Krieg, der bleibenden Eindruck hinterlässt

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Test Victoria Niklaus - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Trügerische Zuflucht: Unsere marode Behausung ist voller Löcher und lädt so Banditen zum Plündern ein.
Quelle: PC Games

Eine Anti-Kriegs-Simulation, die uns eine Erfahrung der anderen Art bietet und uns dabei bis zum bitteren Ende fesselt. Erfahrt in unserem Test zu This War of Mine, was diesen Indie-Titel so anders macht und wieso er uns nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Im Krieg zählt nur eins: überleben. Um jeden Preis. Was wir dabei aber eher weniger auf dem Schirm haben: Diese Tatsache gilt nicht nur für die Soldaten, sondern auch für die Zivilisten. This War of Mine versucht, uns genau diese eher unbekannte Perspektive näherzubringen. Wir schlüpfen in die Rolle von verschiedenen Personen, die es nicht geschafft haben, vor den Schrecken des Krieges zu fliehen. Nun beginnt ihr Kampf ums Überleben und wir sind dabei immer an ihrer Seite.

Ein Sprung ins Ungewisse

Gleich zu Beginn werden wir ins kalte Wasser geworfen und befinden uns mit unserer Gruppe in einem verlassenen Haus. Die ungemütliche Ruine ist für die kommenden Wochen unser Zuhause und wird die einzige Zuflucht sein, auf die wir uns in diesen schweren Zeiten verlassen können. Unsere Vorräte sind nicht der Rede wert und bestehen bestenfalls aus etwas zu Essen, ein wenig Holz und Werkzeugen. Damit können wir zumindest den Grundstein unserer Existenz legen und erste Einrichtungsgegenstände notdürftig zusammenkleben. Ein Tutorial oder eine andere Hilfestellung gibt es zwar nicht, doch schon in den ersten Minuten erlernen wir die grundlegenden Handgriffe schnell durch Trial & Error.

Freund oder Feind? Auf Beutezug schützt uns ein Blick durchs Schlüsselloch vor bewaffneten Hausbewohnern. Quelle: PC Games Freund oder Feind? Auf Beutezug schützt uns ein Blick durchs Schlüsselloch vor bewaffneten Hausbewohnern. Per Mausklick weisen wir unsere Schützlinge an, sich durch Schutthaufen und verbliebene Schränke zu wühlen – immer in der Hoffnung, etwas Brauchbares zu entdecken. Das kleine, aber feine Crafting-System ermöglicht es uns, an der Werkbank fleißig zu basteln, und nach ein paar Sekunden Bauzeit platzieren wir unser Werk dann per Drag & Drop an eine beliebige Stelle in unserem Haus. Dabei bauen wir vor allem notwendige Gegenstände, etwa einen Herd, ein Bett oder einen Ofen, ohne die wir die nächsten Tage nicht überleben könnten. Ein Sessel oder eine Gitarre füllen zwar nicht unseren immer hungrigen Magen, stärken aber die Moral und lenken uns vom schrecklichen Alltag ab. Später können wir auch Gegenstände bauen, die uns unabhängiger von den gefährlichen Beutezügen machen.

Ein Regenwasser-Sammelbecken, eine Falle für Kleintiere oder ein Kräutergarten kosten uns zwar viele Ressourcen, liefern uns allerdings verlässlich Nahrung und Wasser. Mit einem Destillateur stellen wir unseren eigenen Alkohol her – denn auch wenn wir etwas auf den ersten Blick nicht selbst benötigen, gibt es in einer verzweifelten Stadt immer jemanden, der etwas Nützliches dafür eintauschen würde. An unserer Werkbank bauen wir Waffen oder wichtige Werkzeuge für unsere Beutezüge. Somit sind wir tagsüber stets damit beschäftigt, unseren Unterschlupf auszubauen und unsere Schützlinge auf die kommende Nacht vorzubereiten. Auf diese Weise können wir wenigstens den gefährlichen Schüssen der Scharfschützen entgehen, die nur darauf lauern, unserem tristen Leben ein Ende zu bereiten.

Jäger und Sammler

Platzangst: Im Inventar ist jeder Slot kostbar und muss wohlüberlegt vergeben werden. Quelle: PC Games Platzangst: Im Inventar ist jeder Slot kostbar und muss wohlüberlegt vergeben werden. Bricht die Nacht herein, beginnt der gefährliche Part des Spiels. Wir organisieren unsere Gruppe, weisen Aufgaben zu und treffen dabei folgenschwere Entscheidungen. Eine Person schicken wir auf Beutezug zu einem von uns auf der Karte gewählten Ziel. Die Zurückgebliebenen halten entweder Wache, um Plünderer aus unserem Haus fernzuhalten, oder schlafen, um für den kommenden Tag ausgeruht zu sein. Was zu Beginn noch leicht von der Hand geht, wird in den kommenden Tagen durch Faktoren wie Krankheit, Verletzung, Erschöpfung oder dringend benötigte Ressourcen beeinflusst. Wählt also weise unter euren Gruppenmitgliedern, denn jede falsche Entscheidung hat Konsequenzen!

Bei der Planung stellt sich auch die Frage, ob und mit welcher Ausrüstung wir den beschränkten Platz im Rucksack ausfüllen. Ein Brecheisen oder ein Dietrich ermöglichen uns beispielsweise Zugang zu verschlossenen Räumen, nehmen aber ebenso einen Slot, der für unsere Beute gedacht ist, in Anspruch. Eine Waffe kann lebensnotwendig sein, wenn unser Ziel von Deserteuren oder verzweifelten Überlebenden besetzt wird. Diese lassen sich ihre Habseligkeiten nämlich nicht so einfach von uns klauen und so kann ein Beutezug auch schnell damit enden, dass eure Gruppe ein Mitglied verliert. Am nächsten Tag bemerken wir den Tod der Person nicht nur durch das Fehlen seines Porträts rechts unten am Bildschirmrand, wo der Gesundheits- und Gemütszustand unserer Schützlinge angezeigt wird – auch die anderen Bewohner bemerken die Abwesenheit und werden dadurch zunehmend deprimierter und verzweifelter.

Kleine Schönheitsfehler

Nächtliche Logistik: Auf der Karte wählen wir einen Ort zum Plündern und ordnen den Personen Aufgaben zu. (1) Quelle: PC Games Nächtliche Logistik: Auf der Karte wählen wir einen Ort zum Plündern und ordnen den Personen Aufgaben zu. (1) Zwar gibt es keine Sprachausgabe, aber die braucht es auch gar nicht, um uns die schwermütige Stimmung des Spiels nahezubringen. In kleinen Textblasen teilen uns die Überlebenden ihre Gedanken mit und ziehen uns dadurch mit in den Strom von Gefühlen wie Schuld, Angst und Verzweiflung. Die melancholische Musik und der Film-noir-Stil des Side-Scrollers geben uns den Rest und schon nach kurzer Spielzeit fühlen wir mit den Protagonisten, als wären wir ein Teil von ihnen. Diese fesselnde und gleichzeitig mitfühlende Aufarbeitung eines solch sensiblen Themas ist dem Spiel mit Bravour gelungen. Die kleinen Schwächen stören dabei weniger – einige unausgereifte Spielmechaniken und eine Steuerung, die ausgerechnet in heiklen Situationen nicht immer das macht, was sie soll, machen das Spiel stellenweise etwas unfair. Aber was ist im Krieg schon fair?

Meinung

Wertung zu This War of Mine (PC)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Stimmungsvoller Grafik-StilMelancholische Musik passt perfekt zum SettingSehr viel HandlungsfreiheitSchwierige moralische EntscheidungenHoher WiederspielwertGroßartige Umsetzung einer wichtigen Thematik
Steuerung reagiert in heiklen Situationen oft nicht wie gewünschtKeine Sprachausgabe

Bildergalerie

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    • Kommentare (2)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Dysan Anfänger/in
        Ich kann es jedem ans Herz legen. Ein wirklich gutes Spiel!
      • Von Dysan Anfänger/in
        Ich kann es jedem ans Herz legen. Ein wirklich gutes Spiel!
      • Von Freemangmbh Spiele-Novize/Novizin
        Hört sich super an, wird gerade von Steam geladen.

        Nachtrag:

        Inzwischen habe ich ein wenig gespielt. Von "Spaß" kann wirklich keine Rede sein, es ist ein sehr ernstes Spiel.

        Eine beeindruckende Erfahrung. Und wie ich finde, in der Art wie Krieg hier dargestellt wird, ein wichtiges Spiel.

        So etwas bringt das Medium Computer-/ Videospiele voran.
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