Auf der Mauer, auf der Lauer

Stronghold 2 Quelle: 2K Games All die Arbeit dient in der Kampagne vor allem der Rüstung: Über kurz oder lang kommt es immer zum Krieg. Schmieden und Pfeilmacher füllen das Waffenlager; in der Kaserne verwandeln Sie Bauern mit Waffen und Rüstungen in Soldaten. Wie in Warcraft scheuchen Sie Lanzenträger, Schwertkämpfer, Ritter oder Bogenschützen über die Karte. Streift der Mauscursor einen Feind, erscheint automatisch ein Angriffssymbol. Besonders viel Spaß macht die Verteidigung einer Burg. Mit der Maus platzieren Sie Wälle, Wachttürme, Fallgruben oder Gräben. Der Bau funktioniert auf Wunsch im Pause-Modus, sodass mehr als genug Zeit zum Austüfteln möglichst uneinnehmbarer Bollwerke bleibt. Speziell in späteren Levels, wenn die Gegner über weit reichende Geschütze und schweres Belagerungsgerät verfügen, entbrennen lange und fesselnde Abwehrschlachten. Leider treten in solchen Kämpfen grundlegende Schwächen beim Verhalten der eigenen Truppen zu Tage. Statt an die Mauer gelehnte Belagerungsleitern zumzustoßen, steigen eigene Schwertkämpfer beispielsweise ohne ersichtlichen Grund über die Leiter vom Wall hinab, wo sie keine Chance gegen die angreifende Übermacht haben. Turmmontierte Ballisten schießen nicht automatisch auf gegnerische Belagerungsgeschütze, sondern attackieren erst viel weniger gefährliche Infanteristen. Immer wieder muss der Spieler manuell nachbessern, was in turbulenten Situationen zu hektikbedingtem Handflächenschweiß führt. Hinzu kommt die mangelhafte Kollisionsabfrage: Gelegentlich schlüpfen Feinde durch massive Mauern, wodurch die komplette Verteidigung ausgehebelt wird. Im Nahkampf stört, dass hunderte Soldaten zu einem einzigen, undurchsichtigen Knäuel verschmelzen - so sieht man nie, wie viele Kämpfer einem noch gegenüber stehen. Frustrierend wird’s, wenn Stronghold 2 mit unfairen Mitteln aufwartet. In einer Mission ist der Feind nahezu komplett niedergerungen, dennoch fällt Ihnen aus dem Nichts und ohne Warnung am anderen Ende der Karte eine gewaltige Streitmacht ebendieses KI-Spielers in den Rücken, was Sie zum Laden oder Neustarten zwingt. Regelmäßiges Speichern ist Pflicht! Im Gegensatz zum thematisch ähnlichen Siedler: Das Erbe der Könige lohnt es sich übrigens, mit den verfügbaren Einheiten zu haushalten. Spielt die nachfolgende Mission im selben Gebiet, so bleiben Armeen und Gebäude erhalten. Blinde Zerstörungswut wird also bestraft, wenn Sie im nächsten Einsatz die gerade eroberte Burg kontrollieren.

Viel zu tun

Stronghold 2 Quelle: 2K Games Ein großes Plus von Stronghold 2 ist der enorme Umfang. Nach rund drei Vierteln der Spielzeit teilt sich der Weg: Wahlweise bestreiten Sie die abschließenden drei Kapitel aufseiten des Königs oder für den fiesen Lord Barclay. Die Missionen unterscheiden sich deutlich - es lohnt sich unbedingt, beide Seiten durchzuspielen. Fällt die Wahl auf den guten Pfad, so verteidigen Sie zum Beispiel die Abtei eines Bischofs, ohne dessen Segen Barclay den Thron nicht erklimmen kann. Als Bösewicht führen Sie hingegen die Belagerungstruppen ins Gefecht. Neben der kriegerischen Laufbahn steht eine zweite Kampagne mit Fokus auf Wirtschaft und Verwaltung zur Auswahl. Schauplatz ist eine weitläufige Karte mit vielen verschiedenen, fast ausschließlich friedlichen Aufgaben. Statt Burgen zu erobern, sammeln Sie in diesem Modus die geforderte Anzahl von Rohstoffen oder unterstützen Mönche beim Aufbau ihres Klosters mit Vorräten. Noch entspannter läuft das "Freie Bauen" ab. Gänzlich ohne Zeitdruck kreieren bauwütige Spieler bombastische Festungen. Das auf Kämpfe ausgelegte Pendant zum freien Spiel nennt sich "Königsmacher": Durch den Aufstieg in höhere Ränge schaltet man fortgeschrittenere Truppen frei. Lobenswert: Ein Editor für eigene Missionen und gar Kampagnen liegt bei.

Wertung zu Stronghold 2 (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Facettenreiche Simulation des BurgenlebensAuthentische Mittelalter-AtmosphäreBeeindruckender Umfang
Schwache KI eigener MilitäreinheitenSchöner Grafik fehlt der letzte Schliff

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