, denn so muss man beim Einsatz seiner Waffen fast schon strategisch vorgehen. Dass man bei einem offenen Feuergefecht auch mal fast sein Magazin leer schießt, liegt aber auch an der leider ziemlich schlechten Zielerkennung. Egal wie präzise man sein Fadenkreuz setzt, ein Treffer ist einem dadurch nicht sicher.
Das gilt für Feindeskontakt ebenso wie dann, wenn man zum Beispiel bloß eine Lampe ausschießen will, um für Dunkelheit zu sorgen. Auch ist die KI aufmerksam, aber nicht immer nachvollziehbar. Manchmal können wir neben Feinden mehr oder minder frei herumlaufen und sie bemerken uns nicht, ein anderes Mal schleichen wir in 15 Meter Entfernung im Dunkeln im prasselnden Regen und sie bemerken uns dennoch. Nicht falsch verstehen, man lernt, mit diesem Makel umzugehen, eine sehr befriedigende Schleicherfahrung ist Splinter Cell dennoch. Man merkt aber, dass es der erste Teil einer Reihe ist, welche diese Fehler erst in den folgenden Spielen nach und nach ausbügelte.

Das Gameplay selbst war von Beginn an schon toll (vor allem das feine Justieren der Laufgeschwindkeit über das Mausrad war seinerzeit top notch), wobei gerade die Möglichkeiten bzw. alternative Wege und Taktiken in den ersten Spielen nicht gerade umfangreich waren. So richtig Laune hat es für mich ab "Conviction" gemacht, weil Ubisoft endlich mehr aus der Figur Sam Fischer und dem Story-Telling gemacht hat. Bei einem womöglichen Sequel wäre es mir daher lieb wenn man die Richtung beibehält die sowohl Conviction aus auch Blacklist eingeschlagen haben. Ein "Back to the Roots" muss echt nicht sein.
Die Splinter Cell Stealth Reihe ist und bleibt meine große Liebe und der rote Faden in meiner Gaming Karriere. Ich pers. hab nie viel um den tieferen Sinn der Story gegeben, weil zum Glück unpolitisch, neutral und pazifistisch. Auch ohne Hintergrund lassen sich die Spiele auf spannende Atmosphäre und mit Sinn und Verstand durchspielen. Ich hab halt immer "einfach meinen Job getan"
Zur Frage am Ende: Definitiv KEINE Auftragsarbeiten mehr. Dann warte ich per. lieber 1-2 Jahre länger auf den Nachfolger. Klassiker Spiele wie Splinter Cell sollte "Chef" Sache bleiben. Wie erwähnt, für das Maximum an Hirn und Herz.
Sam Fischer wird nicht von Manfred Lehmmann sondern von Martin Keßler( Dt.Stimme von u.a. Vin Diesel und Nicolas Cage ) gesprochen.
mfg;