The Night of the Rabbit im Test - Für Rätselfreunde mit Frustresistenz
Eine zauberhaftes Reise sollte The Night of the Rabbit werden. Es wurde eine Kreuzfahrt mit dem Motto "Versuch macht kluch". Wer ein Daedalic-Adventure in Deponia-Qualität erwartet hat, wird enttäuscht.
Jeremia "Jerry" Haselnuss hat einen großen Wunsch: er möchte Zauberer werden. Da erscheint plötzlich ein weißes Kaninchen, stellt sich als Magier vor und verspricht dem zwölfjährigen Jungen, ihn auszubilden. Und so reisen beide in eine märchenhafte Fantasiewelt. Das neueste Adventure aus dem Hause Daedalic ist allerdings nur sprichwörtlich zauberhaft, denn es patzt beim Kerngeschäft.
Zaubersprüche. Tag- und Nachtwechsel. Eine Stadt, in der sprechende Tiere leben. Hübsche, liebevoll gezeichnete und detailreiche Schauplätze. Witzige Charaktere und dezent platzierter Humor. Man kann The Night of the Rabbit vieles vorwerfen, aber ein falsches Konzept gehört definitiv nicht dazu. Dennoch hat uns das Abenteuer, bei dem Sie das Geheimnis um den Magier Zaroff und Ihren Lehrmeister Marquis De Hoto lösen müssen, enttäuscht. Denn ein gutes Adventure lebt nicht nur von seiner gelungenen Präsentation mit stimmiger Welt, schicker Grafik, eingängiger Musik, Steuerung und glaubwürdiger Sprachausgabe, sondern vor allem von seinen Rätseln. Und genau in dieser Kategorie patzt das Spiel gewaltig.
Oft ist trotz des gut gefüllten Inventars und zahlreicher Aufgaben unklar, was genau zu tun ist. Das Spiel geizt regelrecht mit Hinweisen und auch die Hilfefunktion verdient den Namen nicht. Ja, wir lieben anspruchsvolle Adventures, die unsere Köpfe auch mal rauchen lassen. Aber dann müssen die Rätsel logisch und nachvollziehbar sein. Ein schmaler Grat, den The Night of the Rabbit oft überschreitet. Zu oft, um ein gutes Spiel zu sein. Beispielsweise wenn Sie einen Brief zukleben müssen, Jerry sich aber standhaft weigert, dazu die unzweifelhaft klebrigen Substanzen Honig und Rübensirup zu nutzen. Dass die Entwickler vorgesehen haben, dass man das Kuvert nur mit Schneckenschleim verschließen kann, nennt man kreative Freiheit. Dass dem Spieler solch logische Lösungsalternativen an zahlreichen Rätseln ohne jegliche Begründung verweigert werden, ist einfach nur frustrierend. Gute Rätsel sind Silber, gutes Feedback wäre Gold.
