The Dark Pictures Anthology: House of Ashes im spoilerfreien Test - kopflos in den Dramedy-Romance-Sci-Fi-Kriegsfilm-Horror

17
Test Katharina Pache - Autorin Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
The Dark Pictures Anthology: House of Ashes im spoilerfreien Test - kopflos in den Dramedy-Romance-Sci-Fi-Kriegsfilm-Horror
Quelle: PC Games / Bandai Namco

Zum dritten Mal lädt der Kurator zum interaktiven Horror - diesmal verschlägt es eine Gruppe Soldaten in einen unterirdischen Tempel. Und wieder liegen das Schicksal der Figuren und der Ausgang der Geschichte in den Händen der Spieler. Wie House of Ashes im Vergleich zu den beiden Vorgängern abschneidet, lest ihr im spoilerfreien Test!

Supermassive Games haben mit The Dark Pictures Anthology eine Formel gefunden, die ziemlich gut funktioniert. Die einzelnen Teile der Horroranthologie sind voneinander unabhängig und darauf ausgelegt, wie ein langer Film an einem oder zwei Abenden, idealerweise im gruseligen Herbst, abgeschlossen zu werden.

Den Anfang machte Man of Medan, eine Geisterschiffgeschichte, letztes Jahr folgte Little Hope, das sich um Hexenverbrennungen dreht. Jetzt, bei House of Ashes, das zu Zeiten des Irakkrieges spielt, merkt man viel zu häufig, dass der Release-Termin kurz vor Halloween wichtiger war als sicherzustellen, dass sich das Abenteuer fehlerfrei präsentiert.

Mein Körper ist in einem Tempel

Um auf unnötige Spoiler zu verzichten, gehen wir bei der Story nicht ins Detail. Wie innerhalb der Reihe etabliert, beginnt House of Ashes (jetzt kaufen 24,90 € ) zunächst mit einem Intro-Kapitel, das vor den eigentlichen Geschehnissen der Handlung stattfindet. Danach wechseln wir ins Jahr 2003: Eine Einheit US-Marines wird bei einem misslungenen Einsatz verschüttet und findet sich in einem unterirdischen Tempel wieder.

Spielbar sind fünf Figuren, deren Ziel es fortan ist, den Gängen und Kammern möglichst unbeschadet zu entkommen. Was simpel klingt, besteht aus einer Menge Komponenten. Da aber keiner der Aspekte genug Raum bekommt, um die volle Wirkung zu entfalten, fühlt sich die Handlung überladen und bisweilen ziellos an.

Wir haben das brisante Irakkrieg-Setting, erörtern Kriegstraumata und generell die Frage, ob man sich mit dem Feind verbünden sollte, managen eine komplizierte Dreiecksbeziehung, schlagen uns mit einem Fluch, Sagengestalten, Ballereien sowie zu guter Letzt auch noch mit Sci-Fi-Elementen herum, während vergangene Ereignisse in Rückblenden und mit Hilfe von Item-Beschreibungen erläutert werden, und das alles innerhalb von vier bis fünf Stunden. Klassischen Horror hingegen bietet House of Ashes überraschend wenig.

History Channel to the rescue

Das liegt zum Teil am Setting. Wo in Man of Medan und Little Hope eine bunt gemischte Charakterriege aus Jung und Alt, fähig und ängstlich, fit und schwach in den Ring stieg, verkörpern wir in House of Ashes Soldaten, die entsprechend bewaffnet und ausgebildet sind. Mit subtilem atmosphärischen Grusel hat dieses Adventure wenig zu tun, stattdessen fliegt das Blei - und was wir bekämpfen, sehen wir schon relativ früh klar und deutlich inklusive Schwachstellen, wodurch der Schrecken im Sande verläuft.

In Man of Medan war die Frage allgegenwärtig, wie echt all der Horror ist, den die Protagonisten erleben. House of Ashes wirft zwar ebenfalls eine Nebelkerze in diese Richtung, jedoch viel zu spät, es ist von Beginn an offensichtlich, dass im Tempel eine sehr reale Bedrohung haust.

Episode drei von The Dark Pictures Anthology fühlt sich dementsprechend wie ein B-Movie-Genremix mit holprigem Erzählrhythmus an, der sich für die letzten Kapitel großzügig bei einer bekannten Filmreihe bedient, deren Nennung jedoch die gesamte Handlung vorwegnehmen würde.

I Break together

Die Charaktere wurden durch Motion Capturing zum Leben erweckt. Die namhafteste Darstellerin der Riege ist Ashley Tisdale, bekannt durch die Filmreihe High School Musical. Teilweise sehen Gesichter und Mimik gut aus, allerdings gibt es auch jede Menge suboptimale Animationen, Figuren blicken sich in Dialogen selten in die Augen, starren stattdessen ins Leere. Aber daran und auch an das Overacting allgemein mit jeder Menge Kopfnicken und -Schütteln gewöhnt man sich mit der Zeit, zumal Letzteres ohne Frage zum B-Movie-Charme passt.
Neben den Grauen im Tempel kämpfen die Charaktere auch mit persönlichen Problemen und Traumata. Quelle: PC Games Neben den Grauen im Tempel kämpfen die Charaktere auch mit persönlichen Problemen und Traumata. Die deutsche Vertonung ist in erster Linie bloß zweckdienlich, das liegt auch daran, dass die deutschen Stimmen an manchen Stellen schlecht abgemischt und deswegen schwer zu verstehen sind. Der deutliche Südstaatenakzent eines Marines wird gar nicht erst versucht, ins Deutsche zu tradieren, aber das ist vermutlich gut so.

Dass die englische Synchro sehr viel besser ausfällt - und vor allem auch lippensynchron daherkommt -, beweist House of Ashes tatsächlich auch in der deutschen Fassung, denn einige Sätze oder Dialogabschnitte erklingen nach wie vor auf Englisch. Passend dazu verschwinden die Untertitel gelegentlich für eine Weile, um dann spontan wieder aufzutauchen.

Bitte beide Hände an den Controller legen

Rein von der kosmetischen, also nicht Gameplay-relevanten Warte aus, fallen die teilweise untexturierten, teilweise nachladenden Objekte in der Umgebung sowie sehr schwache Wasser- und Explosionseffekte auf. Das Spielen an sich wird gestört von uneleganten Übergängen bei der Interaktion mit Objekten.
Serientypisch trefft ihr nicht nur Entscheidungen, sondern müsst auch Quick Time Events vollführen. Richtige Rätsel bietet das Adventure nicht. Quelle: PC Games Serientypisch trefft ihr nicht nur Entscheidungen, sondern müsst auch Quick Time Events vollführen. Richtige Rätsel bietet das Adventure nicht. Viel zu oft richtet sich die Spielfigur erst quälend lange Sekunden umständlich aus, bis wir den Gegenstand der Begierde betrachten oder aufheben können. Allerdings hatten wir dieses Problem nur beim Online-Koop-Spielen auf der PS5, am PC und alleine klappte das problemlos.

In beiden Versionen jedoch wurde das Rennen wegrationalisiert. Manchmal fehlen die Beschreibungstexte der Items, steht der Koop- oder KI-Partner zu nahe hinter der eigenen Spielfigur, kann man nicht weiterlaufen, ab und zu friert das Bild nach Quick Time Events ein.

Bildergalerie

17
  1. Seite 1 The Dark Pictures: House of Ashes im Test, Seite 1
  2. Seite 2 The Dark Pictures: House of Ashes im Test, Seite 2
    • Kommentare (17)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Nyx-Adreena Nerd
        Ich habe es jetzt etwas gespielt und finde es tatsächlich spannender, als ich dachte. Auch die Mimik fand ich bislang „authentischer“, als z.B. in Little Hope. So ein wenig Verklärung von Until Dawn ist da aber sicher auch bei. Dort gab es ebenfalls völlig artifiziell wirkende Szenen, was die übertriebene deutsche Synchronisation noch unterstrich.
      • Von Nyx-Adreena Nerd
        Ich habe es jetzt etwas gespielt und finde es tatsächlich spannender, als ich dachte. Auch die Mimik fand ich bislang „authentischer“, als z.B. in Little Hope. So ein wenig Verklärung von Until Dawn ist da aber sicher auch bei. Dort gab es ebenfalls völlig artifiziell wirkende Szenen, was die übertriebene deutsche Synchronisation noch unterstrich.
      • Von TobiasHartlehnert Mitglied
        Zitat von Bonkic
        könnte an der kooperation mit sony bei until dawn gelegen haben. supermassive durfte ja auch die decima engine nutzen. alles danach wurde ja meines wissens nach mehr oder weniger in eigenregie entwickelt, vermutlich mit jeweils deutlich geringerem budget.
        Ja, den Gedanken hatte ich auch schon.
      • Von Nyx-Adreena Nerd
        Ich habe es mit jetzt doch gekauft. Nun habe ich einmal mit der Reihe angefangen, dann höre ich jetzt nicht mittendrin auf. :B
      • Von M4GIC Spiele-Novize/Novizin
        Zitat von Cobar
        Ja, müssten vier Titel sein erstmal.Man of Medan gab es mal in einer Steelbook Edition oder so, da sah man sogar schon die Symbole zu den Titeln drin abgebildet (ohne Name natürlich) und kontne raten, worum es wohl gehen könnte.


        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]


        Da lässt sich jetzt raten, was für eine Geschichte wohl hinter dem vierten Symbol stecken könnte.

        Ich hoffe, dass auch danach noch weitere Spiele erscheinen werden, vielleicht eine neue "Season"?
        Gefällt mir sehr gut auch von der Länge her, die sind an ein bis zwei Abenden durch und doch kann man sie gerne öfter spielen, gerade im Koop. :)
        ja, das neue Spiel nächstes Jahr The Devil in me ist das Finale der ersten Saison. Die Reihe war aber ja immer auf 8 Spiele ausgelegt. Es folgt dann also die zweite Staffel mit den restlichen 4 Spielen.
      • Von Abstergo Mitglied
        klingt nach einem Titel den man mal für 10-15 Euro mitnimmt, wenn nicht auch ok. Aber ob die bei der Qualität langfrist überleben können? Könnte auch der Telltale Weg werden..
      Direkt zum Diskussionsende
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 07/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 07/2026 Linux Magazin 07/2026 LinuxUser 07/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk