Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 2 - Science Fiction à la Next Generation

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Special Sebastian Göttling - Autor Maik Koch - Redaktionsleiter Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Star Trek: Deep Space Nine - Staffel 2 - Science Fiction à la Next Generation
Quelle: Paramount

Rückblick auf Star Trek: Deep Space Nine, Staffel 2: Experte Sebastian Göttling bietet ein umfassendes Recap zur zweiten Runde der Spinoff-Serie.

Staffel-Geschmacksrichtung 2: Science-Fiction à la Next Generation

Die zweite, wichtige Zutat der Staffel war High-Concept-Science-Fiction, also stark akzentuierte Was-wäre-wenn-Fragen vor dem Hintergrund der fiktiven Star-Trek-Wissenschaft. Denn es galt nicht nur, die nächste Serie Voyager vorzubereiten, sondern Deep Space Nine selbst auch als Nachfolger und ebenbürtige Alternative zur Next Generation zu etablieren. Das Publikum sollte nachhaltig beigebracht bekommen, dass es diese Geschmacksrichtung nach dem endgültigen Finale der Enterprise-D auch im nachfolgenden Produktionsjahr auf der Raumstation erwarten konnte und nicht bloß in der zukünftigen Raumschiff-Serie - und deswegen wurde dieser Sorte Episode viel mehr Raum gegeben, als es noch in der Debütstaffel der Fall war. Neun Stück davon wurden über die Staffel verteilt.

So richtig wollte das bei Deep Space Nine allerdings nicht aufgehen, denn mehr als die Hälfte - fünf Episoden - gelten als eher durchwachsen. Die Episode Melora (Das "Melora"-Problem) - was wäre, wenn ein Crewmitglied an Bord kommt, das von einer Welt niedriger Schwerkraft kommt - ist der völlig nach hinten losgegangene Versuch, eine Geschichte über Inklusion zu erzählen. Das scheiterte vor allem deswegen, weil der Charakter der Melora, die in "normaler" Schwerkraft auf einen Rollstuhl angewiesen war, eigensinnig und selbstständig inszeniert werden sollte, diese Wesenszüge aber so überzeichnet wurden, dass sie schroff und unsympathisch wirkte. Deswegen kehrte der eigentlich als wiederkehrende Figur geplante Charakter nie zurück, was wiederum in Sachen Inklusion die fatale Botschaft sendete: Mit der körperlich eingeschränkten Person konnten wir nichts anzufangen.

Eigentlich als wiederkehrender Charakter geplant, doch dann zu kantig: die schwerkraftgeplagte Melora. Quelle: Paramount Eigentlich als wiederkehrender Charakter geplant, doch dann zu kantig: die schwerkraftgeplagte Melora.

Was wäre, wenn ein Alien auf unerträglichen psychischen Stress reagiert, indem es ihn externalisiert, abspaltet und als projiziertes Gespenst umherlaufen lässt? Pikant an Second Sight (Rätselhafte Fenna) war dabei, dass sich der verwitwete Commander Sisko erstmalig wieder auf eine Beziehung einließ - ausgerechnet mit dieser Geistererscheinung einer Person, die in ihrer tatsächlichen Form eine verheiratete Frau war. Ich mag diese Folge, weil sie den in Staffel 2 oft passiven Sisko aus der Reserve lockte und Worldbuilding betrieb, indem alltäglich-atmosphärische Dinge gezeigt wurden wie die Station bei Nacht oder ein peinliches Galadinner auf einem Wissenschaftsschiff. Doch bei vielen Fans fiel diese zugegeben etwas ungare Folge durch.

Was wäre, wenn ein Apparat die Gesetze der Wahrscheinlichkeit aushebelt? Eigentlich hätte man bei kurzem Überlegen darauf kommen müssen, dass sich dieses Konzept mit überschaubarem Fernsehbudget nicht überzeugend darstellen ließ, trotzdem versuchte DS9 es und das Ergebnis Rivals (Rivalen) war die wohl kopfloseste Story der Staffel, die vom Glücksritter Martus handelte, der ein konkurrierendes Casino zu Quarks Vergnügungstempel eröffnete. Auch Martus war als wiederkehrender Charakter geplant, der dem Ferengi pro Staffel einmal Ärger gemacht hätte (vergleiche Q bei Captain Picard), doch davon nahm man Abstand. Ob es geholfen hätte, wenn der Charakter - wie eigentlich vorgesehen - der Sohn von Enterprise-Barkeeperin Guinan gewesen wäre, ist zu bezweifeln.

Was wäre, wenn ein einsamer alter Mann inmitten selbstprogrammierter, holografischer KIs lebt, die unsere Helden zunächst für "echte" Lebewesen halten? Shadowplay (Die Illusion) war ein wenig besser, weil emotional berührender als die vorgenannten Folgen, aber trotz überzeugender Darstellerarbeit eines kleinen Mädchens (Noley Thornton) und gleich zweier Charakterschauspieler namens Kenneth, Mars und Tobey, doch eher leichtgewichtig.

Was wäre, wenn ein Mini-Universum existiert, dessen ausdehnendes Wachstum das unsrige gefährdet? Dieses Konzept einer "Ameisenfarm" und wie mit ihr vor ethisch-moralischen Gesichtspunkten umzugehen wäre, wurde leider völlig unzureichend verhandelt. Dieser Aufhänger stand in Playing God (Der Trill-Kandidat) lediglich im Hintergrund einer zutiefst uninteressanten Geschichte eines farblos geschriebenen und dargestellten Lehrlings, den Dax unter ihre Fittiche nahm.

Science-Fiction-Glanzlichter

Zum Glück gab es auch einige interessante Hard-SciFi-Storys. Die Frage, was wäre, wenn eine heimatlose und -suchende Spezies ausgerechnet DS9s Stammplaneten Bajor für das gelobte Land hält, wurde zu Sanctuary (Auge des Universums). Diese Folge fiel zwar in der Bewertung in unserem Star-Trek-Podcast durch, weil sie sich einem sehr komplexen Thema zu vereinfachend, zugespitzt und charakterlich schwer nachvollziehbar näherte, doch wenn man die Episode ohne unseren unnachgiebigen Detailblick schaut, handelt es sich um ein sehr startrekkig-moralisches Gleichnis, das viele Fans bis heute schätzen.

Was wäre, wenn zwei Völker Frieden schließen, bei der Umsetzung aber gnadenlos über Leichen gehen? Die Episode Armageddon Game (Das Harvester-Desaster) funktionierte hauptsächlich deswegen gut, weil sie ein Vehikel für die aufkeimende und vortrefflich gespielte Bromance zwischen Stationsarzt Julian Bashir und Malocher vom Dienst Chief O'Brien bot. Zwar wurde aus einer wilden Hetzjagd quer über einen Planeten aus Budgetgründen das stundenlange Ausharren in einem Schuppen, doch den beiden konnte man bei (fast) allem zuschauen.

Captain Sisko in Deep Space Nine Quelle: Paramount Witwer Sisko bandelt ausgerechnet mit einer Astralprojektion an. Das galt auch für Colm Meaneys Tour de Force in Whispers (O'Briens Identität) - und ich bitte alle, die Deep Space Nine noch nicht geschaut haben und keine Spoiler wollen, diesen Absatz zu überspringen. Denn was wäre, wenn einer unserer Hauptcharaktere durch einen Doppelgänger ersetzt wird - dieser Doppelgänger selbst aber gar nicht weiß, das er nicht der echte ist? Die Episode entwickelte sich zu einer fantastischen Studie in unnachgiebig aufbauender Paranoia. Mit ganz kleinen Hinweisen fing alles an, bis es am Ende schien, dass sich die gesamte Galaxie gegen O'Brien verschworen hatte - mit tragischem Ende. Ein absolutes Highlight der Staffel.

Schließlich dann die nicht von allen Fans gemochte, aber von mir heiß und innig geliebte Episode Paradise (Das Paradiesexperiment). Was wäre, wenn unsere technikverwöhnten Helden in einer Kolonie festsitzen, die sämtliche Errungenschaften des 24. Jahrhunderts ablehnt? Diese Folge verlieh dem mitunter lethargisch wirkenden Commander Sisko einen machtvollen und dringend benötigten Charisma-Buff, indem man ihm mit dem Charakter der Alixus (Gail Strickland) eine unvergesslich giftige Widersacherin entgegenstellte. Was in Form von Khan Noonien Singh für Captain Kirk funktionierte, wirkte auch Wunder für Sisko, denn er durfte hier Fanatismus und Manipulation mit aller Kraft trotzen und sich einer ganzen Dorfgesellschaft entgegenstellen.

Staffel-Geschmacksrichtung 3: Hommagen an die Originalserie

Deep Space Nine positionierte sich allerdings nicht bloß als adäquate Erbin der Next Generation, sondern pflegte wie keine Star-Trek-Serie vor oder nach ihr eine enge Verbundenheit zur Originalserie. Besonders in den USA war das wichtig, da das ursprüngliche Star Trek dort bis heute die beliebteste Serie war und ist. (Grund dafür waren die dortigen Dauerwiederholungen in den 1970ern. Hierzulande ist die Next Generation aus demselben Grund deutlich beliebter, denn auf SAT.1 wurden ab 1994 Captain Picard & Co. zu Dauerbrennern im Nachmittagsprogramm.) Diese Annäherung gelang Deep Space Nine nicht bloß durch die generell größere Bereitschaft zu Konflikten innerhalb der Stationsbesatzung - allen voran pflegten Odo und Quark sieben Jahre lang eine liebevolle Feindschaft, die sich bewusst an Spock und Dr. McCoy orientierte - sondern in Staffel 2 auch durch zwei lupenreine Fortführungen von Charakteren und Konzepten aus den 1960ern.

Kaum eine Episode sorgte für so viel Publicity wie Blood Oath (Der Blutschwur) und auch in deutschen Zeitschriften und Fanzines war das Foto dreier greiser Klingonen, die ihre Bat'leths triumphierend erhoben, allgegenwärtig. Es handelte sich dabei um Kor (John Colicos) aus Errand of Mercy (Kampf um Organia), dem allerersten Klingonen der Originalserie, Koloth (William Campbell) aus der legendären Comedy-Episode The Trouble with Tribbles (Kennen Sie Tribbles?) sowie Kang (Michael Ansara) aus Day of the Dove (Das Gleichgewicht der Kräfte).

Ein veritabler Casting-Coup war dem DS9-Produktionsteam gelungen, indem sie die drei Originaldarsteller für ein letztes Hurra engagierten. Und dann verknüpfte man die Geschichte auch noch folgerichtig mit Dax - dem symbiotischen Charakter, der schon viele Leben gelebt hatte, eines davon zu Kirks Zeiten als Diplomat mit klingonischen Connections. Dadurch wurde Dax - neben Sisko anfänglich ein weiterer Charakter auf der Suche nach Tiefe - auf eine völlig neue Ebene gehoben. Schließlich entfaltete sich dann auch noch ein blutrünstig-episches Abenteuer, das keine Gefangenen nahm und - gar nicht zimperlich - zwei der drei alten Recken nach Sto'Vo'Kor ins klingonische Walhalla hineinsterben ließ. Hiermit verdiente man sich völlig zu Recht die Gunst vieler klassischer Fans.

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    • Kommentare (5)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von TheBadWolf Hobby-Spieler/in
        Danke für den gut recherchierten und geschrieben Artikel. DS9 ist zwar "nur" meine dritt liebste Star Trek Serie aber für die Lore sehr wichtig. Stichwort Dominium Krieg z.B..
      • Von TheBadWolf Hobby-Spieler/in
        Danke für den gut recherchierten und geschrieben Artikel. DS9 ist zwar "nur" meine dritt liebste Star Trek Serie aber für die Lore sehr wichtig. Stichwort Dominium Krieg z.B..
      • Von jensmachwitz_88 Spiele-Novize/Novizin
        Ach ja, mal wieder ein gut geschriebener ST-Artikel.

        Ich muss sagen, als DS9 angekündigt wurde war ich äußerst skeptisch und Cisco bzw. der Schauspieler der diesen verkörpert kam irgendwie nicht so recht an bei mir.

        Das war aber noch so am Anfang und mit der Zeit und wie auch hier beschrieben konnte man die Handschrift klar erkennen, dass es eben nicht wirklich abgeschlossene Folgen waren sondern eine fortwährende und aufbauende Geschichte bis zum Ende. Und es waren wirklich ganz großartige Folgen darunter. Auch die Charaktere haben sich wirklich alle toll und nachvollziehbar entwickelt.

        Insofern war für mich Next Generation der Punkt an dem ich mit Star Trek warm geworden bin als Jugendlicher aber DS9 hat mich als Erwachsenen sehr sehr gut unterhalten und ist in meinen Augen sehr stark unterschätzt worden.
      • Von Rdrk710 Spiele-Enthusiast/in
        Zitat von McDrake
        Babylon 5 zeigte, dass eine Station eine gute (und mal eine andere) Ausgangslage für eine Serie sein kann.

        DS9 war mMn die erste ST-Serie welche eine Lore vertiefte.
        Naja, ich finde tatsächlich, dass schon TNG bei den Klingonen ganz schön die Lore vertieft hat. Noch nicht so wie in DS9, aber meiner Meinung nach waren diese Folgen „stilbildend“ für das, was DS9 dann mit den Themen Politik, Intrigen etc. gemacht hat.
      • Von McDrake Mitglied
        Babylon 5 zeigte, dass eine Station eine gute (und mal eine andere) Ausgangslage für eine Serie sein kann.

        DS9 war mMn die erste ST-Serie welche eine Lore vertiefte.
      • Von TSsixtyONE Anwärter/in
        Ich bin großer Star Trek Fan gewesen, mag die früheren Teile immer noch sehr aber Deep Space Nine war mit Abstand die beste Star Trek Serie. Zu erst hatte ich meine bedenken das eine Star Trek Serie in einem Raumstation spielt, aber die Charaktere, die Atmosphäre in Quarks Bar die politischen Auseinandersetzungen, die vielen Völker die immer mehr in den Vordergrund stellten, haben mich so richtig überzeugt. Die Charaktere waren einfach nur gut erzählt. Ich mag auch die anderen, Next Generation oder Voyager sehr aber DS9 ist mein absoluter Liebling.
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