The Lego Movie Videogame im Test: Gute Filmumsetzung mit Schwächen im Detail
Mit einer Aufzählung aller schlechten Filmumsetzungen, die PC-Spielern über die Jahre ungefragt aufgedrängt wurden, ließe sich ein ganzes Buch füllen. Wer dagegen gute Spiele zu Filmen auflisten möchte, bringt damit gerade mal ein Pamphlet zusammen. The Lego Movie Videogame ordnet sich irgendwo dazwischen ein. Unser Test samt angeschlossenem Video-Review des Action-Adventures im kunterbunten Plastik-Look verrät alle Details.
Gewagte These: Das beste Lego-Spiel ist immer noch Minecraft. Wie jetzt, da gibt es doch gar keine Lego-Steine? Stimmt, aber der Indie-Hit von Markus "Notch" Persson verkörpert mit seiner blockigen Spielwelt und dem hohen Crafting-Anteil wie kein zweiter Titel die Maxime des beliebten dänischen Plastikspielzeugs: Lass deiner Kreativität freien Lauf und bau, was dir gefällt. The Lego Movie Videogame, das Videospiel zum im April startenden Lego-Kinofilm The Lego Movie, schränkt die Vorstellungskraft des Spielers dagegen wie seine indirekten Vorgänger (zuletzt Lego Marvel Super Heroes) stark ein: Hier wird nur nach Vorschrift und per Knopfdruck das gebaut, was sich Entwickler TT Fusion (das B-Team bei Serien-Erfinder Traveller's Tales, das für das Wii-U-Spiel Lego City: Undercover verantwortlich zeichnete) zuvor ausgedacht hat. Selber bauen ist nicht, stattdessen ist stupides Knöpfchendrücken angesagt. Dass das trotzdem Spaß machen kann, liegt wie üblich bei den Lego-Spielen am Charme, mit dem auch The Lego Movie Videogame seine Spieler erfolgreich einwickelt.
Launiger Trip in den Lego-Kosmos
Quelle: PC Games
Die hübschen Zwischensequenzen aus dem Film liegen lediglich in einer 720p-Auflösung vor.
Die größte Stärke von The Lego Movie Videogame ist seine Vorlage. Mit vielen Zwischensequenzen im goldigen Stop-Motion-Stil des Films erzählt das Spiel die Leinwandhandlung nach. Schräge Charaktere aus allen möglichen Themenwelten (darunter Gandalf, Shakespeare, Cleopatra, Superman und Batman), lustige Dialoge und irre Story-Wendungen inklusive. Lediglich der Oberfiesling Lord Business kommt zu kurz. Dieser will mit der Superwaffe Kragle die Lego-Welt ein für alle Mal unterjochen, nachdem er der Lego-Bevölkerung bereits strenge Auflagen für den Bau von Objekten gemacht hat: Einfach frei nach Schnauze bauen ist verboten, stattdessen bewirkt der Bösewicht durch subtile Gehirnwäsche, dass seine Untertanen nur nach Anleitung leben und keinen eigenständigen Gedanken haben.
In der Haut der gelbhäutigen Lego-Minifgur Emmett brecht ihr (unfreiwillig) aus diesem Trott aus und beginnt ein klassisches Abenteuer, das sich aber durch jede Menge subtilen Witz und überraschende Entwicklungen Eigenständigkeit bewahrt. Die Geschichte wird gut wiedergegeben und ist auch dann verständlich, wenn ihr den Film zuvor nicht gesehen habt. Das ist allerdings nicht zu empfehlen, denn naturgemäß enthalten die Zwischensequenzen von The Lego Movie Videogame einige Spoiler für den Kinobesuch. Schade: Bei der Sprachausgabe kommen zumindest in der zum Test vorliegenden englischen Version nicht die Originalsprecher aus dem Film zum Einsatz. Allerdings sind die Ersatzsprecher ausgezeichnet gewählt und machen einen hervorragenden Job. Wie die deutsche Lokalisierung ausfällt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bewerten. In jedem Fall sorgt aber die tolle Musik aus dem Kinofilm für viel Flair. Auch Tage nach dem Test weigerten sich die eingängigen Melodien hartnäckig, ihren Ohrwurm-Status in unserem Gehirn aufzugeben.
Quelle: PC Games
Der farbenfrohe Ausflug ins Himmelsreich glänzt mit quietschbunten Regenbögen und rosa Einhörnern, ohne kitschig zu sein.
Kreativität unerwünscht
Quelle: PC Games
Oft geht es darum, Anleitungen zu finden und Objekte nach Vorgabe zu bauen, indem man per Auswahlmenü das nächste Teil markiert. Arg simpel!
Die schöne Anti-Anleitungs-Botschaft des Films wird in The Lego Movie Videogame jedoch vom "Bauen nach Vorschrift"-Spielprinzip torpediert. Das geht so weit, dass ihr erstmals in der Serie in virtuellen Anleitungen blättert und während eines automatischen Bauvorgangs das nächste fehlende Teil aus einer Liste an vorgegebenen Möglichkeiten auswählt, um Motorräder, Raumschiffe oder U-Boote entstehen zu lassen. Das ist genauso unspannend wie die Markierung von drei grün markierten Lego-Steinen an bestimmten Stellen in den Levels: Per Knopfdruck beginnt der automatische Bauprozess mit dem ausgewählten Charakter, der Spieler guckt lediglich zu. Trotzdem: Als Spiel zum Film macht The Lego Movie Videogame mehr richtig als falsch.
Im Vergleich zu den Lego-Vorgängern zieht das Projekt von TT Fusion aber den Kürzeren. So wartet das Leveldesign mit einigen Längen auf, besonders wenn die Macher kurze Filmszenen im Spiel minutenlang auswalzen. Die Folge sind öde Sequenzen, in denen die Helden eine gefühlte Ewigkeit lang Abhänge hinabrutschen, in die Tiefe fallen oder den Meeresgrund erforschen. Der niedrige Schwierigkeitsgrad macht die Sache nicht besser; The Lego Movie Videogame ist klar auf eine sehr junge Zielgruppe zugeschnitten und sogar noch anspruchsloser als Lego Marvel Super Heroes, dessen Kämpfe zumindest durch ein rudimentäres Combo-System aufgepeppt wurden. Grundsätzlich interessante Zerstreuungen wie ein Hacking-Minispiel oder die gelegentliche Tanzeinlage leiden unter den extrem simplen Quick-Time-Events. Wer eine Herausforderung sucht, ist hier an der falschen Adresse.
Quelle: PC Games
Serienüblich lässt sich The Lego Movie Videogame auch im Koop-Splitscreen an einem PC spielen - mit vertikaler oder dynamischer Bildaufteilung.
Spaß trotz Einschränkungen
Quelle: PC Games
Der blinde Vitruvius stört sich im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht daran, über gefährliche Abgründe zu balancieren.
Seinen Unterhaltungswert zieht The Lego Movie Videogame also weder aus dem sträflich vernachlässigten Sandkasten-Bauprinzip der Spielzeug-Vorlage noch aus dem Schwierigkeitsgrad, sondern aus der Erfolgsformel der bisherigen Lego-Videospiele: Mit wechselnden Charakteren prügelt, hüpft und rätselt ihr euch durch reizend gestaltete 3D-Levels. Jede Figur besitzt dabei eine besondere Fähigkeit, das Durchwechseln der Helden ist unabdingbar für den Erfolg.
Die in Teilen zerstörbaren Plastik-Kulissen zerschlagt ihr in blinder Sammelwut, um an Lego-Steine zu gelangen. Damit kauft ihr über 100 Bonus-Figuren und nützliche Cheats, um den begehrten 100%-Spielfortschritt zu erreichen. Denn das Spiel bietet mehr als nur eine kurze, aber heitere Sechs-Stunden-Kampagne. Zwischen den linearen Missionen erforscht ihr fünf Hub-Areale mit eng abgesteckten, teils unsichtbaren Grenzen; eine offene Spielwelt wie in Lego Marvel Super Heroes gibt es nicht mehr. Dafür aber auch keine nervtötenden Füller-Sammelaufgaben, sondern lediglich die serientypische Secret-Suche nach goldenen Steinen und Anleitungen, um spezielle Bauwerke zu errichten. Das motiviert eine ganze Weile.
The Lego Movie Videogame gibt es in den USA bereits seit Anfang Februar. Hierzulande erscheint das Spiel am 11. April 2014 für PC, Playstation 4, Playstation 3, Xbox One, Xbox 360 und Wii U sowie als Handheld-Adaption für PS Vita und Nintendo DS. Am PC benötigt ihr ein Steam-Konto für die Aktivierung des Spiels.
