Gibt es denn niemanden mehr da draußen, der PC-Spiele in physischer Form kauft?
Während sich Games auf Nintendo Switch und PS5 tausendfach verkaufen, wechseln PC-Spiele fast nur noch in digitaler Form den Besitzer. Unser Autor kann sich nicht mal genau daran erinnern, wann er das letzte Mal zu einem physischen Spiel - abseits einer Collector's Edition - griff. Damit ist er offenbar nicht allein.
Ich weiß nicht mehr genau, wann ich das letzte Mal eine der großen Handelsketten aufsuchte, um lokal ein PC-Spiel zu ergattern. Es muss 2016 gewesen sein. Damals wollte ich die Limited Edition von Deus Ex: Mankind Divided kaufen. Zuvor hatte ich schlechte Erfahrungen mit einem Online-Shop und dilettantisch verpackten Sammlereditionen gemacht. Mehrmals hintereinander waren alle acht Ecken kaputt gedrückt. Also schlug ich das erste Mal seit Jahren im lokalen Handel auf. Schon damals war die PC-Abteilung kaum mehr als eine Nische. Immerhin: Das Sortiment umfasste das Corpus Delicti. Doch hatte jemand die Diebstahlsicherung kraftvoll um die Box geschnürt, sie durch tiefe Streifen verunziert. Also doch wieder der Online-Handel.
Schon seit einem Jahrzehnt sind digitale Spiele die Regel
Ich kaufe bestimmt schon seit 2012 das Gros meiner PC-Spiele digital. Meine Plattform der Wahl ist Steam. Das soll keine Werbung sein. Valve war damals vorgeprescht, hatte als erster sinnvolle Funktionen integriert und jetzt ist es die Bibliothek, in der ich alle Anschaffungen der letzten Jahre bündle. Und es ist auch die Plattform, mit der ich mich mit Freunden vernetze. Zähneknirschend hatte ich längere Zeit EAs Origin akzeptiert, das nun anders heißt und eigentlich auch wieder obsolet ist, seit sich der Publisher öffnete. Mit einem anderen großen Store hadere ich. Da lasse ich mich auch durch "Gratis-Geschenke" nicht einlullen. Ich stehe nicht auf Fragmentierung, obwohl - objektiv betrachtet - Konkurrenz dem Kunden zugutekommt.
Zurück zu den physischen Games: Halte ich doch mal eines in den Händen, was mir nur noch bei Sammleredition passiert, ziehe ich den Steam-Key raus und lade das Game herunter. Ein externes Laufwerk besitze ich zwar noch. Die Installation darüber würde sich allerdings wie folgt gestalten: Datenträger einlegen, warten, Datenträger wechseln, warten ... den 10 GByte großen Day-One-Patch herunterladen. Wenn denn überhaupt noch ein Datenträger beiliegt oder eine Retail-Version existiert, Stichwort Manor Lords. Physisch wird zum relativen Begriff.
Ich brauche die Hüllen nicht als Füllstoff für meine Regale. Mit meinen Star-Trek-Modellen habe ich schon genügend Staubfänger. Lediglich die eine oder andere Collector's Edition gönne ich mir. Elex 2 war, als alter Piranha-Bytes-Fan, tatsächlich meine letzte. Die zum Gothic Remake habe ich vorbestellt, halte mir aber die Option offen, einen Rückzieher zu machen, sollte mich das bald hoffentlich aufschlagende Gameplay nicht überzeugen.
Laut Studie kauft keiner mehr PC-Spiele in "physischer" Form
Letztes Jahr erschien eine großangelegte Studie mit Daten auf Basis des Marktforschungsunternehmens GfK. Der entnehme ich, dass es viele PC-Spieler so halten wie ich. Demnach wurden in Deutschland 2022 97 Prozent der PC-Spiele in digitaler Form verkauft: nach 93 Prozent im Jahr 2021, 94 Prozent im Corona-Jahr 2020 und 88 Prozent 2019. Konsolenspiele allerdings gingen 2022 nur zu 37 Prozent in rein digitaler Form über die (virtuellen) Ladentheken. 36 und 35 Prozent waren es in den beiden Vorjahren. Auf PS5, Switch und Co. halten sich die physischen Verkäufe demzufolge stabil, was sicherlich auch dem Wiederverkauf geschuldet ist. Oder der Tatsache, dass PS5 und Xbox Series X ein Blu-Ray-Laufwerk bieten. Publisher PC-Spiele jedoch als Code in der Hülle verkaufen, überhaupt nicht mehr in den Handel bringen oder sich lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen: der DVD.
Ich brauche aber weder eine Blu-Ray, noch lege ich Wert auf den Wiederverkaufswert. Meist schlage ich im Sale zu und spiele längst nicht mehr so viel wie früher. Wie hoch wären da schon die Erlöse durchs Weiterverkaufen? Außerdem schätze ich es, wenn ein Spiel nicht endgültig verloren ist, sondern in der Bibliothek verbleibt (dass Steam auf absehbare Zeit existiert, davon gehe ich aus).
Amazon-Statistik enthüllt: Tote Hose bei PC-Spielen, Switch-Spiele verkaufen sich tausendfach
Selbst beim Online-Riesen Amazon sieht es erstaunlich mau aus. In der Statistik der meistverkauften PC-Spiele steht kein Game, sondern der Xbox Game Pass an der Spitze: Platz 1 geht an den Game Pass Ultimate für einen Monat, Platz 2 an die Dreimonatsversion. Auf Rang 3 findet man Minecraft: Java & Bedrock Deluxe Collection. Das aber nicht in einer physischen Version, sondern als Download-Code. Hiernach folgt wieder was Digitales: Minecoins. Auf Platz 5 schließlich das erste echte Spiel. Es geht um Assassin's Creed Shadows in der nicht mehr lieferbaren Collector's Edition. Auf Rang 6 steht das Brettspiel (!) Saboteur mit 50 Verkäufen im letzten Monat. Auf Platz 7 schließlich der verstaubte Landwirtschaft-Simulator 2019.
Digitale Verkäufe scheinen auch an der PS5-Front an Bedeutung zu gewinnen. Dieser Eindruck entsteht mit Blick auf die Amazon-Statistik. So landet auf den Plätzen 1 bis 6 Playstation-Guthaben in unterschiedlichen Höhen, auf Platz 7 und 8 folgen Controller und auf Rang 11 schließlich die PS5 Slim für 514 Euro, die kürzlich aber im Sale war und wohl deswegen weiter vorn in der Spielestatistik steht. Das erste Game findet man zum Zeitpunkt der Artikelerstellung auf Platz 13. Es ist Tomb Raider 1 bis 3 in der Remastered Edition. Mit einem großen Release sähe das vermutlich anders aus als nach Sommerloch, aber besagte Collection hat sich im vergangenen Monat immerhin über 800-mal verkauft. Weit öfter also als der vermeintliche PC-Spiele-Topseller.
Einen ganz anderen Bezug zum physischen Spiel haben Spieler auf der Nintendo Switch. Platz 1 im Ranking beansprucht Paper Mario: Die Legende vom Äonentor. 7.000-mal habe sich dieses Game alleine im letzten Monat verkauft. Da es erst am 23. Mai erschien, sind darin entweder Vorbestellungen eingerechnet oder "im letzten Monat verkauft" meint eigentlich den aktuellen. Den Verdacht hatten wir schon ein ums andere Mal. Rang 2 jedenfalls geht auch hier an digitales Guthaben: für den eShop, um genau zu sein. Auf Stufe 3 und 4 des Siegertreppchens findet man wieder Topseller-Spieler: Jeweils über 3.000-mal im letzten Monat sollen sich Mario Kart 8 Deluxe und Minecraft für Switch, obwohl Jahre auf dem Buckel, abgesetzt haben.
Kauft wirklich keiner mehr PC-Spiele?
Sicher, die Amazon-Zahlen sind nicht repräsentativ. Die zitierte Studie aber ist es, was uns zur Frage verleitet: Kauft wirklich niemand mehr physische PC-Spiele? Man könnte es auch umformulieren und sich fragen, was Publisher tun müssten, damit physische PC-Spiele wieder an Bedeutung gewinnen. Sie erst einmal wieder als Datenträger anstelle eines verpackten Codes anbieten? Schon klar. Aber besteht diesbezüglich überhaupt Handlungsbedarf? Ich sehe ihn nicht. Das Hüllensammeln habe ich mir vor Jahren abgewöhnt, so wie ich seit Netflix, Amazon Prime Video und Disney Plus auch keine Staffelboxen mehr horte. Möchte ich im Einzelfall doch einen Entwickler unterstützen, interessiert mich ein Franchise so sehr, dass der Sammler in mir erwacht ... dann kann ich immer noch zu einer Collector's Edition greifen. Auf alles andere verzichte ich dankend.

Nachteil bei Steam sind die Zwangsupdates, die regelmäßig meine Mods inkompatibel machen, sehr ärgerlich, insbesondere bei altern Titeln, wo die Updates meist ohnehin keinen Mehrwert haben.
In Bezug auf Film und Serien versuche ich weiterhin Sachen die mir gut gefallen auf DVD zu bekommen. Schnell verschwindet mal etwas bei Netflix und Co und ich habe keine Lust für ein halbes duzend Anbieter zu zahlen.
@Benjamin: "Zähneknirschend hatte ich längere Zeit EAs Origin akzeptiert, das nun anders heißt und eigentlich auch wieder absolut ist,..." - soll doch wohl obsolet heißen, oder verstehe ich die Aussage falsch ;)