State of Decay im Test für PC: Stimmungsvolle Survival-Sandbox für Zombie-Fans
Mit einer Millionen Verkäufe hat sich State of Decay längst vom Prädikat "Geheimtipp" verabschiedet. Drei Monate nach dem erfolgreichen Launch auf Xbox 360 wurde das Open-World-Zombie-Spiel auch auf den PC portiert, zunächst als Early-Access-Version. Mittlerweile ist das Erstlingswerk der Undead Labs auch für den PC offiziell fertiggestellt - nun muss die Umsetzung zeigen, was sie kann.
State of Decay im Test für PC - Unter Survival-Fans hatte es sich schon im letztem Sommer rumgesprochen: Wer auf Zombies steht, gerne offene Welten erkundet und dabei kein technisches Wunder erwartet, ist mit State of Decay gut beraten. Allerdings schauten PC-Spieler anfangs in die Röhre, denn State of Decay feierte sein Debüt auf der Xbox 360. Erst im September fand das Spiel auch seinen Weg in die Steam-Datenbank, zunächst noch als Early-Access-Version. In dieser PC-Umsetzung wurde die Grafik leicht verbessert, später auch eine Maus-Tastatur-Steuerung eingebaut. Seit dem 5. November hat diese Version den Early-Access-Status abgelegt und ist nun - offiziell fertiggestellt - über Steam erhältlich.
TIPP: Einen noch ausführlicheren Spielbericht zu State of Decay findet ihr in unserem Special.
Zombie-Endzeit ohne Drama
State of Decay verzichtet auf ein Intro oder Erklärungen. Es beginnt einfach, irgendwo in einem amerikanischen State Park. In dieser stimmungsvollen, frei erkundbaren Waldidylle ist eine Zombie-Seuche ausgebrochen, was Marcus - der erste spielbare Charakter - direkt am eigenen Leib erfährt. Mit Marcus folgt man einer losen Hauptquestreihe, die ihn kreuz und quer durch die atmosphärische Spielwelt führt. Eine dramatische Handlung und vielschichtige Figuren sollte man dabei nicht erwarten, State of Decay schlägt nämlich in eine ganz andere Kerbe als etwa das erzählerisch starke The Walking Dead. Anstelle einer guten Story liefert Undead Labs vielmehr ein ambitioniertes Sandbox-Abenteuer ab, das reihenweise Features aus anderen Zombie-Spielen unter einen Hut bringt. Viele dieser Spielelemente - etwa Kampf, Basisbau, Crafting oder Charakterentwicklung - wirken für sich genommen simpel, teils unfertig oder nicht zuende gedacht, doch zusammen ergeben sie trotzdem ein stimmiges, meist fesselndes Spielerlebnis.
Sandbox voller Möglichkeiten
Quelle: PC Games
Das Open-World-Abenteuer spielt in einem amerikanischen State Park. In dieser Touristen-Idylle ist eine Zombie-Seuche ausgebrochen.
Untote lauern überall in der Spielwelt, sicher ist es nirgendwo. Daher lernt man gleich zu Beginn von State of Decay, wie man Zombies im Nahkampf niederprügelt. Das enorm blutige Hauen, Hacken und Stechen (State of Decay ist ungeschnitten!) soll zwar eigentlich taktisch sein, fühlt sich in der Praxis aber recht ungenau an. Auch das Verhalten der Zombies lässt zu wünschen übrig: Immer wieder sind wir Untoten begegnet, die abrupt vom Boden in eine stehende Position wechselten, als würde hier eine Animation fehlen. Wir erlebten auch, wie die Zombies durch Wände "clippten" oder ungelenk über Zäune kletterten, anstatt den direkten Weg zu uns zu wählen - solche KI-Fehler lassen sich häufig beobachten. Besonders im Kampf fallen außerdem unsaubere, teils abgehackte Animationen der Zombies auf. Damit hinterlässt das Spiel einen schwachen ersten Eindruck, der sich in den Stunden danach aber zum Glück wieder deutlich bessert. Denn State of Decay hat mehr zu bieten als nur stumpfe Zombie-Kämpfe!
Schnell lernt man etwa, dass die weitläufige Spielwelt neben Waldgebieten auch mehrere Siedlungen mit massenhaft Gebäuden umfasst. Egal ob Wohnhaus, Geräteschuppen, Scheune oder Garage, nahezu jedes Gebäude kann man ohne Ladezeit betreten, um dort nach Waffen, Medizin, Vorräten und anderem Material zu suchen. Das gesammelte Zeug wird wichtig, sobald man auf weitere Charaktere in der Spielwelt trifft. Mit diesen NPCs bildet man nämlich eine Art Zweckgemeinschaft: In einer gemeinsam genutzten Basis lagert der Spieler seine Beutestücke, holt sich neue Aufgaben ab (die sich leider oft wiederholen) und kümmert sich um die Versorgung des Teams. Je mehr man für die Menschen leistet, desto stärker wird der eigene Einfluss in der Gruppe. Ist man erst mal beliebt genug, darf man auch andere Charaktere aus der Überlebenstruppe spielen, während sich der Hauptheld Marcus in der Basis ausruht und seine Wunden heilt. Es lohnt sich, die Charaktere so hin und wieder durchzuwechseln, denn jede Figur verbessert mit der Zeit ihre Fähigkeiten, ähnlich wie in einem Rollenspiel. Wer viel kämpft, schleicht, schießt oder Beute sucht, der wird in diesen Disziplinen besser und geschickter. Im Laufe der mehr als 15 Spielstunden erhält man so eine flexible Heldenauswahl, aus der man sich einfach die Figur rauspickt, die sich für die bevorstehende Aufgabe am besten eignet. Aber Vorsicht: Wer stirbt, bleibt tot. Es gibt keine Wiederbelebungsmechanik in State of Decay.
Basispflege in dynamischer Welt
Nicht nur die Charaktere, sondern auch die Heimatbasis selbst muss man im Auge behalten: An freien Bauplätzen darf man neue Gebäude errichten und bestehende Bauten verbessern. Wird ein Wachposten beispielsweise zu einem Hochstand aufgerüstet, kann man dort einen Scharfschützen anfordern, der Untote in der Nähe ausschaltet. Damit die Basis dauerhaft in Schuss bleibt, muss man allerdings regelmäßig Nahrung, Munition und Baumaterial aus verlassenen Häusern besorgen. Und da es nicht unendlich Material in der Spielwelt gibt, werden die Laufwege während dieser Beutezüge stetig länger. Darum stehen zahlreiche Autos am Wegesrand rum, mit denen man die große Spielwelt flott und unkompliziert bereist. Neben Tag-und-Nacht-Wechseln und zufällig auftretenden Mini-Quests sorgen dabei auch die Zombies selbst für ein dynamisches Spielgefühl: Die Untoten reagieren empfindlich auf Lärm (Vorsicht beim Gebrauch von Schusswaffen!), werfen sich auf die Motorhaube des Spielers oder klettern durch Fenster in Häuser hinein. Darum fühlt man sich nie wirklich sicher in State of Decay - obwohl der Schwierigkeitsgrad niedrig angesetzt ist.
Die PC-Umsetzung - Technik und Steuerung
Quelle: PC Games
Alle Menüs lassen sich nun per Mausklick bedienen.
Die Grafik - angetrieben von der leistungsfähigen Cryengine 3 - wurde für die PC-Umsetzung etwas aufgemöbelt und hinterlässt so einen besseren Eindruck als die technisch durchwachsene Xbox-360-Fassung. Die Auflösung ist höher, einige Texturen wirken schärfer, Tearing ist dank Vsync kein Problem mehr, außerdem wurde die Menge an Pop-Ups und nachladenden Texturen reduziert. Auch die Performance machte auf unseren Test-Rechnern einen soliden Eindruck, insgesamt spielt sich State of Decay am PC spürbar flüssiger als auf den Konsolen. Technisch perfekt ist die Portierung trotzdem nicht: Auch am PC haben wir beispielsweise eine Menge Clipping-Fehler beobachtet, etwa wenn Zombies zur Hälfte in Hauswänden verschwinden oder einfach mal durch sie hindurchmarschieren. Zudem bietet das Optionsmenü wenig Auswahl: Gerade mal vier Qualitätsstufen (die sich kaum unterscheiden), Vsync und die Auflösung darf man einstellen - das ist besser als nichts, doch PC-Spieler sind hier mehr Entscheidungsfreiheit gewöhnt.
Erst kürzlich wurde die PC-Version mit einer Maus-Tastatursteuerung versehen. Die ist nicht optimal geraten, erfüllt aber ihren Zweck. Die Menüs sind zwar immer noch etwas umständlich, lassen sich nun aber bequem mit Klick-Eingaben bedienen. Fahrzeuge lenken sich mit den WASD-Tasten zwar weniger präzise als mit einem Gamepad, doch auch hier kommt man mit etwas Übung klar. Was uns nicht gefällt: Bislang darf man die Tastenbelegung nicht ändern, diese Option will Undead Labs erst in Kürze mit einem Patch nachliefern. Liebe Entwickler, so etwas gehört in die Release-Version! Ein kleiner Trost: Die voreingestellte Tastenbelegung ist weitestgehend durchdacht und brauchbar. Einige Spieler klagen allerdings noch über Fehler mit der Mausbeschleunigung - auch dieses Problem soll in Kürze mit einem Patch aus der Welt geschafft werden. Auch wenn die PC-Fassung insgesamt in Ordnung geht und nicht länger als Early-Access-Version angeboten wird - so richtig rund und fertig wirkt sie immer noch nicht.
Quelle: PC Games
In der Heimatbasis darf man sich mit anderen Charakteren unterhalten - leider sind die NPCs ziemlich blass geraten.
Kein Koop, aber mit DLC und Fortsetzungsplänen
Ursprünglich hatte Undead Labs geplant, State of Decay nachträglich mit einem kostenlosen Koop-Modus aufzuwerten. Dieser Plan wurde mittlerweile verworfen. Stattdessen arbeitet Undead Labs lieber gleich am offiziellen Nachfolger - denn der soll ein ausgewachsenes Zombie-MMO werden. Parallel dazu bastelt das Team derzeit noch an einem DLC namens Breakdown, der den Schwierigkeitsgrad des Spiels kräftig anheben soll.
State of Decay ist als Download über Steam (PC) und Xbox Live Arcade (Xbox 360) erhältlich. Die PC-Fassung kostet faire 19 Euro.

aber warum ist das Ende enttäuschend? für den Umfang der Story ist es das einzig sinnvolle Ende
Für den Preis auf jeden Fall nur zu empfehlen... die Jungs haben es verdient, finde ich.