Steam Deck im Test: Ein mächtiger Handheld, aber ein PC mit diversen Macken

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Steam Deck im Test: Ein mächtiger Handheld, aber ein PC mit diversen Macken
Quelle: Valve

Das Steam Deck von Valve will nicht weniger sein als eine eierlegende Wollmilchsau. Ein mobiler PC, der als Handheld neue Maßstäbe setzt und als kleine PC-Alternative neue Möglichkeiten eröffnet. Was das Gerät von diesen Versprechungen alles halten kann, haben wir im zweiwöchigen Test ausführlichst auf die Probe gestellt.

Es war eine mittelgroße Überraschung, als Valve im Juli 2021 mit dem Steam Deck einen Handheld-PC ankündigte. Klar hatte sich der Steam-Betreiber in der Vergangenheit schon an verschiedenen Hardware-Projekten versucht. Vom Steam Link über die Steam Machines bis zum Valve Index mit mal weniger, mal mehr Erfolg. Nun wagt man sich also auf den Handheld-Markt, an dem sich schon andere Größen wie Sony die Finger verbrannt haben. Auf der anderen Seite ist Nintendo seit Jahrzehnten in diesem Gebiet mit Erfolg unterwegs und die Switch hat nicht nur den Handheld-begeisterten heimischen Markt, sondern auch westliche Käufer im Sturm erobert.

Ähnliches strebt Valve jetzt auch mit dem Steam Deck und einem ehrgeizigen Konzept an. Den anders als bei Switch und Co. soll es sich beim Deck nicht einfach nur um eine mobile Konsole, sondern um einen kleinen tragbaren PC handeln. Entsprechend lockt Valve mit dem Versprechen, dass potentielle Steam-Deck-Nutzer theoretisch auf ihre gesamte Spielebibliothek zugreifen können, die sie auf Steam eh schon besitzen. Ein verlockender Ausblick. Doch kann das Gerät die in es gesetzten Erwartungen erfüllen? Wir hatten die Gelegenheit, noch vor dem offiziellen Verkaufsstart ein Steam Deck ausführlich selbst auszuprobieren.

Drei Modelle

Das Steam Deck wird zum Launch in drei verschiedenen Varianten angeboten. Der größte Unterschied ist dabei der direkt im Gerät verbaute Speicherplatz. So bietet die mit 419 Euro günstigste Version lediglich 64 Gigabyte auf Flashspeicher-Basis. Zum Preis von 549 Euro ist dagegen eine SSD des NVMe-Standards mit 256 Gigabyte verbaut. Das teuerste Modell schlägt mit 679 Euro zu Buche und bietet neben einer 512 Gigabyte SDD zudem auch ein Display mit hochwertigem entspiegeltem und geätztem Glas. Die restliche Hardware und damit auch die Leistungsfähigkeit des Decks ist in allen drei Modellen gleich.

Äußerlich und bei der Leistung der Hardware unterscheiden sich die drei Modelle des Steam Deck nicht. Quelle: PC Games Äußerlich und bei der Leistung der Hardware unterscheiden sich die drei Modelle des Steam Deck nicht. Uns wurde für den Test lediglich ein Exemplar des teuersten Modells zur Verfügung gestellt. Daher werden unsere nachfolgenden Einschätzungen darauf beruhen. Das ist besonders bei Aussagen über die Darstellung und Ladezeiten zu beachten. Die Unterschiede zu dem nicht-entspiegelten Display und dem schwächeren Flashspeicher des kleinsten Modells konnten wir entsprechend nicht untersuchen. Abgesehen davon wurden uns von Valve keinerlei Vorgaben gemacht, was wir mit dem Gerät alles anstellen dürfen. Entsprechend haben wir, auch mit Hilfe der erfahrenen Kollegen von PC Games Hardware, das Steam Deck gründlich in die Mangel genommen.

Was man hier für 420 bis 680 Euro an mobiler Hardware bekommt, ist nämlich schon auf dem Papier recht beeindruckend. Das Herzstück, eine speziell von AMD für das Steam Deck entwickelte APU auf Basis von Zen-2- und RDNA-2-Technologie, liefert ungefähr das Leistungsvermögen einer Playstation 4, nur eben im tragbaren Format. Damit ist das Deck um Welten leistungsstärker als die Nintendo Switch. Bietet für den Preis also die wohl derzeit beste Handheld-Gaming-Power auf dem Markt. Mit einem richtigen Desktop-PC kann es allerdings auch nicht mithalten. Als Ersatz für den heimischen Rechenknecht oder ein Notebook sollte man sich das Gerät also nicht unbedingt anschaffen. Dafür gibt es auch noch einige andere Gründe, zu denen wir später noch kommen.

Größe und Gewicht

Kommen wir zunächst zu den äußeren Werten des Steam Deck. Geliefert wird das Gerät mit einem ziemlich überschaubaren Umfang. Das Deck selbst ist bereits in seiner Tragetasche verpackt und zusätzlich liegen noch das Netzteil sowie ein Bildschirmputztuch dem Lieferumfang bei. Das war es dann aber auch schon. Bis auf eine Sicherheits- und Garantiewarnung fehlt es an sämtlicher gedruckter Produktinformation. Wer also erstmal ein Handbuch oder eine Anleitung studieren will, schaut in die Röhre. Die Tragetasche ist schön stabil gebaut und im inneren perfekt auf die äußeren Formen des Geräts angepasst. So werden keine Elemente unnötig belastet und trotzdem liegt das Deck relativ stabil darin. Mit der harten Außenschale dürften Stürze aus üblicher Tragehöhe kein Problem darstellen. Auf der Unterseite hat die Hülle zudem noch eine Aussparung, in der sich das Netzteil unterbringen lässt. Stauraum für weiteres Zubehör gibt es allerdings nicht.

Bei der Größe müssen sich Handheld-Fans in jedem Fall auf neue Dimensionen einstellen. Mit einer Breite von 30 Zentimetern, einer Höhe von 11,7 Zentimetern und einer Tiefe von 5 Zentimetern an den Analogsticks ist das Steam Deck deutlich größer als die Nintendo Switch, obwohl diese in der OLED-Variante ebenfalls über ein 7 Zoll Bildschirm verfügt. Trotz seiner Größe ist das Deck mit 675 Gramm leichter als man zunächst erwarten könnte. Es übersteigt damit zwar auch wieder deutlich die Switch, füllt sich dennoch nicht unangenehm schwer an. In der nachfolgenden Tabelle haben wir einige Vergleichswerte für euch zum besseren Verständnis zusammengetragen.

  Steam Deck Nintendo Switch PS Vita Gameboy
Breite 30cm 24cm 18,3cm 9cm
Höhe 11,7cm 10,2cm 8,5cm 14,8cm
Tiefe 5cm 2,8cm 2cm 3,2cm
Bildschirm 7 Zoll 6,2/7 Zoll (OLED) 5 Zoll 2,6 Zoll
Gewicht 675 Gramm 400 Gramm 220 Gramm 220 Gramm

Die Inbetriebnahme des Steam Deck ist kinderleicht und es gibt eigentlich kaum etwas zu beachten. Auf einer Pappabdeckung aus der Verpackung ist lediglich der Hinweis zu sehen, dass das Gerät zunächst an den Strom angeschlossen werden soll, bevor man es zum ersten Mal einschaltet. Offensichtlich eine Vorsichtsmaßnahme, denn der Akku war ordentlich gefüllt. Es konnte also direkt losgehen. Nach einer kurzen Bootsequenz richten wir in einem einfachen Menü zunächst eine WLAN-Verbindung ein. Danach gilt es noch, sich in einen Steam-Account einzuloggen. Auch dies funktioniert in der aufgeräumten Maske ziemlich selbsterklärend. Auf Wunsch merkt sich das Steam Deck auch alle Angaben und ihr müsst euch zukünftig nicht jedes Mal neu anmelden. Ist diese Hürde überwunden, startet die eigens für das Steam Deck entwickelte Benutzeroberfläche von Steam. Doch zu den inneren Werten des Geräts kommen wir später.

Eingabemöglichkeiten

Betrachten wir zunächst einmal das Handling des Geräts. Links und rechts des Bildschirms finden wir so ziemlich alles vor, was wir von üblichen Controllern gewohnt sind. Zwei Analogsticks, ein digitales Steuerkreuz, vier kreuzförmig angeordnete Aktionstasten. Dazu Schultertasten und Trigger an der Oberseite des Geräts. Letztere sind analog und nicht nur digital wie bei der Switch. Damit lassen sich zum Beispiel auch Rennspiele mit der nötigen Präzision bedienen. Präzise arbeiten auch die Sticks, die gut am Daumen liegen, sehr rutschfest sind und ordentlich Spannung für den Sprung in die Neutralstellung aufweisen. Für fortgeschrittenere Spieler verfügt das Steam Deck zudem über vier Tasten auf der Rückseite, die mit Mittel- und Ringfinger bedient werden.

Das Trackpad auf der rechten Seite dient als Mausersatz, aber nur für die Bewegung des Cursors. Für den Mausklick muss zusätzlich der rechte Trigger betätigt werden. Quelle: PC Games Das Trackpad auf der rechten Seite dient als Mausersatz, aber nur für die Bewegung des Cursors. Für den Mausklick muss zusätzlich der rechte Trigger betätigt werden. Üblicherweise sind diese Tasten mit den Befehlen der vier Aktionsbuttons belegt, um diese auszulösen, ohne den Finger vom Stick nehmen zu müssen. Allerdings lassen sich die Buttons, wie so viele andere Steuerungselemente auch, individuell mit den verschiedensten Funktionen belegen. Es ist sogar möglich vorgefertigte Aktionssets, sogenannte Makros anzulegen und auf diese Tasten zu legen. Der Umgang mit diesen Rückentasten ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Die Tasten haben einen recht schweren Druckpunkt, der sich besonders mit dem Ringfinger nicht so gut anfühlt.

Eine weitere Besonderheit des Steam Decks befindet sich unter den Analogsticks. Dort ist jeweils ein quadratisches Trackpad angebracht. Das rechte dient dabei als Mausersatz, indem man mit dem rechten Daumen den Cursor über den Bildschirm bewegt und mit dem rechten Trigger den linken Mausklick auslöst. Klingt komisch, ist aber so. Das reicht aus, um hier und dort mal ein Menü zu bedienen. Mit ein wenig Übung lassen sich damit auch auf Mauseingabe angewiesene Spiele steuern, an die Präzision einer richtigen Maus kommt das Trackpad aber niemals heran. Das linke Trackpad wird vereinzelt zu speziellen Zwecken eingesetzt. In der Steam-Oberfläche dient es als alternatives D-Pad, während es in Crusader Kings 3 als Schnellzugriff auf verschiedene Spielmenüs dient.

Um das Eingabeportfolio des Steam Deck abzurunden, verfügt der Bildschirm natürlich auch über eine Touch-Funktionalität. Damit lässt sich die Benutzeroberfläche am flottesten bedienen, da sie mit ihren großen Icons und Schaltflächen wie dafür geschaffen ist. In Spielen lassen sich damit zumindest Menüs auf die gleiche Weise bedienen, da ein Touch auf den Bildschirm im Grunde nur einen Mausklick an die berührte Stelle darstellt. Für einen Nutzen im Gameplay müssten die Spiele speziell darauf angepasst werden. Immerhin ist der Touchscreen aber auch noch sinnvoll, um die virtuelle Tastatur bequem zu bedienen, wenn immer irgendwo ein Textfeld auszufüllen ist.

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    • Kommentare (43)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von MatSch Gelegenheitsspieler/in
        Ich überlege mir ein Steam Deck zu kaufen.

        Im Test steht folgendes:
        "Je nach Lichteinfall kann es auch bei der entspiegelten Variante zu Spiegelungen kommen. Wenn zum Beispiel die Sonne direkt von hinten auf den Bildschirm scheint. Ob dies auf den günstigeren Varianten ohne Entspiegelung schlimmer ausfällt, können wir mangels Vergleichsgerät leider bisher nicht sagen."

        Hat hier jemand mehr Erfahrungswerte? Kann ich relativ entspannt draußen im Schatten zocken, wenn die Umgebung im Hintergrund sehr hell ist?
      • Von MatSch Gelegenheitsspieler/in
        Ich überlege mir ein Steam Deck zu kaufen.

        Im Test steht folgendes:
        "Je nach Lichteinfall kann es auch bei der entspiegelten Variante zu Spiegelungen kommen. Wenn zum Beispiel die Sonne direkt von hinten auf den Bildschirm scheint. Ob dies auf den günstigeren Varianten ohne Entspiegelung schlimmer ausfällt, können wir mangels Vergleichsgerät leider bisher nicht sagen."

        Hat hier jemand mehr Erfahrungswerte? Kann ich relativ entspannt draußen im Schatten zocken, wenn die Umgebung im Hintergrund sehr hell ist?
      • Von LOX-TT Mitglied
        Hätte schon Bock auf das Teil, aber momentan ist mir das noch viel zu teuer, erst Recht für mich als jemand der viel mehr stationär spielt als mobil.
      • Von Spiritogre Mitglied
        Na ja, das Spiel, das ich momentan zocke läuft nicht unter Steam OS genau wegen dem Kopierschutz. Zugegeben, denke ich, dass es ohne Maus und Tastatur ohnehin nur schlecht spielbar wäre.
      • Von WildMustang Anfänger/in
        Zitat von Spiritogre
        Die benutzen Lutris (laut Webseite ein Emulator für alle möglichen Plattformen) und noch über Terminal.
        Emulator ist eigentlich nicht ganz richtig. Es ist ein Launcher. Und der Launcher bietet auch an über Emulatoren Spiele zu starten. Native Linux Spiele können darüber auch verwaltet und gestartet werden. Aber auch z.B. Nintendo oder Atari Spiele. Aber die Emulatoren kannst du auch ohne Lutris verwenden. Der Vorteil ist, dass man alles unter einem Dach hat und verschiedene Einstellunsmöglichkeit in der Oberfläche angeboten werden. Des Weiteren kann man auch z.B. sein GOG Account verknüpfen und darüber seine Spiele runterladen/installieren.

        Zitat von Spiritogre
        Das ist aber alles Frickelei, wenn ich es nicht direkt so zum Laufen kriege und irgendwie (per Text-Kommandos) einbinden muss.

        Man muss nicht zwingend Lutris verwenden. Man kann Diablo auch über Steam installieren und starten. Die Vorteile von Lutris fallen dann weg, aber die benötigt man auch nicht unbedingt.

        Zitat von Spiritogre
        Die große Frage bei solchen Sachen ist ja gerade, ob online funktioniert. Viele Launcher und Anti-Cheat Software streiken ja, weil die ja auf das Betriebssystem zugreifen müssen.
        Anticheat wie EAC und BattleEye bei Windowsspiele funktionieren. Vorraussetzung ist, dass die Entwickler des jeweiligen Spiel es erlauben, soweit ich weiß.
      • Von Spiritogre Mitglied
        Zitat von WildMustang
        Man ist nicht auf Steam beschränkt mit dem Valve-Linux.
        Diablo II Ressurrected lässt sich z.B. problemlos spielen:
        Die benutzen Lutris (laut Webseite ein Emulator für alle möglichen Plattformen) und noch über Terminal.

        Das ist aber alles Frickelei, wenn ich es nicht direkt so zum Laufen kriege und irgendwie (per Text-Kommandos) einbinden muss.

        Die große Frage bei solchen Sachen ist ja gerade, ob online funktioniert. Viele Launcher und Anti-Cheat Software streiken ja, weil die ja auf das Betriebssystem zugreifen müssen.
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