Subnautica 2: Krafton verliert vor Gericht - und ChatGPT wird zum Beweisstück
Das Gerichtsurteil macht aus Kraftons öffentlicher Gegenerzählung ein juristisches Problem. Zentrale Vorwürfe gegen die frühere Unknown-Worlds-Führung halten nicht stand, Ted Gill bekommt die operative Kontrolle zurück - und mittendrin taucht plötzlich ChatGPT als Teil einer Konzernstrategie auf.
Gerichtsurteil zu Subnautica 2: Krafton verliert die erste Runde
Im März 2026 veröffentlichte das Delaware Court of Chancery seine Entscheidung zur ersten Prozessphase. Die fiel für Krafton verheerend aus. Das Gericht stellte fest, dass Krafton den Übernahmevertrag verletzt hatte, indem Cleveland, McGuire und Gill ohne gültigen Grund aus ihren Positionen entfernt wurden. Auch die Übernahme der operativen Kontrolle über Unknown Worlds sei unzulässig gewesen.
Besonders brisant ist dabei: Ausgerechnet die Vorwürfe, mit denen Krafton die Entlassungen rechtfertigen wollte, zerfielen vor Gericht weitgehend. Die eingeschränkten Rollen von Cleveland und McGuire waren kein neuer Skandal, sondern ein lange bekannter Zustand. Und die Daten-Downloads waren nach Auffassung des Gerichts kein Beweis für einen geplanten Angriff auf das Unternehmen.
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Project X: Wie ChatGPT in den Subnautica-2-Streit geriet
Der wohl bizarrste Teil der Entscheidung betrifft jedoch die Entstehung von "Project X".
Laut Gericht wandte sich Krafton-CEO Changhan Kim an ChatGPT, nachdem intern klar geworden war, dass eine Entlassung der Führungskräfte den Bonusanspruch wohl nicht einfach verschwinden lassen würde. Aus dieser KI-gestützten Suche nach einer Strategie entstand demnach eine interne Taskforce mit dem Namen "Project X".
Ihr Ziel: entweder einen Deal erzwingen - oder Unknown Worlds übernehmen. Was sich liest wie eine Parodie auf moderne Konzernführung, stand plötzlich in einem Gerichtsurteil: Ein Publisher ließ sich in einem millionenschweren Machtkampf gegen ein kreatives Studio offenbar von einer KI-Strategie inspirieren.
ChatGPT soll unter anderem Vorschläge geliefert haben, wie man Druck aufbauen, Kontrolle über Plattformen sichern und die öffentliche Darstellung steuern könne. Laut Gericht folgte Krafton vielen dieser Empfehlungen. Dazu gehörte auch, Unknown Worlds den Zugriff auf die Steam-Publishing-Struktur zu entziehen - und damit praktisch die Möglichkeit zu blockieren, Subnautica 2 eigenständig in den Early Access zu bringen.
Ted Gill zurück an der Spitze: Was das Urteil für Unknown Worlds bedeutet
Die juristischen Konsequenzen zog das Gericht aber nicht wegen ChatGPT, sondern wegen der Vertragsverletzungen. Die ChatGPT-Spur war vor allem ein besonders brisanter Einblick darin, wie Kraftons Vorgehen hinter den Kulissen entstanden sein soll.
Ted Gill wurde als CEO von Unknown Worlds wieder eingesetzt und erhielt die operative Kontrolle über das Studio zurück. Krafton wurde untersagt, seine Autorität über den Early-Access-Start von Subnautica 2 zu unterlaufen. Außerdem musste Gill wieder Zugriff auf Steam erhalten.
Charlie Cleveland und Max McGuire bekamen ihre früheren Rollen dagegen nicht zurück. Nicht, weil Krafton mit den Vorwürfen gegen sie durchgedrungen wäre, sondern weil ihre Aufgaben vor der Entlassung ohnehin nur noch begrenzt gewesen waren.
250-Millionen-Dollar-Bonus: Neue Frist bis September 2026
Auch beim Millionenbonus drehte sich das Blatt. Die ursprüngliche Frist bis Ende 2025 war durch die Verschiebung von Subnautica 2 massiv entwertet worden. Das Gericht verlängerte den Zeitraum deshalb um 258 Tage - exakt um die Spanne, in der Gill aus seiner Position entfernt war.
Neuer Stichtag ist der 15. September 2026. Unter bestimmten Bedingungen kann sich die Frist sogar bis März 2027 verlängern. Der Traum vom Geldregen ist damit also doch nicht tot. Ob Krafton zusätzlich Schadenersatz zahlen muss, wird erst in einer zweiten Prozessphase geklärt. (Weiter auf Seite 3).
