The Witcher: Monster Slayer: Just another Pokémon Go? Nein, ist es nicht!
Seit dem 20. Juli 2021 könnt ihr euch kostenlos The Witcher: Monster Slayer auf eure iOS- und Android-Mobilgeräte laden. Ist das AR-Monsterspiel nur ein weiterer Klon von Pokémon Go oder hat Monster Slayer mehr drauf? Wir haben für euch reingespielt!
Fünf Jahre nach dem Release erfreut sich Pokémon Go weiterhin ungebrochener Beliebtheit. Okay, ganz so krass, dass ganze Stadtteile aufgrund des Taschenmonster-Ansturms Schachmatt gesetzt werden, ist es nicht mehr. Zu großen Events lassen sich aber immer noch genug Spieler für die AR-Taschenmonster-Hatz blicken, den Blick immer aufs Smartphone gerichtet fallen die Trainer dann in die Innenstädte ein. Dabei ist das Spielprinzip von Pokémon Go denkbar simpel und sieht meist so aus: Ihr lauft in der Gegend herum, begegnet einem Pokémon und versucht es zu fangen. Mal habt ihr Glück, mal habt ihr Pech.
Diverse Forschungen, das Drehen von Fotoscheiben, Events, die Kampfliga und Raidbosse sorgen für ein bisschen Würze im Monster-Einerlei. Aber eine echte, fesselnde und durchgängige Story, die fehlt. Und das übrigens auch bei vielen anderen AR-Spielen wie Jurassic World Alive oder The Walking Dead One World. Im Grunde handelt es sich bei all diesen Spielen um ein "Nur dabei statt mittendrin". Es wird Zeit, dass sich das ändert!
Let's go, Monster Slayer!
Mitte Juli 2021 ist The Witcher Monster Slayer erschienen und auf den ersten Blick verpackt das kostenlose Mobile-Game für iOS und Android bekannte Spielmechaniken aus der Videospielserie in einer vereinfachten Form in eine Kreuzung aus Pokémon Go und Harry Potter: Wizards Unite für unterwegs. Aber auf den zweiten Blick entpuppt sich Monster Slayer als das, was vielen Unterwegs-Spielern fehlen mag: als herausfordernde Hauptbeschäftigung für Draußen. Das hat so seine Vor- und seine Nachteile.
Zückt das Schwert
Wie in anderen Location-basierten AR-Spielen kommt's in Monster Slayer darauf an, dass ihr draußen in der freien Welt unterwegs seid. Nach der Erstellung eures Hexers und einem einführenden, kurzen Tutorial seid ihr für die Gefahren der Hexerwelt gewappnet. Sobald euer Witcher in der freien Welt mit nicht viel mehr als dem Wissen um die Kampfgrundlagen im Gepäck spawnt, ist er Freiwild. Oder die Monster sind es. Je nachdem. Um euch herum spawnen bekannte Bestien des Witcher-Universums; Nekker, Sukkuben, Erscheinungen, Ghule, die ganze Palette. Unterschieden wird in drei Schwierigkeitsstufen, leicht, mittel und schwer. Und schon die mittleren Monster, die mit einem Totenkopf spawnen, sind für einen Junghexer eine große Herausforderung. Für den Beginn solltet ihr also die einfachen Lowbobs farmen.
Quelle: CD Project Red / Spokko
Roter Totenschädel bedeutet: Parade!
Bevor ihr einen Kampf startet, seht ihr, sobald ihr ein Monster bereits dem Bestiarium hinzugefügt habt, ob leichte oder schwere Angriffe effektiv gegen euren Gegner sind. Nimmt er von kinetischer Energie Schaden, dann packt doch eine Bombe mit in die Kampfausrüstung. Ist er anfällig gegenüber Feuer? Gut, dass Hexer sich auch mit Magie auskennen. Beherzigt die Informationen aus dem Kampfbildschirm und es kann eigentlich nichts schiefgehen. Außer freilich, ihr stellt euch eher tollpatschig im Kampf selbst an.
Gekämpft wird, indem ihr mit dem Finger über den Bildschirm wischt. Schnelle Wischer sorgen für leichte Angriffe. Langsamere Wischer für schwere. Die Erkennung von Monster Slayer tut sich allerdings manchmal ein bisschen schwer, zwischen den Geschwindigkeiten zu differenzieren. Das kann den Kampf zu euren Ungunsten ausgehen lassen. Unten links seht ihr den Button für eine Bombe, die ihr beim Draufdrücken werft. Unten rechts lädt euer magisches Zeichen auf. Leuchtet das Symbol, dann könnt ihr ein Zeichen auf den Gegner feuern, indem ihr die Geste nachwischt. Erfreulicherweise tut sich Monster Slayer hier weniger schwer als Harry Potter: Wizards Unite, die Geste auch richtig zu erkennen.
Parade und Attacke
Eine Besonderheit stellt der gelbe Stamina-Balken des Gegners dar. Der füllt sich umso schneller, wenn ihr effektive Attacken gegen ihn verwendet. Ist der Balken voll, löst ein Spezialangriff aus. Von oben aus dem Bild fällt ein Waffenicon, das ihr möglichst dann drücken wollt, wenn es in der Bildschirmmitte angelangt ist. Eine zweite Mechanik: Ihr könnt Angriffe der Gegner parieren. Wann ein solcher Parade-Angriff kommt, seht ihr am roten Totenschädel über der Lebensleiste des Kontrahenten. Dann haltet ihr den Daumen einfach auf dem Bildschirm und euer Hexer hebt sein Schwert zum Blocken. Je weniger lang ihr das Schwert hochhaltet, desto perfekter die Parade - wie im ausgewachsenen Witcher-Spiel. Das zahlt sich dann in der Abrechnung nach gewonnenem Kampf in Form von Extra-Erfahrungspunkten aus. Das Problem ist nur, wenn Parade und Spezialangriff sich quasi überlagern. Denn die spezielle Attacke lohnt gefühlt nicht immer den Timing-Aufwand und mit Pech kassiert ihr den Parade-Angriff, weil ihr gerade nicht blocken könnt.
Grundlegend ist so ein Kampf relativ hektisch, denn selbst die harmlosen, leichten Gegner schenken einem Anfänger ohne nennenswerter Ausrüstung mächtig ein. Das wiederum bedeutet: Ihr spielt Monster Slayer im besten Fall mit erheblich mehr Konzentration als das Pfeile-Verschießen von Jurassic World Alive oder das Pokéball-Werfen von Pokémon Go. Verliert ihr den Kampf, ist das allerdings nicht tragisch: das Monster erscheint wieder und ihr wurdet quasi nur umgeschubst, tragt also keine schweren Verletzungen davon, die versorgt werden müssen. Beute besteht aus Items für die Alchemie, Erfahrungspunkten und Paketen, die ihr Freunden schicken könnt.
Quests für mehr Abenteuer
Quelle: CD Project Red / Spokko
Solche Screens, animierte Szenen und eine englische Vertonung schmücken die Story aus.
Eingangs erwähnten wir, dass ein Location-basiertes AR-Spiel ein bisschen mehr bieten sollte, als eine Nebenbei-Beschäftigung und eine dröge aussehende Weltenkarte. Über letztere verfügt Monster Slayer schon einmal. Und, viel besser, es bietet auch Quests. Nach dem Tutorial stolpert unser Hexer über einen Händler, dem seine Waren von einem Greifen abgenommen wurden. Die Präsentation ist toll, die animierte Szene ist auf Englisch vertont und versetzt den Spieler ins richtige Mindset. Nehmt ihr den Auftrag an, müsst ihr in die Wildnis, also in der echten Welt, zum gelb markierten Quest-Bereich laufen. Praktisch ist dabei, dass der Bereich kleiner wird, je weiter ihr ihm euch nähert. Das macht die Suche nach dem Quest-Objective nicht zur Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Weniger angenehm ist dabei aber, dass die Karte von Monster Slayer basierend auf den Daten von Google Maps aufgebaut wurde, und es öfters mal vorkommen kann, dass im Spiel Wege und Pfade angezeigt werden, die in der Realität einfach nicht da sind. Da wird der Quest-Spaziergang schnell mal zum Riesenumweg.
Nachdem wir unserem Händler in Not, Thorstein, mit dem Greifen geholfen haben, will der uns gleich die nächste Quest andrehen - die wir nebenbei erwähnt auch nicht ablehnen, aber im Tagebuch ausschalten können. Thorstein hat eine Karte gefunden und wir müssen jetzt tatsächlich anfangen Rätsel zu lösen, um einen finsteren Gargoyle-König zu bekämpfen. Die Rätsel haben wir gelöst. Den König nicht besiegt. Denn dafür sind wir noch viiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiel zu schwachbrüstig. Schade, denn gerade die Quests machen natürlich Monster Slayer zu einem echten Happening. Ansonsten ist das Spiel ein ziemlicher Grinder, insbesondere, wenn man kein Geld ausgeben möchte.
Fertigkeiten über Grind steigern
Quelle: CD Project Red / Spokko
Im Rahmen der Quests gibt's auch Rätsel zu lösen.
Über den Sieg über alle möglichen Monster verdient ihr Fertigkeitenpunkte, die ihr in eine Art Talentbaum investieren könnt. Besiegt ihr eine bestimmte Art von Gegner mehrfach, dann gibt's immer mal wieder einen Punkt. Mit dem baut ihr eure Stärken in Kampf, Alchemie und Zeichen aus. Während ihr für den ersten Fertigkeitenpunkt über etwa einen Ghul nur drei von den Biestern besiegen müsst, sind's im nächsten Schritt schon 50. Das Balancing erscheint an der Stelle ein wenig harsch. Alternativ werdet ihr über Levelups und Ausrüstungen signifikant stärker. Erstere benötigen einiges an XP, letztere Unsummen an Gold. XP gibt's wiederum für Kämpfe und Quests, Gold unter anderem für drei tägliche Missionen und ... ja, eben Quests. Ihr versteht, worauf wir hinauswollen? Die Grindkurve steigt schon beim Einstieg in Monster Slayer steil an und da ist es für den einen oder anderen Casual-Zocker nicht sonderlich spannend, am Ball zu bleiben.
Bock auf mehr
Was wir aufgrund unseres Nooblevels noch nicht probiert haben, sind sogenannte Nemeta, die sich ab Stufe 10 spielen lassen. Diese Bäume werden einmal am Tag zurückgesetzt, es sei denn, wir geben für mehr Versuche Geld aus. Nacheinander kämpfen wir dann gegen drei Monster, zwei leichte und eines skalierend mit dem Level des Nemetons. Die bringen zusätzlich zu täglichen Missionen Gold ein und mitunter einen Batzen XP. Wer die etwas fade Strecke bis Level 10 also erst einmal hinter sich gebracht hat, findet als Kostenlos-Spieler in Nemeta eine weitere Quelle für Einkünfte.
Grundsätzlich bietet Monster Slayer also mehr Spiel als es AR-Primus Pokémon Go jemals vermocht hat, aber für den Fortschritt müsst ihr auch wirklich "arbeiten", wenn ihr kein Geld in die Hand nehmen wollt. Denn natürlich lassen sich Goldpakete für Euro kaufen. Außerdem bietet euch Monster Slayer tatsächlich sehr viel mehr mittendrin statt nur dabei, ausgefallenen Quests sei Dank! Lasst uns euch eines sagen: Wir bleiben am Ball! Denn der Gargoyle-König darf nicht siegen!
