Spiele über den Ersten Weltkrieg
Warum ist der Erste Weltkrieg ein so seltener Besucher in unseren Spielezimmern? PC Games blickt auf die Geschichte einer Nischenthematik zurück.
In diesem Artikel
Rise of Flight: The First Great Air War (2009 / PC)
Quelle: PC Games
Lohnt sich immer noch: Die PC-Flugsimulation Rise of Flight (2009) glänzt mit Detailreichtum und Realismus.
Entwickler 777 Studios (IL-2 Sturmovik: Battle of Stalingrad) rühmt sich damit, die realistischste Flugsimulation zum Ersten Weltkrieg erschaffen zu haben. Klingt ziemlich hochmütig? Mitnichten! In Rise of Flight wird Realismus ganz großgeschrieben. Als Pilot klemmt ihr euch ins virtuelle Cockpit von historischen Flugzeugen. In der kostenlosen Basisversion stehen Spad 13, Albatros D.Va und die Nieuport 17 zur Auswahl. Damit dürft ihr eine Trainingskampagne absolvieren, einige Missionen fliegen und euch in Mehrspieler-Gefechte stürzen. Zugriff auf weitere Flugzeuge wie etwa den auch in Battlefield 1 vorkommenden schweren Bomber Gotha G.V sowie Kampagnen und Missionen erhaltet ihr erst durch den Kauf von DLCs. Kleiner Tipp: Am besten auf Sales achten! Denn es lohnt sich. Die Kampagnen auf deutscher und alliierter Seite sind sehr vielfältig und reichen von Aufklärungs- und Botenmissionen über Flugplatz- und U-Boot-Angriffe bis hin zur Verteidigung von Brücken und dem Abfangen von Bombern.
Das Highlight des Spiels sind aber die detailgetreu und historisch korrekt nachgebauten Flugzeuge, die sich in der Luft wirklichkeitsnah verhalten. So haben Wind und Wetter maßgeblichen Einfluss auf das Flugverhalten; Wolken dienen Fliegerassen als Tarnung, inklusive Regentropfen auf der Pilotenbrille. Wem es allerdings zu viel wird, wenn die fliegende Mühle nach einigen Treffern ins Trudeln gerät oder der eigene Munitionsvorrat mal wieder zu knapp ist, der darf in den Optionen den Realismusgrad herunterschrauben.
Besonders spaßig: Einige Flugzeuge haben neben dem Piloten noch Plätze für MG-Schützen frei. Während im Einzelspielermodus die KI diesen Posten übernimmt, kann man sich in den Mehrspieler-Duellen gemeinsam in die Dogfights stürzen.
Valiant Hearts (2014 / PC, PS3, PS4, Xbox 360, Xbox One, Android, iOS)
Auf den ersten Blick wirkt das 2D-Action-Adventure Valiant Hearts des französischen Entwicklers Ubisoft Montpellier nicht wie ein Antikriegsspiel. Doch man sollte sich nicht von der Cartoon-Grafik täuschen lassen: Valiant Hearts versteht es wie kaum ein anderes Game, die Sinnlosigkeit des Krieges auf den Bildschirm zu transportieren.
Im Mittelpunkt steht Karl, ein in Frankreich lebender Deutscher, der nach Kriegsausbruch seine Familie verlassen muss und ausgewiesen wird. Zurück in Deutschland bekommt er prompt eine Knarre in die Hand gedrückt und wird zum Kriegsdienst gegen Frankreich gezwungen. Währenddessen trägt Karls Schwiegervater Emile die französische Uniform. Weitere Charaktere sind der US-Amerikaner Freddie, der sich bei der Fremdenlegion meldet, und die belgische Krankenschwester Anna. Alle vier Charaktere steuert ihr abwechselnd durch das Abenteuer, in dessen Verlauf sich die Wege der Figuren häufig kreuzen. Zudem befindet sich stets Dobermann Walt an eurer Seite, der fest im Gameplay verankert ist.
Quelle: PC Games
Leider typisch: Ubisofts Valiant Hearts erzählt eine fesselnde Geschichte, kommt aber auch nicht ohne den klischeehaften deutschen Oberbösewicht aus.
Letzteres besteht vor allem aus Schleichpassagen, Rätseln und Reaktionsspielen - alles auf einem recht leichten Niveau und ohne spielerische Konsequenzen. Wer etwa an einem Reaktionsspiel scheitert, muss sich gleich noch einmal daran versuchen. Das ist schade, weil dieser Ansatz Valiant Hearts bisweilen seine Dramatik nimmt. Und die ist die eigentliche Stärke des Spiels: Bilder und Soundkulisse vermitteln großartig den Irrsinn des Krieges, stets herrscht eine melancholische, beklemmende Atmosphäre vor. Auch toll: Fast beiläufig werden historische Fakten über den Ersten Weltkrieg eingestreut. So erhaltet ihr beispielsweise Informationen über den ersten Giftgasangriff und seine Konsequenzen.
Schade: Wenngleich Ubisoft Montpellier eine fesselnde Geschichte rund um Freundschaft, Liebe, Opfer und Tragik erzählt, kommt das Spiel nicht ohne den klischeehaften deutschen Oberbösewicht aus. Da wären wir wieder beim bereits angesprochenen Schwarz-Weiß-Schema.
Toy Soldiers (2010 / Xbox 360, PC)
Quelle: PC Games
Szene aus Toy Soldiers für Xbox 360 und PC: Tower Defense ist die perfekte Spielmechanik, um die Kriegsführung des Ersten Weltkriegs auf dem heimischen Bildschirm umzusetzen.
Die Defensive ist zu stark? MGs, Artillerie und festungsähnliche Verteidigungsanlagen erschweren einen Durchbruch? Perfekt für Tower Defense! Das dachten sich wohl auch die Entwickler von Signal Studios. In Toy Soldiers kämpfen zwei Spielzeugarmeen um die Vorherrschaft in einer Diorama-Landschaft aus Holz und Plastik. Witzig: Am Horizont sind riesige Möbelstücke in Kinderzimmern und Hobbyräumen zu entdecken.
Ihr kontrolliert eine Basis an einem Ende des Spielfelds. Eure Aufgabe ist es, die gegnerischen Angriffswellen aufzuhalten - auf der Xbox 360 auch im Multiplayer. Dazu errichtet ihr auf vorgegebenen Bauplätzen Verteidigungsanlagen in Form von MG-Stellungen, Mörsern, Haubitzen und Flugabwehrstellungen. Sogar mit Giftgas können die gegnerischen Spielzeugsoldaten aufgehalten werden. Ansonsten geht es aber familienfreundlich zu. Getroffene Gegner zerbrechen in ihre Einzelteile - ganz ohne Blutvergießen. Für jeden abgeschossenen Feind bekommt man Geld, das ihr für neue Verteidigungsanlagen und Upgrades einsetzt. Schaffen Gegner hingegen den Durchbruch, verringert sich das Lebenspunkte-Konto der eigenen Armee.
Das Spannende an Toy Soldiers ist, dass ihr euch nicht nur gemütlich im Chefsessel zurücklehnt, sondern immer wieder auch höchstpersönlich ins Geschehen eingreift. Dann bedient ihr eine der Verteidigungsgerätschaften oder schwingt euch ins Cockpit eines Doppeldeckers, um feindliche Durchbrüche zu unterbinden. Die Schlachten sind auch dank Nebenaufgaben abwechslungsreich. Sogar Bossgegner warten auf euch: So müsst ihr beispielsweise einen riesigen Zeppelin vom Himmel holen. Prima zudem, dass sämtliche Einheiten toll animiert sind. Die Kavallerie springt über Hindernisse, und aufziehbare Panzer rollen ihrem Ziel entgegen. Abgerundet wird das Ganze durch atmosphärischen Grammofon-Sound. Einziger Wermutstropfen ist die geringe Kartenauswahl. Dieses Manko wird allerdings mit den DLCs The Kaiser's Battle und Invasion! wieder wettgemacht, die Toy Soldiers neue Karten und Einheiten spendieren
Victoria II (2010 / PC)
Quelle: PC Games
Strategie-Schwergewicht: In Victoria II lenkt ihr die Geschicke einer Nation im Zeitalter des Imperialismus. Dabei läuft es fast immer auf einen Weltkrieg hinaus.
Der Erste Weltkrieg ist eine komplexe Angelegenheit? Das ist doch genau das Richtige für Paradox Interactive! Seit Jahren beliefern die Schweden die Spielergemeinde mit schwergewichtigen Strategietiteln zu unterschiedlichen Menschheitsepochen. So auch für den Ersten Weltkrieg. Oder genauer gesagt: Für das Zeitalter des Imperialismus. In Victoria II lenkt ihr die Geschicke einer Nation vom Jahr 1836 bis ins frühe 20. Jahrhundert. Aufgrund der Spielmechanik läuft das Spielgeschehen meist spätestens gegen Spielende auf einen Weltkrieg hinaus.
Es sind weltweit alle Nationen spielbar, jede mit unterschiedlichen Herausforderungen. Euer Ziel ist es, so viele Siegpunkte wie möglich zu erreichen. Diese gibt es in den Kategorien Militär, Industrie und Prestige. Daher vergrößert und verbessert ihr euer Heer und die Marine, baut Fabriken, erforscht neue Technologien und optimiert die Infrastruktur (Eisenbahn!), errichtet Kolonien, seht euch mit historischen Ereignissen konfrontiert - dabei verändert ihr womöglich die Geschichte durch neue Entscheidungen - und führt Kriege. In Victoria II hat man allem als Anführer einer Großmacht immer etwas zu tun. Trotz wählbarer Geschwindigkeit und Pausenfunktion kommt ihr dabei immer mal wieder ziemlich ins Schwitzen, weil insbesondere im späteren Spielverlauf allerlei wichtige und unwichtige Ereignismeldungen auf dem Bildschirm aufploppen.
Paradox-typisch sind gerade Zugänglichkeit und Transparenz die Schwächen von Victoria II. Dem drögen Interface mangelt es an Übersichtlichkeit, zudem bleiben auch nach zahlreichen Spielstunden einige Gameplay-Elemente im Dunkeln. Keine Frage, Victoria II ist ein Spiel für Hardcore-Strategen, die sich unzählige Stunden einarbeiten, um überhaupt erst einmal die Spielmechanik und ihre Auswirkungen zu erfassen. Spielerische Optimierungen liefern die beiden Add-ons A House Divided und Heart of Darkness. Diese sorgen etwa dafür, dass sich die Seeschlachten erheblich besser spielen.
Verdun (2015 / PC, PS4, Xbox One)
Quelle: Blackmill Games
Battlefield-1-Alternative: Der Mehrspieler-Shooter Verdun liefert die bis dato authentischste virtuelle Erfahrung auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs.
Die Schlacht um Verdun war eines der bedeutendsten und grauenvollsten Gefechte des Ersten Weltkriegs, rund 700.000 Menschen verloren ihr Leben. Heute gilt sie als Symbol für die Ergebnislosigkeit des Stellungskrieges und den Irrsinn des massenhaften Abschlachtens. Für das kleine niederländische Indie-Studio von Blackmill Games/M2H diente Verdun als Inspiration für einen gleichnamigen Multiplayer-Shooter. Aber der Idee folgten zunächst Schwierigkeiten. "Wir fanden in der Alpha-Phase heraus, dass modernes Shooter-Gameplay nicht sehr gut geeignet ist, um genau die Art und Weise abzubilden, wie die Schlachten stattfanden", sagten die Entwickler im Nachhinein. Doch sie fanden eine Lösung. In Verdun ist jeder Spieler Teil eines vierköpfigen Teams, in dem er eine Klasse wählt. Nicht nur dies, sondern auch die Auswahl des Squads, etwa deutsche Stoßtruppen, hat Einfluss auf die taktischen Möglichkeiten und die eigene Rolle. Der Kampf ist in Runden unterteilt, Angriffs- und Verteidigungsphasen wechseln sich ab. Habt ihr also den feindlichen Graben erobert, müsst ihr ihn in der nächsten Runde verteidigen. Ziel ist schließlich das feindliche Hauptquartier. Um das Zusammenspiel innerhalb des Temas zu fördern, werden Spieler, die zusammenbleiben und miteinander kämpfen, mit mehr Erfahrungspunkten belohnt. Diese werden schließlich in neue Fertigkeiten, Ausrüstung, Uniform und Klassen investiert. Neben dem geschilderten Frontlinien-Modus gibt es noch zwei Deathmatch-Varianten sowie einen Solo-Modus, in dem ihr KI-Wellen abwehrt.
Besonders packend ist bei Verdun die realistische Umsetzung des Schlachtgeschehens - das Leveldesign mit seinen Gräben und offenen Mondlandschaften wirkt äußerst authentisch. Der Umgang der historischen Waffen mit ihren realistischen Ballistik will geübt sein, um bewegliche Ziele zu treffen. Artillerie- und Gasangriffe gehören ebenfalls zum Schlachtenalltag von Verdun. Bei Letzteren sollte man rasch zur virtuellen Gasmaske greifen. Dumm nur, dass damit das Zielen erheblich schwerer fällt. Dieser verdammte Realismus!
NecroVisioN (2009, PC)
Quelle: PC Games
Wahrer Höllentrip: Im Ego-Shooter NecroVisioN (2009) metzelt ihr euch durch die Schützengräben des Ersten Weltkriegs.
Wie war das? Eine fesselnde Story im Ersten Weltkrieg ohne Zombies und Konsorten geht nicht? Der Meinung war auch das polnische Entwicklerstudio The Farm 51, das derzeit am Actionspiel Get Even arbeitet. In ihrem Shooter NecroVisioN muss sich Protagonist Simon Bukner mit allerlei Vampiren, Dämonen und Zombies herumschlagen. Als Schauplatz dient die Schlacht an der Somme, die mit über einer Million getöteten, verwundeten und vermissten Soldaten den zweifelhaften Rekord der verlustreichsten Schlacht an der Westfront hält.
Vorbereitendes Artilleriefeuer, schließlich das Signal und der Sturm auf die feindlichen Stellungen - in diesem Inferno erlebt ihr als Simon Bukner zunächst den normalen Alltag eines Frontsoldaten. Wer die MG-Salven übersteht, wird vom Giftgas niedergemacht. Simon überlebt nur mit großem Glück. Wenn man davon reden kann, angesichts dessen, was ihn noch erwartet. Es scheint nämlich, als haben sich sämtliche Höllentore geöffnet und alle Heerscharen der Unterwelt seien auf die Erde gekommen. Mit dem Realismus ist es dabei zwar nicht weit her, andererseits passt es doch hervorragend zum Szenario. Das millionenfache Massenschlachten des Ersten Weltkriegs war eben nichts anderes als eine Hölle auf Erden.
Spielerisch bekommt ihr mit NecroVisioN einen klassischen, linearen Ego-Shooter. Während die Deutschen noch halbwegs clever agieren, stürmen die Unterwelthorden allerdings dumpf ins feindliche Gewehrfeuer. Richtig chaotisch wird es im letzten Spieldrittel, wenn man sich fast nur noch in Nahkämpfe stürzt und der Bildschirm mit Gegnern überfüllt ist. Taktisch anspruchsvoll ist das alles nicht, schwierig und kurzweilig hingegen schon. Witzige Idee: Bei jedem der drei Schwierigkeitsgrade wartet ein unterschiedliches Finale auf den Spieler. 2010 erschien mit NecroVisioN: Lost Company ein spielerisch identisches, im Gegensatz zu NecroVisioN in Deutschland aber nicht geschnittenes Prequel.

Das war im 1. WK aber durch den Fortschritt der Waffentechnik kaum noch möglich.
So was in etwa ist mir im Kopf geblieben zum Thema Euphorie:
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Vielerorts wurden die ausziehenden blumengeschmückten Soldaten von jubelnden Menschenmassen zum Bahnhof etc. geleitet. Hier die jubelnden Massen auf dem Hamburger Rathausmarkt:
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Etwas verstörend, einen derartigen Jubel über die Mobilmachung des Heeres an einem so vertrauten Ort zu sehen...
Allerdings stellte sich, nachdem die erhofften schnellen Erfolge ausblieben, die Offensive mehr und mehr ins Stocken geriet und es sich abzeichnete, dass der Krieg um ein sehr viel längeres wüten sollte schnell Ernüchterung ein, gefolgt von Kriegsmüdigkeit - nicht zuletzt durch die immer härter werdenden Lebensbedingungen auch weit abseits der Front.