Das neue Spiel der Yakuza-Macher braucht keinen Snoop-Dogg-Moment

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Kolumne Dominik Pache - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Das neue Spiel der Yakuza-Macher braucht keinen Snoop-Dogg-Moment
Quelle: Ryu Ga Gotoku Studio

Stranger Than Heaven wirkt wie das nächste große Yakuza-Epos. Doch ein Promi-Auftritt droht all die starken Themen zu überstrahlen: Snoop Dogg passt hier einfach nicht ins Bild.

Snoop Dogg macht für Geld alles. Der Mann war gefühlt schon Werbegesicht für alles, was eine Marketingabteilung in den letzten Jahren irgendwie mit Popkultur aufladen wollte: Wein, Feuerstellen, Turnschuhe, Sportübertragungen, Mobilfunk, Cannabis-Produkte, Eiscreme, Olympia-TV. Snoop ist längst nicht mehr nur Rapper, sondern eine Art universeller Aufmerksamkeitsverstärker. Steht irgendwo ein Produkt im Raum und fragt jemand im Meeting: "Wie machen wir das internetfreundlicher?", scheint Snoop Dogg eine naheliegende Antwort zu sein.

Und genau deshalb stört sein Auftritt in Stranger Than Heaven so sehr. Nicht, weil das Spiel schwach wirkt. Im Gegenteil: Es sieht verdammt spannend aus.

Ryu Ga Gotoku Studio scheint hier ein absurd ambitioniertes Projekt zu bauen: eine 50 Jahre umfassende Saga, fünf Epochen, fünf Städte, ein Protagonist, der als Heimatloser beginnt und sich durch ein Japan kämpft, das ihn nicht wirklich haben will. 1915 startet die Geschichte in Kokura, später folgen Kure, Sotenbori, Atami und Kamurocho. Allein diese Ortsnamen reichen, um bei Yakuza-Fans sämtliche Alarmglocken schrillen zu lassen. Kamurocho und Sotenbori sind keine beliebigen Japan-Kulissen, sondern zentrale Orte der Like-a-Dragon- und Yakuza-Welt. Dazu kommt der Tojo-Bezug, der sofort Spekulationen über die Ursprünge des Tojo-Klans auslöst.

Offiziell verkauft SEGA Stranger Than Heaven zwar als neues Action-Adventure. Inhaltlich ist aber kaum zu übersehen: Dieses Spiel steht mit beiden Füßen im Yakuza-Universum.

Und offenbar geht es um mehr als Männer in Anzügen, die sich in dunklen Gassen die Zähne ausschlagen. Makoto Daito ist Sohn eines amerikanischen Vaters und einer japanischen Mutter, wird verfolgt, verliert seine Eltern und sucht in Japan eine Heimat, die ihm zunächst keine sein will.

Das ist ein starkes Fundament. Identität, Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Ehrgeiz, Freundschaft, Gewalt, Showbusiness, historischer Wandel: Stranger Than Heaven greift nach großen Themen. Genau solche überlebensgroßen Melodramen kann RGG besser als fast jedes andere Studio.

Wenn der Star die Figur verschluckt

Umso stärker fällt Snoop Dogg aus diesem Bild heraus. Ja, man kann einwenden: Yakuza war schon immer absurd. Diese Reihe hat Tigerkämpfe, Karaoke-Eskapaden, Hostess-Clubs, Wirtschaftssimulationen, Babysitter-Drama, politische Verschwörungen und Faustkämpfe gegen halbe Armeen miteinander verbunden. Ein internationaler Schmuggler namens Orpheus, gespielt von Snoop Dogg, ist auf dem Papier nicht einmal das Verrückteste, was dieses Studio je gemacht hat.

Aber es macht einen Unterschied, ob etwas innerhalb der Spielwelt überzeichnet wirkt - oder ob ein Promi-Cameo wie ein Fremdkörper durch die vierte Wand bricht.

Genau das passiert hier. Snoop Dogg wirkt nicht wie eine Figur aus Stranger Than Heaven. Er wirkt wie Snoop Dogg, der in Stranger Than Heaven gelandet ist, weil jemand bei SEGA oder Xbox ein großes, memetaugliches Gesicht für den Reveal wollte.

Seine Rolle als Orpheus mag im Drehbuch Sinn ergeben: ein global vernetzter Schmuggler, mysteriös, gefährlich, überlebensgroß. In der Präsentation kam davon allerdings wenig an. Stattdessen wirkte Snoop auffällig abwesend, als arbeite er gerade einen Pressetext vom Teleprompter ab, ohne echte Verbindung zu dem Spiel, über das er spricht.

Ado und Tori Kelly zahlen direkt auf das musikalische Zentrum des Spiels ein. Bunta Sugawaras digital rekonstruierter Gastauftritt passt zumindest als Verweis auf japanisches Gangsterkino und kulturelles Erbe. Snoop Dogg dagegen bringt vor allem Snoop Dogg mit. Seine Star-Persona ist so groß, so kommerzialisiert und so oft für Kampagnen eingesetzt worden, dass sie die Figur Orpheus sofort überlagert.

Vielleicht funktioniert das im fertigen Spiel besser. Vielleicht hat Orpheus mehr Tiefe, mehr Präsenz, mehr Bedeutung, als der Reveal vermuten lässt. Vielleicht war die Präsentation einfach ein schlechter erster Eindruck.

Oder vielleicht fand Snoop den Namen auch nur cool, weil er wie Morpheus aus "The Matrix" klingt.

Und ja, Snoop Dogg macht natürlich nicht alles für Geld. Ein angebliches 100-Millionen-Dollar-Angebot von der Website OnlyFans hat er nach eigener Aussage schließlich abgelehnt, weil seine Frau dagegen war. Naja, schön zu wissen. Für Stranger Than Heaven hätte er aber trotzdem Nein sagen dürfen.

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    • Kommentare (3)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Weedotastisch Gelegenheitsspieler/in
        Ist das son 1. April Ding? 😀🙂🙂
      • Von Weedotastisch Gelegenheitsspieler/in
        Ist das son 1. April Ding? 😀🙂🙂
      • Von McDrake Mitglied
        Vor allem: Zieht Snoop denn wirklich noch?
        Da hätte man doch locker mit dem Geld einen Designer hingesetzt und einen neuen Protagonisten erfinden können
      • Von masto-don Gelegenheitsspieler/in
        das spiel sieht wirklich interessant aus, aber snoop dog wirkt leider extrem aufgesetzt und passt nicht so richtig in das spiel.
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