Oldies but Goldies - Wohl noch nie prügelten sich so viele Action-Altstars auf der Leinwand. Das hat Unterhaltungswert, lässt aber den großen Adrenalinschub vermissen.
Sylvester Stallone ist ein Spezialist für Wiedergeburten. Vor sieben Jahren bescherte er seinem Alter Ego Rocky ein neues Leben
Quelle: Splendid (Fox)
und seiner eigenen Karriere ein Comeback. Danach holte er Rambo aus dem Fundus hervor, und 2010 ließ er mit "The Expendables" ein ganzes Genre wieder erstehen – den Söldnerfilm – mit er zugleich seine Kollegen Dolph Lundren und Arnold Schwarzenegger ins Kino zurückbrachte. Doch was passiert nach so einer Rückkehr? Bei Rocky war eine weitere Fortsetzung sinnlos, ein fünfter Rambo ist über das Planungsstadium nicht hinaus gediehen. Dafür lässt jetzt Stallone – als Hauptdarsteller und Koautor – die Expendables-Wiedergänger eine weitere Runde drehen. Doch hat das noch einen Reiz?
Söldner-Konkurrenz
Quelle: Splendid (Fox)
Indem der erste Teil die Haudegen des Haudraufgenres versammelte – ergänzt durch Nachwuchskräfte wie Jason Statham – besaß er den Charme einer Oldie-Hitparade, selbst wenn die Erzählelemente simpel gestrickt und die Actionszenen nicht sonderlich packend inszeniert waren. Dieses Konzept noch einmal 1:1 aufzuwärmen, wäre fatal gewesen. Wobei der vordergründige Plot natürlich auch diesmal keinen Belang hat: Nach der üblichen Ouvertüre, bei der die Expendables eine spektakuläre Befreiungsaktion in Nepal vollbringen, müssen sie sich ihrem Hauptauftrag widmen – aus einer abgestürzten Maschine einen mysteriösen Datenträger zu bergen. Dieser indes wird ihnen von einem konkurrierenden Söldner abgenommen, der auch ihr jüngstes Mitglied (Liam Hemsworth) umbringt. So startet der Trupp eine Racheaktion, befreit dabei eine Schar Balkan-Dörfler von einer Verbrecher-Gang und verhindert, dass eine große Ladung Plutonium in die Welt gelangt.
Überdrehtes Knozept
Offenbar traute sich Stallone, der beim ersten Teil noch selbst Regie geführt hatte, nicht zu, diese Versatzstücke aufzupolieren, und heuerte daher Routinier Simon West (Con Air) an. Doch wie unschwer zu erwarten, bietet auch er nur Stangenware – kein atemberaubendes Actionballett, keine adrenalingeladene Präsentation von Gewalt. Trotzdem gelingt es dem zweiten Film, das
Quelle: Splendid (Fox)
Konzept des ersten am Leben zu erhalten. Denn er überdreht dessen ‚Hero-Mash'-Konzept, indem er Bruce Willis und Arnold Schwarzenegger nach ihren Kurzauftritten in Teil 1 mehr Leinwandzeit beschert, und der Besetzung noch Chuck Norris – als Söldner-Einzelgänger – und Jean-Claude van Damme – in der Rolle des Bösewichts – hinzufügt. Letzterer hatte sich dem ursprünglichen Expendables-Abenteuer noch verweigert, weil ihm die Rolle nicht substanziell genug war. Sogar für eine nennenswerte weibliche Figur ist gesorgt, für die keines der üblichen Actionpüppchen, sondern die chinesische Charakterdarstellerin Yu Nan (Tuyas Hochzeit) besetzt wurde. Vor allem aber definiert sich die Fortsetzung gegenüber ihrem Vorgänger durch eine postmoderne Spielfreude – Dialogzitate aus Terminator und Stirb langsam inklusive. Darin ist sie nicht besonders elegant oder virtous, denn dazu hätte es eines Quentin Tarantino bedurft, nicht eines Simon West. Aber immerhin sorgt dieser Ansatz dafür, dass die Expendables noch halbwegs munter wirken, und nicht wie angestaubte Museumsstücke. Doch ein etwaiger dritter Teil braucht eine größere kreative Frischzellenkur.
Fazit: Sylvester Stallones Retro-Tour steht vor der Gefahr, sich totzulaufen. In The Expendables 2 schafft er es noch, das zu vermeiden, indem er das Grundprinzip des ersten Teils übersteigert: Das Drehbuch ist schriller, die Altstar-Riege noch größer. Allerdings – neue Impulse für das Actiongenre finden sich darin nicht. Dafür bedürfte es nicht zuletzt einer inspirierteren Regie.
(Rüdiger Sturm)
