Spielegeschichte von 1990 bis 2000 - Zocken wird Mainstream!

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Spielegeschichte von 1990 bis 2000 - Zocken wird Mainstream!
Quelle: id-Software / Medienagentur plassma

Die 1990er sind für viele ältere Zocker das beliebteste Jahrzehnt der Gaming-Geschichte und voller einschneidender Entwicklungen. Wir blicken zurück!

Schnell war jedem klar, dass in der neuen Technologie ein riesiges Potenzial steckte: Mindestens 650 MByte konnte eine CD umfassen, wohlgemerkt ohne irgendwelche zusätzlichen Techniktricks! Ältere Spiele auf Modul oder Disketten mussten mit deutlich weniger Platz auskommen, weshalb der Klassiker Strike Commander (1993) mit seinen "kümmerlichen" 45 Megabyte Speicherplatz für die Festplatten-Installation bereits zu den "Riesen" zählte.

Der Sprung war derart gewaltig, dass viele Entwickler mit der Speichermenge überfordert waren. Bereits etablierte Hits wurden allenfalls mit zusätzlicher Sprachausgabe (Day of the Tentacle, 1993) oder gefilmten Videosequenzen (SimCity: Enhanced, 1993) verfeinert. Es entstanden sogenannte Multimedia-Produkte wie The Journeyman Project (1993) und Quantum Gate (1993), die irgendwo zwischen klassischem Adventure, Visual Novel und experimentellem Kunstprojekt inklusive Laiendarstellern wandelten. Oft steckten dahinter kreative Köpfe, die sich noch nie zuvor mit digitalen Spielen beschäftigt hatten - ein Grund, warum viele dieser Machwerke höchst umstritten waren.

Letztlich waren es drei Titel, die das CD-Medium zu seiner wahren Größe verhalfen: The 7th Guest (1993) verpackte eine Sammlung von schlichten Denkspiel-Rätseln in eine sagenhaft vorgerenderte Kulisse, der Rail-Shooter Star Wars: Rebel Assault (1993) riss mit seiner filmreifen Grafik jeden versierten Zocker vom Hocker und Chris Roberts verpflichtete für Wing Commander 3: Heart of the Tiger (1994) namhafte Schauspieler wie Mark "Luke Skywalker" Hamill oder John Rhys-Davis (Indiana Jones). Roberts führte schlussendlich für derart viele Zwischensequenzen Regie, dass das Gesamtwerk auf vier (!) CDs ausgeliefert werden musste.

Sony in da house!

Mit dem Erfolg der CD-ROM war es nur naheliegend, dass auch die nächste Konsolengeneration auf das neue Medium setzten musste. Die ersten Versuche wie beispielsweise Commodores CDTV und Phillips CD-i scheiterten aufgrund schlechter Spiele und schwammig zu bedienender Controller.

Wing Commander Quelle: Origin / Medienagentur plassma Wing Commander Mehr Hoffnung schürte die Firma 3DO, deren gleichnamige Konsole vom ehemaligen Electronic-Arts-Gründer Trip Hawkins erdacht wurde und 1993 in verschiedenen Ausführungen auf den Markt kam. Leider war das Gerät viel zu teuer. Und auch, wenn die Spiele besser waren als jene für CDTV oder CD-I, so konnten sie ebenso wenig mit den Klassikern für Super Nintendo oder Mega Drive mithalten.

Der wahre Durchbruch der CD erfolgte erst dank Sony: Der japanische Konzern wollte ursprünglich gemeinsam mit Nintendo ein neues Gerät auf den Markt bringen, bis die Kooperation in einem Streit endete. Daraufhin konzipierte man in Eigenregie die erste Playstation und setzte bereits zum Release mit der Arcade-Umsetzung von Ridge Racer (1994) ein monströses Ausrufezeichen.

Ähnlich wie vier Jahre zuvor mit F-Zero hatte man ein derart grafisch hochwertiges 3D-Autorennen noch nie zuvor gesehen, jedenfalls nicht im heimischen Wohnzimmer.

Der Witz dabei: Das blanke Spiel hätte vermutlich auch auf ein 24-MBit-Modul gepasst, weil die Programm- sowie Grafikdaten etwas über drei Megabyte beanspruchen. Namco füllte die CD stattdessen mit kernigen Techno/Synthi-Tracks, womit eine weitere Technikbarriere durchbrochen wurde: Musik war nicht mehr zwingend von der Leistung eines Soundchips abhängig.

Dank CD-ROM konnte sie extern mit hochwertigen Synthesizern oder realen Instrumenten aufgezeichnet und verlustfrei ins Spiel implementiert werden.

Nur in einer Hinsicht hatte die Playstation gegenüber den alten Konsolen das Nachsehen: Mangels Modultechnologie konnte man keine Batterie zum Speichern eines Spielstands beifügen. Stattdessen waren die Spieler auf eine externe Memory Card angewiesen, die sie dafür aber bequem überallhin mitnehmen oder einem Freund ausleihen ließ.

The 7th Guest Quelle: Trilobyte Games / Medienagentur plassma The 7th Guest Allgemein machte Sony aus dem Stand heraus vieles richtig, weshalb der Hersteller rasch zum neuen Marktführer reifte. Er stach Segas 32-Bit-Konsole Saturn mithilfe einer aggressiven Preispolitik aus, indem er seine eigene Konsole in den USA einfach für 100 US-Dollar weniger anbot.

Sony gewann auch den Kampf gegen Nintendo, weil der Konkurrent zu konservativ agierte und mit dem Nintendo 64 auf die veraltete Modultechnologie beharrte. Doch der letzte sowie entscheidende Siegeszug erfolgte 1997, als das Rollenspiel-Epos Final Fantasy 7 von Square exklusiv für die Playstation erschien - und ganz nebenbei ein ganzes Genre umkrempelte.

Big in Japan

In den 1980er-Jahren entwickelten sich zwei grundlegend verschiedene Rollenspielgattungen. Die eine entstand primär am Computer und stammte größtenteils von amerikanischen oder europäischen Entwicklerstudios - siehe Klassiker wie Ultima, Wizardry, The Bard's Tale, Dungeon Master oder Pool of Radiance.

Die andere hingegen blieb größtenteils Konsolen oder japanischen Rechnern vorbehalten und entstand entsprechend in Fernost - beispielsweise Dragon Quest, Final Fantasy, Ys oder Phantasy Star.

Obwohl die japanischen Rollenspiele allesamt auf den amerikanischen aufbauten, vermittelten sie ein eigenes Flair. Sie spielten sich einsteigerfreundlicher, die Charaktere waren putziger anzusehen und die Steuerung fiel deutlich weniger komplex aus.

Ein weiterer wesentlicher Punkt, der japanische RPGs von westlichen unterschied: Die Geschichten waren vielschichtiger und tiefgründiger, was man gut an Meisterwerken wie Phantasy Star 2 (1989), Final Fantasy 6 (1994) und Xenogears (1998) sehen konnte.

Das wiederum erschwerte die Lokalisation für den amerikanisch-europäischen Markt: Die japanische Sprache besteht aus Schriftzeichen, die um einiges kompakter sind als unsere ausformulierten Wörter. Deshalb benötigt eine akkurate Übersetzung mehr Speicherplatz - und der war im Zeitalter der Modultechnologie eben rar.

Viele japanische Firmen zierten sich deshalb, ihre JRPG-Highlights für den hiesigen Markt zu lokalisieren. Dies änderte sich erst mit dem Einzug der Playstation; unter anderem, weil das Problem mit der Speicherknappheit nicht mehr gegeben war.

Besonders deutlich wird dies beim Durchblättern des Spielekatalogs von Squaresoft: Während die Japaner zuvor nur knapp ein Drittel ihrer Super-Nintendo-Rollenspiele ins Englische übersetzt hatten, waren es auf der Playstation plötzlich über zwei Drittel.

Leider gab es noch einen weiteren Grund, warum uns bis in die 1990er-Jahre viele Japan-Rollenspiele verwehrt geblieben sind: Es hielt sich hartnäckig der Mythos, dass "wir" an Titeln dieser Art schlicht nicht interessiert seien. Deshalb ist nur ein Bruchteil aller US-Versionen auch in Europa erschienen - ein Umstand, der sich mit der Playstation leider nur geringfügig verbesserte.

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    • Kommentare (24)

      Zur Diskussion im Forum
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Zitat von G-Kar
        X-Com sage ich da mal nur. Ist halt nicht jeden Tag das ein Spiel (1994) ein Genre "begründet" und wo fast 30 Jahre später noch solche Aussagen wie "x-com like" kommen.

        Wenn ichs mir recht ueberlege dann ist X-Com Schuld an meinem Leben :D

        Ich habe meine Abi-Studierzeit damit verbracht X-Com zu zocken. Naja, Abi hab ich geschafft, nur nicht mit den Noten die manch ein anderer in der Klasse bekommen hat (und dan nach Harvard ist)l.

        Haette es X-Com nicht gegeben wuerden wir ein Stueck Spielegeschichte vermissen aber ich haette hoechstwahrscheinlich mehr Erfolg im Berufsleben gehabt :D :D
      • Von Vordack Spiele-Professor/in
        Zitat von G-Kar
        X-Com sage ich da mal nur. Ist halt nicht jeden Tag das ein Spiel (1994) ein Genre "begründet" und wo fast 30 Jahre später noch solche Aussagen wie "x-com like" kommen.

        Wenn ichs mir recht ueberlege dann ist X-Com Schuld an meinem Leben :D

        Ich habe meine Abi-Studierzeit damit verbracht X-Com zu zocken. Naja, Abi hab ich geschafft, nur nicht mit den Noten die manch ein anderer in der Klasse bekommen hat (und dan nach Harvard ist)l.

        Haette es X-Com nicht gegeben wuerden wir ein Stueck Spielegeschichte vermissen aber ich haette hoechstwahrscheinlich mehr Erfolg im Berufsleben gehabt :D :D
      • Von Beardsmear Anfänger/in
        Die Marktführerschaft von Sony bröckelt aber langsam wieder. Den japanischen Markt haben sie nach eigener Aussage durch Fokus auf die USA praktisch aufgegeben.
        In der Top 100 noch rund 20 Playstation Titel. Wohlgemerkt für die 4. Die PS5 ist nicht mal mit einer Handvoll Titel vertreten.
        [Ins Forum, um diesen Inhalt zu sehen]
        Die Exklusivität wird auch immer schwieriger zu halten. Die meisten großen Titel sind Multiplattformer und die größten Exklusivtitel, wie God of War, Horizon Dawn usw. finden ihren Weg auch auf den PC.
        Die Kopplung an die Hardware wird bei Konsolen langsam sinnfrei, wenn diese nicht auch exklusive Features bietet, wie das Nintendo stets versucht (erstes Gamepad, Steuerkreuz, Schultertasten, Analogstick, Controller-Vibration, Dual-Screen, Mobil/Dock) und zumindest die hauseigenen Nintendo-Titel mit dem Klempner sind schon ein Spaßgarant.
        Interessant wäre es wenn Sony und MS es auch wieder mit mobilen Geräten versuchen. Ich habe 3 Gaming PCs hier stehen und trotzdem geht die meiste Zeit auf das Steam Deck auf dem Sofa oder der Terasse drauf. Irgendwie entspannter und gibt diese Gemütlichkeit wie der alte Gameboy als Kind.
        Nachfolger zu PSP oder Vita wäre schon was, was denkt ihr?
      • Von G-Kar Hobby-Spieler/in
        Zitat von Roman_Reigns
        Strategiespiele wurden im Artikel glaube ich gar nicht oder kaum erwähnt, dabei waren gerade die Neunziger wegweisend für das Genre.
        X-Com sage ich da mal nur. Ist halt nicht jeden Tag das ein Spiel (1994) ein Genre "begründet" und wo fast 30 Jahre später noch solche Aussagen wie "x-com like" kommen.

        Oder auch Civilization (Civ 1 1991) und Master of Orion (1993), welches quasi den Ausdruck 4X Game erschaffen hat.

        Das sind so die drei (Strategie) Marken die mir für die 90'er ins Gedächtnis gebrannt sind.

        Und Ende der 90'er (1999 um genau zu sein) dann natürlich Homeworld (wobei jeder der es gespielt hat den enormen emotionalen Einfluss dieses Stückes hier bezeugen kann).

        Aber auch Simulationen. Mechwarrior 2 und MW2 Mercs, Schleichfahrt (immer noch die beste Unterwasser Action Simulation, da kamen die Aquanox Titel nie ran!), die "Jane's" Spiele, MS Flight Simulator.

        Die 90'er waren schon schöne Jahre, kann man nicht anders sagen.
      • Von Bast3l Hobby-Spieler/in
        Zitat von DarkSamus666

        Klar haben viele Spiele Einfluss, sind aber teils auch nur reine Evolution. Resident Evil ist ein Spiel, das zig Nachahmer hatte. Jetzt könnte man darüber streiten, ob Alone in the Dark vorher war und RE nur den Combat dazugefügt hat...
        Kann man nicht. 1. Alone in the Dark war vorher und 2. hat es Shinji Mikami hart inspiriert, wie er selbst nach seinem Weggang von Capcom erklärt hat.
      • Von Roman_Reigns Hobby-Spieler/in
        Zitat von DarkSamus666
        Im Bereich 3D-Action-Adventure so ziemlich. Es ist einfach so viel x-fach verwendet worden, was es tuvor halt schlicht nicht gab. Es ist nicht umsonst das bestbewertete Spiel überhaupt und Leute vom Fach schwärmen noch heute von den Innovationen.

        Klar haben viele Spiele Einfluss, sind aber teils auch nur reine Evolution. Resident Evil ist ein Spiel, das zig Nachahmer hatte. Jetzt könnte man darüber streiten, ob Alone in the Dark vorher war und RE nur den Combat dazugefügt hat...

        Da kann ich als Konsolero nicht mitreden, ändert aber nichts an meiner Kritik, die lautet, dass eines der wichtigsten Spiele der Videospielgeschichte keine Erwähnung findet.
        Ich spiele Multiplattform, also PC und außer XBox (für jemanden, der einen PC hat ist sie obsolet geworden) Playstation und Switch.
        Die Neunziger waren noch nicht das Jahrzehnt der 3D Action Adventures. OoT kam Ende 1998 und hatte auf die Entwicklung und die Spiele der Neunziger selbst kaum oder keinen weiteren Einfluss. Für spätere Sachen ja. Ich würde das erste Tomb Raider 1996 schon etwas mehr dazuzählen.
        Ich bleibe daher bei meiner Aussage, dass ich etwas schade finde, dass Strategie kaum Erwähnung findet, gerade weil die Neunziger voll davon waren.
        Aber trotzdem ein schöner Artikel, mit vielen Erinnerungen, die wieder aufgefrischt wurden.
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