Stalker 2 landet im Test irgendwo zwischen "Einfach nur Wow" und "Super-GAU"

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Test Stefan Wilhelm - Redakteur Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen
Stalker 2 landet im Test irgendwo zwischen "Einfach nur Wow" und "Super-GAU"
Quelle: GSC Game World

Schrecklich schön, schrecklich spannend, schrecklich kaputt: Der Test zu Stalker 2 ist ein Wechselbad der Gefühle.

Ich habe regelmäßig geflucht, wenn ich eine Hauptquest mal wieder mit neuem Equipment verlassen habe, den Kram dann aber mühsam irgendwo hinschleppen musste, weil er viel zu schwer ist. Begleiter, auf die ich das Zeug abladen könnte, gibt es nicht und kein Stalker, dem ich unterwegs begegne, ist bereit, mir Waffen oder Rüstungen abzukaufen. Außerdem sind die sowieso alle arm wie Kirchenmäuse.

Von der Mentalität, alles Wertvolle mitzunehmen, muss ich mich hier verabschieden und im Zweifelsfall auch mal seltene Waffen liegen lassen, damit ich noch flink genug bin, um vor Mutanten zu flüchten.

Die sind meistens nicht nur äußerst nervig zu bekämpfen, sie bringen auch weder Items noch Erfahrungspunkte und sind damit eine bloße Ressourcenverschwendung, wenn sie nicht gerade den Fortschritt in einer Quest blockieren. Stalker 2 lehrt mich mit der Peitsche, darüber nachzudenken, ob und wie ich mich auf Kämpfe einlasse. Das passt perfekt zum Setting.

Viele menschliche Feinde sind mit russischen Waffen unterwegs, also füllt sich mein Munitionsvorrat nur dann halbwegs regelmäßig, wenn ich die auch benutze. Körperschüsse richten, wenn's nicht gerade eine Schrotladung ist, meistens so gut wie keinen Schaden an, dafür sind Kopftreffer umso effektiver. Wenn ich nicht lerne, die oft langsamen, wackeligen Waffen richtig zu bedienen, dann werde ich bedient, und zwar schon von den lumpigsten Banditen.

AK-74. Quelle: GSC Game World Ein Großteil meiner verdienten Marken geht dafür drauf, meine Ausrüstung in Schuss zu halten, denn mit einer Horde Mutanten im Rücken ist eine Ladehemmung das letzte, was ich gebrauchen kann.

Das ist alles typisch Stalker, dementsprechend dürfte es Fans der Kultreihe freuen, wie wenig sich verändert hat. Gleiches gilt im Umkehrschluss aber auch für manche Schwächen, die ebenso konsequent weitergeführt werden.

Das Weltdesign, zu dem ich gleich noch kommen werde, ist wieder ein Volltreffer, aber die NPCs, die diese Welt bevölkern, wirken oft wie aus der Zeit gefallen. Die Animationen sind oft roboterhaft und die Gesichter emotionslos - oder gleich komplett kaputt und verbuggt.

Bei 95 Prozent der anderen Figuren kann ich mir mit der immer gleichen Frage, ob's was Neues in der Zone gibt, ein paar generische Zeilen abholen oder ihnen bei Bedarf die paar immer gleichen Items abkaufen, die sie alle dabeihaben. Stalker 2 gibt jedem menschlichen NPC einen Namen, aber es macht nichts damit, weil die Interaktionen so beschränkt sind - sowohl mit mir als auch untereinander.

Hier muss ich nun aber festhalten: Mir fiel es im Testverlauf zunehmend schwer, bei manchen meiner Kritikpunkte zwischen absichtlichen Designentscheidungen und bloßen Bugs zu unterscheiden, denn dieses Spiel wirkt einerseits wie mit einer sehr klaren Vision gestaltet, aber andererseits auch, als hätte es noch ein paar Monate Bugfixing gebraucht.

Künstlich mit großem K

Also - die KI. Die Figuren reagieren darauf, wenn sie oder ihre Kollegen angegriffen werden, manche reisen selbstständig durch die Welt und verfeindete Gruppen können sich auch mal bekämpfen. Das war Anno 2007 noch durchaus bemerkenswert, heutzutage ist es Open-World-Standard. Viel mehr gibt A-Life 2.0, wie Stalker 2 sein hauseigenes KI-System nennt, nach meinem bisherigen Eindruck nicht her.

Ich habe nie gesehen, wie ein NPC eine Anomalie untersucht hat. Niemand hat je eine neue Waffe, oder überhaupt irgendetwas, eingesammelt oder eine Leiche geplündert. Niemanden interessiert es, wenn einen Meter neben ihm ein Blitz einschlägt, oder eine andere Figur von einem solchen Blitz getötet wird.

Die Leute gehen wortlos weg, wenn ich ihnen mit einer Spritze das Leben rette, und wenn sie den Angreifer nicht gerade selbst gesehen haben, sind ihnen auch die Leichen ihrer Kollegen egal. Keiner tritt hier jemals den Rückzug an, die Feinde gehen zwar teils in Deckung, aber allzu sehr scheinen sie nicht an ihrem Leben zu hängen.

Ich habe nie das Gefühl, als hätten meine KI-Kollegen irgendein Ziel in der Welt, lässt man die offenbar gescriptete Begegnung mit einer Gruppe, die zur ersten Siedlung zieht, mal außen vor. Ich kann selbst bei Fraktionen, die mich noch nicht kennen, einfach alles mitnehmen, was auf den Tischen liegt.

Dialog. Quelle: GSC Game World Das einzige Mal, dass mir angezeigt wurde, ich hätte nun eine Fraktion gegen mich aufgebracht, war nach einer binären Entscheidung in einer Story-Mission. Das, obwohl ich schon so einige Leute umgebracht habe, um Dinge auszuprobieren, mir ihren Loot zu krallen oder weil ich im Kampfgetöse Freund und Feind nicht unterscheiden konnte.

Kurz gesagt: Die anderen Figuren verhalten sich nicht wie Stalker, sondern wie Statisten, und das verpasst der eigentlich so starken Immersion einen ordentlichen Dämpfer. Dazu gesellt sich, wie eingangs erwähnt, eine riesige Menge an Bugs.

Stalker ist eins der Spiele, die man am stärksten mit dem Begriff "Eurojank" in Verbindung bringt - oder präziser: "Slavjank". So nennt der Gamer-Volksmund osteuropäische Spiele, die primär atmosphärisch, ambitioniert, seltsam, hakelig und meistens auch reichlich kaputt sind. Das muss aber nicht despektierlich gemeint sein - Fans von Stalker oder Pathologic kennen ihre Reihen so, und viele Jank-Enthusiasten würden lieber ein verbuggtes, aber ehrliches Spiel kaufen, als eines, das für den Massenmarkt seiner Ecken und Kanten beraubt wurde. Ich würde das auch.

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    • Kommentare (49)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von DerSnake Gelegenheitsspieler/in
        Ich kann das Spiel stellen weiße einfach nicht ernst nehmen. Da will man hier eine bedrohliche Welt vermitteln wo jeder für sich selber mehr oder weniger Kämpft. Dass ich aber z,b ganze Gebäude/Lager looten kann ohne das sich andere NPC dadurch gestört fühlen ist ein Atmo killer. Was sagte jemand mal: Das hat selbst Gothic besser hinbekommen.

        Ich Spiele auf "normal" und kann mich über "zu wenig Loot" gar nicht beschweren. Aktuelle renne ich mit 12 Medikits rum, 12 Dosen Futter und ka würste. Es mangelt mir nie wirklich an loot und der nächste ist auch nicht mehr so weit entfernt,

        Möglich das es auf Schwer anders ist.

        Oder ich darf max 90K Tragen. Bei 91 laufe ich nur noch schnecken Tempo. Zurück auf 90 und alles wieder gut :-D

        Das Spiel hat durchaus seine guten Momente gerade wenn ein Sturm aufzieht. Auch Grafisch kann es sich durchaus sehen lassen...

        Aber so im großen und ganzen...mittelmaß Spiel für mich.
      • Von DerSnake Gelegenheitsspieler/in
        Ich kann das Spiel stellen weiße einfach nicht ernst nehmen. Da will man hier eine bedrohliche Welt vermitteln wo jeder für sich selber mehr oder weniger Kämpft. Dass ich aber z,b ganze Gebäude/Lager looten kann ohne das sich andere NPC dadurch gestört fühlen ist ein Atmo killer. Was sagte jemand mal: Das hat selbst Gothic besser hinbekommen.

        Ich Spiele auf "normal" und kann mich über "zu wenig Loot" gar nicht beschweren. Aktuelle renne ich mit 12 Medikits rum, 12 Dosen Futter und ka würste. Es mangelt mir nie wirklich an loot und der nächste ist auch nicht mehr so weit entfernt,

        Möglich das es auf Schwer anders ist.

        Oder ich darf max 90K Tragen. Bei 91 laufe ich nur noch schnecken Tempo. Zurück auf 90 und alles wieder gut :-D

        Das Spiel hat durchaus seine guten Momente gerade wenn ein Sturm aufzieht. Auch Grafisch kann es sich durchaus sehen lassen...

        Aber so im großen und ganzen...mittelmaß Spiel für mich.
      • Von statler665 Anwärter/in
        Metro und S.T.A.L.K.E.R. sind mMn schon vergleichbar. Metro ist meine Lieblingsserie. Habe alles gezockt. S.T.A.L.K.E.R. ist einfach ein realistisches Metro mit ähnlichem postapokalyptischem, atomaren Szenario. Kann man schon vergleichen. Sehe ich jetzt nicht als Blasphemie an. Habe es ca. 10 h im GP gezockt und gestern auf Steam gekauft. Für die 10 h im GP habe ich jetzt ca. 3 h gebraucht. Bin auch 20x weniger gestorben und habe sogar auf dem Wasserturm nahe der ersten Siedlung ein Sniper gefunden, dass die "Arbeit" etwas erleichtert. Die langen Wege und miese Kondition von unserem Protagonisten nerven schon etwas, auch dass man die Knarren nicht alle verhökern kann wie man möchte ist etwas nervig. Die Pillarboxed InGameVideos konnte ich weghexen nach Altvätersitte. In einem Bereich habe ich bestimmt 4 x eine spawnende Horde Stalker erledigt (neverending), ohne Ende Essen und Mun. abgegriffen aber das verd***** Versteck konnte ich nicht finden. Mir macht das Spiel Spaß, ich zocke weiter, auch auf die Gefahr hin, dass es später vielleicht (noch) besser aussehen könnte. Dann wird es eben noch mal gezockt. Gibt zu wenig gute SP Games als das ich da auf schönes Wetter warten möchte. Bei mir läuft es auf Episch mit DLSS/DLAA und FG einigermaßen rund!
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      • Von Tobi_Gamer Anfänger/in
        Zitat von kingston
        Und auch lese ich sehr oft wie sich viele über das Tragegewicht aufregen. Das soll so sein.
        Mag sein. Mich nervte das extrem, aber für die alten Titel gabs zum Glück Mods, die einem 999 kg tragen liesen.
        Wenn das Spiel in einem Jahr oder so mal ausgereift ist und es solche Mods gibt, werde ich es mir auch holen. Die ersten drei Teile fand ich super. Eine vergleichbare Atmosphäre gibts sonst nirgendswo.
      • Von Norisk699 Gelegenheitsspieler/in
        Zitat von McDrake
        Ich bin da bei Dir, wenns ums Thema "an die Hand nehmen" geht.
        Eoin Spiel, in welchem man selber Erfahrung sammeln muss. Und zwar nicht einfach durch XP sammeln, sondern durch "richtige" Erfahrung.

        Aber Dieser Titel hier wurde schon mal verschoben und, wie Du sagts, wird es wahrscheinlich (?) in einem Jahr besser sein.
        Aber inwiefern kommt man sich da als Spieler ernster genommen wird, wenn man hier eine Preorder für 110.-€ macht und dann sowas zum Launch bekommt?
        Wer preordert dem kann man nicht helfen.
        Wurde schon tausendmal die letzten zehn Jahre thematisiert.
        Digitale Ware ist unendlich. Es wird nicht passieren dass Steam oder gog am Release-Termin sagt "oh sorry jetzt sind die Keys alle, komm in 4 Wochen nochmal" 😅

        Und niemand zwingt einen die 110 Euro Version zu kaufen und auch noch preordert.
        Und wer Teil 1 kennt weiß um den problematischen Release. Alle drei Teile, nur Cop war anfangs glaube ich nicht so kaputt.

        Preorder ist eigentlich nur legitim, wenn man ehrlich direkt Entwickler unterstützen will auf diese Art und Weise.

        Ich bin froh dass das Spiel überhaupt erscheint.
        Bei diesen Umständen ... Ist ja bekannt...
        Klar hätte es wohl noch ein Jahr gebraucht aber irgendwann muss man halt releasen. Denke die brauchen das Geld jetzt auch.
        Nicht sehr schön aber ist eben so.
        In einem Jahr sieht das ganz anders aus.
        Hatten auch viele Verkäufe, denke das Patchen ist gesichert aus finanzieller Sicht.
      • Von McDrake Mitglied
        Zitat von Norisk699
        Am meisten schätze ich an Stalker 1 ,und zum Glück haben sie das für Teil 2 beibehalten,
        Dass die Entwickler den Spieler ernst nehmen und nicht für einen Idioten halten und so ekelhaft nervig an die Hand nehmen wir ein Kind wie in so vielen anderen AAA Titeln.
        Ich bin da bei Dir, wenns ums Thema "an die Hand nehmen" geht.
        Eoin Spiel, in welchem man selber Erfahrung sammeln muss. Und zwar nicht einfach durch XP sammeln, sondern durch "richtige" Erfahrung.

        Aber Dieser Titel hier wurde schon mal verschoben und, wie Du sagts, wird es wahrscheinlich (?) in einem Jahr besser sein.
        Aber inwiefern kommt man sich da als Spieler ernster genommen wird, wenn man hier eine Preorder für 110.-€ macht und dann sowas zum Launch bekommt?
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