Syberia 3: Extrem altbackenes, technisch mangelhaftes, spielspaßbefreites Adventure mit netter Geschichte und Atmosphäre
Syberia 3 im Test: Dreizehn Jahre nach dem Ende des zweiten Teils erfahren wir, was mit Kate Walker passiert ist, nachdem sie Hans Voralberg an das Ende seiner melancholischen Reise begleitet hat. Aber ist dies eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden? Und wie schlägt sich das Adventure klassischer Machart spielerisch? Das verraten wir in unserem Review zum Spiel!
Hat ja nur dreizehn Jahre gedauert: Nachdem die Geschichte der jungen US-Anwältin Kate Walker, die ihr altes Leben hinter sich lässt und der Reise des Erfinders Hans Voralberg nach den letzten Mammuts in Europa und Russland anschließt, scheinbar 2004 mit Syberia 2 ihren Abschluss fand, folgt nun der dritte Teil der klassischen Point&Click-Adventure-Reihe. Daraus ergibt sich unweigerlich die Frage des Warums. Eigentlich wirkte die Geschichte mit dem Ende des zweiten Teils sehr stimmig abgeschlossen. Braucht es da im Jahre 2017 für ein paar alteingesessene Fans der Serie wirklich noch einen reichlich spät nachgereichten Nachfolger?
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Nun, tatsächlich wirkt die Erzählung von Syberia 3 etwas konstruiert. Allerdings gelingt es den Schreibern, erneut diese ganz eigene Syberia-Stimmung zu erschaffen, eine Mischung aus Melancholie und dem Gefühl, sich durch eine Welt an der Schwelle von Realität und Fiktion zu bewegen. Kate Walker findet sich nach dem Abschied von Hans Voralberg und ihrem Automaten-Begleiter Oscar völlig alleine und nahe dem Tod in der Kälte Syberias wieder und wird von den Yukol, dem mysteriösen Stamm, dem sie schon in den beiden Vorgängern begegnet ist, vor dem Erfrieren gerettet. Schnell jedoch ist sie wieder auf den Beinen und sieht sich schon bald in die Rolle versetzt, den Stamm auf einer langen Reise durch Europa beistehen zu müssen, die sie unter anderem über einen angeblich von einem Monster bewohnten See und durch einen radioaktiv verstrahlten Vergnügungspark führt. Ihnen ständig auf den Fersen ist eine bösartige Militärmiliz, die ihre eigenen Ziele verfolgt.
Syberia 3 im Test: Gute Atmosphäre, passable Geschichte
Quelle: PC Games
Die überzogen geschriebenen und gestalteten Bösewichte - eine fiese Ärzten und ein Augenklappe tragender Miliz-Anführer - sind der ansonsten guten Atmosphäre abträglich.
Diese Geschichte ist ... nett. An die an und für sich simple, gerade durch die an allen Ecken und Enden von fantastischen Automaten besiedelte Welt der beiden Vorgänger reicht sie aber nicht heran und wirkt de facto wie ein Anhängsel an eine abgeschlossene Erzählung. Sie hat aber ihre spannenden und vor allem emotionalen Momente. Auch die Anklänge an reale Weltgeschehnisse - allen voran die Atomkatastrophe in Tschernobyl von 1986 - gefallen, ebenso wie das diesseits von S.T.A.L.K.E.R. relativ unverbrauchte Osteuropa-Setting. Auf die völlig überzeichneten zwei primären Bösewichte, die noch mehr an Samstag-Morgen-Cartoon-Fieslinge erinnern als die Widersacher des zweiten Teils, hätte man aber verzichten können. Ebenso verstört der latente Rassismus in der Darstellung der Yukol, welche die meiste Zeit als kleinwüchsige, geistig minderbemittelte Menschen rüberkommen. Generell aber überzeugt die Atmosphäre, was nicht zuletzt an Kate und einer Handvoll anderer sympathischer, erinnerungswürdiger Figuren liegt.
Und damit verlassen wir leider auch schon den Pfad der positiven Aspekte, die es zu Syberia 3 zu sagen gibt. Denn in so ziemlich jeder anderen Hinsicht handelt es sich bei dem Adventure um einen Beinahe-Totalausfall. Ja, die Geschichte steht in einem Adventure in puncto Relevanz eigentlich vor allem anderen: Wenn Gameplay und Technik aber dermaßen in den Sand gesetzt werden, dann ist das Ergebnis dennoch unweigerlich ein unterdurchschnittlich schlechtes Spiel.
Syberia 3 im Test: Technische Katastrophe
Quelle: PC Games
Grafisch wirkt Syberia 3, als wäre es bereits vor zehn Jahren erschienen.
Fangen wir mal mit der Technik an: Nicht nur, dass das Spiel auch schon vor zehn Jahren altbacken ausgesehen hätte, wird es von zahlreichen, teils eklatanten Fehlern geplagt. Die relativ langen Ladezeiten und die oftmals massiven Ruckler sind da noch das kleinere Übel - als Adventure-Fan ist man ohnehin geduldig und actionreiche Passagen, welche einem durch die Ruckler verbockt werden, gibt es nicht. Allerdings machten uns im Test vor allem unzählige Bugs und zig andere Unzulänglichkeiten das Leben schwer: nicht wechselnde Kameraperspektiven, eine Spielfigur, die sich außerhalb des begehbaren Gebiets manövrierte, Freezes, ein Gebiet, welches wir spontan nicht mehr verlassen konnten (woraufhin wir das Spiel neu laden mussten), Objekte, durch die wir einfach hindurchlaufen können. Aufgrund der Autosave-Funktion - manuelle Speicherslots existieren nicht - befürchteten wir durchgehend, dass das Spiel speichern würde, während wir uns gerade wieder einmal mit einem Game Ending Bug konfrontiert sehen und wir von vorne anfangen müssen. Die CGI-Zwischensequenzen, die durch ihre Komprimierung aussehen, als wären sie für die Playstation 1 optimiert, setzen dem das Sahnehäubchen auf.
Quelle: PC Games
Die rassistisch gefärbte Gestaltung und Sprache der Yukol verstört.
Hinzu kommt die völlig verhunzte deutsche Synchro: An und für sich großteils hölzern, aber okay, wurden fast alle eingesprochenen Sätze dermaßen technisch schlampig eingebunden, dass sie in mehr als 50 Prozent der Fälle frühzeitig abbrechen, sodass man ohne aktivierte Untertitel schnell das Nachsehen hat. Ein Satz wie "Frau Kate Walker, ich kann ihnen-" lässt dann doch zu viel Interpretationsspielraum zu. Hinzu kommen willkürlich eingestreute anderssprachige Passagen und Untertitel, um das Chaos perfekt zu machen. In der englischen Fassung hingegen sind so gut wie alle Texte korrekt eingesprochen und - trotz einiger auch hier vorhandener hölzerner Sprecher - qualitativ deutlich hochwertiger. Die Sprecher einiger Figuren wie Kate Walker selbst oder einem versoffenen Schiffskapitän, dem sie im Spielverlauf begegnet, sind sogar weit überdurchschnittlich gut. An und für sich okay, nervt irgendwann übrigens leider die orchestrale Musikuntermalung, denn sie wird viel zu exzessiv und in fast allen Spielsituationen genutzt.
Syberia 3 im Test: Rätseln und rennen
Quelle: PC Games
In den Dialogen haben wir stets unterschiedliche Möglichkeiten, zu antworten.
Bleibt nur noch das Gameplay, und auch, wenn es hier keine dermaßen drastischen Aussetzer zu vermelden gibt wie hinsichtlich der Technik, entpuppt es sich ebenso als unterdurchschnittlich. Bei Syberia handelt es sich um ein Adventure klassischster Machart und die Entwickler haben es anscheinend nur alibihaft für notwendig empfunden, hier auf moderne Spielerbedürfnisse einzugehen. Wir rennen mit störrischer Tank-Steuerung durch in 3D berechnete, aber nichtsdestoweniger sehr beschränkte Gebiete und suchen nach allerlei Quest-Items, die für das Lösen von Rätseln notwendig sind. Also müssen etwa Zahnräder eingesetzt, Schlüssel gefunden, Maschinen aktiviert werden und dergleichen mehr. Schön: Eklatant unlogische Rätsel wie die Saftmaschine gegen Ende von Syberia 1, gibt es nicht mehr.
Quelle: PC Games
Sollten wir einen Dialogpfad vermasseln, so kommen wir durch andere Antwort-Optionen trotzdem noch ans Ziel. In eine Sackgasse zu rennen ist unmöglich.
Dafür fehlt es den Aufgaben vollkommen an Anspruch, meistens laufen sie darauf hinaus, Zeug zu finden und dann an der richtigen Stelle einzusetzen; Item-Kombinationen existieren überhaupt nicht. Oft genug liegen die zu finden Objekte zudem so verstreut, dass man die viel zu großen und leeren Spielbildschirme zigmal durchlaufen muss, zumal die Lösungen der Aufgaben auch regelmäßiges Backtracking verlangt. Immerhin, anders als in vielen anderen Adventures werden aufklaubbare Items meistens nicht künstlich zurückgehalten und können auch dann aufgesammelt werden, wenn man sie erst zu einem späteren Zeitpunkt braucht. Nett - das kann aber auch nichts daran ändern, dass das Rätsel-Gameplay unbeschreiblich belanglos ist. Übrigens: Wer am PC mit Maus und Tastatur spielen möchte, sollte diesen Plan schnell über den Haufen werfen, denn diese Steuerungsoption wurde wirklich miserabel umgesetzt - so schlecht, dass einem in einem Ladezeit-Hinweis sogar angeraten wird, Syberia 3 mit einem Gamepad zu spielen.
Syberia 3 im Test: Keine große Dialogkunst
Quelle: PC Games
Das unverbrauchte Osteuropa-Setting ist eines der wenigen Highlights des Abenteuers.
Weniger falsch gemacht hat man bei den Dialogen, die aber ebenfalls höchstens Mittelmaß sind und keinerlei spielerischen Einsatz erfordern. Wir wählen eine von mehreren Antwort-Optionen und treiben damit die Gespräche voran, beziehungsweise versuchen, unsere Gegenüber zu bestimmten Handlungen oder Aussagen zu überreden. Frei nach dem Motto "nett gemeint, schlecht gemacht" haben die Entwickler hier ein an modernen Adventures angelehntes Entscheidungs- und Konsequenz-System eingebaut, bei dem sich Figuren an unsere bereits getätigten Aussagen und Handlungen erinnern. Auch haben wir die Möglichkeit, durch verschiedene Dialogoptionen zum Ziel zu gelangen. Da diese Elemente aber überhaupt gar keinen Einfluss auf den Spielverlauf haben und NPCs schlussendlich ohnehin immer tun, was wir wollen - bei schlechter Gesprächsführung halt drei Sätze später -, hält sich der Sinn dieser Spielelemente arg in Grenzen.
Quelle: PC Games
Rätsel beschränken sich auf Sammelaufgaben oder sehr simple Maschinen-Knobeleien. Der spielerische Anspruch geht gegen null.
Was bleibt, ist ein spielerisch unterdurchschnittliches Spiel, das sich durch die nach wie vor leidlich interessante Geschichte und vor allem die einzigartige Atmosphäre und die sympathischen Figuren vor dem Absturz in noch weit tiefere Wertungsregionen retten kann. Syberia 1 und 2 haben tolle Geschichten erzählt und sie in ein moderates Adventure-Kostüm gesteckt, das heute freilich nicht mehr tragbar wäre. Syberia 3 fühlt sich an, als wäre es direkt nach diesen beiden Titeln erschienen - was ganz und gar nicht positiv gemeint ist. Nichts gegen Rückbesinnungen auf alte Qualitäten, aber was die Macher hier abliefern und zudem durch unzählige technische Unzulänglichkeiten anreichern, das ist schlicht und ergreifend längst überholt. Wer die ersten beiden Spiele geliebt hat und unbedingt wissen will, wie Kate Walkers Abenteuer weitergeht, kann zugreifen, sollte aber definitiv wissen, was ihn erwartet. Ansonsten ist Syberia 3 leider für niemanden zu empfehlen.

Die Intention dahinter ist klar, die kleinen Knuddeltypen sollen den Beschützerinstinkt wecken. Was aber heute natürlich nicht mehr PC ist ...
Egal, das Spiel ist jedenfalls eine Zumutung.
Aber, die allererste Person mit der du sprichst, ist ein Youkol. Dieser redet, mal davon abgesehen, dass er offensichtlich kein "Muttersprachler deiner gewählten Audiosprache" ist, völlig normal.
So, dann trifft du später seinen Stamm und glaubst dich auf Endor. Vielleicht soll das ja liebenswert und sympathisch wirken, böse Absicht kann man den Entwicklern sicher nicht unterstellen.
Aber, ehrlich, seit "Syberia 2" sind dreizehn Jahre vergangen. Wer sich an Teil Zwei erinnern kann, ist demnach auch um dreizehn Jahre gealtert. Selbst wenn du damals zB erst zehn gewesen warst,
bist du heute definitiv aus einem Alter heraus, wo eine Synchrionisierung auf "Fix & Foxi"-Hörspiel-Kassetten-Niveau akzeptabel ist. Um mehr geht's nicht.
edit: Im weiteren Spielverlauf gibt es, zum Glück, noch mehrere "normal" sprechende Youkols. Es scheint, als wären die "blöden Stimmen" das direkte Resultat der Sparmaßnahmen bei den Sprechern.
Im Prinzip musst du als Synchronsprecher bloß vier Grundstimmen beherrschen: deine normale Sprechstimme, die "ich-versuche-tief-zu-klingen"-Stimme, die Fistelstimme und die Trottelstimme.
Der Rest besteht aus diversen 2er-Kombinationen daraus. :-B
Uff...
Kann mir dass mal einer näher erklären ?